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Der Israelit · 1908-09-24 · Heft 39 (24.9.1908) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 39 (24.9.1908)
Date
1908-09-24
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
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4L. GeptevlSev 19ÖS.!->v: - . 'v-. -' Der tzsMp. Sette v LliaSiam-VMl waiilen. l^»n unserem Korrespondenten.) Kon.stantinopel, 2). Sept. Dach von der „Alliance Jsraelite" veröffentlichte Dementi der hier als vollzogen angesehenen Absetzung der Großrabbiner von Jerusalem, Damaskus und Saida hat überraschend gewirkt. Das Dementi dürste auch nur in seinem ersten Teile richtig sein, denn die Absetzung der Rabbiner von Damaskus und Saida ist zweifellos von seiten des hiesigen Kaimakam Chacham-Baschi verfügt worden. Was Jerusalem betrifft, so -sollen die Herren Scherres und Freseo eine Neuwahl einleiten, was mit der Absetzung des bisherigen Chacham-Baschi doch ziemlich identisch ist. Selbst wenn, wie Herr Haim Nahoum behauptet, eine Neuwahl in Jerusalem gesetzlich notwendig und vom Minister gefordert worden sein sollte — was ich stark bezweifle — so würde die Leitung dieser Wahl dem Herkommen gemäß Sache des amtierenden Chacham-Baschi P a n i s e l sein, eventuell unter Assistenz von Vertretern der verschiedenen Parteien. Daß Herr Haim Nahoum seine Amtskollegen und Freunde, die auch die Kollegen des Herrn Antebi im Dienste der Alliance sind, als Wahlkommissare nach Jerusalem schickt, ist ein grober Mißgriff, den man sich in Jerusalem hoffentlich nicht stillschweigend gefallen lassen wird. lieber die hiesige Chacham-Baschi Wahl schreibe ich Ihnen demnächst. Man nennt bereits die fünf Kandidaten die der Mischlisch gischmani vorzuschlagen gedenkt. Selbstverständlich fehlt darunter Herr Haim Nahoum nicht) neben ihm zwei andere Alliance-Lehrer, dann der Chacham von Brussa, Chabib, der'zwei Jahre das Alliance- Seminar besucht hat, und als fünften Kandidaten, den Chacham-Baschi von Kairo, Rafael ben Schimon. ~ Konstantinopel, 23. September. ' (Privat-Telegramm des „Israelit".) Die vom Kaimakam Chacham- Baschi Haim Nahoum ernannte Kommission zur Vornahme von Chacham- Baschi - Neuwahlen in Jerusalem, welche am Freitag abreisen sollte, ist aus bisher unbekannten Gründen zurückgehalten worden. TQrhifdie Toleran?. (Bon unserem Korrespondenten.) k Salonik, 18. September. Mit der neuen türkischen Verfassung wirb ür die Juden, welche ottomanische Untertanen sind, in Kürze auch die persönliche Militär- Dienstpflicht zur Einführung gelangen. Es ist begreiflich, daß man im Kreise der religiös Gesinnten diesem Zeitpunkte trotz des wärmsten patriotischen Gefühles mit Bangen entgegensieht, weil man fürchtet, daß die jungen Leute beim Militär zur Verletzung der grundlegenden jüdischen Gesetze — Sabbath und Speiseverbote — angehalten und damit überdies für ihr ganzes Leoen an religiösen Leichtsinn gewöhnt werden könnten. Ich hatte heute Gelegenheit, diese ernste und wichtige Frage mit zweien der hervorragendsten, Führer der Jungtürken zu besprechen. Beide Herren betonten übereinstimmend, -aß sie die Berücksichtigung der religiösen Pflichten der jüdischen Soldaten für eine berechtigte und auch leicht ausführbare Forderung hielten. Man müsse den jüdischen Soldaten die Wahl solcher Garnisonen freistellen, wo sie rituelle Kost erhalten können, und sie ferner am Sabbath von jeder militärischen Dienstleistung dispensieren. Damit werde nur den Prinzipien der Gerechtigkeit und der Toleranz entsprochen. Es wird natürlich nötig sein, rechtzeitig «ine generelle Verfügung des Kriegsministers im angedeuteten Sinne herbeizuführen, damit sämtliche Militärbehörden seinerzeit entsprechend instruiert werden. Durch die BÄanvtgabe einer solchen Verfügung würde der Enthusiasmus der Mischen Bevölkerung Mr die ihnen, neu sich erschließende militärische Laufbahn jedenfalls mächtig angeregt werden. NaiSjttna. Jerusalem, 18. September. (Privat-Telegramm des „Israelit".) .Kaimakam Chacham-Baschi Haiin Nahoum verlangt Fon der sefardischen Gemeinde taufend Franken zur Bestreitung der Reisekosten der aus den Herren Scherres und Fresco bestehenden Kommission, die hier Neuwahlen leiten soll. Die Gemeinde verweigerte die Zahlung,-da sie über ihre teils vom Auslande gespendeten Wohltätigkeitsgelder nicht für politische Zwecke verfügen könne. Jerusalem, 19. September. (Privat-Telegramm des „Israelit") Die Bewegung zu Gunsten des allverehrten Kaimakam Chacham-Baschi Pan iselnimmtzu. Massenpetitionen sind an den Großvezier und den Kultusminister abgegangen, in denen gebeten wird, den verdienten Mann im Amte zu belassen und ihn gegen falsche Anschuldigungen und Jniulfte n z u schützen, keinesfalls während der Feiertage Neuwahlen anzuordnen. - Frankfurt a. M., 15. Sept. Der „Verband der Sabbathfreunde" in Frankfurt a. M. erhielt dieser Tage ein Schreiben folgenden Inhaltes: „Ihre geschätzte Adresse verdanke ich der Internationalen Traktagesellschaft in Himburg, an welche ich mich in Angelegenheit der Sabvathftage gewandt habe. §ch bin zwar Christ, doch durch Vorträge und eingehendes ttrdium der Bibel zu der Ueverzeugung gekommen, da; auf Grund der 1v Gebote und auch auf Grund verschiedener anderer Bibeltexte nicht der Sonntag, sondern der Sonnabend (Sabbath) zu halten und zu heiligen ist. Nachdem mir in meiner gegenwärtigen - Stellung der Sonnabend nicht freigegeben wurde, habe ich diese Stellung per I. Oktober d. IS. gekündigt und, da eS mir allein schwer ist, eine Stellung zu finden, so möchte ich Sie hiermit höfl. bitten, mir durch fteunbl. Nennung solcher Firmen, welche den Sabbath freiaeben, in der Ueberwtndung der vor mir stehenden Schwierigkeit« behilflich zu sein. In Stellung bin ich gewesen in Holz-, Bau- und FabrikSgeschäften und bin ich befähigt für Korrespondenz (Stenographie und Maschinenschreiben) und für Buchhaltung, evtl, würde ich auch die Leitung eines Geschäftes selbständig übernehmen. Mein gegenwärtiges Alter ist 28 */4 Jahre, vom Militärdienst bin ich vollständig befreit ufw." Dortmund Felix Bernart. Gutenbergstr. 66. Leider war eS dem „Verbände der S abbachfreunde" nach dem Wortlaut feiner Statuten nicht möglich, die Vermittlung in diesem Falle ja übernehmm,waS aber nicht ausfchlietzt, daß sich in jüdischen Kreise« doch noch jemand findet, der fich des überzeugten christlichen SabbathsteundeS armimmt. Schöulauke, 15. Sept. Gestern starb hier die im vorigen Jahre infolge eines Raubanfalls schwer verletzte Wittve Hirschsie war nach dem versucht« Raubmorde dauernd krank. Der Täter ist seinerzeit unrntbeckt geblieben. Laurahütte, 18. Sept. Die jüdische Gemeinde strebt schon seit Jahren die LvStrennung von der Synagogengemeinbe Königshütte an. Ein Bethaus ist hier bereits vorhanden und es handelt fich nur noch darum, einen Begräbnisplatz nachzuweife >. Ueber den Erwerb eines solchen schweben zurzeit Unterhandlungen mtt der KbnigS- und Laurahütte-A.-G. Witkowo, 16. Sept. Die jüdische Gemeinde in Powidz ist, da nur noch eine jüdische Familie dort wohnt, aufgelöst und der hiefigen zugeteilt worden. Sett kurzem ist oaS der zwette Fall. Bor drei' Jahren wurde die jüdische Gemeinde in Mieltschin auch aufgelöst. Dort ist nur noch eine jüdische Person, ein OrtSarmer, vorhanden. Die hiesige jüdische Gemeinde hat durch diese Urbrrweisungen keinen Kartell, da sie damtt nur Lasten übernimmt, Grüustadt, 14. Sept. In Hettenleidelheim wurde auf dem jüdisch« Friedhöfe eine große Anzahl Grabsteine zerstört und. auch sonst in vandalifcher Weise gehaust. Nach den Tätern wird eifrtgst gefahndet. Budapest, 18. Septbr. Die letzte Nummer des «Magyar Mbo* enthält eine charakteristische Mitteilung auS Neutra Dortselbst hatte nämlich vor etwa 3 Wochen am Sabbath die Einweihung des Bethauses der neugegründeten neologen Gemeinde staitzefunden. Der H«nc Mzepräses der neü» Gemeinde war nun samt MeSrr «emahkin in drvrsAb« prachtvollen Fiaker zum behusS U^bergefahren, in welchem Knaben zur Taufe BormittagSgotteSdienste im nähme der für fön reservierten' er vergangenen Winter seine geführt hat. Wilna, IS. Sept. Hier erscheint sett kurzem eine Wochenzeitung „Der Schadchen", die als offizielles Organ der hier stark verttetetenen Hetratsvermittlerzunst gelten soll. Oialifrmt, 15. Sept. Die hiesige Gemeinde wird nun das längst gehegte Projekt, das Massengrab der Pogrommärtyrer mit einem entspreche»-« Dockmal zu versehen, zur Ausführung bringen. Der Stein ist bereits in Arbeit. Mit der Abfassung deS Textes ist der berühmte hebräische Dichter Eh. R. Bialik beauftragt worben. Minsk, 15. Sept. Eine Gruppe von Absolvent« der Minsker jüdischen Ackerbauschule, etwa 20 Personen, wandert nach Argentini« aus, wo fie fich eine lanotviktschastltche Beschäftigung such« wird. Oerei«$w$e«. Frankfurt a. M.. 23. Sept. Im Mockat August 1908 wurdm durch die Aerzte deS Vereins„Lewa an Zion" in Jerusalem behandelt: 1582 diverse'Krattke und 5685 Augenkranke. In der Apotheke wurden 2247 Rezepte verabreicht. Berlin, 14. Sept. Zehn Semester stnü verflossen, seitdem die „Bereinigung jüdischer Akademiker zu Berlin" ins Leb« trat, und ihr Wachstum und Blühen ist der beste Beweis, daß die Ziele, die fie fich gesteckt hat, wahres Judmtum mit echter Bildung zu vereinen und in diesem Sinne noch allen gesetzestrermt Student« einen Sammelpunkt zu Siet«, Kraft genug besitzen, um einem Vereine dm Bestand zu sichern. Auch tat vergangenen Semester hat fie, ihrem Ziele treu, eine reiche Tätigkeit im Innern entfaltet. Zahlreiche Borttäge dimtm dazu, Klarheit über die Frag« zu schaffen, die öfter an ein« jungen, auf gesetzestreue« Boden stehenden Studenten herantrcten. Es sprach« die Herren Dr. M. Hildesheimer über „Kultur und Judentum", Oberlehrer I. Carlebach über „Mtfchnah-ha- Midoth, das älteste mathematische Werk in hebräischer Sprache," Rabbiner Dr. E. Munk über „Einige Kcag« tu betreff der Feuerbestattung", «mb. phil. M. Mmck. „Die physikalischen Grundlagen des Monismus", stud. chem. W. Halberstadt: „Das Gebet im Judentum", Dr. med. S. Möller: „Die biologisch« Grundlagen deS Monismus". Anläßlich der 100. Wiedockchr des Geburtstages von Rabbiner S. R. Hirsch veranstaltete der Verein eine öffentliche Gedenkfeier, die besonders darck der ttefflichm Festrede des Herrn Dr. Ed. Biberfell» ein« würdigen Verlauf nahm. Der BeretnSschiur in Gemarah wurde von Herrn Rabb. Dr. Munk, der Fuxemmterricht von Her« cand. Phil. Max Munk erteilt. Daneben suchte der Verein durch zahlreiche gesellige Beranstalttmgm — Ausflüge, Kegeln und Rudern — den jung« ©tuoenten des öfter« Gelegenheit zu geb«, mtt gleichgesinnt« Genossen in näheren Berkehr zu ttet«. Dem für daS kommende Wintersemester gewählt« Borstande gehör« an die Herren cand. phll. M. Munk (1. Borfitzenoer), Dr. M. Hildesheimer (2. Vorsitzender), cand. jar. E. Metz« (1. Schriftführer), stud. chem. W. Halberstadt (2. Schriftführer), stud. med. S. Haarburger (Kassenwart). Urschrift«, Anfragen Beitrittserklärung« find zu richten an die Adresse des 2. Schriftführers stud. chem. W Halberstadt, Berlin dl 24., KauSnickstr. 17IL Mönche». 28. Sept. Unsere hiesige „Bereinigung jüdischer Akademiker" hatte tm vergangen« Semester eine Mttgliederzähl aufzuweisen, die diöoÄge aller früheren Quartale überstieg. Auch dies ist meftce ein Beweis für die gedeihliche Fortentwicklung unserer Sache. Die BereinLabmde wurd« von einer -Reihe wissenschaftlicher Borträge ausgefüllt. ES sprach« Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. Ehrmtreu über „Das Mische Haus", stud. jur. A. Marburg: „MvseS Hetz, sein Leb« und seine Werke", stud. Phil. I. KrauSz: „Btbl Frauennamen", Hub. kur. C. Cohn: „Die Wisse ~ und das Judentum" (Programmschrift von S. R. y'm), stno. med. dent. S. Ehrmann: „Bon Kant Nietzsche im Lichte de« Judentums." Der Bericht über die Gedenkfeier zum 1VV. Geburtstage S. R. HirschS yfa war seinerzeit aus diesem Blatte erstchttich. AlS n«e Einrichtung hat sich der Fuxemmterricht, der von stud. med. beut Salomon Ehrmann geleitet wurde, besonders gut bewährt. Auch sonst wurde die Pflege be8 rmn ‘TIÜ’S durch die BeretnSfchiurim, für die Förderung der Geselligkeit durch mehrere Kellerabende und Ausflüge M das Gebirge Sorge getragen. Zuschrift» während der Fertm find zu richtm an stud. med. dent. Salomon Ehrmann, Münch«, Sternstr. 32. sterroislie». Frnukfurl a. M.» 23. Sept. Aus einem dom heilig« Ernste erfüllt« Leb«, im letzt« Hauche Btteitschast zur Erfüllung hochhelliger atmend, schritt der in diesen Tag«Heimgegangene Herr Herrn. Markus v") rasch und unvermittelt, ohne Schmerz und Leid in die Ewigeit hinüber. In der vergangen« Woche war», in der Morgenfrühe, als er zur Synagoge geh« wollte, um danach als die ihm teure Pflicht zu erfüllen, da wurde er seiner ^rrtgetrossm« Gattin und sein« klein« Kinde«, unserer Gemeinde entrissen, die iBrem von gebungsvoller Treue erfüllt« Mtwliede erschüttert nachtrauert. I« Pinne geboren, verbrachtt der BerdVchr« sein JüngüngS- und Marmesaltrr «öS Saufmrmn in .5 -Ä '<■

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