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Der Israelit · 1908-07-30 · Heft 31 (30.7.1908) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 31 (30.7.1908)
Date
1908-07-30
Page
– (sequence 1)
Language
German
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er Israelit Hjl Bi Centratorfga tfir d» irtMB» Main 30. Juli 1908. M 3U 49. Jahrgang. essa Sranhfurf a. 1TI.. Sen 2. Uro 5668. Der Israelit erscheint jeden Donnerstag. «bo»me»«,ts r Gewöhnliche AuSgaöe Mk. 1.50 vierteljährlich, HestauSgabe auf «unftdruckpa-ier Ml. 3.— vierteljährlich. lAnSlandSPreisr fftt Me gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn 8 Kr., RuUand 1 Ruo., England 2 sh., Amerika 50 cts., Niederlande 1,80 fl.) AbonnemmtS bei allen Postanstalten, Buchhandlungen» sowie direkt bei der Expedition, HestauSgabe nur direkt. Inserater 30 Pfennig für die sechsgespaltene Colonel-Zeile; Nabatt nach Tarif. Jnseratmannahme nur durch inHaasenstein u. Bögler A^G. Conto bei der ft. ft. Postsparkasse «Sie« «o. VS «08. Frankfurt a. M. und deren Filialen. Conto bei der «igaer «onnnerrbank in «iga Conto bei dem ft. Pomvarkafsenamt «ndapest «o. 18484. und deren Filialen in DwinSk, Libau, Bialvstok, Reval «Nb Lodz ver lkachdruck 9er Rrfihel und Correfponöenjen des „Israeli!“ if! nur unter genauer Quellenangabe, und, loweit es iidi um gröbere Duffftfee handelt, nur nach vorheriger Genehmigung geRatfet Die ^Trauer des neunten Hw. Bor einigen Jahren hat ein Verein unreifer „nationaljüdischer" Studenten in Bern über die Frage debattiert, ob der Jom-Kippur ein nationaler oder „nur" ein religiöser Festtag sei. Im ersten Falle sei er auch noch heute fastend zu begehen, im anderen Falle habe er für die Gegenwart mit ihrer glorreichen „Neuschöpfung" eines reinen jüdischen Nationalismus keine verbindliche Kraft mehr. Die Majorität der über den jüdischen Gerichtstag zu Gericht fitzenden Herrn sah in dem Jom-Kippur nur einen Tag von religiöser Bedeutung und beschloß seine Absetzung. Einer aus der abweichenoen Minorität schrieb an die Türe des Saals, in dem dann der Jom-Kippur durch ein Bankett gefeiert wurde, die Mahnung, beim Tischgebet nicht 821 n7JT zu vergessen Ob auch über den 283 nyttn eine solche Abstimmung stattgefunden hat, darüber ist nichts bekannt geworden. Sein nationaler Charakter galt den Herren wohl so über allen Zweifel erhaben, daß er für seinen Bestand nichts von einer Abstimmung zu fürchten hat. Auch diejenigen nationale Heißsporne, welche an jenem Jom-Kippur bankettierten, werden daher den Tischobeaw ohne Zweifel in der üblichen Weise fastend» auf der Erde sitzend und Kinoth sagend begangen haben. Und doch kann nur die Gedankenlosigkeit wähnen, unser Tischobeaw habe auch nur das geringste gemein mit jener Gesinnung, die an die Stelle der alten jüdischen Gottestreue den Glauben an die eigene nationale Selbftherrlichkeit setzt, und die in dem wahnwitzigen Unterfangen der Berner Jünglinge zum Schrecken aller besonnenen zionistischen Elemente nur ihren besonders krassen Ausdruck gesunden hatte. Warum haben wir Tischobeaw? dis [tf N'2 fptw 12vt 282 'tö fl? „das Fasten des fünften Monats ist der neunte Ab, an chm wurde »das Haus unseres Gottes verbrannt." (Talmud Rosch haschono fol. 18.) Das Haus unseres Gottes, d. i. das Tempel- Heiligtumseinen Fall, der sich am 282 nytrn vollzog, ihm nur, ihm allein gilt die Trauer des 9. Ab, dem Verlust des Landes gilt das Fasten des 10 Tewet, dem Fall Jerusalems gilt der 17. Tammus, das Gedächtnis des nationalen Falles, der Verlust von Stadt und Land zieht uns. nicht zu Boden und löst uns nicht den Schütz am Fuße. Sind uns Stadt und Land, und SäbMndiakett ia Mittel nur rur Vollendung jüdischen Pflichtlebens, heilige Mittel aber nur Mittel ohne selbsteigenen Wert. Aber der Fall Zions,die Einäscherung des Tempelheiligtums läßt uns wie verwaiste Kinder trauernd und Nagend auf dem weiten Erdenrund in stummem Schmerz uns zusammen finden.- Ist es eine religiöse oder eine nationale Trauer, wenn ihr Schmerz sich in die Worte kleidet: myi ^8 Klage Zion mit den Städten in der Runde m'S2 nP8 lös Wie ein Weib in seiner Mutterstunde, pp mian nVirasi Wie die Jungfrau gramverzehrt ppiiya Sy2 'Sy Den verlornen Jugendfreund begehrt "w8 pöi8 '7y Um die Hochburg die verheerte miy j8S nDtP82 Durch die Schuld der eignen Herde, *?8 'S-ino N8''2?yi Weil die gottvergeßnen Häscher min iripo -pro Den Tempel und die Prunkgemächer .tton 712? ’Oy Mt den heil'gen Opferzeiten, mi33 ^VISI Mit den XrnpeU Wn ,l?D Mn >yi Herrlichkeiten mittp N2?Q1 Opfer und Alter entweihten. Nicht dem Staat, nicht dem Land, nicht dem Polk, Zion gilt der Schmerz in erster Reihe der den Trauernden an diesem Tage die Frage auspreßt: iMv nenn *p'D8 MM '^8vn 8*>n “piy IT am. Erwiederft Du den Gruß nicht mehr der tausendfach an dich Geketteten, sie entbieten ihn Dir, sie, der letzte Rest deiner Schaaren! *8 nM M Mein Herz gehört dem Gotteshaus nv»fr nrsttm uw dort ruht die Gottesherrlichkeit *pl8D .Tn 12*? 'n T2D1 sie allein dein Licht dir war, vor dem selbst Sonnen- und Sternenglanz erbleichte D'3313l moi wvw pKI 1'118V. Das ist Zion, unser Gotteshaus, die Tempelstätte, von der das Wort Gottes ausging und es in symbolischer Verkörperung veranschaulichte, mit seiner Erleuchtung, mit seinem Segen, mit seinem Lebensglück und mit all den Opfern, welche die Verwirklichung dieses Ideals erfordert, Opfern, die aushörten, Opfer zu sein und nur als der Einsatz, das Mittel erschienen, die Annäherung an Gott zu erlangen und zu behaupten! Das und nur das ist Zion, als das und nur als das hat Zion seit Jahrtausenden seinen zerstreuten Kindern die trüben Jahrhunderte erleuchtet, das und nur das müßte der Zionismus werden, wenn er das was uns Zion ist, wirklich zum Ausdruck bringen wollte. Man mag über das Programm des Zionismus, wonach er der Schaffung einer gesicherten Heimstätte für die jüdischen Zerstreuten dienen will, denken, wie man auch immer wolle, man kann diesem Programm, das a n s i ch gewiß nichts Unreligiöses enthält, zustimmen oder es bekämpfen, mit dem Begriff Zion, wie er seit Jahrtausenden geprägt ist hat es.nichts zu tun. Dieser Zionismus dient der Juden heit, während Zion dem Judentum gilt. Wohl war Zion weil es der Zentral- und Herzpunkt des Judentums war, auch derjenige des jüdischen Bolkskörpers und wird es auch in Zukunft sein, aber eben deshalb ist die ganze Scheidung zwischen religiös und national ein großer verhängnisvoller Irrtum. Man kann nicht der Judenheit dienen und ihr Judentum ianoriren, eine Judenheit ohne Judentum ist und bleibt ein Unding, ein Messer ohne Stiel und Klinge. Die Zerstreuten Israels sammeln, selbst an ihrer ihnen von Gott zugewiesenen Heimstätte, das würde nicht einmal der ersehnte n'BflDn ohne aus Zion sich neu erhebendes ttnpö»l n'2 fertig bringen. Aber er würde es auch nicht versuchen. Er baut deshalb zuerst das #npe und sammelt erst dann die jüdischen Zerstreuten. Ti T?nr6i iivy^r Tny rwon "|*?d.i ippoi wipv.1 nji2i .151V81.1 rbvnrh rurrt .(8"' 'S OtVö '.1 02"01) ^>812" 'ITU Das alles sind Binsenwahrheiten, die bis hart an die Schwelle unserer Gegenwart heran, jedem geläufig waren. Sie bedürfen aber der immer wiederholten Betonung in einer Zeit, die aus Wirrnis und geistiger Not heraus, im dunklen Gefühle der Hilflosigkeit die alten Worte und Symbole aufgreift, sie, ohne es recht zu wissen, ihres alten Inhaltes beraubt und dann mit dem erborgten Glanze einer vieltausendjährigen heiligen Tradition neue Gedankengrößen schmückt, die auf außerjüdischem Boden gewachsen sind. Auch der neunte Aw ist ein iyiD und ladet uns wie alle 'n nyiD zur Wiederbelebung der unser Leben tragenden Wahrheiten, die im Sttome des zeitgeschichtlichen Geschehens uns entschwinden, ohne daß wir uns dessen versehen. Wenn die Trauer des neunten Aw darum uns zu Boden zieht, dann darf unsere

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