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Der Israelit · 1908-08-20 · Heft 34 (20.8.1908) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 34 (20.8.1908)
Date
1908-08-20
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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--rr# yfT^vr* *'■*:■ so. «UWst 19SS. . Der tzsraeltt. Nr. 34. Seite 7. Die jitmistische JahresDersammlung, Cöln, 12. Aug. . Unter Anwesenheit des E. A. C. und der Mehrzahl der Mitglieder des G. A. C-, unter denen man bekannte Persönlichkeiten, wie Prof. Marburg, Dr. Roden heimer, die Reichsratsabgeordneten Gabel,Ma hler, Standusw.erblickte, nahm hier die Jahreskonferenz der zionistischen Partei am letzten Montag ihren Anfang. Der Präsident, Herr Wolffson, eröffnet um 10'/» Uhr vormittags die Sitzung mit einigen kurzen Begrußungsworten in hebräischer Sprache. Nach einer kurzen Debatte über die Geschäftsordnung ergriff der Generalsekretär N. So ko low das Wort'zur Berichterstattung. Aus dem aussürlichen Bericht ist zu entnehmen, daß die zionistischen Arbeiten in den verschiedenen Ländern neben großem Eifer auch manche Mattigkeit aufwiesen, die aber teils durch lokale Hemmnisse verschuldet wcrE. Im Allgemeinen konstatiert oer Berichterstatter, daß die zionistische Idee immer Fortschritte macht und immer weitere Kreise um sich zieht. Aus die politische Lage übergehend, erörterte der Redner die Reise des Präsidenten des A. C. nach Konstantinopel im Oktober v. I., bei welcher Gelegenheit Unterhandlungen ernster Natur gepflogen wurden. Es bleibe als Tatsache gelten, daß der Sultan von einer edlen Sympathie für das jüdische Volk dnrck:- drungen, Unb ilüch nicht abgeneigt sei, das Hiönistisch: Werk unter gewissen Umständen zu fördern; :s stch: ferner über allen Zweifeln fest, daß die Beziehungen der Zionisten zu der Türkei sich in einer fortschreitenden Entwicklung befinden und gute Aussichten für die Zukunft eröffnen. Bei dieser Gelegenheit wurde auch die seit lange geplante Bank-Gründung in Konstantinopel zur Ausführung gebracht und zwar soll oie Bank nicht, wie ursprünglich beabsichtigt, eine Mteilung der Kolonialbank sein, sondern als selbständiges Institut mit voller Bewegungsfreiheit unter dem Namen „Anglo Levantine Banking Company" in London eingetragen und in Konstantinopel ihre Tätigkeit beginnen. Tie neuen politischen Ereignisse in der Türkei haben die Hoffnungen der Zionisten nicht geschwächt, sondern vielmehr gestärkt. Sie, die Zionisten, wollen mit dem vorwärts strebenden otomanischen Volke einen ebenso innigen Kontakt suchen, wie mit den von ihm anerkannten Autoritäten. In Rußland sei der Stand der Zionistischen Partei oer denkbar schlechteste gewesen, woran in erster Reihe die traurigen Ereignisse der letzten Jahre schuld waren. Aus diesen und viel:» anderen Gründen entschloß sich nach längeren Unterhnadlungen der Präsi- 'vent des A. C. vor zwei Monaten, einer Einladung des rassischen Premier-Ministers nach Petersburg in Begleitung des Generalsekretärs zu folgen, wo er auch sehr wohlwollend als Leiter der Zionistischen Organisation empfangen wurde und eine Reihe von Konferenzen mit den 'Vertreter der russischen Zentralregierung über die Zwecke und Aufgaben des Zionismus hatte. Die Reise hätte im Prinzip schon jetzt insofern ein günstiges Resultat gezeigt, als die oortiben Zionisten zu neuem Hoffen und zu neuer Arbeit wieder ermutigt wurden. Das Hauptmerkmal der Arbeit innerhalb der Organisation bildete die Einrichtung neuer Prrteiinstitutionen, zu denen das Palästina-Ressort und das Palästina-Amt zu zählen sind; die Leitung des letzteren Institutes wurde Herrn Dr. Rupprn, einem guten Kenner Palästinas übertragen. In Berlin wurde versuchsweise eine besondere Mteilung des Zionistischen ZenfraPureaus zum Zwecke der Aopaganda eingerichtet, welche zugleich als Buteau des Palästina-Ressorts zu funktronieren hätte, die aber mit Rücksicht auf die ungünstige finanzielle Lage der Organisation nicht aufrecht erhalten bleiben könne. Der Bericht geht auch aus den bekannten Prozeß wegen Abänderung des Bankmemorandums ein und teilt mit, daß der Prozeß noch weitergeführt werden sott. Die Kosten des Prozesses beliefen sich bisher auf insgesamt Lstrl. 1661. In Bezug auf die Palästinaarbeit konstatiert der Bericht einen frischen, lebendigen Geist. Besonders entfalteten das Palästina-Ressort und Palästina-Amt in Jaffa große Tätigkeit. Die „Anglo Palestine-Company" wachse sich mehr und mehr zu einer bedeutsamen Stütze des jüdischen Elem entes in Palästina aus. Die Lage der Banken sei eine durchaus befric- «. Die Jüdische Kolonialbank war in der Lage, vidende von 66, die Anglo Palestine-Company eine solche von 96 zu verteilen. Der Bericht spricht sich auch befriedigend über dir Entzvicklung der beiden offiziellen Organe „Dir Welt"" und „Der Ha-Olam" aus. In der ersten Hälfte des Geschäftsjahres betrug der vom A. C. dem erstgenannten Blatte geleistete Zuschuß 8500 Mk., in der zweiten Hälfte wird noch ein Beitrag von 3000 Mk. erforderlich sein. Hemmend auf die Entwicklung des „Ha-Olam" wirkten die Verhältnisse in Rußland, die eine regelmäßige Zustellung desselben an die Monnenten unmöglich machen. Es hriwsche die Wsicht, das Blatt mittelst der Zentrale in Wilna künftig dortselbst erscheinen zu lassen. Der „Jüdische Verlag" zeigt nach wie vor eine nicht befriedigende Entwicklung, aus welchem Grunde , eine durchgreifende Reorganisation des Unternehmens als unvermeidlich erscheint. Die finanzielle Lage des A. C. fei im Allgemeinen nicht günstig. Die Ausgaben haben sich infolge verschiedener Neueinrichtungen wesentlich erhöht. Die im Rechnungsjahre eingezahlten Schekelgelder betrugen insgesamt 27,297.15 Mk. gegen 65,269.28 im Vorjahre. Der am letzten Kongreß gegründete Parteifonds wollte ebenfalls nicht vorwärts kommen. Die nach dem Kongreß eifrig entfaltete Agitation zu Gunsten dieser Institution hätte die erhofften Resultate nicht gebracht, woran in erster Reih: die Landsmannschaften, die für den Partei-Fonds nur lässig gearbeitet haben, verantwortlich gemacht werden. Es soll nach Mitteln und Wegen getrachtet werden, ein für allemal eine geordnete Finanzwirtfchaft herbeizuführen. Es liegen einige diesbezüglichen Anträge vor, über die reiflich diskutiert werden sott. Es lieaen auch außerdem Anträge des Herrn Dr. Gron> mann betr. Aenderung der Geschäftsordnung des Kongresess, außerdem auch ein Antrag bezüglich der Einsetzung eines Ehrengerichts vor, da. das bestehend? Kongreß-Gericht in vielen Fällen versagt hatte und den Ansprüchen nicht genügte. Die Einnahmen des Partei-Fonds im Rechnungsjahre ergaben die Summe von 69,396.02 Mk. Vor Eintritt in die General-Debatte wird aus Antrag des Herrn Dr.B öden heim er mit Rücksicht darauf, daß voraussichtlich die Fragen der äußeren Politik zur Verhandlung kommen werden, die Sitzung als eine vertrauliche erklärt. In dieser vertraulichen Sitzung wurde die jetzige politische Situation in der Türkei im Verhältnis zum Zionismus nach allen Richtungen eingehend besprochen. Ebenso die Gestaltung der neuen Verhältnisse in der Türkei bezüglich der dort lebenden Juden. Im Vordergrund der Debatte stand die Frage der nun einzuschlagenden Methoden des politischen Zionismus und der Kolonisation in Palästina. Die Abendsitzung begann um halb 10 Uhr und wurde vom Präsidenten Dr. Wolffsohn mit der Verlesung einer Reihe von Entfchuldigungs- und Begrüßungs-Schreiben eröffnet, woraus dann die Berichte der einzelnen Landesmannschaften folgten. Nachdem im Namen der Südafrikanischen Federation Herr Keßler und Herr Dr. Brande für die Landmannschaft in Oesterreich-Galizien referierten, gelangte folgende Resolution zur Abstimmung und einstimmigen Annahme: „Die in Köln versammelte Jahreskonferenz begrüßt freudig die von Sr. Majestät dem Sultan gewährte Neuordnung der Verhältnisse im türkischen Reiche, indem sie der Hoffnung und dem Wunsch: Ausdrucke gibt, daß diese zur Festigung des Reiches beitragen und das Wohl aller seiner Völker fördern wird." Die Herren Bentwich und Moser geben Aufklärung über die Lage in England und führen aus, daß der Stand der Bewegung in England z. Z. durchaus befriedigend sei. Ueber die Arbeit der Rumänischen Federation erstattete Herr Schein ausführlichen Bericht. Herr Scheinkin sprach über die zionistische Arbeit in Palästina und hob her.or, daß die Kolonisten für die Bank großes Jntereffe beweisen und bei ihr Einlagen machen. Die Abnahme der materiellen Einnahmen bilde seiner Meinung nach keinen Maßftab für die zionistische Tätigkeit in Palästina. Bedeutend seien aber die kulturellen Arbeiten, die er einzeln aufzählt, um ganz besonders das hebräische Gymnasium hervorzuheben. Ueber die Lage in Rußland sprach Herr Goldberg Nachdem die Herren Bernstein, Trietsch. Gronemann verschiedene Meinungen äußerten) wurden noch zwei Resolutionen, die Schekelsammlung und den Partei-Fonds betreffend, einstimmig angenommen. Am Mittwoch, den 12. August, wurle die Sitzung um 10'/, Uhr vom Präsidenten eröffnet. Eine vom E. A. C. zur Beratung gestellte Resolution rief eine lange, heftige Debatte hervor. Die Resolution lautet: „Me Jahreskonferenz beschließt, die Aufsichtsrät: der zionistischen Institutionen aufzufordern, sich dafür einzusetzen, baß diele Institutionen alljährlich einen Beitrag, der ungefähr 10 % ihres Reingewinnes oder Einkommens entspricht, an die zionistische Organisation abzuführen." Feiwel spricht sich sehr energisch gegen die Resolution aus, ebenso Dr. Bodenheim er. Tri et sch betont, daß für die Unterstützung des Nationalsonds gesorgt werden muß, aber jede Inkonsequenz in dieser Sache vermieden wewen soll. Für die Resolution sprechen sich Dr. Hantke, Dr. Keßler, Dr. Maler und noch einige aus. Dagegen sprechen sehr entschieden Stand,.Moser, Goldenberg und Tschlen ow. Rach einigen eindrucksvollen Worten des Präsidenten wird die Sitzung unterbrochen. Bei der Wiederaufnahme derselben um 37a Uhr nachmmittags teilt Herr Wolffsohn mit, daß der E. A. C. seinen Antrag, falls die Jahreskonserenz denselben nicht mit großer Majorität annehmen sollte, zurückziehen . werde. Dr. Hantke schlägt vor, sämtliche vorliegenden Anträge einer Kommission zu überweisen, die versuchen solle, eine Einigung zu erzielen. Dieser Antrag wurde angenommen, und die Kommission aus fünf Mitgliedern gebildet. Mit der Durcharbeitung der Entwürfe zur Schaffung einer neuen Geschäftsordnung für den Kongreß wurden die Herren Dr. Hantke und Dr. Bernstein betraut. Hierauf berichtete Herr Dr. Hey mann für den Finanzausschuß, in dessen Namen er dvc Konferenz einige Anträge stellte. Es soll 1) eine permanente Finanzkommission gebildet werden, die, mit dem Rechte der Kooptation ausgestattet, der nächsten A. C.-Sitzung einen Plan zur Ausgestaltung der zionistischen Finanzen zu entbieten hat; 2) die I. C. T. soll dem E. A. C. einen Beitrag von 2000 Lstr. aus dem Reservefonds II des I. C. T. für Inhaber verfallen erklärter Aktien zur Verfügung stellen. Weitere Anträge betreffen die Termin-Einsetzung für die Einsendung der Schekel-Gelder und die Verjährungsfrist der Dividenden. Nach Annahme sämtlicher Anträge wurde die Sitzung um 8 Uhr Abends geschloffen. Donnerstag fand noch eine Sitzung des Direktoriums des Jüdischen Nationalfonds statt. Die Jahreskonferenz beschäftigte sich an diesem Tage ausschließlich mit dem Palästina-Reffort und nahm auch einige diesbezüglichen Anträge an. Um 27a Uhr wurde die Jahreskonferenz mit einer Dankeskundgebung an den Präsidenten deS E. A. C. und den Vorsitzenden des Palästina- Ressorts geschloffen. * * * Am Abend veranstaltete die zionistische Bereinigung in Cöln eine öffentliche Volksversammlung im großen „Saale der Bürgergesellschaft", die sehr stark besucht war. Es hielten zionistische Agitationsreden u. a. auch die drei anwesenden österreichischen Reichsratabgeordneten die Herren Dr. Mahler, Dr. Gabel und Dr. Stand. Es sprachen ferner Prof. Mettmann, Dr. Scheinkin, Prof. Bernstein-Kohan. Gelsenkirchen, 17. August. Der herein zur Wahrung der religiösen Interessen des Judentums in der Provinz Westfalen" schreibt uns: „Auf wiederholte Anfragen, ob wir in der bekannten Schächtverbotangelegenheit des Regierungsbezirks Minden keine geeigneten Schritte unternommen hätten, sehen wir uns zu folgender Veröffentlichung veranlaßt. Wir hielten aus verschiedenen Gründen den Austrag der bedauerlichen Angelegenheit nicht für opportun — und müssen uns auch jetzt noch Reserve auferlegen — unsere Maßnahmen in der breitesten Oeffentlichkeit zu erörtern. Zur Orientierung diene folgendes: 1) Die durch Herrn Dr. Hildesheimer zur Verfügung gestellten und von der Gemeinde Marburg verwandten Gutachten des höchsten Veterinärbeamten Westfalens Veterinärrats Hinrichsen Münster, der westfälischen Universitätsprofefforen des Direktors des physiologischen Instituts Professor Dr. Rosemann und des Direktors des anatomischen Instituts Professor Dr. Ballowitz, stammen aus unserem Büreau und sind durch unseren Verbandsrabbiner erwirkt worden. Mit diesen Gutachten ist durch unsre Bereinigung die wirksamste Grundlage zur sachlichen Awehr der Angriffe gegeben worden. 2) Sofort nach Kenntnisnahme der Vorgänge im Regierungsbezirk Minden entsandten wir am 7. Juli einen Vertreter an die Königl. Regierung

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