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Der Israelit · 1908-07-09 · Heft 28 (9.7.1908) · page 14

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 28 (9.7.1908)
Date
1908-07-09
Page
– (sequence 14)
Language
German
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Gelle 14. Der Israelit. Nr. 28. S. Juli 1908 „Nun also, wenn du es denn schon erraten, daß es sich um nichts Unwichtiges handelt, so glaube ich, könntest du auch .erraten, um was öder vielmehr um wen es sich handelt." Er atmete schwer aus. „Es handelt sich um Edwin," sagte er gepreßt. Um unsern lieben, braven Edwin." Er atmete abermals schwer auf. „Ist er noch brav?" „Gewiß, er ist lieb und brav wie früher. - Daß er mißleitet worden ist, das ist nicht seine Schuld, darum ist er nicht weniger brav als vordem - hat er doch seine eigene elende Mutter —" „Was hat cr von seiner Mutter gesagt?" „Nun, für uns im Grunde nichts Neues. — Daß seine Mutter den Baron Brandow heiraten wolle. Ich sagte, das hätte er nicht zu fürchten, denn eine Ehe zwischen Juden und Christen wäre undenkbar. Darauf hat er gesagt, er glaube, daß ich im Irrtum wäre, die Ehe zwischen Juden und Christen wäre Civilehe, aber die wollte der Baron nicht, darum würde seine Mutter sich taufen lassen, das wäre doch nichts." Gotthold fuhr zusannnen als hätte ihn eine Viper gestochen. „Das hat er gesagt!" schrie er auf!" „Ruhig! ruhig! Louis!" Daß er so denken würde war vorauszusehen, nach seinem Briefe aus Singapore konnten wir es gar nicht anders erwarten. Nahezu zwei Jahre war er Tag und Nacht in Gesellschaft eines Geistlichen, der sich ihm in selbstlosester edelster Weise gezeigt hat, ihn, wie er sagt, sowohl in der jüdischen, als in der christlichen, als auch irr der mohamedanischem Religion und noch in vielen andern Religionen unterrichtet hat. Da ist es doch selbstverständlich, daß er die Religion des schlauen Paters für die beste und einzig wahre halten muß?" Ein Aechzen entrang sich Gottholds Brust. „Freilich, freilich, Du hast Recht, das ist selbstverständlich. — O, mein Gott! mein Gott! — Ich habe meine Pflicht schlecht erfüllt, mein Sohn wird Rechenschaft von mir fordern, und ich! —" Er schlug die Hände vor das Gesicht und abermals entrang sich ein lautes Aechzen seinem verzweifelnden Herzen. „Louis, ich bitte Dich um's Himmelswillen, mäßige Dich! — Du sprichst ja, als ob alles verloren wäre." Er ließ die Hände gerungen in den Schoß sinken. „Ist denn nicht alles verloren? — Und wie oft und wie dringend hat er mich gebeten, ihn im Talmud unterrichten zu lassen, und ich! — ich! —" Irma schüttelte mißbilligend den Kopf. „Ich weiß, es sind die edelsten Menschen, die sich mit Selbstvorwürfen peinigen. Aber wenn sie den Schmerz über das vermeintliche Unrecht überhand nehmen lassen, so lähmt er die Tatkraft und statt das Unrecht wieder gut zu machen vergrößern sie es". „Eser kenegdau *)", sagte er, indem ec sich aufrichtete und ein mattes Lächeln über sein Antlitz huschte. „Ich danke Dir, Du hältst mich aufrecht, aber was glaubst Du, wie ließe sich das begangene Unrecht wieder gut machen?" „Darüber habe ich schon den ganzen Vormittag nachgedacht, aber das Richtige oder vielmehr der Richtige ist uns noch nicht eingefallen, denn daß vor allem das Versäumte nachgeholt werden muß, ist doch selbstverständlich." „Du meinst, wir sollten ihn wieder von Grünfeld unterrichten lassen?" „Im Talmud müßte er unterrichtet werden, das versteht sich allerdings von selbst, ob aber grade Grünfeld der geeignete Lehrer für ihn wäre?" „Grünfeld ist ein bedeutender Talmndgelehrter und Edwin hat doch damals sehr gern bei ihm gelernt —" (Fortsetzung folgt.) *){$>!: ) ( ' o fi sich th m gegenüber eignet. TamMennacdricdle«. Oeburten: Schloß (Grünewald) Frankfurt a. M., Neue Zeil, einen Sohn. — Julius Werner (Baß) Frankfurt a. M, Bcetliovenftr. 50, einen Sohn. — Leopold Flamm (Rönigshöfer) Ki dm gen a. M., eine Tochter. Verlobte: Bertha Weiß mit LajoS Hoch, Raika i. Nng.-Päpa. Verheiratete : (Sliaß Feuchtwanger mit Johanna Feuchtwanger geb. Bendix, Fürth i. B.-Frankfurt a. M. Verstorbene: Leopold Mannheimer. Frankfurt a M., Bäckerweg 49. — Frau Frieda Lehmann (Steinfeld) Leipzig, Promenadenstraße 13. 66 Jahre. Barmltzwobfeier: Fritz, Sohn von Josef Fromm, Frankfurt a. Dt. In der Svnagoge „Kippestub", Rechneigrabenstr. 18- Sabbat-Anfang u. Ausgang. vhy\ npn ORT: Anfang Datum AuSgang UhrlMin. 19081 8688 Uhr Min. 11. Juli. 12.TamnS Srankfnrt a M 7 9 Berlin .... 9 25 München . - 7 15 9 01 Strastburg . 7 30 9 25 Stuttgart. . 7 15 9 19 Pose» . . — - 9 :0 Nürnberg . - - 9 11 Hamburg. . . - - 9 50 Prag. - - 9 05 Für den Reklamenteil ist die Redaktion nicht veran» wörtlich? insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltenen Empfehlungen l itneller Ware« oder sonstige Angaben religionsgesen ttche« Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu brüten. Wo vollen Sie 3hren Urlaub verbringen? Cvit einem ganz kleinen stillen Nest hoch oben! auf dem Thüringer Wald. Nicht einmal Arzt i und Apotheker sino da. — Wenn Sie aber krank werden? - I wo doch — krank; höchstens! mal erkälten, wie das in der Sommerfrische \ schon vorkommt. Aber da nehm' ich einfach meine alten lieben Fay's ächte Sodener Mine- ' rat-Pastillen, von denen ich zwölf Schachteln I im Koffer habe, und keine Erkältung kann mir was anhaben. 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