Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 47 (26.11.1908)
- Date
- 1908-11-26
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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«Me SV. Nr. 47. Der JSraelit. 26. Noveniber istvb einer würdigen Jakobsgatttn. — Das ist -aS . Schachertum -er jüdischen Aeltermütter, dies -er Blumenstrauß, mit dem Reuben seine Mutter erfreut und jüdische Söhne ihre Mütter erfreuen Men. Israelitische fiövigrgeredicdte. V. Ahab fühlte wohl, daß er die Wahrheit hörte und -lieb die Antwort schuldig' Dann forderte Elijahu ihn auf, ganz Israel und alle Priester des Baal und der Astarte, die von Jsebel ernährt wurden, aus dem Karmel zu versammeln. Der König gehorchte. — Bor das versammelte Volk trat dort der Mann Gottes hin und ries ihnen zu: „Wie lange noch wollt ihr auf zwei Zweigen hocken? Wenn der Ewige Gott ist, gehet ihm nach, wenn der Baal, gehet ihm nach!" Niemand ans dem Volke wagte ein Wort zu erwidern. Daraus sprach der Prophet weiter zum Bolke: „Ich bin als einziger Prophet des Ewigen Ädrig geblieben. Aber die Propheten des Baal find vierhundertundsünfzig Mann. So gehe man Uns zwei Stiere, sie mögen fich den einen auswählen und ihn zerstückeln und aus das Holz legen, aber kein Feuer daraus legen. Und ich werde den anderen Stier zurichten und aus das Holz tun, aber kein Feuer daran legen." Den Baalpfäffen zugewandt fuhr er dann fort: „Jbr rufet an den Namen eurer Götter und ich werde den Namen des Ewigen anrufen. Und der Gott, der dann mit Feuer antwortet, sei Gott." Das Volk stimmte dem Vorschläge zu. Daraus forderte Elijahu die Baalpriester auf, ihren Stier zuerst herzurichten, da sie ja die Mehrzahl seien. . Sie mußten gehorchen. Bon Morgen bis Mittag riesen sie ihren Baal und hüpften um ihren Altar. Aber ohne Erfolg. Als es Mittag wurde, riet Elijahn ihnen spöttisch, recht laut zu rufen, vielleicht sei der Baal in Gedanken oder in Geschäften, oder auf Reisen, vielleicht schlafe er auch um» würde durch Geschrei erweckt. In ihrer Ratlosigkeit begannen die Pfaffen wirkttch laut zu schreienin wüster Raserei verwundeten sie sich mit Waffen, bis das Blut Herabstoß. So rasten sie bis in den Nachmittag hinein, bis zu der Zeit, da im Tempel zu Jerusalem die Mincha des Abendopfers gebracht wurde. Da rief Elijahu das Volk zu fich heran und richtete einen zerstörten Altar wieder her, der hier einst zum Dienste Gottes erbaut war, bevor noch seit Erbauung des Tempels in Jerusalem es verboten war, außerhalb der Gottesstadt zu opfern. Zwölf Steine nahm er hierzu, nach der Zahl der Stämme Israels. Dann zog er einen Graben um den Altar. Hieraus zerstückelte er seinen Farren und legte ihn auf das Holz und ließ dreimal Waffer auf das Opfer gießen, sodaß der Altar mit Waffer überspült und auch der Graben «füllt wurde. Nun war es gerade die Zeit str die Mincha, da trat der Prophet an den Altar und flehte: „Ewiger, Gott Abrahams, Uaaks und Israels! Heute werde kund, daß Du Gott bist in Israel, und daß ich Dein Diener bin, und daß ich aus Dein Geheiß all dieses getan habe. Erhöre mich, Ewiger, erhöre mich, damit dieses Volk erkenne, daß Du, Ewiger, Gott bist. Dann hast Du ihr Herz umgewandelt." Da fiel ein Feuer herab und verzehrte Opfer und Altar und selbst das Waffer im Graben. In tiefer Ergriffenheit fiel das Bolk nieder und rief: „Der Ewige, Er ist Gott! Der Ewige, Er ist Gott!" Nun forderte der Prophet das Bolk auf, die Baalpfaffen zu ergreifen. In helliger Entrüstung stürzte sich das Bolk auf die Männer, die es «wagt hatten, den Baal an Stelle Gottes zu setzen. Am Bache Kischon wurde das Bolksgertcht an den Verführern vollzogen. Daraus hieß der Prophet den Ahab, der bis dahin gefastet hatte, essen und trinken, denn die Hungersnot sei vorüber, schon höre man das Rauschen des Regens. Und Elijahu selbst stieg wieder hinauf auf den Gipfel des Karmel uno flehte inbrünstig um Regen. Sechsmal ließ er vergeblich seinen Diener westwärts «ach einer Wolke ausschauen ,- das siebente Mal erblickte her | Diener eine winzige Wolke. Da ließ der Prophet dem Könige sagen, er möge sofort anspannen lasten, damit die Heimfahrt nicht durch den Regen ausgehalten würde. Welches Gefühl mag Ahab bei dieser Freudenbotschaft bewegt haben? Regen, Regen, nach dreijähriger Dürre! Und schon ballen sich die glückbringenden Regenwolken zusammen, während der König feiner Sommerresidenz Jesresl zufuhr. Der Prophet lief dem Wagen voran — Welch seliges Gefühl mag jetzt Elijahu empfunden haben! War doch jetzt erreicht, wofür er so lange gelitten hatte. Mußten nicht Bolk und König unter dem Eindrücke der gewaltigen Ereignisse aus dem Karmel mit ganzem terzen sich wieder dem Gottesgesetze zuwenden? lar doch bewiesen, daß nichtig und eitel die Götzen, daß wirklich nur der Gott Israels ist! Hatte doch bereits das Bolk gezeigt, daß es fürder nicht gesonnen sei, von Götzenprieflern sich dem wahren Gotte abtrünnig machen zu lassen. Hatte doch auch Ahab dem erschütternden Schauspiele beigewohnt und durch sein Schweigen deutlich gezeigt, daß er mit seinem Volke sich von dem Götzen lossagen wollte. Vielleicht konnte jetzt wieder ungeschehen gemacht werden, was seit den Tagen Jerobeams gesündigt war. So mochte der Prophet, so mochten die Getreuen in Israel gehofft haben. — Doch die Hoffnung täuschte, mußte täuschen. Wohl war das Volk für den Augenblick dem Gottesgefetze zurückgewonnen, wohl hatte auch Ahab gesehen, daß Hilfe nur beim Ewigen ist, aber noch war da das schreckliche fidonische Weib, die Unglücksbringerin über Israel. Ahab hatte die Ereignisse auf dem Karmel der Jsebel erzählt, vielleicht hoffte er, auch auf seine Gattin würden sie ihren Eindruck nicht verfehlen. Doch für die Sidonierin gab es nur ein Gefühl: Rache für die Vernichtung ihrer Götzenpriester. Und sie wagte es, nach allem, was vorgesallen, dem Manne Gottes mit dem Tode zu drohen. Und Elijahu mußte fliehen. Das Bolk und der König, die eben Zeugen gewesen waren des Wunders aus dem Karmel, sie rührten sich nicht, um den Verkünder des Gotteswortes zu schützen. Der Schwächling Ahab ist ein feiger Sklave der frechen Verächterin Gottes und Ephraim ist seines Königs würdig. Für einen Augenblick konnten sie sich zur Anerkennung der göttlichen Macht emporraffen, aber dem frechen Gebot der ftemden Heidin, hinter der vielleicht Phöniziens Macht stehen könnte, zu widerstehen, dazu fehlte ihm schon die sittliche Kraft. Zu verheerend hatte bereits der Fluch von Jerobeams Untaten gewirkt. basieren. Nichts berührt uns unangenehmer, als wenn jemand sich aus die Mißachtung des Neligionsgesetzes etwas zu Gute tut. Wir kennen wohl den Satz: Es rühme sich der Kluge nicht seiner Klugheit, der Reiche sich seines Reichtums nicht und der Starke nicht seiner Kraft, sondern Recht sich zu rühmen hätte höchstens der Gottesfürchtige. In den Kreisen aber, deren ganze Bildung in allen Aeußerlichkeiten des Anzuges und des Genuffeslebens besteht, ist es umgekehrt. Jede bewußte und auch unbewußte zur Schau getragene Ueberhebung über das Thoragesetz^ verletzt den religiös Empfindenden tief. Das Religionsgesetz selbst kennt ja einen Unterschied zwischen öffentlicher und nichtöffentlicher Uebertretung seiner Satzungen. Nicht etwa darum, weil es Heuchler erziehen möchte, sondern weil jede öffentliche Entweihung der Religion Nachahmung bewirkt und für den Abfall wirbt. Zu diesen religiösen Satzungen, deren Ueberttetung „öffentliches Aergernis" erregen müßte, deren Verletzung die Person öffentlich im Gegensatz zur Torah und zum jüdischen Leben erscheinen läßt, gehört das Verbot des Rasierens. Fünf Stellen des Bartes dürfen nicht mit dem Scheermeffer rasiert werden und da wir die fünf Grellen nicht kennen, dürfen wir den Bart mit dem Rasiermesser überhaupt nicht entfernen. Wer das Verbot Übertritt, macht sich daher eines fü n fsja ch'e n Verstoßes gegen das Th oft a-. g ese tz „die Ecke Deines Bartes sollst Du nicht vernichten" schuldig. (3. B. M. 19, 27, u. 21,6) (Makkoch 20» und Sch. Or. Jor. Deah 185). Mit der Scheere oder mit Pulver den Bart avzunehmen ist erlaubt. Auch hierin bieten die Erfindungen der Neuzeit so leichte und mannigfache Gelegenheit der Torah zu genügen und doch den Anforderungen der TagesäHetik zu entsprechen, daß für eine Verletzung dieses Verbotes ein Vorwand heute nicht mehr besteht. Was soll man aber von Rabbinern und Lehrern sagen, die die Vertreter des religiöse Lebens sein wollen und ja auch eigentlich sein sollten, wenn sie mit einem glattrasierten Gesicht die Kanzel besteigen, oder an das Borbeterpult treten — und was das allerschlimmste ist, sich vor die Kinder hinstellen, wie wollen sie da religiöse Begeisterung erwecken?! Mit ihrer Erscheinung sprechen sie ja Hohn der Torah! 5kinder handeln aber nicht nach Worten, Kinder sehen uns die Taten! Mgesavttt. Die Ausführungen in dem Artikel beS letzten BolWfreundes: „Die Geologie und die ersten Blätter der GenestS" find wirklich ausgezeichnet. Durch fie fällt nebm der Schwierigkeit betreff dkS die der Autor hervorhebt, auch noch die weg, die entsteht durch daS NWQDN pa narc ans?a itnai ferner durch die Njmbs: p^rn *na> '"wna oder tnaspna ÖWfi ferner durchs die mehrfachen Angaben von '"EH: oTip rrbvü b& prn tii)p ^aa "rr* ff-iKnv pr JJÖ "HÖJl KBW und gar: (B,8) tfT)D DJtJ 1 FPTttfPa endlich durch unsere Zeitrechnung 5668 und viele andere. DaS alles empfiehlt diese Erklärung gegenüber der selbst von Dvz. Dr. Wohlgemuth in den WaSmann-Artikeln angenommenen. — Aber eine sehr große Schwierigkeit bleibt immer noch bestehen. Me stellt fich der Autor deS Artikels zu den von der Aeghptologie und Affhriologte aufgestellten Behauptungen, daß die hteroglyph. und keilschriftl. Königs listen btS weit hinter 3761 d. d. gew. Zeitrechnung, d. h. bis weit hinter die Schöpfung (nach unserer Anficht) reichen? Eugen Lieben, Prag. Der Name „Königsltste-i" möge die Antwort selbst erteilen. Wir erhalten nämlich auS diesen Inschriften keine Geschichte, sondern nur Namen mttgeteilt — und derhängniSvollerweife — steht an der Spitze immer — eine Gottheit. Damit ist der Zweck dieser KvntgStisten erklärt und ihre Wahrhaftigkeit ins rechte Licht gerückt. Sie find erfunden, die Namen einfach erdacht, um den Nimbus eines Königs durch eine lange Ahnenreihe zu erhöhen und seine Äbstammuna auf eine Gottheit zurückzuführen. DaS Ganze eine Lüge, die die Wahrheit der Torah nickt im geringsten zu erschüttern vermag. Mit Bezug auf die in Nr. 1V deS BolkSfreunbeS unter „Exegetische Miszellen" gebrachte Erklärung Ser anscheinend eigentümlichen Fragen der 'X21LL, die fich im Wesentlichen mit der Erklärung Raschr's f. oas. EhultN 139 b) deckt, möchte ich mir erlauben aus die finnige Erklärung deS S"&1Ü10 hlnzuweisen, wonach die Fragen ernst und nicht witzig, wie der geehrte Herr Erklärer fie ausfaßt, gemeint seien. Die 'KSIBB scheinen keine Gelehrten zu sein, da sie daS yfaD Q’ö falsch verstehen; fie find aber ttotzdem wißbegierig. Are Fragen lauten demnach also: pja miA“T p JTOÖ u. s. io., d. h.: Wo finden wir in der Thora eine Erklärung zu ihrer Namensnennung, da wir gerade merkwürdigerweise finden, daß dieselben noch andere Namm hatten. So wird auch rraiö und ‘imax ,pivv-pn nnDK-nDTi und rrnna-’aTlÖ genannt, atso warum find fie noch mit diesen Namen genannt worden? WaS bedeuten diefeldm? Haben doch alle biblischen Namen ihre Bedeutung, so Dma# , pHST u. s. w. Seine Antwort lautete: Er wurde genannt, weil er das jüdische Bolk vor dem Wasser rettete. Ec weist in tiefsinniger Weise auf dm Satz -TCDJtta DÄD hin. Die Nil 'Vitt waren der Wafferstrafe verfallen, weit fie an die nfiJHWT nicht glaubten, wogegen ntPtt dieder ganzen Wett zeigte, indem er das jüdische Bolk vom Wasser rettete, |ön wird so genannt wegen seiner Verleumdung und er weist auf dm Satz »pn pn hin. Die Schlange hatte daS Gebot Gottes verleumdet, ^vtt wird so gmannt, weil die Juden zur vamaligen Zeit daS '»AZA nicht beachteten und verehrten das ausgestellte Köntgstnw (Megil. 12a). Der Satz N'NVtt 1NY.1 '22tt! oefagt, üas.'IItt war thnm verborgen. Lchiüßttch wird '27112 so gmannt, weit er mit dem wohlriechendm Gewürz 'TPfl in Targumübersetzung #*0*1 zu vergleichen ist. AuS den Gewürzen wurde das fHIßp gemacht, die manchmal daS jüdische Bolk vom Unglück rettete, so wurden zur Zeit EstherS die Juden 11150 und die Männer der rbtTH flDO die Qfcp treu geblieben, gerettet. ' / L. B rt l ltng, Äehrer, B«cklenstedt.