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Der Israelit · 1908-08-20 · Heft 34 (20.8.1908) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 34 (20.8.1908)
Date
1908-08-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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JjeWarfi Die Juden int (Irreil der römischen Schriftsteller Aus dem literarischen Nachlasse von Solm. Berlin. *) Die Geschichte des jüdischen Volkes in der Periode des zweiten Tempels ist darin eigenartig, daß sie nicht allein die Juden Palästinas umfaßt, sondern auch die außerhalb Palästinas angesiedelten jüdischen Gemeinden. Diese Ausbreitung des jüdischen Stammes über immer weitere Teile und Länder der Erde bezeichnet man mit dem griechischen Namen „Diaspora", hebräisch ro diese letztere Bezeichnung weist auf die Besonderheit hin, die diese jüdischen Ansiedelungen von «anderen, beispielsweise den phönizischen und hellenischen unterscheidet. Es waren größtenteils unfreiwillige Auswanderungen, zu denen die Juden durch das harte "K riegsrecht jener Zeiten genötigt wurden, denen dann viele freiwillige durch den Wandertrieb und durch Handelsbeziehungen hervorgerufen sich angeschlossen haben. Durch den wechselseitigen Verkehr zwischen den Juden und den nichtjüdischen Völkerschaften, welchen die mannigfaltigsten Verhältnisse des Lebens herbeisührten, gewannen die Judengemeinden in der Diaspora eine große Bedeutung für den Einfluß des Judentums und der von demselben getragenen biblischen Weltanschauung auf die religiöse Denkweise der Heiden. Die Berührung des Judentums mit den Griechen und Römern, als. den hervorragendsten Kulturvölkern des. ZlbhW-: tums, ist die am längsten andauernde und darum auch folgenreichste gewesen und hat viele Spuren ,in der Literatur zurückgelafsen. Die darin enthaltenen Urteile der Griechen und Römer über Juden und Judentum, welche ich zum Gegenstand meines heutigen Vortrages bestimmt Habe, dürsten daher in religions- und kulturgeschichtlicher Beziehung besonders geeignet sein, unser Interesse in Anspruch zu nehmen. Bevor ich jedoch in die Behandlung meines Themas eintrete, sei mir ein Hinweis auf die anzuwendende Methode gestattet, der zugleich begründen mag, wieso meine Darstellung einen polemischen oder, ich möchte lieber sagen, apologetischen Charakter haben wird. Die Verfasser neutestamentlicher Zeitgeschichte, d. h. diejenigen Schriftsteller, welche die Zeit der Entstehung des Christentums zum Gegenstände ihrer Darstellung gemacht haben, haben diese Urteile griechischer und römischer Autoren verwertet, um aus der Stellung der Juden zu *) Me Arbeit des vor einigen Jahren verstorbenen Hamburger Gelehrten verdanken wir dessen Schwiegersohn Herrn Hermann Schwab in Hrlberpadt. ‘ biefer Zeit die Erfolge zu bemessen, welche das Judentum im Kampfe gegen das Heidentum zu i erringen vermochte. In diesen Darstellungen wird nach dieser Richtung hin eine mehr öder weniger unwissenschaftliche Methode befolgt. Es werden die aus den verschiedenen Zeitaltern stammenden Urteile unter einen und denselben Gesichtspunkt der Betrachtung gestellt und auf diese Weise Ergebnisse gewonnen, welche für Juden und Judentum sich ungünstig gestalten. Wenn auch nicht geleugnet wird, daß das Judentum dem später in den gleichen Kampf eintretenden Christentum die Wege geebnet habe, wird doch fast ausnahmslos behauptet, Haß und Verachtung sei die Grundstimmung der gebildeten griechisch-römischen Welt gegen Juden und Judentum gewesen, ausnahmslos wird die gesellschaftliche Stellung der damaligen Juden als eine nicht geachtete bezeichnet und die Ursache hierfür in dem Judentum selbst und seinen Institutionen gesucht, in der spröden und unübersteiglichen Schranke, welche das Judentum zwischen sich und der Heidenwelt anfgerichtet, in seiner religiösen und gesellschaftlichen Abgeschlossenheit, die bei den anders denkenden Heiden nur Verachtung Hervorrufen konnte'und dies um so mehr, weil die absonderlichen Gesetze und Gebräuche der Juden ihnen unsaßlich und lächerlich erscheinen mußten. Joels Verdienst ist es, zuerst hervorgehoben zu haben, wie anfechtbar die von jenen Gelehrten angewandte Methode ist, und wie nicht minder anfechtbar die Ergebnisse ihrer Forschung seien. Er wendet sich besonders gegen Renan und Hausrath, weil diese Gelehrten über einen, hervorragend glänzenden Stil und eine bestechende Darstellungskunst verfügen und ihre Werke, populär gehalten, auch für einen nicfyt sachkundigen Leserkreis bestimmt sind. Sein Resultat gipfelt darin, daß nur wenn in diesen Urteilen Zeiten und Zeitverhältnisse getrennt werden, nur wenn man sich die Menschen genau ansieht, welche die Urteile ausgesprochen haben und den Quellen und Ursachen nachspürt, die sie hervorgerufen haben, ein Ergebnis gewonnen werden kann, welches geschichflich treu und wahr ist. Diesen Weg werde ich mich zu verfolgen bemühen, wenn ich mich jetzt auf die Wanderung mit Ihnen durch dieses Literaturgebiet begebe. Die uns erhaltenen 'Urteile griechischer Schriftsteller führen uns zurück auf die Zeit Alexanders des Großen. Dieser gewaltige Held, welcher sich durch einen kühn angelegt?» Eroberungsplan die Aufgabe stellte, eine Verbindung des asiatischen und hellenitischen^Geiftes, der morgenländischen und der abendländischen Kultur herbeizuführen, erwies sich den Juden freundlich. In Folge großer Vergünstigungen, besonders durch das ihnen gewährte Recht, in allen Teilen seines. Reichesungehindert nach ihren Gesetzen leben zu dürfen, wurden sie angeregt, ihre Ansiedelungen immer weiter über den Westen auszudehnen. De« Borbilde Alexanders folgten auch seine Nach? folger. Gleich ihm hat auch der erste Ptolemäer eine große Zahl jüdischer Bewohner Palästinas in Aegypten angesiedelt, ebenso verführe» die.Seleuciden in Syrien, und an jenen zahlreichen, noch in den darauf folgenden Generationen andauernden griechischen Städtegründungen haben die Juden einen hervorragende» Anteil gehabt. Die Tatsache, daß die Machthaber bei der Hellenisierung des Orients gerade die Juden berufen haben, daß diese, eben vermöge ihrer Anlage und ihres Charakters die beste Gewähr für das Emporblühen der neu gegründeten Städte zu bieten schienen, beweist schon zur Genüge, daß die durch das jüdische Gesetz hergestellte religiöse und gesellschaftliche Schranke hei den Griechen keine Abneigung gegen die Jude» hervorgerusen hat, dies bestätigt auch die Lite-? ratur. Es ist ein entschiedener Irrtum, wenn bebehauptet wird, die gebildeten Griechen feie» gleich Anfangs den Juden feinlrch gewesen. Wir besitzen genügend Zeugnisse von Philosophen der nacharrstotelischen Zeit, welche bekunden, daß diese griechischen Freidenker, welche, wenn auch noch' nicht praktisch, so doch theoretisch mit der Volksreligion gebrochen hatten, in der rein geistige» Gottesverehrung der Juden und in ihrem eifrige» und unausgesetzten Erforschen des Gesetzes^ Etwas ihrem Denken und Streben Verwandtes erblickt, und dem Judentum Anerkennung und Bewunderung gezollt haben. Theophrast, ein Schüler des Aristoteles nennt die Juden ein Volk von Philosophen, dabei Tag sich von der Gottheit unterhält, bei Nacht die Sterne betrachtet. K l e a r ch ^erzählt von feinem Lehrer Aristo? teles, dieser sei während seines Aufenthaltes in Kleinasien mit einem Juden zusammengetroffen, der ihm dem Wesen und der Sprache nach als Grieche erschienen, und dessen Weisheit er bewundert habe. Mega st Heues 302—291 ein Diplomat und Geschichtschreiber im Dienste des ersten Seleuciden, der für diesen als Gesandter nach Indien ging und ein Werk uüter dem Titel „Indisches" geschrieben hat, findet bei den Juden teils die Ansichten der . ältesten griechischen Philosophen, teils der indischen Brahmanen wieder. Sein Zeitgenosse Hecataeus (aus Abocra), welcher unter dem ersten Ptolemäer in Aegipte» lebte und eine aegyptische Geschichte geschrieben hat, in weicher der jüdischen Vergangenheit ei» besonderes Blatt gewidmet ist, spricht mit Anerkennung von dem jüdischen Gottesglauben und dem mosaischen Gesetze. (Fortsetzung folgt.) .;vi •'S >5 ■ft - 4

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