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Der Israelit · 1908-10-29 · Heft 43 (29.10.1908) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 43 (29.10.1908)
Date
1908-10-29
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Sette 30. Nr. 43. Der Israelin 28. Oktober 1808 gefordert, wenn er dem Erdboden die Kräfte entlocken will, deren er zum Menschenleben bedarf. Wiederum muß durch Plötzliche Umgestaltung der Erde eine folgenschwere Veränderung hervorgebracht worden sein. Doch zur Erziehung des Menschen genügte auch diese Schwächung der Bodenkraft noch nicht. Und als das Geistige im Menschen nicht fürder Richter blieb und in der Verirrung versinnlichte, und als jedes Gebilde der Gedanken des Menschenherzens nur schlecht war jeden Tag: Da kam über die Erde jenes große plötzliche Verhängnis, davon — wenn auch in entstellter Form — noch alle Völker der Erde ein Gedächtnis tragen und eine Erinnerung von jenem großen Weltgericht lebt in aller Herzen, in jeglichem Religionsgebilde. Ob eine Wasserflut, die einhundertfünfzig Tage währte, Veränderungen hervorzubringen vermag — und wenn das Wasser dazu heißes Wasser gewesen und nicht nur die Schleusen des Himmels stch öffneten, sondern auch die Quellen der Tiefe hervordrangen, erhitzt am Feuer des Erdinnern, ist dann eine Einwirkung solcher heißen Waffermaffen auf die Erdkrume zu unterschätzen? Es dürfte aber noch jene große tellurische Neuordnung mit in Betracht zu ziehen sein, die Kap. 8 P. 22 angedeutet ifHmb die eine Veränderung der Stellung der Erde zur Sonne ahnen läßt. Vgl. Hirsch z. St. So hätten wir drei gewaltige Vorgänge, deren starke Wirkung in den Funden uns heute zu Bewußtsein kommt, aus denen auf eine lange Entwicklungsreihe geschlossen wird, die in der Tat aber nur das bestätigen, was die Thorah lehrt: keine lange Entwicklungsreihe, frei waltet Gott über Seiner Hände Werk, und in Augenblicken schafft er Gewaltiges. Er figuriert als unbekannte Größe in den Gleichungen der wissenschaftlichen Berechnungen, drum ist eine Lösung nicht zu finden. Setzet Ihn ein in die Rechnung, und alle Weltentätsei sind gelöst. Tsrdditiscbe llönigrgescbichte. IV. Unter günstigeren Bedingungen als irgend einer seiner Vorgängen übernahm Omri die Alleinherrschaft. Auf ihm lastete weder der Fluch des Königsmordes noch der Untreue gegen das Davidshaus. Er hätte Israel den lang entbehrten Frieden geben können, aber zum ewigen Unsegen ist das Haus Omris geworden. In einem unterscheidet sich Omris Regierung vorteilhaft von der seiner Vorgänger. Er suchte den Frieden mit dem Bruderstaate. Vielleicht weik er in seinem Kampfe gegen Tibri von Asa unterstützt worden war, vielleicht auch weil der be eits alte Asa keine Eroberungsgelüste gegen das Nordreich hegte. Omri gab der ganzen Politik des Zehnstämmereiches eine ankere Richtung. Als äußeres Zeichen einer neuen Aera mag die Gründung Schomrons (Samaria's) gelten. Bon einem gewissen Schemer kaufte er den Berg Schomron und legte auf deffen Höhe die befestigte Stadt an, die von nun an Königsstadt. des Nordreiches bis zu seinem Untergange blieb. Mit der Herrschaft Omris beginnt eine neue Macht einen verhängnisvollen Einfluß auf Israel auszuüben, der dann weiter aus Juda zerfetzend wirken sollte. Das immer stärker werdende Damaskus stützte dem Omri Furcht ein. In mehreren Schlachten hatte er vergeblich versucht, dem Vordringen der Aramäer ein Halt zu gebieten. Er sieht sich deshalb nach Hilfe um. Daß ein Nachfolger Jerobeams nicht im Vertrauen auf göttliche Hilfe eine Stütze findet, ist ja leider eine allzu natürliche Tatsache. Mit Omri beginnt die' Zeit der Koalitionen, durch wel he Ephraim sich zu halten sucht, nachdem es seine Existenz als Gottesvolk verscherzt hat. Und gerade diese Koalitionen mit heidnischen Völkern machten ihm die Rückkehr zum Gottesgesetze immer schwerer und trieben es so dem sicheren staatlichen Untergange zu. Omri sucht einen Rückhalt bei den Phöniziern. Den meerbeherrschenden Kaufleuten mochte die Annäherung des Nachbarstaates an- 'An. Den PhärMem Mtte. ein land, das ihnen in der Heimat die notwendigsten Lebensprodukte bot. Bereits zu Salomos Zeiten war ihr Streben gewesen, aus Palästina Getreide, Wein und Oel zu erhalten. Ein Bündnis mit dem Staate Omris mochte ihnen für die Dauer eine Zufuhr an diesen Lebensmitteln versprechen, zumal wenn es gelang, durch das wirtschaftliche Uebergewicht, das naturgemäß auf Seiten des Handelsvolkes lag, Ephraim in eine gewisse Abhängigkeit zu bringen. Außerdem mußte es den Leitern der phönizischen Städte wichtig sein, das immer näher zum Meere vordringende Aramäerreich durch Unterstützung Omris zurückzuhalten. Das Bündnis kommt zustande. Besiegelt wird es durch die Vermählung des Ahab ben Omri mit der fidonischen Königstochter Jsebel. Zweifelhaft mag es bleiben, ob diese Verbindung noch zu Lebzeiten Omris vollzogen wurde. Jedenfalls ist sie wohl die Frucht seiner Politik. Nach im ganzen zwölfjähriger Herrschaft stirbt Omri. Den Thron besteigt sein Sohn Ahab, ein Mann von zweifellos guten Eigenschaften, der es auch verträgt, die Wahrheit zu hören, aber ein willensschwacher Mann, der von seiner Gattin Jsebel beherrscht wird. Mit dieser unglückbringenden Sidonierin hielten die scheußlichen Kulte der phönizischen Götter Baal und Astarte ihren Einzug in Ephraim. Eine Schar von Priestern des Baal und der Astarte begleiteten die Jsebel zur Stätte ihrer verderbenbringenden Taten. 400 Priester des Baal und 450 der Astarte suchten den phönizischen Götzen Einzug in Israel zu verschaffen. Höchst wahrscheinlich hatten sie auch die politische Aufgabe, im Volke Anhänglichkeit an Phönizien zu erwecken. Gleichzeitig wird das Land mit dem Reichtume der königlichen Kaufleute überschwemmt. Fn Schomron entstehen Prachtpaläfte, die den Glanz von Jerusalems Bauten verdunkeln. Was Wunder, daß auch phönizische Unsittlichkeit ihre Wirkung bei dem Volke auszuüben beginnt. Daß es ihr nicht gelingt, den letzten Funken der Gotteslehre, der noch im Nordreiche glimmt, zu verlöschen, ist ein herrliches Zeichen für dieses Volk, deffen Größe sich selbst in der Verderbnis nicht verleugnet. Die Masse des Volkes „hockt auf zwei Zweigen", bald hängt sie der Gotteslehre an, bald neigt sie sich dem Baal zu, aber ein Kern von 7000 Männern hält sich selbst in dieser Zeit vom Baalsdienste frei. Zum Ausharren ermutigt wird diese kleine Schaar der Getreuen durch gottbegeisterte Prophetenan der Spitze steht jener gigantisch große Mann Elijahu Hatischbi. Eines bewundernswerten Mutes bedurfte es, in dieser traurigen Zeit Gottes Wort zu künden. Denn die fremde Königin erkannte mit dem Instinkte des Haffes die Kraft des Widerstandes, den ihren Bestrebungen die Propheten leisteten, und so wagte sie, die phönizische Götzendienerin, die Propheten Gottes zu verfolgen, und Ahab hinderte sie nicht. Nur durch Flucht und Aufsuchen verborgener Verstecke konnten die Propheten sich retten. 100 von ihnen verbarg ein frommer Hofbeamter Obadja. Doch die Strafe Gottes sollte nicht ausbleiben. Ungeachtet der örohenden Gefahr trat Elijahu vor den König'und verkündete ihm eine furchtbare Hungersnot durch anhaltende Dürre. Nach dieser Androhung zog sich der Prophet auf Gottes Geheiß zurück an den Bach Kerit, vergeblich suchte der König den kühnen Warner gefangen zu nehmen. Eine schreckliche Hungersnot suchte bald Israel heim und mit ihm. Phönizien, die Quelle des Unheils, als sichtbares Zeichen der göttlichen Strafe. Schon im dritten Jahre währte die Not. Da zeigte sich Elijahu auf Gottes Befehl wieder dem Ahab. Der König rief ihm die haßerfüllten Worte entgegen: „Bist du es, Unglückbriuger über Israel!" Doch ruhig antwortete ihm der Prophet: „Nicht ich brachte das Unglück über Israel, sondern du und dein Vaterhaus, da ihr Gottes Gesetze verlassen habt -und du den Baalim nachgingest." exegetische Miscelle«. Bezugnehmend auf den - in Nr. 8 des Bolkssreundes gebrachten Aussatz: „DaS Gesetz über das Bygelnest", erWVe. ich^rM MMaicheiee» ^>7 rtpW? schlagen, der unS zum Verständnis jener sonderbarere Agadah in Chulin 1S9d führen soll. Diese eigentümlichen Fragen pjü 11111 {2 ÜVb usw. richten an n312 31 die die jüdischen Bewohner der Stadt Paponia. Die!« wunderlichen Leute find uns aber schon aus o"2 D'IIDÖ bekannt, ifl wirb nämlich erzählt: ri212 21 hatte ty.ien an einem Bor- Peßach vorgetragen, sie sollten zur Bereitung der /ilJfO nur ij^O 0'2 gebrauchen, also Wasser, baß eine Nacht gestanden und dadurch die Säuerung erzeugende Quellenfttsche verloren Hai. Was taten daraus die witzigen Paponäer? Am anderen M rgen erschienen sie alle mit Krügen in den Händen vor dcr Wohnung des n312 21 und baten ihn um Wasser. Kann doch CP2 auch „unser Wasser" bedeuten, aber daS Wort „1)^C7" bedeutet. doch in diesem Falle „INOI" das eine Stacht gestanden, ertlärte der Meister. AuS dieser Stelle ersehen wir, daß die Paponäer eine Borliebe für Witze und Wortspiele hatten. Jetzt betrachten wir die oben erwähnte Stelle in A a ist es wieder 13rio 21, an den die uns bekannten 'X21L3 ihre Fragen richten. Aber ,*7310 31 rennt bereit» seine witzigen Fragesteller und gibt ihnen, ohne über ihre Fragtn sich zu wundern, ebenso witzige wie tiesftnnige Antworten. Sie fragen:?po 11111 s2 102* Die Frage ist zweideutig *) und dah.r im ersten Moment, wo man versucht wäre zu übersetzen: »Wo ist n02 in der ‘ Thora erwähnt?" befremden?. Allein die Frage bedeutet richtig: Wo ist das Wesen Mosches, seine Stellung, die er ^or Gott eingenommen,' in der Thora angedeutet"? Darauf gibt ihnen Dia 21 die tiefsinnige Antwort: ICO XII 2202 CD i^oxis) »Ist er doch nur aus Fleisch". Nun veirägt ter Zahtenwert des Wortes D1C72 jo viel als das Wort ^02- Das will sagen: Wohl war 1221 ICO der ^13X1 1132 der größte und vorzüg- Uchlle au er Menschen, da ihn BOI zum Werkzeug se.nes so großen Werkes auserkoren hat. Allein trotz seimir göttlichen Erleuchtung und weltgeschichtlichen Sendung war Moscheh nichts mehr a 8 Mensch, als OH ICO, sie l blich wie c ie anderen Menschen Q'ioil1X2 IO1 VIT 13tP und seine Lebenszeit 120 .^ahre. .Die Stellung die er vor QCM einnahm, reichte nicht über die Sphäre sterbl cher Menschen hinaus" (Bergl. Hirsch Kommentar zu K1K1 Kap. 6). In analoger Weise find auch die drei übrigen Fragen und Antworten auszufaffen. Also:?po 11111 |2 |21 „Wo ist das Wesen Hamans, seine Wirksamkeit in der Thora angedeutet? Darauf die mit einem Wortspiele treffliche Antwort yp-f joi (51'0X13 Kap. 8 B. 2» Haman verstand es mit glstiger Schlangenweisheit den Weiberkönig 2111C71K zu reizen und betö.en, um Tob und Verderben über rin ganzes ^olk zu bringen, ein Volk, dem die Menschheit ihre wahre Menschlichkeit verdankt, (Bl# Dill Ö1X' 1123' *4a). Zur Strafe wurde er dann selbst an den Galgen den er für Mordechai errichtet halte, gehängt. Durch die von Haman verursaäte Angst wurde ' Israel von seinem Assimilation-wahn aufgerültelt. Biele hatten der Uebertretung der Thoravorschrlften durch den Genuß von 1111DK 11^2X2 (f- Midrasch z. St.) einen besonderen Ausdruck verneyen. Somit Pasten die Fragen 11K 210 O TJ1 '2? und das weitere 1C7X 1*?3X 122 *?3X '1^3*7 “pillC auch auf die witzige aber geistreiche Leseart »pn Jöl sehr gut. Mit der zweiten ist die dritte Frage innig verbunden 112 11111 12 11DX? Wo ist das Wesen der Estyeraeschichte, wo die Möglichkeit, daß das gesamte Volk Israel von einer so außerordentlichen Gefahr bedroht sein werde, in der Thora angedeutet? Die traurige Änrwort darauf ist: xi.11 210 13 1'12X 1121 02X1 »Ich werde mein rrntlltz an diesem Tage Verve, gen." Wenn Israel den ',-j 111 verlädt und neue, fremde Bahnen einschlägt, dann darf es sich nicht wundern, wenn es nch selbst überlasten, ein Sptelball in Feindeshänden wird. Israel besann fick und kehrtejtüSo 131V13 ®ot* zurück. Da bewährte st.l) bald d.e Verheißung der Thora 1X11 762 XI,12 '1 20 O pXI W bs 1X11 *J22 (Kap. 28, 10 xi31 0>- Das ist der Grundgedanke der Esthergeschichte. DaS Wesen und die Wirksamkeit Mordechai's ist nach N2NQ 2-1 m>- dem »K-I D’öira/ dem vorzüglichsten ü>°. wurze 1111 10,. der wrhttuchenden und belebenden Myrrhe, zu vergleichen (Bgl. ,1^02 10 b, wo dasselbe Bild von '2212 12 *2X120 '1 gebraucht wird). In der Targumubersetzung lauttt nun 1111 12 — Ol PHÖ soviel also wie Mordechat. Dieses muhte die Wortspiele liebenden Paponäer umsomehr befriedigen. Zu bemerken wäre noch, daß diese Agadah deshalb in p^in und nicht in 0'NOS gebracht wird, weil sie fich in formeller Hinficht der vorhergehenden halachischen Frage anschließt. Auch da verlangen die 'X2122 auf ihre sonderbare Frage 01X *20 10X12 },1 X2C2 Antwort von X312 31, die er mit einem Beweis auS *0 Sxl20 Kap. 15 treffend zu lösen versteht. Rabbiner Dr. G. Rosenmann. Mahr. Schönbeig. *) «chnlich Chulin 42 a {D NV1V1 1V1 p W*?J’iD rrnnn fragt die Kit»: p’Jö? heißt eS ja ausdrücklich in der Thora TOXn X*? nento m»3*W3*?? Daraus antwortet die NH», daß nach dem Wese» des NV-« gefragt wrnche DSV 7NWN PS

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