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Der Israelit · 1908-11-26 · Heft 47 (26.11.1908) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 47 (26.11.1908)
Date
1908-11-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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I Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum learWet oob Or. Leknano in IHainz 49. Jahrgang; sssi Sranhfurffl.m., Sen 26.nooember 1908. 2. Kislem 3669. M 47. Der JSraeltt erscheint jedm Donnerstar «bon»«nentSr Gewöhnlich« Ausgabe Mk. ILO vierteljährlich. HestauSgabe auf Sunstdruckpavier Ml. 3.— vierteljährlich. (Auslandspreise für die gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kr* RuAand 1 Ruo* Englands sh* Amerika 60 cts* Niederlande 1.20 fl.) Abonnements bei allen Postaustalten. Buchhandlungen.sowie direkt bei der Expedition, HestauSgabe nur direkt.. Inserater 80 Pfennig für die sech-gespaltene Eolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch iuHaasenstei« «. Vogler A.-G. Conto bet der A. fl. Postsparkaffe Wien Sko. 79605. ' Frankfurt a. M. und deren Filialen. Conto bet der ffttflaer Coumre^bank in Riga Conto bet de« fl. Postfparkaffenmat Budapest »o. 184»4. ___und deren Filialm in DwinSk, Liban, Bialhstok. Reval und Lodz Der llsälMch Ser flrfihcl und Correfponden?en des „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es Rdt um größere nuffäfte ■ handelt, nur nadi vorheriger Genehmigung geftattet. Die „JUliaite Uk-iltte" und das überliefern Judentum. Die „Alliance Jsraelite Universelle" hat, wie bereits früher berichtet, eine Jnspektionskommission, aus den Herren Israel Lvv i und und M. S. Benedict aus Paris und Rabbiner Dr. Porg es-Leipzig bestehend, ausgesandt, welche ihr ganzes Schulwesen im Orient, Aegypten, Palästina, Syrien, Türkei nnd Bulgarien, prüfen und über das Ergebnis der Prüfung an das Comite central Bericht erstatten soll. Die „Alliance" veröffentlicht ohnedies über ihr Schulwesen Berichte in periodisch erscheinen Bulletins : R6vue des 6coIes de TAliiance Isradlite, die gewöhnlich drei Semester umfassen und über alle das Schulwesen berühende Fragen Auskunft erteilen sollen. Wenn deffenungeachtet jetzt eine außerordentliche Prüfungskommission zur Untersuchung dieser Angelegenheiten ausgesandt wurde, so wird man mit Befriedigung in diesem Ereignis einen Sieg der öffentlichen Meinung erblicken dürfen, die schon lange jene offizielle Rechnungslegung als nicht ausreichend ansah,«m die nicht vereinzelt geäußerten Ausstellungen an Betrieb, Leitung und Ergebnissen jenes Schulwerkes zum Schweigen zu bringen und zu entkräften. Es hat lange gedauert, bis dieser Erfolg erzielt wurden feit Jahrzehnten haben ernsthafte Männern, die mit ihren Sympathien in der Alliance stehen, an zuständiger Stelle ihre Bedenken zum Ausdruck gebracht und — irren wir nicht — so war es im Jahre 1 00, wo in einer zwanglosen Komiteesitzung aller in Palästina engagierten Körperschaften in Frankfurt a. M. der verstorbene W. Bambus und andere Herren dem ebenfalls anwesenden Inspektor des ecoles de 1'Alliance Israelite, Herrn Benedict, vermutlich derselbe, der jetzt der Prüfungskommiffion angehört, mit einer nicht mißzuverstehenden Deutlichkeit an der Hand ihres Aktenmaterials eine Schilderung der vielen, verhängnisvollen Schäden, an denen namentlich in religiöser Beziehung das Schulwesen der Alliance leidet, übermittelten. Allein gut Ding will Weise haben- und so soll denn in diesem Augenblicke die Kritik über die der Vergangenheit angehörenden Unterlassungssünden schweigen und sich nur an das jetzt Gebotene halten, um zu prüfen, ob. der jetzt beschrittene Weg auch wirklich eine Abkehr von dem bisberigen, unzureichen den System rnd entschlossene Abstellung der bisher Um cs kurz zu sagen : diese Hoffnung ist durch ein fast unbegreistiches Verhalten des Zentralkomites der „Alliance" in gesetzestreuen Kreisen auf ein Minimum gesunken, und die Aussendung der Kommission kann diesen Kreisen nicht nur nicht als eine Konzession an ihre berechtigten, solange vergebens vorgetragenen Wünsche und Forderungen, . sondern muß ihnen geradezu in einem Lichte erscheinen, als wäre damit beabsichtigt, zu den vielen bisherigen Nackenschlägen ihnen einen neuen zu verabfolgen. Es ist wirklich schwer eine andere Vorstellung zu gewinnen, wenn man sich folgenden Sachverhalt vergegenwärtigt. Als die Absicht des Zentralkomitees, eine Prüfungskommission zu entsenden, greifbare Gestalt angenommen hatte, wandte sich unter Führung der Rabbiner Dr. Auerbach- Halberftadt und Dr. DL H i l d e s h e i m e r -Berlin eine Gruppe von 76 Herren, deren Namen wir weiter unten folgen lassen, mit folgender Eingabe an das Zentralkomitee: An ..das Zentral-Eomite der; Alliance Israelite Universelle Paris. Die Unterzeichneten Mitglieder und Förderer der Alliance Jsraölite Universelle gestatten sich dem Zentrcrl- Eomits Folgendes vorzntragen. Wie im Bereinsorgane bekannt gegeben wurde, beabsichtigt das Zentral-Connto Ende Oktober d. I. eine Kommission von Vertrauensmännern nach dem Orient zu entsenden, der die Aufgabe gestellt ist, die Schulen der Alliance Jsraelite Universelle einer Inspektion zu unterwerfen. Tie Berichte der Kommission sotten, wenn wir ihre Bedeutung richtig verstehen, dem Zentral-Eomtte Material liefern, um einerseits die gegen Lehrplan, Unterrichtsmethoden oder Lehrerpersonal der Alliance Jsraelite von Zeit zu Zeit yervorgetretene Kritik auf ihre Berechtigung zu prüfen, anderseits aber auch etwaige Aenderungen, wie^ sie die veränderten Zeitverhältnisse erfordern, ins Auge zu fassen und vorzuberetten. Die Unterzeichneten, die der Alliance Jsraslite Universelle seit Jahren teils als Mitglieder oder Förderer angehören, teils als Berater ihrer Gemeinden häufig Anlaß finden, für deren Interessen einzutreten, sprechen nun die Bitte aus, es möchte der Inspektions- Kommission ein Vertrauensmann der gesetzestreuen Juden Deutschlands beigegeben und diesem Vertrauensmann die Vollmacht erteilt werden, sich über den in den Alliance-Schulen herrschenden religiösen Geist frei und unabhängig zu unterrichten. Zur Begründung erlauben wir uns noch folgendes hinzuzufügen: Das Zentral-Comitä der A. I. U. hat wiederholt versichert, daß es sein ernstes Bestreben sei, die Generationen, die in den Alliance-Schulen heränwachfen, zu treuen, pflichtbewußten Bekennen» des überlieferten Judentums zu erziehen und auf diese Wesse die vrientMchen Gemeinden aus ein höheres Kulturniveau zu heben, ohne daß ihre Religiosität und ihr jüdisches Selbstbewußtsein dadurch beeinträchtigt werde. Nichtsdestoweniger besteht gerade in den Kreise» unserer religiösen Gesinnungsgenossen, insbesondere innerhalb der deutschen Gesetzestreuen, darüber hinaus jedoch auch in weiten konservativ gesinnten Kreisen, ein lebhaftes Mißtrauen gegen religiöse Haltung und Wirksamkeit vieler Lehrer, sowie die religiösen Erziehungsresultate des Schulwertes, ein Mißtrauen, das keineswegs Vorurteilen oder bösem Willen, sondern pem aufrichtigsten jüdisch-religiösen Empfinden entspringt. Denn die A. I. U. wie bisher auch künftighin sich mit Stolz als die bedeutendste und umfassendste Repräsentanz des ans dem Erdenrunde zerstreuten jüdischen Volkes betrachten will, so darf und wird sie über die Bedenken zahlreicher warmfühlender jüdischer Männer, hinter denen ja gerade in religiöser Hinsicht die ungeheure Mehrheit der jüdischen Gemeinschaft steht, nicht mit Gleichgültigkeit hinweggehen. Sind ihre Bedenken unbegründet, so müssen sie durch Tassachen widerlegt werden. Wohnt ihnen aber ein berechtigter Kern rnne, warum sollten wir uns sträuben, in friedlicher Arbeit die bessernde Hand anzulegen und ohne revolutionären Umsturz des Bestehenden, allmählich wenn es nottut, dem Erziehungswerk nach dieser oder jener Richtung einen anderen Kurs zu geben? Was wir für ^stute wünschen, ist lediglich die Ergänzung der Prüfungskommission durch einen unserer religiösen Richtung angehörigen Vertrauensmann aus Deusschland, über dessen Person wir uns unschwer verstänoigen würden. Die Erfüllung dieses Ersuchens würde nicht nur eine berechtigte Rücksicht auf die zahlreichen gesetzestreuen Mitglieder der Alliance in Deutschland darstellen,- die sich mit d§r geplanten Zusammensetzung der Kommission nicht zufrieden geben können, sondern sie wäre auch geeignet, ihr neue Sympathien bei allen vorurteilslos denkenden Glaubensgenossen zu gewinnen. Wir sehen einem recht baldigen Bescheid gern entgegen. . Eine dem Sinne nach ähnliche Eingabe richteten die h o l l ä n d i s ch e n Oberrabbiner an das Zentral-Eomite. Die Eingabe lautet: Unterzeichneten, Ober-Rabbiner in Holland und resp. Ehren-Borsitzende, zum Teil auch Vorsitzende der holländischen Alliance-Comitee's, beehren sich hiermit folgendes zur Kenntnis des Central - Comitee's zu bringen. Mit großer Befriedigung ersahen sie aus einer Bekanntmachung im Bereinsorgane, dap das C. C. sie Absicht hat, in Bälde eine Kommission von Vertrauensmännern nach dem Orient zu delegieren, um die dortigen Alliance-Schulett einer Inspektion zu unterwerfen. mit dem ebenso würdigen wie bedeutenden Zwecke, nicht allein erwünschte organssatorssche Verbesserungen vorzubereiten, sondern auch dir für den inneren Halt und das segensreiche Weitergedeihen der Alliance so überaus wichtige Frage über die Berechtigung der seit Jahren gegen Lehrplan, Methode oder Lehrerpersonal sich äußernde Krtitk ins Auge zu fassen. Eine genügende Berücksichtigung dieser Kritik, entweder, um dieselbe durch Tassachen zu entkräften, ode^

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