Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 45 (12.11.1908)
- Date
- 1908-11-12
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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49. Jahrgang, Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum yggaarfci Begründet dod Dr. Lehmann in (Ibinz csssss OWS SranMurt a. M.. Öen 12. November 1908. 18. Chesdinran 9689. M 4S. gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 2 Kr„ Rußland 1 Bud„ England S sh* Amerika 60 cta* Niederlande lt90 fl.) Abonnements bei allen Postanstalten. Buchhandlungen, sowie direkt bei ber Expedition. HestauSgabe nur direkt. Inserater 30 Pfennig für die sech-gespaltene Lolonel-Zeiler Rabatt nach Darif. Jnseratmannahme nur durch iuHaaseustei» ». Bögler L^G. «oitta -ei der ft. Jt. Postspnrkafie «ie» No. 78805, Frankfurt a. M. und deren Filiale». «ont» »ei der Stt,«er «oumeergbank t* «lg» «out» bei de« tu Postfparkaste»a»»t Budapest No. 18ch«4. und deren Filialen in DwinSk, Liban, Bialvstol, Reval und Lod, Der Radidrudi der Artiftel und Correfponden?en des „Israeli!“ ifl nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fkb um größere fluffäbe . bandelt, nur nach vorheriger öenehmigung geftattgt Bekenntnisse. IX. Die Erklärung des Herrn Makower, daß .„die Worte, mit denen die Satzungen des Ber- - bandes der deutschen Juden seinen Zweck bezeichnen, absichtlich so weit gefaßt sind, daß man sich dnrGMer alles mögliche denken kann"- " seine Feststellung, daß^inzwischen die tatsächliche Handhabung jenen Rahmen etwas ausgefüllt hat"} diese Bekenntnisse eines Mannes, der nicht nur mitten drin, sondern sogar an hervorragender Stelle im „Verbände der deutschen Juden" steht, sind geradezu ein Ereignis, dessen Bedeutung angesichts der verhängnisvollen Einflußhöhe des „Verbandes" auf das Leben der deutschen Judenheit nicht hoch genug bewertet werden kann. Was an uns liegt, wird deshalb geschehen, zu verhindern, daß dieses Bekenntnis der Vergessenheit verfalle. Es ist aber nicht das einzige, das den Artikel des Herrn Makower ziert und ihm seine über einen gewöhnlichen Zeitungsschristsatz weit hinaus-' reichenden Wert verleiht. Herr Makower ist der Vater des schönen Worts von den „abgesplitterten Sekten", das nachgerade zu den geflügelten gezählt werden darf: dieses Apercu hat inzwischen in der „liberalen" Literatur Bürgerrecht erlangt und ist von anderer Seite ausgiebig weiterverarbeitet wordeneS ist der Ruhm dieser Lorbeeren, der Herrn Makower in die vordersten Reihen des „liberalen Judentums" emporgetragen hat. Bei dieser Vergangenheit ist es nur allzu begreiflich, daß Herr Makower das Thema, das ihm liegt, auch bei dieser Gelegenheit mit virtuoser Meisterschaft behandelt und das Leitmotiv von der „abseits stehenden kleinen Minderheit extrem-orthodoxer Richtung" mannigfach variiert. Einige Pein verursacht ihm die Klassifizierung derjenigen Mitglieder des Verbandes, die auch der „Freien Bereinigung für. die Interessen des orthodoxen Judentums", zum Teil an erster Stelle angehürensie erhalten von dem gestrengen Mentor die Note „ziemlich genügend^, während die „jetzige Leitung" als „ganz ungenügend, ohne Aussicht auf Besserung" befunden wird. — Allein, so verlockend die Aufgabe erscheinen mag, Herrn Makower auf diesen Spuren zu folgen und seine Behauptungen in diesem Punkte einer Nachprüfung zu uuterzichen, so widerstehen wir dieser Versuchung, um einer Wttlk llon berufener Seite, die an der geeigneten . Mche «solgm wird, nicht vorzugreifen. Um so schärfer muß die 5kritik aber an den beiden Hauptpunkten der Makowerschen Ausführungen einsetzendas ist: der Rahmen der Tätigkeit in der Ausfüllung, die Herr Makower ihm gibt, und dann die Mittel, die er anzuwenden empfiehlt, um diejenige Geschlossenheit nach außen, welche ihm unerläßlich für die Wirksamkeit des Verbandes erscheint, zu erreichen. — Herr Makower entrollt zunächst eine lange Liste derjenigen Aufgaben, die der „Verband" — nicht erfüllen will, weil dafür schon andere, geeignete und gutwirkende Instanzen vorhanden und tätig sind. Diese Liste ist so erschöpfend, daß man zum Schlüsse sich unwillkürlich fragt: In aller Welt, was bleibt denn eigentlich für den „Verband" mit seiner dehnbaren Zweckbestimmung zu tun übrig, wenn er die Abwehr von Angriffen fast völlig dem „Zentralverein", das Gebiet der inneren Verwaltung dem DJGB., die Standesinteressen der Rabbiner und Lehrer ihren Fachvereinigungen überläßt und es schließlich auch ablehnt, diese Vereine durch Mitgliedschaft oder Zuschüsse zu unterstützen? „Vermeidet so der Verband", so lautet die Antwort des Herrn Makower auf diese Frage, „in das besondere Tätigkeitsgebiet der anderen großen Vereine einzugreifen, so wird er andererseits verlangen müssen, daß jene anderen Vereine diejenige Selbstbeschränkung üben, die erforderlich ist, damit auch der Verband die ihm eigenen Aufgaben erfüllen, insbesondere bewirken soll, daß in Fragen, welche mit der Religion oder den religiösen Einrichtungen im Zusammenhänge stehen, die Juden nach außen einheitlich auftreten." Und um „das Bild des hier zu Erstrebenden mit noch größerer Klarheit" zu gewinnen, sei noch der folgende programmatische Satz hier angefügt. „Demnach betrachtet der Verband sich als eine Art Zentralbehörde (soweit eine solche überhaupt im Wege der Selbsthilfe, ohne besondere gesetzliche Grundlage möglichstst), bestimmt sowohl den jüdischen Gemeinden die bisher mangelnde gemeinsame Vertretung nach außen zu bieten, wie auch den Behörden die diesen mitunter vielleicht wünschenswerte Auskunstsstelle für allgemeine jüdische Angelegenheiten zu schaffen. In dieser Eigenschaft ist -er Verband für Preußen auch ein einstweiliger Notbehelf für die von der überwiegenden Mehrheit erstrebte (sic!) gesetzliche Gesamtorgan rsatton der preußischen Juden." Nun ist es heraus. Was solange sorgfältig als Geheimnis gehütet worden, was so oft von uns behauptet wurde, vonseiten der Verbands- Leitung emphatische ass Perleumdung bestritten wurde, wird hier mit einer so rückhaltlosen Offenheit als selbstverständliches Ziel des Verbandes, als einzige für ihn denkbare Aufgabe bezeichnet, daß man in Erinnerung an die bisherige VertufchurmspraxiS fast stutzig werden könnte, ob der „Verband" denn seiner Sache bereits so sicher ist, daß die Leitung den Moment für gekommen Mt, ihre letzte Karte aufzudecken! Ein „Notbehelf" ist und war danach bisher schon der „Verband", um die „von der überwiegenden Mehrheit erstrebte" Zentralbehörde Marge zu ersetzen, wie die gesetzliche Grundlage fthlthat in dieser Notlage schon bisher die gemeinsame Vertretung der Gemeinden nach außen in sich geboten, hat den Behörden die „wünschenswerte" Auskunft über allgemein jüdische Angelegenheiten erteilt, hat alles das schon bisher getanaber er hat beileibe nie, wie die bösen Orthodoxen behaupten -unsere diplomatische Kunst in dem Gebrauch der Sprache, um Gedanken zu verhüllen, ist zu klein, um die Antithese sortsetzen zu können! Der Beruf, als Notbehelf zu dienen, ist zu wenig angenehm und ehrenvoll, als daß man ihn länger als unbedingt erforderlich betreiben mag. Was Wunder daher, daß der „Verband" den Wunsch hat, aus dieser unbequemen Situation so rasch als möglich herauszukommen und gewachsenen Boden unter den Füßen zu spüren. Schon liegt der Macholsche Entwurf, deffen Grundzüge in der abermaligen Revision schwerlich mehr eine durchgreifende Umgestaltung erfahren werden, wohlverwahrt in dem Portefeuille des Verbands und kommt das Frühjahr, sü soll er, der bis dahin geheim gehalten — geht's wenigstens nach den Herren vom Verband! — das Licht der Oeffentlichkeit erblicken, der er nach den Ausführungen des Herrn Makower keine Ueberraschung mehr bereiten wird. Das ist ja zweifellos auch der Beruf, dem der jüngste Friedensschalmeienklang Philippsonscher Federübung, wie die neueste publizistische Leistung des Herrn Makower dienen soll: als Versuchsballon die Stimmung der Oeffentlichkeit, deren „überwiegender Mehrheit" man angeblich so sicher ist, zu prüfen, und anderseits nach dem Rezept des Tropfens, der den Stein höhlt, die Kreise, die es angeht, an den Gedankt zu gewöhnen, daß sie es hier mit einem Unabwendbaren, durch die Verhältnisse und die Macht der Personen Erzwungenen zu tun haben, bei dem man ambefirn gute Miene zum bofeu Spiele macht, umwente* stens den einen oder den anderen Wunsch erMt zu bekommen. Ist erst der Macholsche Entwurf