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Der Israelit · 1908-09-03 · Heft 36 (3.9.1908) · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 36 (3.9.1908)
Date
1908-09-03
Page
– (sequence 14)
Language
German
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/ Sette 14 selben geneigt zu machen und Sie auch zu veranlassen, Ihren Großvater zur Taufe zu bewegen — Wenn Ihnen das gelungen wäre, dann hätte Herr Schröder seine Tochter doch nicht enterben können, weil sie dasselbe getan, dann wären dem Baron die Millionen Ihres Großvaters sicher gewesen. — Verstehen Sie jetzt das grauenvolle Spiel, das mit Ihnen getrieben worden ist?" Unheimlich rasch wechselte die Farbe in Edwins ausdrucksvollem Angesicht, eben so rasch wie sein Busen sich hob und senkte. Angstvoll betrachtete der Doktor den mächtig erschütterten Knaben. Er füllte einen Becher mit dem Wasser, das aus dem Felsen rieselte. „Trinken Sie, Edwin, es wird Ihnen gut tun." „Sagen Sie mir nur noch das Eine —" Durch was hat mein Großvater meine Mama zur frühern Heimreise veranlaßt?" „Wenn die Sache nicht so traurig wäre, wäre sie geradezu amüsant. Sie haben in Ihrem Briefe erwähnt, daß Sie sich auch einige Zeit in Kapstadt aufhalten würden. Dort aber hat Ihr Großvater einen Neffen, der gleichzeitig mit Ihrer Mutter in seinem Hause ausgewachsen ist, und er hat vorausgesehen, daß Ihre Mutter während Ihres Aufenthaltes in Kapstadt, wo ihr Vetter als Inhaber eines bedeutenden Bankgeschäftes eine angesehene Stellung einnimmt, denselben aussuchen würde. Er hat diesem Neffen daher durch einen seiner Leute, angeblich im Auftrag der Behörde mitteilen lassen, daß sein Onkel Heinrich Schröder gestorben und daß die Behörde die ehemöglichste Heimkunft seiner Tochterwünsche, damit dieselbe die Erbschaft übernehme. Das hat gewirkt, am Mittwoch sind Sie nach Kapstadt gekommen, am Donnerstag waren Sie bereits auf dem Dampfer, der Sie nach Europa bringen sollte." Edwin drückte die Zähne in die Lippen, daß sie bluteten. „Ich erinnere mich, wir wollten eigentlich zwei Monate in Kapstadt bleiben, dann nach St. Helena und von da nach Brasilien. Aber wir sind nur einen Tag dort geblieben, find gleich an: folgenden Tag abgereist direkt nach Europa — Mein Gott! mein Gott! — wer das hätte denken sollen! —" „Edwin, lieber Edwin, Sie regen sich maßlos auf, am Ende müßte ich es doch bereuen, Ihnen klaren Wein eingeschenkt zu habeu." „Nein, rtein Herr Doktor, das dürfen Sie nie bereuen, das waren Sie mir schuldig." „Der Ansicht war ich auch, aber wenn Sie sich durch Ihre übermäßige Erregtheit krank machen, dann müßte ich es doch bereuen." „Ach, seien Sie doch unbesorgt, ich werde nicht krank. — Aber bitte, sagen Sie mir aufrichtig, halten Sie die Kombination meines Großvaters für vollkommen richtig? — so daß sich nichts dagegen einw'iiden ließe?" Der Doktor zuckte die Achseln. „Ich wüßte Nicht, was sich dagegen einwendeu ließe." _Ter Israelit. __ „Nun ja, freilich, meine eigene Mutter hat mich getäuscht, dagegen läßt sich nichts einwenden, und daß der Baron mit im Einverständnisse war, das unterliegt keinem Zweifel. Daß aber Pater Anastasius von dem an mir geübten Betrug Kenntnis gehabt hat, das ist nicht erwiesen." „Sie haben recht, das ist nicht erwiesen. Gegen den Pater spricht eigentlich nur, daß er sich bemüht hat, Ihre Religion in Ihren Augen verächtlich zu machen. Ist er ein so bedeutender Gelehrter als welchen Sie ihn schildern, so läßt sich dieses Vorgehen absolut nicht rechtfertigen, das werden Sie einsehen." Edwin atmete schwer auf. „Dem kann ich allerdings nicht widersprechen. Aber ich halte es trotzdem für undenkbar, daß, der hochwürdige Herr gegen sein besseres Wissen irgend etwas gesagt oder geschrieben haben könnte, das ist entschieden ausgeschlossen. Weit eher möchte ich vermuten, daß er kein solch bedeutender Gelehrter ist, wie er zu sein glaubt, und wie ich daher auch geglaubt, d. h. er selbst, hat ja nie von seiner Gelehrsamkeit gesprochen, aber Mama und der Baron —" „Die haben allerdings gewußt, weshalb sie davon gesprochen haben, mir steht selbstverständlich kein Urteil darüber zu. Aber nun möchte ich Sie sehr bitten, E:win, lassen wir diese Geschichte und alles, was drüm und dran hängt für heute auf sich beruhen, morgen ist auch ein Tag. Heute wollen wir uns des schönen Waldes freuen und die köstliche Waldluft tief einatmen. „Bitte, Herr Doktor, Sie wollten mir doch erklären, wieso Sie den Inhalt des heutigen Briefes des Pater Anastasius erraten haben." „Das werde ich Ihnen zeigen, heute nachmittag in der Stadtbibliothek, setzt lassen Sie uns spazierengehen." Nachmittags trafen sie sich in der Bibliothek. Der Doktor war schon früher dort als sein Schüler, hatte schon einige Werke für ihn in Bereitschaft. „Katechismus der Jesuiten," „Die Jesuiten und der Jesuitismus" und „Die Moral und Politik der Jesuiten." Er hatte in den Werken bereits jene Stellen ausgesucht, aus die er in ihrer Unterhaltung vormittags angespielt. Als Edwin zu ihm trat nickte er ihm grüßend zu. „Kommen Sie, lesen Sie dieses,, dieses, dieses und dieses. Ta haben Sie die Quellen meiner Weisheit, mit der ich den Inhalt des heute angclangten Briefes erraten habe. Und nun leset: Sie hier, hier und hier. Da haben Sie meine Voraussage in Betreff des Inhalt des nächsten Briefes." Edwiir las die betreffenden Stellen, sie enthielten nahezu wörtlich das, was sein Lehrer ihm gesagt hatte, betroffen blickte er bald auf diesen bald ans die vor ihm liegenden Bücher. Der Doktor lachte. „Was machen Sie für'n Gesicht, Edwiir. Sie scheinen inir noch immer nicht recht zu trauen. Wenn Sie wollen, zeige ich Ihnen Rr. 36. 3. September 1968. oiejelöen Sätze in noch mehreren ähnlichen Werken." „Bitte sehr, ich zweifle doch durchaus nicht. Aber ich möchte nur wissen, wie diese Sätze gerade hierher ‘ kommen." „Darüber können Sie sich sehr leicht Klarheit verschaffen. Sie brauchen nicht alle die Bücher durchzulesen, lesen Sie nur hier einige Seiten, und dann überall dort, wo ich ein Zeichen eingelegt habe." Edwin las, und je mehr er las, desto heißer ward sein Kopf, desto dunkler glühte sein Angesicht. War das in Wirklichkeit die Moral des Mannes, den er so hoch verehrte. Seltsam, viele Sätze, die er da las, hatte er oft und oft ans dem Munde des Paters Anastasius vernommen, und alles, was dieser gesagt hatte, war ihm so erhaben erschienen, so hoch und so hehr. — Und was er da las — erschien ihm geradezu gemeiu und niederträchtig. Edwin war so vertieft in seine Lecktüre, daß er nicht gewahrte, daß nahezu sämtliche Besucher der Bibliothek, dieselbe bereits verlassen hatten und daß die Säle geschlossen werden sollten. „Kommen Sie," sagte der Doktor, inden: er die Hand auf die Schulter des Lesenden legte ltnb ihm seinen Hut reichte, „wir dürfen hier nicht übernachten." Edwin erhob sich hastig, doch ohne irgend welche Bemerkung, schweigend folgte er dem Boranschreitenden. Bor dem Bibliotheksgebände trennten sie sich. Auch an den tiächsten Tagen vermieden es beide wie auf Verabredung, den Namen des Pater Anastasius, sowie seines Ordens zu erwähnen. Zu Beginn der kommenden Woche jedoch kam Edtvi:: seinem Lehrer mit einem offenen Briese entgegen. „Sie haben Recht gehabt, .Herr Doktor!" rief er ihm zu, „genau so wie Sie es oorausgesagt haben, so steht es hier im Briefe. Ist das nicht wunderbar?" „Wunderbar ist das keineswegs, ich habe Ihnen doch gezeigt, woher ich meine Vermutung habe, daß dieselbe eirrgetrofsen ist, ist allerdings merkwürdig." „Wollen Sie den Brief lesen, Herr Doktor?" „Wenn Ihnen ein Gefallen damit geschieht, bin ich bereit." „Ja, es wäre mir ein Gefallen, ich must doch darauf antworten und es steht doch manches darin, worüber ich mir Ihre Ansicht zuvor erbitten möchte." (Schluß folgt.) _ die ihren Sil; in Frankfurt a. M. hat und ans der Bereinigung der Schomre Sckabbolh Vcrrine in Frankfurt a. M.» Berlin und Breslau besteht, hat trotz der Ungunst der wirtschaftlicken Verhältnisse auch im 1. Semester des laufenden Jahres mit gutem Erfolg gearbeitet, indem sie gegen 100 Stellen (säst ausschließlich kaufmännische Gebllfen- Stellen) zur Besetzung brach e. Daneben wurden einer Anzahl Stellenloser vorüb ersehende Beschäftigung nachgewiesen. Die Institution verd-ent daher die lebhafteste Unterstützung aller jüdischen Kreise. __ Für den Inseratenteil Ist die Redaktion nicht verantwortlich; Insbesondere Ist es ansschllessIlchSaehe der Leser, die hn Inseratenteil Kola-Weine. Marke „Greif“. (9479) Nerven und Magen stärkend, Appetit anregend, 7i Flasche 3,00 Mk., V, Flasche 1.75 M. Greif»Apotheke, Frankfurt a. M. ^Telefon 18974. - Waldschmldtstr. liy Taunusstr. 49 WlSSllflllSD TaunuSstr. (am Kochbrunnen.) ii« Pension n. Hittagstisch ■»= WM? I. Ranges. «WM g ~ Lift, Zentralheizung, Bäder im Hanfe. AA « 88 unt.Aufsicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb.vr. Kahn Wies- L S*« haben. — Zur Saison t Swinemünde Restr.Berolina." g 8 (9577) Inh. 8. Karpln. Z hi in, sdürttt fissleüra. o ffenen Füßen, eiternden Wunden rc.) hat sich dar Sell'sche UniVersal-HeUmittel, bestehend aus Salbe, Gaze, BlutrenngungSthee (Preis komplett Mk. 2.50) vorzüglich bewährt. Schmerzen verschwinden sofort. Anerkennungsschreiben laufen fortwährend ein. 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