Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 46 (19.11.1908)
- Date
- 1908-11-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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i i Joseph ibn Migas war seit seiner engen Beziehung zu dem ersten Minister des Königs außerordentlich stolz geworden. Im Gegensatz zu der übergroßen Bescheidenheit Samuels zeigte der sonst einfache Mann Plötzlich ein hoffährttges Wesen. Befördert wurde diese Art dadurch, daß man von allen Seiten nun ihn umschmeichelte und seinen Einfluß auf seinen zukünftigen Schwiegersohn für sich gewinnen wollte. Samuel war aus reiflich erwogenen Gründen nie dafür zu haben, daß seine Glaubensgenöflen außer ihm Staatsämter verwalteten. Er kannte den Haß sowohl der Araber wie der Berber, der stets in ihrem Inneren gegen die Juden glühte und er wollte zur Erhöhung dieses Gefühls nichts beitragen, er nutzte dafür seinen Glaubensgenöflen in anderer Weise desto mehr. Nun suchte man sich an Ibn Migas heranzudrängen, denn man glaubte, daß durch seinen Einfluß auf Samuel setzt endlich die für die Juden günstige ZFt zum Aufrücken in die gutbesoldeten und ehrbringenden Armier gekommen - sei. „Nun Joseph," sagte der König, „bist du zufrieden? „O König," erwiderte ibn Migas, „ich werde erst zufrieden fein, wenn die Aemter uno Würden, deren freie Uebertragung du dem Wesir überglasten hast, mehr wie jetzt aus den Händen der heuchlerischen Araber in die Hände meiner geschickten und fleißigen Glaubensgenoffen übergegangen sein werden. Die Emire des Heeres und der Länder, der Kadi, (Richter,) derKatib, (Sekretär,) der Hadschib (Kämmerer) und der Shahib esch-schorta, sie alle müssen aus Juden bestehen. Der König, der innerlich weder ein Feind noch ein Freund der Juden war, der sich bei der Anstellung Samuels nur von Zweckmäßigkeitsgründen leiten ließ, fühlte sich bei der Kundgabe solcher Wünsche und Absichten auf das unangenehmste berührt, das einzige Mittel, durch das er die stets gegen ihn verbitterten Araber im Zaun hielt, war das geschickte Vorgehen Samuels, der ihnen zwar die Aemter überließ, aber es trotzdem so einzurichten wußte, .daß alle Macht in-seiner dem Könige allezeit willfährigen Hand sich vereinigte. Chabbus bereute aufs tiefste, die Verbindung Samuels mit der Tochter ibn Migas herbeigeführt zu haben. Die Zornesader schwoll ihm wie stets in solchen Fällen und nur angesichts der vielen Gäste und der fremden Fürstlichkeiten beherrschte er sich. Mit Mühe brach er die Worte hervor: „Genügt: es dir nicht, daß ich Samuel den Diwan des Heeres, den Diwan der Steuern und Abgaben, den Diwan der Verwaltung der Wakfe (frommen Stiftungen und Pachten) und endlich den Diwan des Siegels, Kontrolle des Staatsschatzes überlassen habe? Soll ich auch noch den Juden alle anderen Aemter geben?" Der König erhob sich von seinem Thronsessel und wandte ibn Migas den Rücken: Zu spät merkte dieser, daß er, der den König für einen unwandelbaren Freund der Juden gehalten, einen ^großen Fehler gemacht habe. Doch beruhigte er sich sehr bald. Samuel war öffentlich mit seiner Tochter verlobt, in wenigen Wochen schon sollte die Hochzeit stattfinden. Dann würde sich schon Gelegenheit bieten, den König wieder zu versöhnen. Vierzehnves Kapitel. Als Rabbi Nissim mit Weib und Kind in Begleitung von Fatime in der Haupt- und Residenzstadt des Königs Chabbus wohlbehalten angelangt war, suchte er zunächst eine jüdische Herberge auf, um sich und seinen Begleitern eine kurze Erholung zu gönnen, sowie um sich über Samuel und seine Stellung genau zu unterrichten. Zu damaliger Zeit stiegen auch Christen mit besonderer Vorliebe in jüdischen Herbergen ab, denn den Christen war von den Mohammedanern das Halten von Herbergen aus rituellen Gründen untersagt, und in mohammedanische Gasthäuser wiederum begab sich kein Christ, der den Moslem tötlich haßte. So kam es denn, daß unsere Reisenden hier zum ersten Male mit einer Anzahl Christen aus aller Herren Länder zusammentrafen. Rabbi Nissim suchte sich mit Eifer über ihre Lehren und Sitten zu unterrichten. Auch in Granada ansäßige Christen kamen, um sich mit iljren Glaubensgenossen zu unterhalten, doch wurden sie von den Leuten des Hisbet (Polizei) streng überwacht. Bei einem gemeinsamen Gespräche zwischen Rabbi Nissim und den Christen, das gleich am ersten Abend der Ankunft des Rabbis geführt wurde, brachte dieser alsbald die Rede auf den Vezier. „Wir können Gott nicht genug danken," sagten die Christen, „daß ein Jude diesen Posten innehat. Wie viele von den schändlichen Gesetzen wider uns hat er schon beseittgt. Ein Christ, der den Koran verspottete, eine Moslemin heiratete oder einen Moslem von feinem Glauben abbrachte, wurde mit dem Tode bestraft, seit Sanmels weiser Negierung erhält er für dies(Vergehen nur eine geringe Geldstrafe. Auch das uns so sehr schändende Gesetz, daß wir besondere Kleider tragen mußten, hat Samuel beseittgt. Nur daß der Schall unserer Glocken nicht in der Stadt gehört werden darf, daß wir nicht öffenttich Wein trinten und Schweinefleisch essen, noch unsere Kreuze zeigen dürfen, diese traurigen Gesetze konnte Samuel leider noch nicht abschassen, denn die Moslemin bestehen zu sehr auf deren Handhabung. Aber wir zweifeln nicht, daß auch dies ihm noch gelingen wird, und wir sind von der größten Dankbarkeit für ihn erfüllt, gleich morgen haben wir schon eine Gelegenheit ihm unsere Dankbarkeit zu erweisen." „Wie meint Ihr das?" sprach Rabbi Nissim. „Nun morgen bei der Verlobung des Veziers mit der schönen Chabiba wird die christliche Reiterei, die Almogarawen in ihren stählernen Helmen und Brustschildern zu Ehren Samuels ein Kriegsspiel veranstalten. Hei, wird das schön, wenn die über und über mit Stahl bedeckten Mannen ihre Lanzen in der Sonne blinken lassen." Fattma, die das Gespräch mit anhörte, stürzte mit gellendem Schrei zu Boden. Das war zu viel für das arme Mädchen. Nun, wo sie sich am Ende ihrer langen Leidenszeit glaubte, dieser Schlag. Vergebens bemühten sich Rabbi Nissim und feine Gattin um die Ohnmächtige. Sie kam nicht wieder zu Bewußtsein und man brachte sie rasch zu Bette. Fünfzehntes Kapitel. Während in der al-Hambrah das Fest seinen ungestörten Fortgang nahm und die Heiterkeit der Gäste eine immer größere wurde, lag Fattme, sich in schweren Fiebern schüttelnd, in der Herberge. Ein jüdischer Arzt war herbeigerufen worden und saß kopfschüttelnd zu Häupten der Kranken. Die Frau des Rabbi ging ab und zu und brachte erfrischende Getränke, während dieser selbst in der Ecke des Gemaches süß und brütete. Er dachte darüber nach, ob er Samuel sofort aufsuchen, oder ob er warten solle, bis er über die Krankheit sicheres wußte. Er konnte zu keinem Entschlüsse kommen. Endlich erinnerte er sich des Wortes unserer Weisen: „Wenn deine Frau klein ist, so beuge Dich zu ihr hinab" und er beschloß die Entscheidung seiner Frau anheim zu geben. „Gewiß", meinte die Gattin des Rabbi, „hast du die Pflicht sofort hinaus zu gehen und Samuel von allem zu unterrichten. Wer weiß, ob nicht dein seitheriges Zögern schon Unheil angerichtet." (Fortsetzung folgt.) Für den Inseratenteil ist die Reeaition nicht verantwortlich; insbesondere ist es aissGhliessdehSache der Leser, die ln Inseratenteil enthaltenen Empfehlnngen rttneller Waren oder soastigoAngabeo reUglonsgesetzllehen Charakters anflhre Zuverlässigkeit za prüfen. QecoooooofB—ecce KasterMlver, schwach und stark, -8 Pfennige, per Earton im Inland. (8605 Id». Falke, Gelnhausen. W ochenbett -Pflegeri» empfiehlt sich für beffere Häuser. Off. erb. «nt. LI. 'M. 13004 an £aafenfttin Sr Bögler, A.-G., Frankfurt a.M. (li 370 Bonne Brise LäUSSntlC Sulsse POniionnaf de jeunas fflies Waes. Baliteer A Maler Etablissement entierement remis ä neuf Instruction & edncation trös soignees — Etüde da frantzais et des langaes modernes. R&erences k disposition. [11268 ftüOesfteimerfiffDCD A li 1711 llllSeskielinei'- sfrasse s IvlüuDAilfiii, Strasse S — Israelitisches Tochter* Pensionat — Uaflrfindat 1874. Geschwister Sobernhelm, Erste Referenzen. Gründliche wissenschaftliche und häusliche Ausbildung. 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