Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 45 (12.11.1908)
- Date
- 1908-11-12
- Page
- – (sequence 26)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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.46. lg. Novetttver 1908 Der JSraelit. . ' «eite 14 tet auf einem Taburet eine Papierrolle, in der der Bezier eine hebräische Dichtung niederschrieb. Als der.Fürst im Gemache erschien, erhob sich -er Minister und verneigte sich mit dem Antlitz dreimal zur Erde. „Was schreibst Du?" fragte der Fürst. „Es ist eine Dichtung, o Herr, eine Betrachtung der menschlichen Lebensalter in poetischer Form."' »Uebersetze es mir," befahl der König. Samuel begann: Im ersten, zweiten Jahre regt, das Kind sich nach der Art der Schlangen,- Ein Böcklein unter Böcken hüpft es, Sobald es an die zehn gegangen. Der Jüngling sucht zu zwanzig Jahren, Wahllos die Lieb und Gunst der Frau'n, Erst dreißig glaubt die Welt zu stürmen, Der trotzige Mann, stolz anzuschau'n. Mit Vierzig geht es dann gemächlich, Schon Alte sagen zu ihm: Du, Ein graues Haupt zu Fünfzig mahnet, Daß fleucht die Jugend ach im Nu. Zu sechzig allerhaud Gebrechen, Ach ja, die Zeit sie schonet nicht, Und rasch hinab gehts zu den siebzig, Gekrümmt das Bein vor Gram und Gicht. Es friert den Achtziger gewaltig, Selbst bei dem wärmsten Sonnenschein, Jst's Freitag oder Sabbat heute? Neunzig sagt nicht ja, nicht nein. Wer kann sich rühmen, ein Jahrhundert, Daß er gelebt auf dieser Welt? O schaut ihn schnell noch einmal, Freunde, CH er dem Wurm zur Beute fällt. So lasit uns denn die Seele pflegen, So lang im Körper sie sich hält, Und sie zu neuem Leben führen, In eine schönre, bessere Welt. Herrlich, wunderbar, sagte der König, aber wie kommt es, daß ein Mann wie du, sich der Poesie widmen kann,, ein Mann, den die Arbeit und die Sorgen um die Geschäfte des Staates fast erdrücken. Ich glaube, deine Gefühle sind nicht echt. „Zwischen meinem inneren Menschen, o Herr, und meiner Stellung im Leben, erwieoerte Samuel, gähnt kein Abgrund. Wir Juden pflegen bei allem Sinne für die Wirklichkeiten dieser Erde doch niemals die Pflege der Seele außer Acht zu lasten und lieber würde ich auf meine Stellung, meine Ehren und Reichtümer verzichten als an meiner Seele Schaden nehmen. Meine Seele ist mein unverlierbares Eigentum, deine Gunst kann schwinden, mein Besitz kann geraubt werden, ja mein Leben kann mir genommen werden, meine Seele geht ein in jene Gefilde, in denen es kein Vergehen und kein Hinwelken giebt und was ich für sie tue, das ist und gehört mir, deshalb ist es ebenso die größte Sorge, wie die größte Freude meines Daseins, meine Seele zu erquicken, meine Seele zu erfreuen, sie zu vervollkommnen und sie zu heilen. Habe ich die ganze Wett gewonnen und Schaden an meiner Seele erlitten, was habe ich dann erreicht?" „Du bist ein herrlicher Mann," sagte Chabbus, „aber sage mir, warum wirfst du nicht alles von dir und widmest dich ausschließlich der Pfleae deiner Seele?" „Ich pflege ebenso sehr meine Seele, wenn ich im stillen Gemach über die höchsten Fragen nachdenke, wie wenn ich durch weise Führung deiner Geschäfte den Fortschritt des Menschengeschlechtes im allgemeinen befördere." „Wie ich höre, bringst du doch auch noch andere Dinge als Dichtungen auf das Pergament, talmudische Abhandlungen, grammatische Entwürfe und noch viel anderes, wozu tust du dies?" „Pergament ist dauernder als Erz, sprach Samuel, und da unser Leben so kurz, so müssen wir unseren Enkeln schriftlich erzählen, was mündlich ihnen zu sagen, uns nicht vergönnt ist, auf daß sie aus unseren Erfahrungen lernen und es bester machen wie wir." Es wäre schade, wenn ein Mann wie du ohne Nachkommen aus der Welt scheiden würde, warum erkürest du dir nicht eine Gattin?" „Du weißt mein König, ich habe eine Verlobte, die ich mit der ganzen Glut meiner Seele liebe, auf sie will ich warten." „Sie kommt nicht wieder,' ich habe eine Braut für dich ausgesucht, du wirst sie zur Gattin nehmen." (Fortsetzung folgt.) Sabbat-Anfang u. Ausgang K "l *• 1 . OST: Anfang Datum Ausgan, UhrlMin. 1908 866» Uhr iMw. 14.Nv.20.Cheschwon Frankfurt a. M 4 15 5 30 Berlin .... — — 5 05 München . . . 4 30 5 19 Strastburg . 4 48 5 38 Stuttgart. . . 4 30 5 25 Pole« .... — — 5 — Nürnberg . . — — 5 20 Hamburg. . . — — 8 35 — — 5 — JamHiennaebricbten. Oebarien: Eine Tochter: Strauß (Schöller) hier, Friedberger Anl. 13. Verlobte: Riekchen Rosenthal, Emanuel Heimann, Prediger, Lohrhaupten-Plauen. — Lenke Singer, Rabbiner Dr. Nathan W erß» RmcaSzombat-Balaffagyarmat. Vermählte: Siegfried Oppenheimer mit Recha geb. Aumann. Paris-Frankfurt a. M. — Max Neuberger mit Sara geb. Ansbacher» Berlin-Nürnberg. — Josef Weil, Olga geb. Lunzer, Frankfurt a.M.-London. Verstorbene: Bottenwieser Isidor, 67 Jahre Friedberger Anlage 16. Barmizwohfeier: Moses Sequerra, Sohn deS Herrn Jacob Sequerra bei Herrn Direktor Dr. Lange, hier in der Synagoge der Israelit. Religionsgesellschaft. Für de« Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich r insbesondere ist es ansfchliefflich Sache der Leser, die tm Reklameteil enthaltene» Empfehlungen , ttueller Waren oder sonstige Rnaaben religionSaefetz ltche« GharakterS ans ihre Znderläfsigkeit #» prüfe«. Ich rauche gern meine-Pfeife Tabak und am Stammtisch muß eine Zigarre nach der andern dran glauben, wenn ich nur nicht andern Tags so versch eimt wäre/ Es dan rt allemal Stunden, ehe ich wiebet normal bin; und dann diese überschüssigeSäute im fflagen 1 — Je nun, wenn Sie das Rauchen nicht lassen wollen, dann gewöhnen S e sich daran, beim Schlafengehn und beim Aufiten ein paar Lays üch e Sodener Mineral Pastillen zu nehmen und Sie sollen sehen, Sie werden alle diese Beschwerden los fein. Die Schachtel kostet 85 pfg. und ist in fämt'ichen Apotheken, Drogerien »' d Minera waflerhandlungen zu Hab n. Nachahmungen aber weise man ganz entschieden zurück. >—■ i Landeshuter | "MB Leinen- und Gebild-Weberei F. V. Grünfeld Königl., Qrossherzogl. n. Fürstlicher Hoflieferant Berlin W-, lelpzlgerctrauo 20-2. Grösste Auswahl aller Wdscheartikel für den Hausbedarf. Mgini gaizer flisstattiiBii. Preisliste mit AMilldiingen sowie Kostenanschläge za Diensten. 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