Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 36 (3.9.1908)
- Date
- 1908-09-03
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette 30. Nr. 36. Der JSraclN. 3. September 1908 3$raelifi$cl>e gönigsgescbichte. in. Tie Fricdenszeit, die dem Siege über die Kuschim folgte, benutzte Asa auf Ermahnung des Propheten Asarja ven Oded wieder zur ern ften inneren Arbeit. Gleich beim Antritt der Herr schast hatte Asa allerdings bereits sein Augen merk auf die Ausrottung des Götzendienstes gerichtet. Aber diese Bestrebungen scheinen sich auf den eignen Stamm, auf Juda, beschränkt zu haben. Ob Asa auch in Benjamin das Heidentum auszurotten versuchte, ist zweifelhaft. Keinesfalls aber scheint er dies in den von seinem Bater eroberten Städten Ephraims gewagt zu haben. Hier war der Götzendienst schon zu tief eingewurzelt und die Herrschaft des Davidshauses noch zu unsicher. Jetzt, nach dem gewaltigen Sieg war das Ansehen Asas genügend gestärkt, um selbst in diesem halbheidnischen Teile seines Reiches die Gotteslehre wieder zur Geltung zu bringen. In flammender Rede forderte Asarja ben Oded Volk «nd König dazu auf, dem Worte Gottes getreu zu sein. Und begeistert ging Asa und das Volk ans Werk, die Herrschaft der Tauroh in allen Leilen des Reiches herzustellen. Ein herrliches Aufblühen des Landes war der offensichtliche Erfolg der Treue zum Gottesgesetz. Auch aus den Stämmen des Nordreiches strömten viele herbei, um sich wieder dem Nachfolger Davids anzuschließen. Tie Verhältmsse im Nordstaate waren auch dazu angetan, daß gar mancher dort eine Wiedervereinigung mit den glücklichen Brüdern in Juda herbeisehnen mußte. Von der schweren Niederlage, die er durch Abia erlitten, hatte sich Jerobeam nicht wieder erholt. Vor der völligen Vernichtung hatte ihn zwar der frühe Tod Abias gerettet, aber er konnte gar nicht daran denken, ie verlorenen Städte Ephraims dem aufstrebenden Juda wieder abzunehmen. Der Hauptstamm des Nordreiches, der Stamm Jerobeams, war in zwei Teile zerrissen, und damit war der Dynastie Jerobeams in den Nordstämmen die Stütze geraubt. Mit trüben Gedanken mußte der Greis, der sich einst als Jüngling in frechem Uebermute gegen Davids Sohn erhoben hatte, der Zukunft entgegensetzen. War ihm doch auch der schreckliche Ausgang seines Hauses durch den Propheten Ahia längst vorausgesagt. Nach LLjähriger Regierung starb er. An seinem Sohne sollte die grausige Verheißung des Propheten sich erfüllen. Bereits im zweiten Jahre seiner Regierung wurde Nadab ben Jerobeam von Ba'scha Sohne Achias ermordet. Und mit ihm wurde die ganze königliche Familie hingeschlachtet; nicht ein einziger Sproß Jerobeams entging dem Blut- Vade. Ausgetilgt aus Israel war der Mann, der gesündigt und Israel zur Sünde verführt hatte. Auf den Thron setzte sich Ba'scha. Er war aus dem Stamme Jsachar; das zerrissene Ephraim büßte seine Führerstelle ein. Wohl hatte Ba'scha das Strafgericht am Hause Jerobeams voll- Sogen; aber er selbst wandelte denselben Weg er Sünde wie seine Vorgänger. Da verkündete ihm der Prophet Jehn ben Chanani, daß Gott auch sein Haus hinweg fegen werde wie das Jerobeams. Während Juda unter Asas segensreicher Regierung in herrlichem Aufblühen begriffen war, ward das unglückliche Nordreich vom Königsmord heimgesucht, und düstere Verheißungen matytm auö) die Hoffnung auf eine baldige bessere Zukunft zu nichte. Dies veranlaßte viele Bewohner des nördlichen Reiches nach Juda auszuwandern und sich wieder dem Davidshause anzuschließen. Mit Besorgnis sah es Ba'scha. Fehlte ihm doch ohnedies der Rückhalt an Ephraim, dem stärksten der Stämme des Nordstaates. Zum Teil war ja Ephraim durch Abiam dem Hause Davids zurückgewonnen, und die beim Nordreiche verbleibenden Ephraimiten mochten in Ba'scha, dem Manne aus Jsachar, den Vernichter des ephraimitischen Königshauses, nicht weniger ihren Feind sehen, als in Asa. Mußte er nicht fürchten, daß bald der größte Teil seines. Reiches zum Könige in Jerusalem zurückkehrte? — Aber was tun gegen das fortwährende Anwachsen Judas? Ba'scha schaute sich nach Unterstützung um. Sie glaubte er bei Ben-Hadad, dem Könige von Damaskus, finden zu können. Damaskus begann damals im westlichen Vorderasien Vormacht zu werden und mochte gern die Gelegenheit benutzen, sich in Palästina einzumischen. Im Vertrauen auf die syrische Hilfe begann Ba'scha die Grenzstadt Rama zu befestigen, um zu verhindern, daß künftig Angehörige seines.Reiches nach Juda auswanderten, und wohl auch, um an ihr einen Stützpunkt für seine Angriffe gegen Juda zu haben. — Asas Lage war zweifellos bedenklich: würde er imstande sein,, der vereinigten Macht Ba'schas und Ben-Hadads zu widerstehen? Durch Klugheit glaubte er die Gcfahr beschwören zu können. Derselbe König, den sein Gottvertrauen gegen die drohende Vernichtung durch die Kuschim geschützt hatte, derselbe König mochte sich jetzt nicht auf den Schutz Gottes verlassen, sondern suchte sein Land durch politische Künste zu retten. Ein entscheidender Sieg über Syrien, den Beschützer Ba'schas, hätte voraussichtlich nicht nur lange Zeit die später so unheilvolle Einmischung Syriens in die israelitischen Verhältnisse verhindert, sondern höchst wahrscheinlich ganz Israel wieder unter Davids Hause geeint. Allerdings wäre dieses ein Glück für die Zukunft des Gottesvolkes gewesen, nur von einem Könige beherrscht zu werden, welcher der Höhe einer solchen Aufgabe entsprochen hätte: der Ausgabe, die halbheidnischen Stämme dem Gottesworte zurückzugewinnen, daß nicht sie vielmehr die Verführer Judas würden. Solcher Aufgabe war Asa damals leider nicht mehr gewachsen; deshalb durfte er nicht vor sie gestellt werden. Asa wandte sich an Ben-Hadad und erkaufte mit Silber und Gold, das er zum Teil dem Tempelschatze entnahm, die Freundschaft des Aramäers. Das Geld, das man in Damaskus wohl mehr als Tribut, denn als Geschenk auffaßte, tat seine Wirkung. Ben Hadad ließ durch seine Heere Städte in Israel verwüsten, und eilig stellte Ba'scha die Befestigungsarbeiten in Bama ein. Seinerseits durch die neu erkaufte Freundschaft mit den Syrern ermutigt, läßt Asa das Holz und die Steine, die zur Befestigung Ramas dienen sollten, wegschleppen und damit die Städte Geba und Mizpa befestigen. — Aber die für einen König von Juda schmähliche Handlungsweise Asas, bei Fremden Hülse gegen die eigenen Brüder gesucht zu haben, sollte nicht ungerügt bleiben. Unverzagt trgt ihm der Prophet Chanani entgegen und machte ihm schwere Vorwürfe, daß er in Damaskus Hülfe gesucht hatte, statt bei Gott. Indes, selbst berechtigte Vorwürfe können nur sittlich ganz gesunde Könige ertragen. Asa war dies nicht mehr. Als könnte er damit die Stimme des Gewissens beruhigen, ließ er sich vom Zorne hinreißeil den Propheten ins Gefängnis zu werfen. Diese Tat war ein Wendepunkt zum Schlimmen im Leben Asas. Nicht nur, daß er sich vom Propheten abwanvte, er hörte auch auf, der fürsorgende Vater seines Volkes zu sein. Das, was er bisher als seine Lebensaufgabe betrachtet hatte, das Volk der Gotteslehre zu erhalten, lag ihm wenig mehr am Herzen. Dafür sucht er Ersatz in äußeren Erfolgen auf K-osten des von seinen Bundesgenossen verratenen Ba'scha. Aber auch hierbei hatte er keinen rechten Erfolg. Wie zur Zeit des Rehaheam fanden unausgesetzt Kämpfe zwischen Süden und Norden statt, ocker ohne Entscheidung. Ba'schas durch Blut gewonnene Herrschaft war ihm durch die Fehler Asas erhalten geblieben. Aber auch sein Haus sollte nicht von Dauer sein auf Israels Thron., Als Ba'scha nach der Ermordung Nadabs am Haufe Jerobeams das Strafgericht vollzogen hatte, selbst aber sich nicht um eines Haares Breite besser führte, als seine Vorgänger, da hatte ihm Gott durch den Mund des Propheten Jehu ben Chanani das traurige Ende seiner Dynastie Voraussagen lassen. Es klebt Fluch an einen! blutbesudelten Thron. Das Blut des Vorgängers kann nicht anders gesühnt werden, als daß der Usurpator durch eigene Tüchtigkeit das Land fördert und durch eine segensreiche Herrschaft den Königsmord vergessen läßt. Wehe aber dem Herrscherhause, das mit dem Schwerte den Thron erobert hat, wenn der neue König seine blutige Tat nicht zu sühnen weiß, zweimal „wehe ihm!" aber, wenn sein Arm ent? nervet, die Waffe selbst zu führen. — Ba'scha war sich seines Ursprungs bewußt geblieben. Das- Schwert, das ihn zum Throne geführt, gab er nicht aus der Hand. Eine kriegerfüllte Herrschaft von 24 Jahren war der Erfolg seiner Bluttat. Aber er konnte wenigstens noch als König sterben. Sein Erbe Ela fühlte sich als Königssohn, vergaß, daß er Sohn eines Königsmörders war. Er wollte in Rub" genießen, was sein Vatergewonnen. Die Leitung des Heeres übergab er zwei Obersten, vielleicht in der Hoffnung, daß deren gegenseitiges Mißtrauen die beste Gewähr für die eigene Sicherheit sein werde. Doch er täuschte sich. Während ein Teil seines Heeresunter Führung des Omri mit den Philistern um Gebbethan kämpfte, benutzte der andere Kriegsoberste, Simri, einen Rausch des Königs, uni ihn in der Königsstadt Tirza nach noch nicht zweijähriger Herrschaft zu ermorden. Mit Ela wurden alle Männer und Knaben aus Ba'schas Hause getötet. Ueber die Leiche seines Herrn hinweg stieg Simri auf den Thron Jerobeams. Aber seine Herrlichkeit sollte nicht von langer Tauer sein. Als das Heer bei Gibbethon von der Ermordung Elas hörte, rief es seinen Führer zum Könige aus. Omri zog gegen Tirza. Als Simri sah, daß die Stadt nicht widerstehen konnte, steckte er den Königspalast in Brand und fand in den Flammen den Tod. So endete der dritte der Könige des Nordreiches auf unnatürliche Weise. Ein ftuchbeladener Thron war es, den Jerobeam dem Davidischen entgegengestellt hatte. Dem unglücklichen Lande war noch immer kein Friede beschieden. 5 Jahre lang hatte Omri mit einem Gegenkönige, Tibni beu Ginath, zu kämpfen. Erst nach dessen Tode war er allgemein anerkannter König im Nordreiche. Mit Omri übernahm wieder Ephraim die Führerrolle unter den Stämmen des Nordens. 0orre$potuUnzen u. Nachrichten. ITIarohhanijche Mdtflingp. London, 30. August. Noch immer befinden sich marokkanische Juden auf ihrer Flucht vor den Aufrührern. Sie irren umher, ohne Ruhe und Rast zu finden. So beschreibt ein Korrespondent des „Jewish Chronicle" aus Bona (Algier) den Besuch einer Schaar Flüchtlinge: „Vorige Woche besuchten mich mehrere marokkanische Juden. Sie befanden sich in einem schrecklichen Zustande. Einer von ihnen war ein Greis mit wallendem, weißen Bart, der eher einem wandelnden Geiste, als einem lebenden menschlichen Wesen ähnlich sah. Auch seine Begleiter befanden sich in keinem besseren Zustande. Es war einer unter ihnen, der in den schrecklichen Tagen seine beiden Augen verloren hatte und nun blind in der Welt umherirrt. Die ganze Gruppe stammt aus Casablanca. Vorige Woche — so schließt der Berichterstatter seinen Bericht — betrat ich den Dampfer .„City of Cambridge", der in seinem Kurse von Marokko nach Egypten hier anlegte. Ein Grauen erfaßte mich, als ich auf dem Verdeck, ungefähr dreißig marokkanische Flüchtlinge — Männer, Frauen und Kinder — mit dem Hunger im Gesicht, zusammengekauert sah. Sie waren auf dem Wege nach Egypten, nachdem sie in ihrem Geburtsiande ihrer Habe beraubt wurden und nur nach vielen Widerwärtigkeiten ihr nacktes Leben zu retten imstande waren."