Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1908)
- Date
- 1908-09-10
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Leite l 87 Der JSraelit des Messers entsprechende Brettchen, von denen das eine eine Längsfurche enthältdie des Messers Schneide vollständig frei vor stehen läßt und auch den Griff fest lagert, während mehrere Korkplättchen, am Deckelinnern angeleimt, von oben Herabdrücken und die Klinge unbeweglich festhalten. Zwei Bändchen, zwei Schließhaken — und die ideale Scheide ist fertig! Es kann dann nicht leicht Vorkommen, daß der ungeduldige Fleischermeister den ttiw drängt oder ein Veterinär über das zu lange Gefesseltsein des Schlachttieres Klage führt. Der Schächter ist stets en yedette. So trägt mittelbar auch die Scheide ihr gut Teil bei zur Betriebssicherheit der Schechitah. Dabei kommen wir endlich auf das Niederlegen der Tiere und die Fesselung des Kopfes bezw. das Festhalten desselben zu sprechen. Auch hier, ja namentlich in diesem Akte muß die größt möglichste Sicherheit im Schechitahbetrieb erreicht werden. Schon in alten jüdischen Schriften wird uns anempfohlen, beim Niederlegen der Schlachttiere drei Füße zu fesseln, zuletzt erst den vierten beizubinden, um Quälerei und Körpergebrechen, die möglicherweise als nsnto zu beurteilen wären, hintanzuhalten. Die Mischnah erzählt von 24 am Boden befestigten Ringen, die im Tempel zum Festhalten des Kopfes der Opfertiere beim Schlachten dienten. Heutzutage spricht hier auch noch die Verantwortlichkeit infolge der gesetzlichen Haftpflicht mit, wie folgender Fall beweist. Ein christlicher Fleischer zu O. machte die jüdische Gemeinde für einen beim Niederlegen des Tieres ihm zugekommenen Schaden verantwortlich, da er erwiesenermaßen auf Wunsch der Israeliten schlachte, und ein anderer Metzger am Platze nicht existiere. Wenn nun auch die Sache nicht zum rechtlichen Austrag kam, da der Fleischer geschäftlicher Rücksichten halber seine Klage zurückzog, so ist doch klar, daß aus solch peinlichen Vorkommniffen die Schächtgegner stets Kapital zu schlagen suchen. Doch wie gesagt, nicht so sehr um etwaigen Schächtverboten vorzubeugen, mehr des eignen Vorteils halber sollten wir jene Einrichtungen zu vervollkommnen suchen, die seit einem Vierteljahrhundert für das Niederlegen und Fesseln der Schlachttiere getroffen wurden. Allenthalben müßte die „Winde" beim Fällen Verwendung finden. Erfteulicherweise besitzen wir mehrere derartige Apparate, die ein sanftes Niederlegen des Tieres ermöglichen und die Sicherheit aller dabei > eteiligten Personen gewährleisten. Denn in Schächträumen, deren Größenverhältnisse oft zu wünschen übrig lassen, ist auch für den tsriltp, der doch meistens anwesend sein muß, der gute Apparat eine Wohltat, insofern eine ruhige Abwicklung des ganzen Aktes die persönliche Gefahr ausschließt In nächster Nummer beginnen wir mit dein Abdruck des bereits angeWndigten historischen RimanS: Samuel ha Ragid. Eine jüdisch« Erzählung aus der spanisch-mrurischenZeit. Eine poetische Darstellung des reichen Lebens dieses jüdischen Großen war bisher nicht vorhanden. Zerstreut und versteckt in Aufzeichnungen vorwiegend nichtjüdischer Schriftsteller, oft in Sprachen einer Zeit Und von Völkern, die kaum mehr für uns verständlich, war die fesselnde Geschichte von Samuels Leben nur einem kleinen Kreise von Gelehrten zugänglich. Und auch das nicht in einheitlicher Form, denn während in dem einen Werke seine politischen Kämpfe, sein Mannesmut auf dem Schlachtfeld geschildert sind, befassen sich andere mit seinen Federkriegen auf dem Gebiete der jüdischen Sprachwissenschaft, andere würdigen ihn als Dichter, wieder andere als Rabbi und iit seiner Bedeutung als Talmudist und Oberhaupt der andalusischen Gemeinden. Es ist das Verdienst des Verfassers unserer neuen Erzählung, das Bild des hochragenden Mannes ans den einzelnen Bruchstücken und Resten wieder zusammengesetzt und erschlossen und das, was er in den oft spärlich fließenden Quellen nicht fand, mit künstlerischem Verständnis ergänzt zu haben. Die Form des Romans mußte gewählt werden, weil nur in ihr die Seelenkämpfe, die Samuel zu bestehen hatte, geschildert, der Charakter aus den gegebenen Verhältnissen heraus wieder entwickelt und und die Betriebssicherheit der «-0TUP günstig beeinflußt. Noch mehr ist. das durch den Kopfhalter ermöglicht. Der praktische vmw, und nur der praktizierende kennt alle die Momente, welche hier für die Betriebssicherheit oder auch — Unsicherheit maßgebend sind: störrige Tiere, hornloser Kopf, gewölbte Stirne, die ein Ausgleiten des Kopfes begünstigt, leichtfertiges Festhalten dltrch den Fleischer u. dgl. Mit ganz anderem Mute, mit ganz anderer Ruhe dagegen tritt der ttrw hin zu dem Tiere, besten Kopf eisenfest im Apparate ruht. Hier ist ein Fehlgehen ausgeschlossen, Mühe und Sorgen wegen etwaiger Körperverletzung der beteiligten Personen kann es nicht geben, die größte Sicherheit und damit wohl auch der n&'W *WDn ist verbürgt. Wir nennen hier den Kopfhalter von Goldberg, insbesondere aber den Niederlegeapparat „Universal" und den Kopshalter „Humanitas" von Hugo Silberbach-Köln. Einzelne D'tömtr größerer Gemeinden haben ebenfalls sich „Bremsen" zum Festhalten des Tierkopses konstruiert, ohne danrit an die Oeffentlichkeit zu treten. Es wäre wünschenswert, hier eine Konkurrenzprüfung zu veranstalten, um vom Guten das Beste auszuwählen. Zur Zeit am Verbreitesten ist ja der Silberbachsche „Human las". Doch auch an ihm lasten fick) noch Verbesserungen anbringen, Mängel beseitigen. Jedenfalls aber sollte man — wie jüngst am Rhein — nicht warten, bis Schächtverbote uns die Anschaffung dieses oder jenes Apparates nahelegen Fehler verhüten ist besser als begangene Fehler wieder gut zu machen. Es liegt an uns, die Errungenschaften der Neuzeit auszunützen im ureigensten Interesse, “iroy ino Vwjo ,ünsm roiü1?; religiöse Gesichtspunkte wie humanitäre und soziale Rücksichten sprechen hier in engstem Konnex mit. Wem die Ausgestaltung der heilig wichtigen Funktion der.ics'nr^ am Herzen liegt, der suche vor allem in oben beregterArt die Betriebssich erheit derselben zu erhöhen. A. M. Die Lage in Konflanfinopel. Der stellvertretende Chacham-Baschi, Herr Haim Nahoum, hat seine Tätigkeit damit bemm so die Lücken, die die Wissenschaft läßt, attt'grfülit werden konnten. So steigen denn glänzende Bilder jüdischen Lebens aus der Zeiten Dunkel eIipor. Hier verschmelzen maurische und orientalisch-jüdische Gesittung zu einem reizvollen Ganzen. Ihre höchste Menschenblüte aber war Samuel, der fromme jüdische Fürst, ein wahrhafter Held — ein jüdischer Weiser vor Königsthronen. Redaktion und Verlag des „Jsraent. vie 0er Segenwart. Zum Wochenabschnitt. „Wenn Israel vom Lande, das seinen Bätern verheißen wurde, Besitz genommen und stch darin ansässig gemacht hat, so soll der jüdische Bauer eine Auswahl Von Erstlingen aller Bodensrüchte vor Gott bringen und dadurch bekennen, daß der Boden, dessen Besitz und dessen Früchte er sich erfreut, nicht ihm, sondern Gott gehört. Bor dem Altäre Gottes soll er die Ge- 10. September 1908. gönnen, daß er mit Ermächigung des Justiz- Ministers die geistigen Oberhäupter der Gemeinden Jerusalem, Damaskus und Saida kurzer Hand ab gesetzt hat. Den gesetzlichen Vorwand hierzu bieten angebliche Berichte der Gouverneure aus diesen Städten, wonach die Absetzung der von der früheren Regierung nur provisorisch ernannten Rabbiner von den Gemeinden selbst stürmisch verlangt werde! Ob diese „stürmischen Volks- Kundgebungen" in Damaskus und anderwärts ebenso künstlich arrangiert worden sind wie in Jerusalem, wo Herr Antebi programmmäßig die Grundlagen für die Politik des Herrn Nahoum schafft, ist im Augenblick nicht zu kontrollieren. Da Herr Nahoum zur „Ueber wachung" der überall anzuordnenden Wahlen besondere Delegierten entsenden will, so wird von einer unbeeinflußten Kundgebung des Volkswillens leider nicht die Rede sein können. Für Jerusalem sind diese Delegierten bereits ernanntes sind zwei A lliance- Professoren Scherres und Fresco, die als „Wahlmacher" nach dort von Herrn Nahoum entsendet werden. Wie sicher sich die Herren von der Alliance in ihrer Rolle fühlen, zeigt am besten die völlige Ungeniertheit, mit der sie Vorgehen. Es wäre höchste Zeit, daß gegen diese Wa h lbeein fl ussn ng energischer Pro test erhoben und in allen sefardischen Gemeinden gesetzestreue Wahlkomitees gebildet würden, die den französischfreireligiösen Tendenzen des neuen Grand-Rabbins der Türkei rechtzeitig einen Riegel vorschieben. Die Wahl des Chacham-Baschi erfolgt derart, daß zu den 40 Laien und 20 Chachamim des Mischlich ummi (Konsistorium) in Konstantinopel noch 40 Wahlmänner aus der Provinz treten und zwar soviel wir wissen, je 5 aus Jerusalem, Bagdad, Salonik, Adrianopel, Damaskus, Beyrut, Smyrna und Brussa. Wahlberechtigt sind zur Wahl dieser Wahlmänner natürlich alle türkischen Untertanen, auch die aschkenafischen und eine etwa versuchte Ausschließung dieser letzteren müßte durch sofortige Proteste bei der Pforte verhindert werden. Eine Aufklärung der hohen Pforte über die wahre Stimmung der jüdischen Bevölkerung gegenüber den Alliance-Leuten ist bisher nicht erfolgtdie Regierung scheint vielmehr keine Ahnung davon zu haben, daß Herr Nahoum in Wirklichkeit keinerlei religiöse Gemeinschaft mit der erdrückenden Mehrheit der türkischen Juden hat und daher in einem Rechts st aate auch nicht das geistliche Oberhaupt dieser jüdischen Gemeinden sein kann. Ein unbeeinflußtes Plebiscit der türkischen Juden wurde schichte seines Volkes an seinem Geiste voraberziehen lassen, der Leiden und Wanderungen der Väter gedenken, um Gott den D nk abzustatten für die Ruhe des Lebens, die ihm gegönnt, für den Segen des Bodens, der ihm zugedacht ist Dann aber soll der jüdische Landmann sich oll des Guten freuen, das Gott ihm' un> scinrm Hause gegeben, er, der Lcvite und der Fremdling, der in seiner Mitte weil'." (M. 5 Kap. 26 bis Satz 12 . Freude und Jubel herrschte in den Mauern Jerusa lems, wenn die reich geschmückten Landlcute mit ihren vollgefüllten Körben in die heilige Stadt einzogen. Der Bauernstand war nicht mißachtet und unterichäpt, nicht von oben herab sah der Priester und Gekehrte auf den biederen Landmann, denn abgesehen von der hohen Achtung, den der Nälirstand beim ackerbautreibenden jüdischen Vol:e naturgemäß genießen mußte, wurzelte auch er, -er Bauer mit seinem Fühlen und Denken in der heiligen Stad', von wo aus sein Geistesleben genährt und befruchtet wurde, mit der lausende heilige Fäden ihn verbanden, denn „von Zun geht die Thora aus, und das Gotteswort aus Jerusalem," diese Thora, die auch, und ganz besonders in das Landleben cindringt, das in Jerusalem gelehrte Wort Gottes, das ins platte Land hinausströmte, um des jüdischen Bauern Tun und Lassen zu richten und zu ordnen. Darum war der Bauer kein Fremder in den Thoren Jerusalems. Freudig jubelten Dem Bikurtmbringer alle Herzen zu. Ein warmer Sonnenstrahl, ein milder Luftzug aus grünen A. en, von blühenden Gefilden der mit dem Bauer in die Stadt einzog, die Herzn Aller öffnete und sie mit Wonne und Jubel erfüllte. Gehören auch die □’n'Dri zu den niO rVPftnn mSD zu den Pflichten, die nur aus drm heiligen Boden Palästinas Bezug haben, so mag doch der ethische Hintergrund dieser mXD wie kaum einer andere dieser Kategorie auch tm Israel aller Zetten und nicht zu mindest tm JSmel