Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 41 (8.10.1908)
- Date
- 1908-10-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Der JSraelit. Nr. 41. .8. Oktober 1908. bereiten. Keiner am ganzen Hofe wollte feine Wunden oder feine sonstigen Gebrechen von einem anderen heilen lassen, als von Fatima. Da erkrankte die Lieblingsfrau des Emirs. Fatima wurde herbekgeholt und ihrer aufopfernden Pflege gelang es das hitzige Fieber zu bannen und Zabra — so hieß des Mächtigen Gattin — wieder dem Leben zurückzugeben. Die beiden Frauen wurden Freundinnen und Zabra hatte nunmehr Gelegenheit die Schönheit, Sanftmut und Bescheidenheit Fatimas zu bewundern. Sie wurde ihres Postens in der emirischen Küche enthoben uud erhielt von jetzt ab die Stelle einer k Gesellschafterin Zabras. Sie unternahmen lange Spaziergänge miteinander, bei denen Zabra auch den hohen Geist und die tiefe Bildung ihrer neuen Freundin, deren Heimat ja eine unvergleichlich höhere Kultur als das Reich des Emirs aufwies, kennen lernte. Oesters gelangten sie nach dem nahen Hillah am linken Euphratufer, wo in vier ungeheuren Schuttbergen die Ruinen der herrlichsten Stadt aller Königreiche, die einstige Pracht der Chaldäer, der Weltstadt Babylon liegen. Zu damaliger Zeit war die Ruinenstätte noch von keinem Gelehrten besucht, und an eine Erforschung des Ruinenfeldes dachte nicht nur niemand, die Ruinen bildeten vielmehr seit undenklichen Zeiten die Steinbrüche zum .Aufbau der Städte Seleucia und Ctesiphon am Tigris und späterhin der Städte Kufa und Bagdad selbst. Fatimas Vater i'atte sich viel mit der Erforschung des Lebens und Treibens im alten Babel — wenn auch nur vermittels alter Schriften — beschäftigt, daher war Fatima so manches darüber bekannt. Wie erstaunte daher?Zabra, als ihr ihre Begleiterin die Stätte des Palastes Nebukadnezars mit den hängenden Gärten zeigte und die Ueberreste des Marduktempels Ehagila, die damals noch vom Schutt unbedeckt, von den Bausteinhändlern ungeplündert, vollkommen freiliegend das Ruinenfeld bedeckten. Auch Arabische Backsteingräber und Tontafeln waren sichtbar und wenn auch Fatima die Inschriften nicht zu entziffern vermochte, so war sie in der Geschichte Babylons doch so bewandert, daß ihre Vermutungen meist das Richtige trafen. Da die babylonische Sprache mit der arabischen und hebräischen nahe verwandt, so entnahm sie aus der Bezeichnung der Eingeborenen, mit welchen diese einzelne Ruinen benannte, deren frühere Bestimmung. Auch verglich sie die Baukunst der Babylonier und Assyrer mit der ihrer Heimat und wenn sie die ästhetische Wirkung der beiden Kunstepochen gegeneinander abwog, wenn sie sich der glänzenden Farbenpracht, der berauschenden Linienmusik ihrer heimischen Architektur erinnerte, konnte sie die Bemerkung nicht unterdrücken, daß der assyrischen Skulptur ein gewisses starres versteinertes Wesen eigentümlich; besonders für die Hauptfiguren, wie die Könige, bildeten sich typische Formen aus, die Natur war genau nachgeahmt ohne Freiheit und Individualität — wie anders war doch alles in der Heimat — sie. gedachte des Pavillorls von Kordoba, der Alhambra von Granada — tote dort alles lebte und hier alles versunken im Schutt der Jahrtausende. Da stand das Bild ihres Geliebten ihr urplötzlich vor Augen und nur mit Mühe konnte sie einen Thränenstrom unterdrücken. Zabra hingegen fühlte, wie sie in der Gesellschaft Fatimas sich emporhob über die Niederungen des Daseins, wie ihr Gesichtskreis sich erweiterte — das Befreiende in der Kunst — ihr ward es jetzt erst inne. Fatima erzählte ihr von. dem Wohlleben der Assyrer mit ihren reichen, fein gewebten und gestickten Gewändern, von ihrem kostbarem Schmuck, ihrem sorgfältig gepflegtem Haar, ihren reich verzierten Hausgeräten aus Metall, Ho^ und Elfenzähnen, den kunstvoll gearbeiteten Waffen mit Köpfen von Löwen und Widdern, wie aber ihr Götterglaube sie schließlich zum Trunk, zur Genußsucht und zu schamloser Wollust führte; unmerklich fast kam sie dann auf die jüdische Religion zu sprechen, die durch ihre weifen, göttlichen Gesetze nicht zulasse, daß der Mensch im Irdischen untergehe, — und Zabra ging eine neue seither nie geahnte Welt auf. Immer enger schlossen sich die beiden Frauen aneinander und Fatima genoß nunmehr alle erdenklichen Freiheiten. Längst war es auch anderen als Zabra bekannt, nicht nur, daß Fatima Jüdin, sondern daß sie eine charakterfeste, strenggläubige, für ihre Religion unendlich begeisterte Jüdin sei und Juden mußten ihr deshalb täglich die nach den Vorschriften d r heiligen Lehre zubereiteten Speisen bringen, da man nicht mehr duldete, daß sie fernerhin Sklavenkost genieße. Auch der Emir, ein Freund der Juden unterhielt sich gerne mit der zur herrlichen Jungfrau erblühten Tochter Israels, die durch ihren Geist, ihre Bildung und ihren Edelsinn alle Welt in Erstaunen setzte. Der Emir liebte Religionsgespräche, da er von ihr die Ausgleichung streitig r Lehrpunkte zwischen den verschiedenen Glaubensbekenntnissen erwartete, aber bei der Schlagfertigkeit Fatimas zog er stets den Kürzeren, zum ersten Male erfuhr er zu seinem Erstaunen, wieviel Muhammed aus dem Judentume genommen, wie der Weltschöpfungsbericht des Koran aus der biblischen Schöpfungserzähluug hergeleitet und wie er die ewig wahren Gedanken der Thora oft vollkommen mißverstanden, oft absichtlich entstellt hgt, um in bewußten Gegensatz gegen die Mutterreligion zu gelangen, wie auch im Islam der Freitag nichts anderes als der Borbereitungstag zum Sabbat gewesen, wie aber spätere Polemik und Dogmatik ihn zu dem Ruhetage der Woche erhob. So stieg das Ansehen Fatimas von Tag zu Tag, aber je mehr sich ihr äußeres Geschick verbesserte, um so trauriger und niedergedrückter wurde sie. Vergebens drang Zabra in sie ein, ihr das Geheimnis ihres Kummers anzuvertrauen, sie meinte Fatima könne doch jetzt in dieser glänzenden Umgebung Heimat und Elternhaus verschmerzen. Da trat ein Ereignis ei«, das eine Wandlung in ihrem Lebenspfade anbahnen sollte. (Fortsetzung folgt.) kür den Inseratenteil ist die Redaktion mein verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die im Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen rltuellerWaren oder sonstige Angaben reilglonsgesetzlichen Charakters auf Ihre Zuverlässigkeit za prüfen. Pension Feuerwerker Lugano L-> 105 Via Nassa, im Hanse der Kantonalbank 105 Empfehle meine besteingerichtete Pension den tit. Reisen.en und einem geehrten Publikum. Vorzügliche Küche, zivile Preise. Rel. Verein der rit. Speisehäuser Hamburg und anerk. orth. Rabbiner Deutschlands und Ungarns. I dirige par international de fomoisseiiw isr. l Dr. M. 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