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Der Israelit · 1908-10-08 · Heft 41 (8.10.1908) · page 24

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 41 (8.10.1908)
Date
1908-10-08
Page
– (sequence 24)
Language
German
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Seitdem nun die JCA in besserer Einsicht ein mehr auf Selbstverwaltung und wirtschaftliche Freiheit gestimmtes System eingeführt hat, haben auch diese Kolonien einen raschen Aufschwung genommen. Im ganzen leben heute gegen 8000 jüdische Seelen in 30 palästinensischen Dörfern. Wer sich für die Einzelheiten interessiert, dem möchten wir unter anderem Text und Karte des kleinen ^Palästinahandbuches,, von Davis Trietsch empfehlen. Hier sei nur ein halbes Dutzend der Hauptnamen erwähnt. Die Kolonien in Galiläa, zum großen Teil jüngere Gründungen, Sieren sich um die beiden Städte Safed und ias / die bedeutendste — an Umfang über- Haupt die größte, und. ausgezeichnet auch durch ihre landwirtschaftliche Schönheit — ist Rofch Pinah. Die Kolonien Samarias und Judäas liegen fast sämtlich in der fruchtbaren westlichen Strändniederung, die dem zentralen Hochland vorgelagert ist. Hier liegt, südlich von Karmel, Wtchwn Jacob, ein Dorf von 1100 Einwohnern, weiter südlich im Schatten der Eucalyptushaine -as düstere Chederah und nördlich von Jaffa das reiche Orangendorf Pethach Thikwah. Südlich von Jaffa liegen dicht nebeneinander die : fcteloencmnten Siedlungen Rischon, Wadi-Chanin, Rechoboth, Ekron, Katra und Kastinie. Während .sich die gallläischen Kolonien im wesentlichen mit LVrnerbau befassen — doch finden sich auch hier, -besonders in Rofch Pinah, herrliche Baumfrucht- : Pflanzungen, — sind die südlichen in erster Linie Plantagen-Kolonien. Gegenüber dem Weinbau, der anfangs besonders eifrig betrieben wurde, Hat in letzter Zeit die Orarwenpflanzung die weiteste Verbreitung gefunden; sie war es vornehmlich, die den Wohlstand einzelner Kolonien begründete, und den übrigen auch viel zur Verschönerung des landwirtschaftlichen.Bildes beigetragen hat. Es braucht nicht hervorgehoben zu werden, daß auch einige Kolonien, besonders die jüngeren, auch heute noch schwer zu kämpfen haben und, zumal in Jahren geringen Ernte- Vertrags, der Unterstützung bedürfen7- Allenthalben Haben die jüdischen Kolonien Palästinas Kultur um sich verbreitet. Schon weite Strecken um eine Kolonie herum verspürt man deren Nähe / sehen hier doch selbst die schmutzigen Araberdörfer saubererund kultivierter aus. Wie ein Schmuckkästchen schaut manche Kolonie mit ihren Steinhäuschen und roten Dächern, ihren gelben Orangenhainen und -ihren geradlinigen Mandelbaumalleen, ihren grünen Gemüsegärten und wogenden Getreide- Mdern aus der stummen Umgebung heraus. ' Der Blick von der Anhöhe, auf der die Synagoge von Rechoboch steht, zumal bei Sonnenuntergang genossen, bleibt dem Beschauer ^unvergeßlich. Und Me herrlich liegt Rosch Pinah Hort unten am Abhange des Safed-Gebirges! Langsam gleitet der Blick von den sorgsam bestellten Feldern das Jordantal entlang, über die blauen transjordanischen Berge hinweg, vorbei am Meromfee und den am See gelegenen jüdischen Kolonien, gen Norden bis rum hochragenden, schneebedeckten Hermon. Eine Stunde von diesem Paradies entfernt-liegt mitten im düsteren Gebirge die Stadt Safed, ein. schmutziges Nest, in seinem Aeußern bar aller Kultur und Civilisation, bewohnt von zehntausend n Juden, die von dem, Gnadenbrot der Chalukka leben. Hier Armut und Untätigkeit — dort Wohlstand und Fleiß, hier Gedrücktheit und Traurigkeit — dort frischer Lebensmut und Frohsinn, hier Dunkelheit und Schmutz — dort Tageshelle, Sauberkeit und die ganze Herrlichkeit des Landes Israel. Hier in diesem wahrhaft jüdischen Milieu, in diesen jüdischen Dörfern auf jüdischem Boden, in denen man den Schabbos in seiner ganzen Weihe und Heilgkeit empfindet, ist auch die hebräische Sprache wieder zur Umgangssvrache geworden, anfangs als notwendiges Verständigungsmittel unter den Juden verschiedener Herkunft, dann aber mit Bewußtsein gepflegt und entwickelt. Von hier aus verbreitete sie sich auch in die Städte und erlangte schließlich eine solche Bedeutung, daß sie heute bereits in den städtischen Kindergärten, den segensreichen Gründungen des Hufsvereins der deutschen Juden, die Umgangssprache der Kleinen und Kleinsten bildet. Auch mit dem Bildungswesen — Schulen, Bibliotheken, Volkshäuser — und der sozialen Fürsorge ist es in den meisten größeren Kolonien gut bestellt, ebenso mit der Verwaltung und Polizei, die von den meisten Kolonisten selbst in musterhafter Weise ausgeführt wird. — Zwar tauchen in der Kolonisation immer neue Probleme vor unseren Augen auf. Da haben wir zunächst die Arbeiterfrage, die noch gänzlich der Lösung harrt, da es bisher noch immer nicht Möglich gewesen ist, die tausende arabischer Arbeiter durch jüdische zu ersetzen. Da haben wir das Problem der industriellen Kolonisation, das Problem des Agrarkredits. Doch ist man all diesen und ähnlichen Problemen in jüngster Zeit auf Grund der bisherigen Erfahrungen in rationeller Weise näher getreten, und es ist gerade in den kommenden Jahrzehnten, in oer neuen Aera des osmanischen Reiches, ein rascherer Fortgang dieser Arbeiten zu erwarten. Langsam, aber stetig führt der Weg aufwärts.. Als sich die ersten Juden als Bauern in Palästina niederließen, städtische' Proletarier, die — eine einzigartige Erscheinung! — sich in Landbauern rückverwandeln wollten, wurden sie von den benachbarten württerybergischen Kolonisten ausgelacht. Heute, nach 20—30 Jahren, wird allgemein anerkannt, daß die deutsche Kolonisation in Palästina keine Zukunft hat, während die Juden — das hat selbst ein Pastor mit antisemittschen Neigungen in feinem Buche über Palästina neulich zugeben müssen — immer mehr und mehr an Bedeutung als Produzenten in dem Agrarlande Palästina gewonnen haben.' Welchen Juden mußte es nicht mit Stolz erfüllen, als Professor Anhagen, der von der deutschen Regierung nach Palästina geschickt worden war, um die oortigen wirtschaftlichen Verhältnisse zu studieren, in seinem Werke über Palästina zu dem Schluffe gelangte, daß dem Juden die wirtschaftliche Zukunft des Landes gehöre, ja daß er in einzelnen fruchtbaren Teilen schon heute das unbestrittene ökonomische Uebergewicht besitze. In den 30 Jahren jüdischer Kolonisation in Palästina ist das Land enorm im Werte gestiegen. Neben dem modernen Fremdenverkehr, der neue Bedürfnisse schuf, war es ja gerade die deutsche und jüdische Kolonisation, die die Wüste Palästina erschlossen und zur heutigen Blüte erhoben hat. Ländlicher Boden, der ehedem mit 2 fr. für den tektar bezahlt wurde, kostet heute in Pechach hikwah 2 500 Fr. Wie in Aegypten, stiegen auch hier die Preise mit dem Eindringen westlicher Kultur, und es unterliegt keinem Zweifel, daß sich in der neuen Aera das werbende Kapital den rentablen Anlagen auf palästinensischem Boden — vor allem dem Erwerb von Baugrund und der Anlage von Orangen- und Oelbaumpflanzungen — in wachsendem Maße zuwenden wird. Darum gilt es gerade jetzt, das Werk der jüdischen Kolonisation nach Kräften zu fördern, Das heutige wirtschaftliche Uebergewicht der Juden in den fruchtbarsten Strichen des Landes muß dazu benutzt werden/ um mit Hilfe der durch eine neue Gesetzgebung gewonnenen Vorteile eine raschere Ausbreitung und Neuansiedlung jüdischer Bauern im Lande herbeizuführen. Ein neues Boden- und Kreditgefetz an- | stelle des alten, überlebten türkischen Bodenrechtes, ein modernes Steuersystem anstelle des kläglichen Pachtsystems, eine verbesserte Justiz und Verwaltung wird fortan gerade jene Momente ausschalten, die sich im letzten Jahr-ehnt als die schwersten Hemmnisse des Kolonisattonswerkes erwiesen haben. Vertrauensvoll und hoffnungsfroh sehen wir das Werk des Jischuw im Lande der Väter vorwärtsschreiten. 8ol. Um 6rabe Lrra'r. Ein Reisebrief durch Mesopotamien und Babylonnien des bekannten Orientreisenden Eduard Mygind enthält folgende interessante Schilderung: „Etwa eine Tagereise von Basra befindet sich hart am Ufer des Stromes ein isrelitlsches NattonalhMgtum: eine bunte Kuppel, wie sie irgend einer Moickee angehören könnte, erhebt sich in einem Keinen Garten, in dessen Näh; eine Reihe äußerst fensterreicher^ also nicht mohammedanischer Karawansereien und Privathäuser steht. Das ist Türbe-el-Usair, kurzweg Üsair genannt. Esras Grab! Alljährlich pilgern tausende von Juden aus Basra, Bagdad und den Userstädten hierher, um während einer Woche, gewöhnlich von einem Dampfer zum anderen, ihre Andacht am Grabe des Propheten zu. verrichten, und eine ganze Kolonie strengritueller Logis- und Speisewirte, Händler und sonstiger „Unternehmer" hat sich dort anaesiedelt, unbelästrgt durch die Beduinen und durch die Behörden» denen das Grab des. „Mar Usair" ebenfalls eine Art Heiligtum ist und sorgt für die Verpflegung ihrer Religivnsgenossen. Noch ehe unser Dampfer vor dem Orte Halt machte, stürzten sich di; ungeduldigsten der Pilger in den Fluß, erkletterten schwimmend das Deck, und umarmten wassertrief rnd dir Bertvandten und Bekannten, die sie gerade vorsanden. Wir hatten nicht viele an Bord, dis nach Haufe wollten. In ihrer Furcht, Ku spät zu kommen, benutzten sie alles, was ein Erklimmen des Decks ermöglichte, hauptsächlich dir großen, runden Boote aus Korbgeflecht, Kuffus genannt, die dem Tigris eigen sind, kreisrunde Körbe, die durch einen Ueberzug aus flüssig gemachtem Asphalt wasserdicht gemacht worden sind und bis Mt zehn und zwanzig Personen fassen. Diese Boote wurden irgendwie am Dampfer festgemacht, und aus ihnen heraus krabbelte „Urahne, Großmutter, Mutter und Kind"» so gut sie es vermochten, mit Bündeln und Paketen, mit Körben und Kesseln, als wollten sie eine Reise um die Welt machen. Für eine Viertelstunde erfüllte ihr Rufen nach den Häuptern ihrer Lieben die Luft, dann hatte sich endlich alles ein Plätzchen gesucht, und die auch etwas mehr auf äußerliche Würde gebenden männlichen Mitglieder der verschiedenen Familien hatten sich nach unendlichem Abschrednehmen, Umarmungen, Küssen und Segenswünschen seitens ihrer zurückbleibenden — jedenfalls nur für eine Woche zurückbleibenden! — Religionsgenossen an Bord eingefunden. Der Dampfer heulte seinen lauten Warnungsruse über Fluß und Wüste dahin, und immrr noch kamen Nachzügler an. Schließlich ging dem Kapitän .die Geduld aus — ein letzter, gellender Pfiff, die Schaufeln peitschten das Wasser, und langsam, schwerfällig, nahm das Schiss seinen Kurs wieder <mf§ noch ein Abschiedsgruß, und Esras Grab verschwand hinter den Palmen." Moses. Bon Max Jung tu Ung. Brod. Den Berg steigt Moses schwer hinan. Das schimmernd in der Ferne liegt. Das heil'ge Land zu schauen, Dort wo die Nebel brauen. Der Sehnsucht bange Qual durchzieht Sein Herz, das gramdurchbebte. Von ferne nur sieht er das Land-, Wonach sein Sinnen strebte. Nun steht er still, er senkt das Haupt, Vom Himmelsglanz umwoben. Im Take harrt das Volk, den Blick Zum Meister fromm erhoben. Vor seiner Seele sich das Land In seiner Schönheit breitet. Aus Moses' Augen hell und llar Die Tränenperle gleitet. Er weint. — Die heiße Träne fällt Aufs Volk, die Keine Zähre Schwillt an, daß sie den Hoffnungsstrahl Des Keinen Volkes nähre. Sie braust heran, bahnt sich den Weg Zum Herzen der Getreuen, Stärkt ihre Kraft, will ihren Mul, Ihr Hoffen stets erneuen. Auch auf sein Volk - ergossen, Mit ihr hat sich des Meisters Geist Mit ihr ist seinem frischen Born Ein neuer Strom erflosfen. Er braust mit unversiegter Macht Der Ewigkeiten Bahnen: . ■ ~; Es ist die Lieb' zum heil'gen Land Zum Lande unsrer Ahnen.

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