Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 32 (6.8.1908)
- Date
- 1908-08-06
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
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4* Jahrgang M 7üdiöchcr Volköfrcund Mouatr-Beilage zum „Irraelil Tcrantwortlick Redaktion* Rabbiner Dr. ß. ttlolf ta Köln \u^h Dip1 irp*?K um „Aber müssen wir nun deshalb aus eine einheitliche Weltanschauung verzichten? Keinestv.gs! Denn Einheitlichkeit ist nicht Einerteiheit, und Harmonie, ist nicht Identität. Die wahrhaft harmonische Welt- und Geschichtsbetrachtung ist längst gefunden: dasmniversum, in welchem die Spuren des Intellekts nicht geleugnet werden können, ist von einem Uge i st geplant und wird von seinem ersten Beweger auch im Zeitenström zu einem erhabenen Ziele geleitet." Eduard König schließt mit diesen Worten eine Kritik des Monismus in seinen drei Formen: Monismus des Stoffes, Monismus des Geistes, Monismus der Kraft. lZeitschrrft „Nord und Süd", Juni-Heft 1908) Im großen Blütenkranz, den unbewußt die ernste moderne Literatur der Thora windet, bilden diese Worte eine schöne Widmung. Von der Thora zur Thora nimmt die Geschichte des Menschengeiftes ihren Weg und von Jeremias Unglücksnacht bis zu Jesajas heiterm Morgenleuchten erhebt sich das Menschenleben zu seiner Erlösung. Jeremias klagt: „Wer hat nun endlich die Erfahrung gesammelt, daß er die Erkenntnis für das Leben sich angeeignet und es der Welt vor Augen führe, was der Mund Gottes zu ihm geredet: Weswegen ist das Land verloren, verheert wie eine Oede, die kein Wanderer durchzieht? Fürwahr also hat doch Gott gesprochen: Weil sie meine Lehre verlassen haben» die ich vor sie hingegeben, sie aber hörten nicht auf meine Stimme und wandelten ihr nicht nach. Sie folgten dem Eigendünkel ihres Her¬ F e u i 11 je t 0 «♦ eine Berliner Reise. „Recha, denke nur, ich darf nun doch zu Onkel Karl nach Berlin!" Mit diesem Jubelruf eilte ein etwa 17 jähriges Mädchen auf ihre Freundin zu, die gerade in Hut und Mantel die Straße daherkam. „Also, es wird doch ernst mit der Absicht? Deine Eltern willigen ein?" fragte die als Recha ' Angeredete. „Ja, ja, es hielt schwer genug, aber Papa i hat mir doch nachgegeben; wie ich mich freue!" Ja, das glaube ich dir. Doch komme, .Klara, du mußt mir Näheres erzählen, im Spazieren- < gehen läßt sich am besten plaudern." Die beiden jungen Damen gingen zusammen weiter den bescheidenen Anlagen zu, die seit eini- \ gen Jahren die kleine Stadt verschönten. Es war ein anmutiges Bild, das sich hier dem Beschauer bot, ein ziemlich breiter Fluß begrenzte die Stadt und jenseits des Wassers sah man über fruchtbaren Feldern die schönen Linien des nahen Gebirges ausragen. Heute war eß still in den Anlagen, die Sonntags der meistbesuchte Erholungsplatz für die Einwohner waren. Die Freunzens und hingen der Vergötterung der wirkenden Nat^kräfte nach, wie ihre Väter sie gelehrt." Es ist ja n i ch t das Neue, das außerhalb des Judentums kennen gelernt wird. Der alte Naturwahn der Väter in zeitweiliger Modernisierung wird immer aufs Neue wiederholt. Der moderne Zuschnitt gilt als neuestes Original. Das Wesen ist ja das alte. „Waren doch früher Götzendiener unsere Väter", unsere Alten. Daß sie dann Gott näher zu treten gewürdigt wurden, Ihm zu dienen, darin bestand die fortschrittliche, wesenhafte Reform der jüdischen neuen Zeit. Wer immer zurückgreift auf Zufall und Schicksal, der hat mit der alten Mantik seinen Geist erfüllt und mit den Orakeln der Heidenvölker einen Pakt geschlossen: „an den Wahn gebürten der Fremden findet er sein Genüge." So Jesajas Wort. Welcher Vorteil dann, „ivenn sein Land sich füllet mit Silber und Gold und schier ohn Ende seine Schätze, wenn sein Land sich füllet mit den Rossen und zahllos er sich rüstet mit Wagen zum Krieg. Doch es füllet sein Land sich dann auch mit Götzen der Verneinung, vor eigener Hände Kraft wirft er sich hin, vor dem, was seine Finger geschaffen! Dann ist gesunken der reine Mensch, dann ist erniedrigt der Mann — eine Erhebung ist nicht mehr möglich-" Verstehen wir es nicht, immer noch nicht, als „rückwärts gewandte Propheten", was ein Jesajas und Jeremias, als wären sie „vorwärts gewandte Geschichtsschreiber" uns wahr und ernst als Aufgabe und Ziel gezeichnet? Wir haben nicht gehört, drum fühlten wir in ernstestem Tode ernst die Wahrheit ihrer Gottesstimme. Mit der Leugnung der Thorahist der sitili cheMenschverlorenundmitderverdinnen setzten sich aus eine Bank und nun erzählte Klara, daß ihr Onkel Karl aus Berlin jetzt wieder dringend die Eltern um ihren Besuch gebeten habe. Die Mutter wollte gern den Wunsch des Bruders erfüllen, doch war damit eine große Schwierigkeit verbunden: Onkel Karl führte seinen Haushalt nicht so koscher, wie es den Ansichten von Klaras Eltern entsprach, auch arbeitete er am Schabbos im Geschäft. Nun wußten die Ellern ihre Tochter gefestigt genug, um sie nicht durch das Beispiel von ihren frommen Ansichten abgebracht zu wissen, und — Onkel Karl war kinderlos und lebte in sehr glänzenden Verhältnissen. Letzterer Grund fiel schwer ins Getvicht, Klaras Eltern waren weniger mit irdischen Gütern, als mit Kindern gesegnet, und wenn der Vater auch scherzhaft zu sagen pflegte, er sei mehr als achtfacher Millionär, denn keines seiner acht Kinder sei ihm um eine Million preis, so konnte er einstweilen diesen ideellen Wert nicht versilbern, um dafür auch nur zum Saisonwechsel die nötigen Kleider, Mäntel, Schuhe, Strümpfe u.s.w. zu kaufen. Nun, darüber ließ der brave Mann sich keine grauen Haare wachsen. Mochten die Kleider mal mehr geflickt fein, das frische, gesunde Aussehen der Kinder zeigte besser, als es der schönste Staat könnte, daß sie aus einem glücklichen Heim meintlichen Erhöhung seiner äußeren Glücksgüter ohne Thorah ist sein sozialer und leiblicher Untergang be* siegelt. Das ist die Erfahrung der Geschicke des jüdischen Volkes und der Menschheit. Die Welt aber gelangt zur Erkenntnis und die denkenden Geister in ihr blasen zum Rückzug. Die Leugner suchen nach Änheitlichkeit und im Suchen und Irren offenbaren sie ihre Blöße. Die Besonnenen nehmen den Einheitsgedanken auf und werden zur Höhe geleitet des jüdischen Begriffes, wie die göttliche Thorah für die Welt des sittlichen Gedankens und die Welt der Erscheinungen ihn offenbaret hat. Wir stehen schon beschämt da — als Verleugner des Kleinods, das wir ganz eigentlich besitzen. Wollen wir noch länger beiseite stehen? Die Welt beginnt uns zu begreifen, sie ahnt unsere Ideen. Wohlauf drum, „Haus Jakobs, kommt wir wollen vorauf wandeln im Lichte Gottes!" Wollen die erkannte Wahrheit verkünden: „Das Wort an* seres Gottes hat Bestand für alle Ewigkeit." Berichtigung. In der in Nr. 6 des Bolksfreundes.veröffentlichten Liste der neugewählten Vorstandsmitglieder des Vereins für die jüdischen Interessen Rheinlands war der Name des Herrn Selig Cohn - Mülheim (Ruhr), aus Versehen nicht genannt. stammten, und dieses kostbare Gut ist die beste Grundlage für das Leben. Die fleißige Hand der Mutter verstand auch das einfachste Kleid zu Jomtauw durch eine Schleife, einen Gürtel, einen Kragen, wieder frisch erscheinen zu lassen, sodaß in der Keinen Gesellschaft nie das Gefühl der Zurücksetzung reicheren Kameraden gegenüber, aufkam. Klara war die älteste der Geschwister, und die Mutter gönnte ihr von Herzen eine recht frohe sorgenlose Zeit in der Hauptstadt. So hatte auch der Vater allmählich den dringenden Bitten des Schwagers nachgegeven, und schon in der nächsten Woche sollte Klara die Reise antreten. Ruhig hatte Recha der Freundin Erzählung angehört, und auch jetzt noch schwieg sie. „Du bist ja so still? Sage doch mal deine Ansicht, „was hast du denn?" fragte Klara bestürzt, du weißt doch, daß mir was daran liegt!" „Laß doch, Klara, ich freue mich, daß du dich auf etwas Schönes freuen kannst." „Nein, nein, Recha, so kommst du mir nicht weg, ich möchte deine Ansicht über meine Reise hören!" „Wenn du durchaus willst, liebe Klara, ich fürchte, liebe Klara, du wirst viel Enttäuschungen haben." „Wieso denn", unterbrach die Freundin, „ich I weiß doch, daß nicht alles so rosig ist; z. B. daß