Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 33 (13.8.1908)
- Date
- 1908-08-13
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Sette 14. Der Israelit. 13. August 1908. «r. 83. lächeln „auch darum handelt es sich nicht, sondern um den Uebertritt eines Juden zum Christentum." „Der ist überhaupt unmöglich," erwiederte der Doktor entschieden. „Unmöglich?" erwiederte Edwin betroffen, „aber ich bitte sehr, es kommt doch alle Tage vor, daß Juden sich taufen laffen." „Aber glauben Sie denn, daß sie dadurch aufhören Juden zu sein-?" „Nun selbstverständlich." „Keineswegs selbstverständlich. Wodurch sind wir denn Juden? ' „Nun durch unser Bekenntnis/ erwiederte Edwin. „Sie sind im Irrtum, unser Bekenntnis hat mit der Tatsache, daß wir Juden sind nichts zu tun. Juden sind wir einzig und allein durch unsere Geburt, durch die wir zu den Nachkommen Jakobs gehören, die Gott verpflichtet hat, alle Borschriften und Gesetze seiner Lehre strengstens zu beobachten. Und da könnten Sie glauben, wenn es uns nicht gefällt, alle diese Gebote zu halten, so könnten wir einfach zum Geistlichen gehen, uns mit s.g. Weihwaffer besprengen laffen und dann wären. wir nicht mehr zur Beobachtung 'der spezifisch jüdischen Gesetze verpflichtet? — Das haben Sie geglaubt?" Edwin hatte wiederholt die Farbe gewechselt. „Geglaubt habe ich es — es kommt doch so häufig vor, daß man gar nicht genau darüber nachdenkt." „Dann bitte, denken Sie einmal genau darüber nach." „Ja, aber ich glaube doch — wenigstens habe ich Sie so verstanden, daß Sie den Uebertritt zum Judentum zwar nicht empfehlen, aber doch für möglich halten." „Sie haben mich richtig verstanden. Ich würde zwar keinem Nichtjuden empfehlen, zu den Pflichten, die ihm als Mensch obliegen auch noch diejenigen zu übernehmen, die nur dem Juden geboten sind. Aber ich kann doch nicht behaupten, daß es ihm unmöglich wäre dieselben zu übernehmen. Nicht wahr, das sehen Sie ein? „Freilich, das sehe ich ein, übernehmen kann jeder, was er will." „Aber eine ihm von Gott auferlegte Pflicht abschütteln oder abwaschen, das vermag kein Mensch. Darum ist es sehr wohl möglich, daß ein Nichtjude zum Judentum Übertritt, aber unmöglich ist der Uebertritt eines Juden zu einer andern Religion. Mag er sich taufen laffen, so oft er will und sich Christ nennen, darum bleibt er doch Jude und ist doch zu allen Gesetzen und Vorschriften cher jüdischen Lehre verpflichtet. Das sieht der denkende Christ auch ein, in dem Neuen Testament, das ich Ihnen nwrgen bringen will: heißt cs ^>usdicklich: Ich bin nicht gekommen, die Lehre, die Moses euch gebracht auszulosen, sondern sie zu festigen — In der ersten Hälfte des Neunzehnten Jahrhunderts kam ein Jude zu dem Erzbischof von Breslau und bat um Aufnahme in den Bund der Christenheit. Der Erzbischof fragte, aus welchem Grunde er übertreten wolle. Der Jude erwiederte, die christliche Religion gefalle ihm besser, er wäre es überdrüssig ourch die unzähligen jüdischen Gebote beengt zu werden, darum verlange er die Taufe, um durch dieselbe von all diesem Druck befreit zu werden. Darauf erwiederte der Erzbischof, wenn das der Grund wäre, weshalb er die Taufe verlange, so könne er seinem Wunsche nicht willfahren. Denn wenn er vor der Taufe zur Beobachtung der jüdischen Gebote einfach verpflichtet gewesen, so wäre er nach empfangener Taufe doppelt dazu verpflichtet, da der Stifter der christlichen Religion ausdrücklich erklärt habe, nicht lösen wolle er die Mosislehre sondern festigen." Edwin blickte sinnend vor sich nieder. „Also morgen werden Sie mir das Neue Testament bringen, nicht wahr Herr Doktor?" „Wenn ich nicht daran vergesse." „Sie werden nicht daran vergessen. Aber bitte, Herr Doktor, das könnten Sie mir vielleicht heute noch zeigen. Eine Lehre des Neuen Testaments lautet: Nicht darauf kommt es an, was in den Mund hinein geht, sondern darauf, was aus dem Munde herauskommt. Das ist doch auch eine Sittenlehre, sie will uns vor jeder Lüge, jeder Verleumdung, überhaupt vor allem Unrechten- Reden warnen." (Fortsetzung folgt). Für Ibb Iiseratentell ist die Redaktion nicht verantwortlich; lnshesondere Ist es ausschliesslich Sache der Leser, die 1« Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder Sonstigeingaben rellglonsgesetzllchen Charakters auf ihre Zuverlissigkeit zu prüfen. Israetitiscfis Realschile isMrscliile in Fürth (Bayern). Das neue Schuljahr beginnt am 7. September. Di6 Reifezeugnisse der At statt berechtigen znm einjährig' freiwilligen Militärdienst und zum Eintritt in die Ober- Realschule- Kleine Klassen, daher energische Förderung 1 der einzelnen Schüler. Auch diesmal bestanden sämtliche Absolventen die Prüfung. Jahresbericht sowie jede nähere Auskunft durch den Direktor 10855) Ihr. A. Feilchenfeld. - 81 - WIESBADEN Monat und Miere Tficbtefschnte m Hermine Wollt. K*f**9we *»* Sitttttfc* zu jede» Zett. c*osp«tte «sc» tMetnm dmech Ut Vorsteheahu. - («MO WItfCD All CM Rüöesheimer- W lttODAJJJin. srrasse 9 Pensionat — RQSesheimer Strasse 5 — Israelitisches Töchter ••grOndet 1874. . . . .. Geschwister Sobernheim, Erste Referenzen. Ctoftndllche w lmmenmchnftUclie und hkanliehe Ambildung. (9990) Frankflirt a. V. Dr. Heinemannscbes Institut und Mora Mädchenschule nebst Fortbildungskursen. Wissenschaftliche, gesellschaftliche, häusliche Ausbildung. Aufnahme von Pensionärinnen zu jeder Zeit. Prospekte durch die Vorsteherin. (9177) Fran Ihr. Heinemann. Berlin W., Acuenbacfcstr: 3. Wollmanii’seljes Töchferpensionai Schal unterricht a. Fortbildungskurse Marie Kutnewaky. <8814 gmnuaiti.«» Wiesbaden (am Kochbrunnen.) -ipd Pension i. Hittagstiseh "*■» MT I. Randes. 'MW | - Jtjß Lift. Zentralheizung, Bäder im Haufe. jW | 88 untAussicht Sr. Ehrw. Herrn Rabb.Dr. Kahn «ieS- » ft» baden.- Zur Saison i. 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Ueder den Eingang der Gaben, zu deren Entgegennahme und Weiterbeförderung ich mich gern bereit erkläre, wird an dieser Stelle qmtttett werden. (10840 K1n 1. »w 5668. 2V. Juli 1008. De. Emanoel Carlebach Rabbiner «nd Sencinarbirektor. ---- 23^3 543923 0454