Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 37 (10.9.1908)
- Date
- 1908-09-10
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Der Israelit Ein Centralorgan für das orthodoxe Judentum Begründet oon Dr. Lehmann in Mainz 49. Jahrgang. Zsn Sranhfurf a. tn., den 10. September 1908. 14. Elul 5668. M 37. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. Abonnements r Gewöhnliche Ausgabe Mt. 1.50 vierteljährlich, HestauSgabe auf Kunstdruckp aprer Mk. 3.— vierteljährlich. (Auslandspreise für die gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich'Ungarn s Lr., RMand 1 Rno., Englands sN.» Amerika SV ets., Niederlande l,so fl.) Abonnements bei allen Postanstalten. Buchhandlungen.sowie direkt bei der Expedition. HestauSgabe nur direkt. Inserate r 30 Pfennig für die sech-gespaltene Tolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratmannahme nur durch mH aasenstein u. Bögler A.-G» «onto bei der 5k. 5k. Postsparkafie «Sie« No. 78 «08. Frankfurt a. M. lllid deren Filialen. Eonto bei der Rigaer «ommerzbank in Riga Tonto bet dem 5k. Postsparkastenamt Bndapeft Ro. 18424. _und deren Filialen in DwinSk, Libau, Bialystok» Reval und Lodz ver Nachdruck der Flrfihel und Correfponden?en des „Israelit“ ift nur unter genauer Quellenangabe, und, foroeit es fidi um gröbere fluffäbe handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gehaftet Die Settiedssicderdelt der Scdecbttsb. Geben wir uns keiner Täuschung hin! Die Tierschützler sind emsig an der Arbeit, nach allen bisherigen Mißerfolgen immer erneute Versucht zu wagen, ihreni „edlen" Ziele allmählich näher zu kommen. Sie scheuen insbesondere die Kleinarbeit nicht. Die große Zahl der im Bauernfang erworbenen Stimmen soll den inneren Wert derselben, ihr Gewicht ersetzen. So zirkulierte der famose „Fragebogen" aus Straubing, der in wahrlich plumpdreister Art aus den Bauernrecte Metzgerfang ausging. Und in jüngster Zeit mehren sich die Versuche wieder, Kommunalschächtverbote einzusühren. Das zwingt uns, stets en vedette zu bleiben. Inter pacem para belium. Nicht stille stehen sollen wir in dem jahrelangen Streben, alle möglichen Vorbeugungsmaßregeln, falls je wieder Lin Feldzug in größerem Maßstabe gegen die altgeheiligte Institution unserer ntt'nttt unternommen werden sollte. Indem wir so dieser Institution die denkbar beste Ausgestaltung geben, erweist sich der blinde Eifer unserer Gegner wieder einmal als ein Teil ener Kraft, die das „Böse will und das Gute schafft." Gelingt es uns auch kaum, jene uufzuklären, die in ihrem Haß zu den ewig Blinden zählen, so möchten wir doch zunächst im eignen Kreise bessern, wo so manches der Besserung bedürftig und zu vervollkommnen möglich ist. Wenn wir hier nun speziell die Betriebssicherheit der ntrntP ins Auge fassen, so berühren wir, das liegt in der Natur der Sache, dabei Momente sowohl religiöser als sozialer Natur. Beides ist kaum zu trennen bei einer Funktion, die einerseits theoretisch auf so altgeheiligten strengen Traditionen basiert, andererseits aber eine rein äußere Tätigkeit darstellt, die durch praktische Uebung erst zur Vervollkommnung und zur Vollkommenheit fühvt. Werden beide Richtpunkte im Auge behalten, dann kann erst von einer eigentlichen Betriebssicherheit der Schechitah gesprochen werden. Bor allem nun erscheint uns die Zeit der Erlernung der Schechitah für durchaus zu knapp bemessen. Auch wo Vorkenntniffe vorhanden sind, dürfte ein Erlernen der so wichtigen Funktion innerhalb 6—8 Wochen nicht zu annähernd befriedigenden Resultaten führen. Wo Mch penible Vorschriften maßgebend sind, wie im Schechitah-Amt, muß ein langes Praktikum vorausgehen, will man den jungen önw nicht allerlei unliebsamen Verlegenheiten aussetzen, deren bedauerliche Wirkungen sich naturgemäß auf Familie und Gemeinde übertragen muß. Denn wohl bei keiner religiösen Funktion trifft letzteres mehr zu als gerade bei der In östlichen Ländern, wo allerdings auch noch die größere nN"P und Thorakenntnis anzutreffen ist, wirt5 ein volles Jahr, ja mitunter zwei Jahre auf das Erlernen der nD''ntt' verwendet. Und mit Recht! Uebung macht den Meister. Die Wahrheit dieses Sprichwortes wird kein Vernünftiger bestreiten. Hier ist der Hebel anzusetzen. Wenn wir die Schechitah in der weiten Oeffentlichkeit mit heiligem Ernst und Nachdruck verteidigen, dann ist es selbstverständliche Psticht, für eine derartige Vorbildung des VlllLt zu sorgen, die entsprechende Betriebssicherheit im Schechitahamt garantiert. Verzagtheit und Halbheit des Schechitah-Funktionärs sind nicht nur vom religiösen Standpunkte aus verwerstich, sie sind auch geeignet, diese Institution in den Augen der Welt zu diskreditieren. Der Feind erspäht so gerne die Schwächen und Lücken, wenn es gilt, einem Gegner Schaden zuzufügen. Darum sollten die berufenen Instanzen, die Freie Bereinigung, Rabbiner- und Lehrervereine vor allem diesem Punkte ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Doch nicht nur die bestmögliche Ausbildung des jüdischen Schächters ift eine Vorbedingung der Betriebssicherheit der Schechitah. Ohne gutes Handwerkszeug kann auch der Tüchtigste nichts leisten. Gutes Schlachtmesser und guter Schleifstein sind solches Rüstzeug. Sonst gleicht der BnlV dem schlecht bewaffneten Krieger, es führt zum Nachteil, ja zum Verderben mitunter. Es ift bekannt, welch großer Unterschied zwischen „Ware und Ware" auch in dieser Branche herrscht. Dieselbe Fabrik liefert oft sehr unterschiedliche Chalofim, wie jeder Schauchet wohl aus Erfahrung bezeugen kann. Das trägt wahrlich nicht zur Betriebssicherheit der Schechitah bei! Zwei Eigenschaften soll, ja muß jedes gute Chalof besitzen: leichte Stellbarkeit. Je nachdem beim Härten im Fabrikationsprozeß das Rechte getroffen wird, ist die Qualität der Ware sehr verschieden. Ein schlechtes Schlachtmeffer ist für den Betrieb der Schechitah durchaus verwerflich. Mitunter bringt es den Schauchet in die heikelste Lage, wenn ein Mißlingen des Aktes einzig und allein des Messers Schuld ist. Nicht jeder ist gewissenhaft und standhaft genug, den auf ihren materiellen Vorteil bedachten Fleischermeistern gegenüber bei der reinen Wahrheit zu bleiben. Es können (Fehler) herbeigeführt werden, besonders auf kleineren Orten, an denen wöchentlich vielleicht ein- oder zweimal geschlachtet wird und man das Resultat „iwd" ersehnt. Darum schützt man auch ein gutes Chalof hoch. Manchem Funktionär ist ein bewährtes nicht feil. Dasselbe gilt auch von Schleif- und Glättsteinen. Um nun durchaus zuverlässiges Material zu erhalten, um den Schauchet vor unnützen Ausgaben und Verlegenheiten in der Praxis zu schätzen, würde sich der folgende Weg empfehlen: Eine Kommission von praktisch tätigen Schauchtim hat die Messer genau zu erproben, ehe sie zum Absatz kommen. Die für gut befundene Ware geht dann von der „Probestelle" aus direkt zum Käufer über, der gerne etwas mehr zahlt, falls er das Gewünschte tatsächlich findet. Es dürfte nicht schwer sein, mit einer Fabrik derartige Lieferungsbedingungen zu vereinbaren. Jeder Meffersabrikant wird seines eigenen Vorurteils halber sich zu solchen Konzessionen gerne herbeilaffen, da ihm ein befferer Absatz gesichert ist. Durch unvorteilhaften d. h. durch Einkauf unzuverlässigen Materials wird Geld verschwendet. Der k2Nw sieht sich nach mancherlei Enttäuschungen und Plackereien zur Neuanschaffung genötigt. Die Betriebssicherheit der 7K2TIV wird empfindlich gestört. Nicht unwesentlich ift in der Hinsicht auch die Messerscheibe. Man halte das nicht für nebensächlich! Das gute Material soll auch erhalten bleiben. Dazu dient vor allem die Scheide. Die Bedeutung derselben macht sich besonders auch dadurch geltend, daß der Schechitah- Beamte vorher fein rpVn richten kann, um es getrost der Scheide anzuvertrauen, der er es -unmittelbar vor dem eigentlichen Akte tadellos entnimmt. Wenn man bedenkt, wie den Schauchet oft in den frühen Morgenstunden die Pflicht ruft, wie er oft stundenweite Wege zurückzulegen hat, wie dann nicht selten lokale Hindernisse und Störungen (Geräusch, Kälte u. dgl.) ihm das „Chalofstellen" erschweren, so wird man den Wert der zweckdienlichen Scheide ermeffen können. Zu einem seinen Instrumente — und das *)v?tv ist ein solches — gehört ein entsprechendes Etui. Es braucht ja nicht luxuriös ausgestattet zu sein. Es genügen in der Hauptsache zwei der Größe