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Der Israelit · 1908-07-09 · Heft 28 (9.7.1908) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 28 (9.7.1908)
Date
1908-07-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Der Israelit Bl Ceatralsrfu ffirJas vrfMcce Jiienfn ftfrtofcf m It.Lübhi li Hb« 49. Jahrgang. „ m 9. Juli 1908. &2I Frankfurt a. Hl., den )0 Camus 555g M 28 Der Israelit erschemt jeden Donnerstag. «donnementSr Gewöhnliche AuSgade Mt. ILO vierteljährlich, HeftauSgabe auf Kunstdruckpapier Ml. S.— viMeljährlich. (Auslandspreise für dir gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-Ungarn S Kr., Rußland 1 Uno., Englands sh., Amerika 50 cts., Niederlande 1,20 fl.) Abonnements bei allen Postanstalten» Buchhandlungen»sowie direkt bei der Expedition» HeftauSgabe nur direkt. Inserater 30 Pfennig für die sechsgespaltene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch mH aasenstei» u. Bögler A.-G. Skonto bei der ft. ft. Postsparkasse Wie» Sio. 78805. Frankfurt a. M. und deren Filialen. Skonto bei der Nigaer Skommergbaak in Riga Conto bei dem ft. Poftsparkafsenamt Budapest Sko. 18484._ und deren Filialen in DwinSk, Libau» Bialhstok» Reval und Lodz Her Nachdruck der Artikel uns CorrelponSenzen des „Israelit“ ifi nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es flcfi um größere fluffäfce handelt, nur nach vorheriger Genehmigung gehastet »Jüdische Religion“. Bon Rabbiner Dr. Kaatz in Zabrze. Herr Dr. C 0 blenz, Rabbiner der Synagogengemeinde Bielefeld, hat einen für die Oberklasse der Volks- und Religionsschulen und für die Unter- und Mittelklassen der höheren Lehranstalten bestimmten Leitfaden des jüdischen Religionsunterrichts herausgegeben.*) Das Manuskript des Büchleins hat, wie im^ Vorwort bemerkt ist, zwei dort mit Namen genannten „angesehenen Schulmännern", einem Seminardirektor und einem Rektor Vorgelegen, die in der Beurteilung des Aufbaus und der Darstellung volle Uebereinstimmug mit dem Verfasser bekundeten. Ich erwähne diesen an sich nebensächlichen Umstand um deßwillen, weil er der. Verbreitung und Benützung des Buches ein günstiges Prognostikon stellt. Das Buch hat einflußreiche Gönner gefunden, und es wird seinen Weg in die Schulen finden. Schon dieser Umstand dürfte eine ausführlichere Besprechung rechtfertigen. Der erste Eindruck, den der Pädagoge von diesem Buche empfängt, ist m. E. der, daß es lueit über den Horizont des Schülerkreises hinausgeht, für den es bestimmt ist. Man geniert sich beinahe die Binsenwahrheit auszusprechen, daß ein Schulbuch aus der Praxis, aus dem lebendigen Verkehr mit den Schülern herauswachsen muß. Diesem Buche merkt man es an, daß es nicht in der Schule, sondern in der Studierstube geboren ist. Es ist viel zu abstrakt, theoretisch, doktrinär, es weist viele rationalistisch-philosophische Reflexionen, aber wenig Verständnis für die Seele und das Fassungsvermögen des Kindes aus. Der Verfasser mag durch die Schule der Philosophie gegangen, aber fremd scheint ihm die Philosophie der Schule zu sein, deren erster Grundsatz lautet, daß der Unterricht dem Verständnis des Kindes angepaßt sein muß. Das hat der Verfasser ganz außer acht gelassen, ivie der Schulmann auf Stritt und Tritt erkennt. Das Buch behandelt in 13 Kapiteln die jüdische Religion. Nicht die jüdische Religion, wie sie objektiv beschaffen d. h. wie sie in den heiligen Urkunden des Judentums begründet und enthalten ist, sondern wie Herr Dr. Coblenz wünscht, daß sie hätte beschaffen sein sollen: Die subjektive Religionskonstruktion *) Jüdi'che Religion. Ein Lehrbuch von Dr.^F' Coblenz.' Leipzig 1908. 127 S. des Herrn Autors, der sich das Judentum nach seinem Geschmack destilliert und mundgerecht gemacht hat und in der Fiktion lebt, daß dieser Prozeß eine rückwirkende Kraft auf das historische Judentum ausübe. Die Disposition des Buches ist keine systematische. Es sind dreizehn zwanglos aneinander gereihte Stücke, deren Inhalt oft ineinander übergeht, so daß sich vielfach dieselben Gedanken in den einzelnen Kapiteln mit etwas anderen Worten wiederholen. Es sind im Grunde genommen wohlstilisierte zitatenreiche Predigten, die darin geboten werden. Die Zitate sind auch nicht, wie das aus praktischen Gründen für ein Schulbuch notwendig ist, vom Text getrennt nnd durch besonderen Druck kenntlich gemacht, sondern sie sind mit dem Text verknüpft und auf gleicher Linie mit ihm gehalten, genau so wie das bei Predigten üblich ist. Das A und O des Verfassers bildet das Schlagwort vom prophetischen Judentum. Die Offenbarungen, welche die jüdischen Propheten empfingen, sind ihm nichts anderes als innere Erlebnisse, wie Denker und Dichter von schöpferischer Begabung sie haben, denen auch „göttliche Offenbarungen" zuteil werden. (S. 7) Die Quintessenzseiner Ausführungen ist in den, Anfang und Ende seines Buches bildenden Sätzen enthalten: „Die jüdische Religion — eine prophetische Religion." (S. 1 und 3) „Das Judentum, wie wir es dargestellt haben, ist und bleibt seinem innersten Wesen nach eine Prophetische Religion." (S. 121) Daß die beiden Herren, denen diese zwei an den exponiertesten Stellen des Buches stehenden Sätze im Manuskript zur Korrektur Vorlagen, nicht einen dicken roten Strich hindurchzogen und einen kräftigen Vermerk aus ehrlichem Freundesherzen an den Rand setzten, war kein Freundschaftsdienst. „Das Judentum ist eine „prophetische" Religion!" Hat dieser Satz einen Inhalt? Nein. Er ist eine logische Entgleisung. Er enthält eine Definition des Judentums, welche dieses weder inhaltlich charakterisiert, noch gegen andere Religionen abgrenzt. Der Verfasser will mit diesem Satze sagen, daß die wahre jüdische Religion die sei, welche die jüdischen Propheten gelehrt haben. ' Aber was er in Wirklichkeit sagt, ergiebt weder diesen, noch überhaupt einen Sinn. Es ist sinnlos. Der Verfaffer vertraut darauf, daß, wenn er nur Worte macht, die Menschen sich dabei schon etwas denken werden. Er beginnt seine Ausführung über das Wesen der Prophetie mit folgerten Worten: „Vielfach wird geglaubt, die Propheten seien Wahr sager gewesen, Menschen, die durch die besondere Gnade GotteS Verborgenes zu erkennen vermochten und künftige Ereigniffe Vorhersagen kormten. .... Doch ist diese Stuf» sayung von dem Wesen der Prophetie grundfalsch. Mögm immerhin Propheten der älteren Zeit in dem Rufe gestanden haben, die Gabe des Sehers zu besitzen, die wirkliche Bedeutung der Propheten liegt auf einem ganz anderen Gebiete." Diese Sätze wirken wiederunl höchst verblüffend, denn sie stellen die . Tatsachen aeradezu auf den Kops. Der Verfaffer bedenkt nicht, daß man Tatsachen, auch wenn sie einem noch so unbequem sind, nicht dadurch aus der Welt schaffen kann, daß marr sie einfach ableugnet. Das ist doch auch höchst unklug. Die Bibel liegt ja offen vor aller Welt aufgeschlagen, und jeder, der Augen im Kopse hat, kann den Verfasser überführen, daß das, waser sagt, grundfalsch, und daß ungefähr das Gegenteil von dem richtig ist, was er behauptet. Der größte Teil der prophetischen Reden besteht in Weissagungen. Von diesem Faktum ist nicht das geringste abzubrechen. Wohl ist es richtig, daß die prophetischen Weissagungen keine theoretischen Aufschlüsse über die zukünftigen Dinge sind, sondern den Zweck verfolgen, religiös auf die Zeitgenoffen e i n z u w i r k e n, an die sie ergingen. Aber wie ist es möglich, die ganz offenkundige Tatsache, daß die prophetischen Reden voller Weissagungen sind, abzuleugnen, wie es der Verfasser tut? Ist es wirklich wahr, daß blos „Propheten der älteren Zeit in dem Ruse standen, die Gabe des Sehers zu besitzen?" Ich will dem Gedächtnis des Verfassers ein wenig zu Hilfe kommen und ihm eine kleine Auswahl von Citaten liefern, aus denen hervorgeht, daß das, was er für „grundfalsch" erklärt, über allem Zweifel erhaben wahr ist, daß nämlich die Propheten nach dem Berichte der Bibel „Menschen waren, die durch die besondere Gnade Gottes Verborgenes zu erkennen vermochten und künftige Ereigniffe Vorhersagen konnten." Ich übergehe bei dieser Auswahl die zahllosen Stellen, welche sich auf eine Schilderung der fernen Zukunft, der Endzeit, beziehen, und beschränke mich auf diejenigen, welche bestimmte Vorhersag ungen naher künftiger Dinge enthalten: Jesaja 7 14 Die Geburt Immanuels wird vorausgesagt. Jesaja 7. 1L Der Boden Israels und Syriens wird in kurzer Zeit verlassen sein. Jesaja 8. 4 Der Reichtum von Damaskus und Syrien wird bald dem assyrischen König gehörm. Jesaja 8. 6 (und andere zahlreiche Stellen) Affur wird Israel bedrohen. Jesaja 10. 24 (und andere zahlreiche Stellen) »ffur wird seine Zwecke nicht erreichen.

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