Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1908-10-08 · Heft 41 (8.10.1908) · page 1

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 41 (8.10.1908)
Date
1908-10-08
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2449298-2449340--64930-2507544
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Der israeiif Ein Centraiorgan für das orthodoxe Judentum Begründet oon Dr. Lehmann in Iflainz 49. Jahrgang. ■■ ^ranhfurt a. m., Sen Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. SwonneanentSr Gewöhnliche Ausgabe Mk. ILO vierteljährlich, HestanSgabe auf Kunstdruckpapier Mk. 3.— vierteljährlich. (AuHau)Sprrise für die gewöhnliche Ausgabe.' OestrrreichiUngam 8 Kr« RuAandlRuo« Englands sh« Amerika SO cts., Niederlande 1,20 fl.) Abonnements bei allen Postanstalten, Vuchhandlimgm,sowie dir« bei der Expedition, HestanSgabe nur direkt. Inserater 30 Pfennig für die sechsgespaltene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme um durch iuHaasensteiu u. Bögler X^G. Lonto bei der ft. « Poftspnrkaste «Vien Ro. 79605. Frankfurt a. M. und deren Filialen. «onto bei der Rigaer Louunergbank in Riga Gonto bei de« tu Psstsparkafsenanet Budapest Ro. 164*4. und deren Filialen in DwinSk, Libau, Bialpstok, Reval und Lodz Der Nachdruck Ser Artikel und eorrefponderizen des „Israeiif“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es fidi um größere Rufffibe handelt, nur nach vorheriger öenehmigung gestattet. Die nächffe Nummer erscheint infolge der Feiertage am Donnerstag, den 22. Oktober. * ♦nnrw pt . . . Wahrlich ipKannK 'u btnw 70jo 'v: Einzig wie sein Schöpfer ist Israel, unser jüdisches Volk wie isi's doch so wunderseltsam begnadet mit lebenspendender, aufrichtender Eigentümlichkeit. Die Weihe des ersten Tischri, der Ernst des zehnten Tischri sind vorbei, aber die Gefühlsskala, die unsere „Religion" in uns erklingen lassen möchte, endet nicht in Reue und nicht in Zerknirschung, die Zeit der Freude heißt das Fest, zu dessen Feier wir uns anschicken. unnotP föT' erst ist der richtige Abschluß des Tischrimonates, die NOio-Freuoe ist erst der Wahrheitsbeweis für den Zukunftswert all dessen, was uns der fwn tMO und der TL2 Dl' gebracht. — Ist es nicht die bange Sehnsucht nach Freude, nach wahrem Glück, die die düstere Kehrseite unseres modernen Kulturlebens bildet, ist nicht seltener denn je stille, reine Heiterkeit im Menschenherzen geworden, und findet nicht das alte salomonische Wahrwort das so düster klingt: 31*0» *)'DV njn heute mehr denn je seine Bestätigung? Immer mehr und mehr find die NaturMfte den Menschen untertan und doch herrscht überall eine große Müdigkeit und verzweifelndes inbrünstiges Sehnen nach Glück. Und dennoch tritt auch an uns heute der Gottesruf heran Nvw rrm „Du sollst nur freudig sein!" Freude sei die dauernde, nimmer welkende Blüte, welche dein Leben verschönt, trotz allen Ungemachs, trotz allen Leids, trotz aller Kämpfe, riDtff *7*t n'Vn dennoch, trotz alledem soll Freude dein ganzes Wesen durchdringen und dein ewiges Teil bleiben. Es führt uns das Fest hinein, in eine Zeit da unser Volk — noch in der Wiege — nach menschlicher Berechnung keine Zukunft mehr hatte, damals schon wurde es uns in den vier Jahrzehnten unserer Wüstenwanderung eingeprägt, daß es mit seinem ganzen Sein auf Gottes besonderen Schutz angewiesen ist. Aber auch in der O'öpnmö, in der Völkerwüste unserer Tage immer nur f'fcO m yap rw“1 und lernten wir es erkennen, daß wir mir all unserem Besitzen und Genießen immer der schirmenden Götteswattung bedürfen. Und schMNstMMs deshylb zu Tckl, * '.t-zd&rsi'- weil wir Träger und Vollbringer des Gottes- Willens zu sein, als unseren einzigen Daseinszweck auffaßten. Und wenn der Zeiten Ungunst noch so sehr dräute und alles gegen „das einzige Lamm unter siebzig Wölfen" sich verschworen zu haben schien, so predigten die Weisen unseres Volkes doch nicht die Abkehr vom Leben. Sie liebten das Leben innig und h^iß, weil es ihnen ein Mittel war zu hohem, hehren Zwecke. Ihr Leben hatte Inhalt genug zum Warten auf sonnigere Zeiten. Und wenn sie Pie Scheiterhaufen bestiegen zum heiligen Neinfagen auf die Zumutung eines entgöttlichten Lebens, so glühte noch in ihrem Sterben gleich einem Abendröte die Liebe zum freien jüdischen Leben. Sie haben sich das Geheimnis des Lebensglückes dadurch erobert, daß sie nie ihr Leben als Selbstzweck ansahen, und so wurde der Leib erhöht, geadelt der Besitz und veredelt der Genuß. Sie waren nicht Wollende ihres eigenen Willens, sondern desjenigen ihres Gottes, und nachdem sie dieses als Notwendigkeit erkannt, war ihnen diese Erkenntnis Trost und Hilfe in aller Menschennot. Hier ist der Ursprung der jüdischen Freude: dem sich seines Selbst Entäußernden, sich nur im Dienste seines Gottes begreifenden wird die Seele fröhlich. Das ist der hohe Sinn des heiteren Hüttenfestes. Hütten bauen und in schwanken, wankenden, arniseligen Hütten sich doch glücklich fühlen, weil die Bewohner sich geborgen wiffen unter dem Blicke des DOinn }ü V'2v durch Blütensträuße sich erst glücklich zu fühlen, sie erst als eignen Besitz zu betrachten, wenn sie vom Eigner des Alls gereicht und den Brudergeschöpfen im All dargereicht find, das ist das hohe Symbol für den Sinn des Lebens. Wache und horche mein jüdisches Volk. Noch bist du einsam, aber von der Zukunft her kommen Winde mit himmlischem Flügelschlagen und an seine Ohren ergehet gute Botschaft. Wenn auch heute noch auf uus das Wort des genialen nordischen Wahrheitssuchers zutrifft: „Um dazu zu kommen, Heimstätten zu bauen für andere, mußte ich darauf verzichten — selber ein Heim zu haben — doch nicht ewig wird dieser Gegensatz währen. Aus ihrer Seelennot heraus werden die Menschen ausspähen, werden mit letztem gewaltigem Ruck von sich abwerfen, die Last der sie von Gott abschließenden „Dachgiebel", der reine Himmel wird herabschauen auf eine Menschheit, die dann nach des Propheten Wort „im Beugen vor dem Gott der Heerschaaren das Sukkotfest feiern wird." Und die Kochgeräte, die hellig sind, sie stehen nicht im Gegensatz zum Lebensgenuß,' haben wir erst in unserem Kreise den Gegensatz verbannt zwischen Leben und zwischen Gottesdienst, dann wird eine ganze Welt hier die wahre Lebensfreude und Heiterkeit suchen und finden. JYIK2K 'rtb «np .TT1.T21 D^VN'2 TD .TM ♦DP12 iSttDI DHD lllpSl DTOITrt Ss 1821 S. E. ochenrmöschav. [Diener Kulfuspolfrei. Viele jüdischen Kreise Wiens sind mit der gegenwärttgen Gemeindeverwaltung unzufrieden und entfalten nun eine verzweifelte Agitation gegen dieselbe. Mit Recht ober Unrecht bleibe dahingestellt. Jedenfalls macht es die Verwaltung durch die Art, mit welcher sie ihre Macht und Herrschaft ausübt, der Opposition sehr leicht. Fast möchte es scheinen, als wollte der Kultusvorstand, von trüber Vorahnung geplagt, sich noch einmal verzweifelt an seine Macht anklammern. Nur so läßt sich die rigorose Art erklären, mit welcher der Kultusvorstand in jüngster Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten und besonders bei der Bewilligung der Minjanim-Gottesdienste Vorgehen für gut fand. Dieses Vorgehen hat nun ein Kuriosum gezeigt, bei dem niemand etwas profitieren wird und an dem einzig die Antisemiten ihre helle Freude haben müffen und auch haben. Der Bethaus-Berein „Linat hazedek" hat, trotzdem sein diesbezügliches Gesuch vom Kultusvorstande abgelehnt wurde, es gewagt, in seinem Bereinslokale am rutwi ttftn dennoch Gottesdienst abzuhalten. Ein hoher Wiener Kultusvorstand läßt aber nicht mit sich spaßen und weiß im Notfälle seine Autorität auch mit Hilfe polizeilicher Gewalt geltend zu machen. So erschienen mitten im Borlefen der Thora zwei Polizeibeamte im Betsaale, um im Aufträge des Gemeindevorstandes das „Ülegale" Gotteshaus zu schließen. Da kam Hilfe in der Not von einer Seite, von der man es am wenigsten erwarten durfte. Herr Lorenz Müller, der bekannte antisemitische Bezirksvor-

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.