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Der Israelit · 1908-09-24 · Heft 39 (24.9.1908) · page 30

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 39 (24.9.1908)
Date
1908-09-24
Page
– (sequence 30)
Language
German
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“ 4«itt ’ 89. Der JSraettt. 24. SeptttÄer isöö ÜKenfchMt wird die vieldeutige auch in dieser von unserer Elul-Stimmung getragenen heißen Bitte mit ihrem Amen begleiten: tufab uv /□"rtf — nwn mi ,nnvvb mm nnow rvoiD ' non£ niD^D bw #r»3n«r^.= pa *pi b>y •)D» 'IDIO’I ♦HD1D HDTim rDTO In dieses Wort Pflegen wir die Wünsche zusammenzufassen, die wir für einander im kommenden Jahre hegen. Wir sdenken uns dabei vor den Richlerftuhl des Allwissenden, um unser Urteil aus Seinen Händen zu empfangen. Am Jahresanfang — so meinen unsere Weisen — ziehen alle Weltbürger vor Gottes richten dem Auge vorüber, wie die Herde der jungen Lämmer vor ihrem Eigentümer, wenn das Zehntgeweihte der im letzten Jahre neugeborenen Schafe ausgeschieden werden soll. Was besagt der Vergleich? Nicht darum ist das einzelne Lamm zum heiligen Opfer bestimmt, weil es durch besondere Vorzüge hervorragt. Nur als Zehntes in der Gesamtheit ist es ausgezeichnet. Wäre es von der Gesamtheit geschieden, stünde es allein da, es erhielte keine Beachtung, keine Bewertung. Nur als Glied der Gesamtheit hat eS in ihr und durch sie feine Bedeutung. Nur darum „schaut Gott vom Himmel hernieder, und darum sieht er a ll e Menschensöhne, schenkt er Beachtung von der Stätte Seiner Thronung aus allen Bewohnern der Erde, weil für die Gesamtvereinigung Er ihr Herz gebildet hat und Er aufmerkt auf die Gemeinnützigkeit ihrer Taten." Es ist ein echter Psalm eines Zukunfts-Rosch-Haschonoh, dem diese Worte in der Misch iah entlehnt werden. Nichts von der dem Rosch Haschonoh durch die sittliche Unvollkommenheit der Zeit gebrachten Zerknirschungsstimmung. Heiteres, jubelndes Harfenspiel, froher Ausblick, muntere Hoffnung, sicheres Vertrauen, feste Zuversicht. Freilich Pflichttreue und Gerade sind es, die zu Gottes Lob und Preis aufgerufen werden, denn nur bei ihnen kann der Hymnus eine Stätte finden. Nur denen, die D'itP' die?gerade sind, geziemt es, Gott zu loben. Was ollen die Chöre, was die Predigten, wenn das Leben im schneidenden Gegensatz zu diesem Schauspiel in der Synagoge steht, wenn Gottes Name aus den Herzen gelöscht ist, wenn Sein Gesetzbuch gestrichen aus dem Leben, wenn feile Connivenz den Verkehr der Menschen beherrscht, wenn das Herz anders denkt als der Mund es ausspricht, da wollte man es wagen, vor Gottes Angesicht zu treten, Ernst und Erregung zu heucheln mit dem Bewußtsein der Falschheit im Herzen?.' Unser 33. Psalm sieht eine Zukunft vor sich, in der das Rosch Haschonoh-Gebet der Gegenwart erhört ist. Auf allen Gottes Geschöpfen ruht Gottesfurcht, alle Völkervereine werfen sich vor Ihm in Anbetung nieHM und alle Menschen bilden einen Verband, Wwtöeh Willen zu vollführen mit ganzem He^en, derweil — wie Jisroel es seit je gewußt — sie einzusehen gelernt, daß die Herrschaft von Ihm ausgeht, dessen Linke durch Macht gestärkt und dessen Rechte mit Kraft gerüstet ist. Zu solcher Zeitgestaltung ist hinweggenommen die Schmach von unserem Volke, und Ehre wird dem treuen Waffenträger der Wahrheit zu teil. Lob ernten die, die gottesfürchtig stets geblieben, ein Hoffnungsstrahl erscheint denen, die Gott gesucht, und die stumm in unverlierbarer Hoffnungsfreude das schwerste Leid ertragen, die Zunge ist ihnen gelöst, das freie Wort darf von ihren Lippen tönen. Des Landes Sehnsucht ist in Freude gewandelt und der heiligen Stätte Elend strahlt Wonne aus, das Volk sieht aufs neu stin Glück erstarken und mächtig flammt sein Lebenslicht empor. Das ist die Zeit, die Pflichtgetreue aller Zeiten, aller Völker stets erstrebt, sie schauen sie und sind freudig bewegt ob der Befriedigung, die ihre Lebensanschauung und Lebensführung nun gesunden. Es jauchzen auf die, in Gradheit wandelnd, was recht und billig war ohne Anerkennung taten, es jubeln und frohlocken die sich selbstlos in den Dienst des Guten gestellt. Das Unrecht und die Gewalt muß den Mund, der nur Uebermut redete, für immer schließen, und was der Triumph der Gesetzlosen war, geht eitel und nichtig, wie es war, in verfliegenden Rauch auf. Dann singt die Welt ein neues Lied. Huldi gung, die in ernster innerer Erregung dem Herzen entspringt, liefert die Worte zu den Tönen der Begeisterung. Denn gerade ist das Gottes Wort — so wird man singen — und all Sein Werk gründet sich auf treuer Wahrheit. Pflichttreue und Gerechtigkeit liebt Gott. Der Liebe Gottes ist die Erde voll. Das ist der große rYP^Vö Ruf dieses Kapitels. Der große Ruf mit dem die Denker und die Edlen aufge fordert werden, das neue Lied der Welt zu singen, auf daß sie einstimme in den allweiten Chor, daß gerade sei Gottes Wort. Soviel Gegner sich gegen es erhoben, soviel Besiegte sah es vor sich niedersinken. Und es mehren sich die toten und doch beredten Zeugen und tun dem späten Enkel unserer Tage kund, daß der Inhalt, den die Thauroh bietet, daß die Geschichte die sie übermittelt, daß die Personen, die sie nennt, gelebt und gewirkt in dem Sinne und zu der Zeit, wie es die heiligen Bücher der Bibel berichten. Und es erheben sich die Denker ernster Forschung und lassen verstummen die Prahlereien der menschlichen Vernunft und gehen ernstlich mit der Natur zu Rate, sie kommen näher und näher und müssen immer offener und werden immer klarer und lauter sprechen, daß gerade ist das Gottes Wort. Und es stehen auf die Helfer der Menschheit, denen das Elend ihrer Brüder zu Herzen geht und die das Geschick der Völker jammert, und sie möchten neue Grundlagen schaffen für Recht und Gerechtigkeit, neue Wege und Formen für Liebe und Wahrheit. Da müssen sie still stehen vor dem Gottesgesetz, müssen in heiliger Andacht ehrfurchtsvoll zu den Annalen der Geschichte emporblicken und müssen erkennend loben und sprechen, daß all Sein Werk in treuer Wahrheit und wahrer Treue geschaffen und geführt ist. Wenn also der Ruf von allen Seiten ertönt und Gott allein anerkannt ist als König über alle seine Geschöpfe, auf dem Zionsberg, der sichtbaren Stätte Seiner Herrlichkeit und Jerusalem, der Stadt Seines Heiligtums, dann ist die Vergangenheit vergessen. Die rnynrt Töne erinnern uns nicht mehr an die nun gesühnte Sünde, betrüben unseren Blick nicht durch den Hinweis auf das Bild der Zerrissenheit der Menschheit und die Zerfahrenheit der Geister. Die Menschheit hat sich durchgerungen. Sie hat sich selbst erkannt und konnte darum Gott erkennen, sie hat den Blick nach innen gerichtet und versteht darum die Dinge außen.Und folgerichtig und natürlich, nicht als Glaube, nein als Wissen, nicht als Wahrscheinlichkeit, nein als Wahrheit, nicht aus Vermutung, nein aus Ueberzeugung, ergibt sich aus dem Satz: „gerade ist Gottes Wort" der weitere: „Auf Gottes Wort sind die Himmel entstanden und durch den Hauch Seines Mundes ihre Scharen." Die späte Zeit knüpft an die erste an und übergeht die Jahrtausende des Zweifels und des tobenden Kampfes. Die Losung ist gefunden. Ueber der Natur steht der Schöpfer,' und was uns in ihr als Gesetz und Elemente Eigenschaft erscheint: „Der Gesetzgeber tritt vor unser geistiges Auge, wie Er mit Macht und Kraft das wilde Wogen und das ungestüme Toben bändigt. Er, der da wie eine Mauer des Meeres Wasser sammelt und der die Wogen wie in Kammern hält." Drum sollen Gott ehrfürchten, die von Ihm Dasein, Glück und Leben erbitten und erhoffen, sollen von Ihm sich abhängig fühlen die Bewohner der Menschenwelt. Denn Seinem Gebote gehorchet das All und die Kräfte. Er prach und es ward, und nur wenn Er befiehlt, )ann hat es Bestand. Das beweist die Geschichte der Erdenvölker. Zerstört hat Gott den Plan von Nationen, verwirrt hat Er Gedanken von Staaten. Derweil auch in der freien Menschenwelt nur Gottes Plan für immer besteht und Seines Hebens Gedanken von Geschlecht zu Geschlecht. Drum wird ein Fortschritt nur dem Volk zuteil, dessen Gott Gott ist, dem Staat, den Er zum Erbtell Seiner Lehre Sich ausgewählt. Und wie die Erde, die Welt der Schauplatz Seines Wirkens in der Schöpfung, die Menschen, die Wesen alle die Sorge Seiner Obhut und Leitung sind, so soll der Mensch im Streben Ihm nachstrebend auf die Gesamtheit sein Denken richten, für sie denken und schaffen, mit ihr fühlen und für sie fühlen, sie stützend fördern, für sie flehend beten. Nur Fortschritt, nur Segen, wo das Eigenleben ausgeht ins Heiligtum der Gesamtheit, wo wie am Bersöhnungstag der vytp „für Gott" das Sonderdasein, den Egoismus, aufgibt und nur im Weltentempel seines Lebens Ziel und Bestimmung begreift. Vom Himmel schaut Gott und sieht die Menschenkinder, ob als Brüder sie sich fühlen, von der Stätte Seiner Thronung blickt Er nieder zu den Erdenbewohnern ob Gottes Kinder sie sich fühlen. Hat für einander Er doch ihr Herz gebildet, will Er doch, daß Gemeinnützigkeit der Stempel ihrer Taten sei. Das war der Mangel der vergessenen Zeiten und das das Ergebnis aus allem Gedenken, der Grundton des mn^r-Rufes. „Für den König keine Hilfe in der Stärke des Heeres, für den Starken keine Rettung in der Fülle der Kraft. Lüge war der Wahn, daß des Rosses Schnelle zur Hilfe trägt. Machtgrößen bieten nicht bergenden Schutz." — Rufen wir bei dieser Wahrheit nicht aus vollem Herzen: mit mm! Das ist's! Das ist es! Empor, hinauf zur Höhe solcher Lebensweisheit! Es ist das Losungswort gefunden! Im Zuge nach, dem Führer nach, der an unserer Spitze ragend zieht. Der NliLIL^Nuf erschallt und sammelt, leitet uns, verleiht uns Zuversicht und Kraft. Wallen wir weiter unter Gl Auge! Sieh, Gottes Auge ist denen zugew§ die sich Ihn vor Augen hielten, die auf Liebe hofften, ihre Seele zu retten vom g samen Ersterben und sie im Hunger, ^ßem seelischen und wirtschaftlichen, am Leben zu erhalten. Unsere Seele hoffte auf Gott — Er ist ja doch unsere Hilfe, unser Schutz —; denn Sein freut sich unser Herz, denn auf das Wesen Seines Heiligtums hatten wir stets vertraut. So walte, Gott, Deine Liebe über uns im selben Maße, wie wir auf Dich vertrauen. Also möge das Jahr, dem wir entgegengehen, solchen Segen bergen, daß auf der unerschütterlichen, immer mehr erstarkenden Grundlage des Gottesbewußtseins die Menschen für einander wachsen, miteinander streben. Möge auch dem Wirken unserer Vereine in Rheinland und Westfalen, als kleine Teile des erhaltenen Restes ernster jüdischer Lebensbetättgung, es beschiedeu fein, ihr. Scherflein beitragen zu dürfen zur Anbahm ' ^" eines so gezeichneten Zukunfts-Rvsch-H Möge in unseren Gemeinden das My wieder in alter Lebendigkeit und Frische finden, mögen unsere Einzelmitglieder uns { Ziel so wie im ganzen Jahre, so befond! diesen ernsten,großen Tagen desJnnenlebens stärken und fördern. Mögen sie die n*iX& bedenken, die sie dadurch üben, wenn sie helfen in großen und bevölkerten, wirtschaftlich blühenden Landesteilen, in Verkehrs- und arbeitsreichen Provinzen das Panier der Tauroh zu entfalten, um Jvdenheit und Menschheit zurückzuführen zum reinen Menschentum. Mögen sie, Gemeinoen, Vereine und Mitglieder, die unsere Vebände bilden, aber auch die Genugtuung erleben zu sehen, daß ihr, unser gemeinsames Werk, die Sache des Judentums, von Erfolg gekrönt sei. Das wäre Lohn, der reichlich lohnet. Das der schönste Wunsch, den wir für Gemeinden und Mitglieder, für Freunde und Gönner, für Nahe und Ferne zusammenfassen möchten in das alte Wort: N2D nvrnni ravo!

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