Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 27 (2.7.1908)
- Date
- 1908-07-02
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2449298-2449326--64675-2507275- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
AasVX/eff uncf JLet> ,3sraelif* Ollusfrierfe Beit Die Ausstellung jüdischer Kultuskunst in Düsseldorf. Mit 8 Illustrationen. Bon A. Salomo«. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler in Frankfurt a. M., bringt wie wir bereits in einem Feuilleton berichteten, im Kunstgewerbemuseum zu Düsseldorf, der Wirkungsstätte ihres geschästsführenden Vorsitzenden, des Direktors Frauberger, die Schätze ' zur Ausstellung, die dieser hochverdiente Mann in zehnjähriger Tätigkeit gesammelt hat, Schätze, von denen auch die Mehrzahl der nicht allzu zahlreichen Mitglieder der Gesellschaft keine Ahnung gehabt haben dürsten. Und das, was uns dort gezeigt wird, wirkt gleich im ersten Anlauf so überwältigend, gibt uns, obgleich diese Ausstellung sich bescheiden nur einen Versuch nennen will, ein so neues und reizvolles Bild jüdischen Kuttstgewerbes, daß es keinem Zweifel unterliegen kann, daß die Wirkung der Ausstellung sich weit über ihren engen Kreis hinaus bemerkbar machen wird. Es ist etwas Eigentümliches um diese Ausstellung und diese Sammlung. Von jüdischer Kunst hörte man nur selten reden und ein jüdisches Kunstgewerbe galt lange als eine Fabel. Man brachte die zerstreuten jüdischen Kunst gegenstände in allgemeinen Museen unter und schrieb dann und wann einmal darüber in. einer Zeitung. Auf der großen jüdischen Kunstausstellung 1908 in London waren auch kunstgewerbliche Gegenstände zu sehen, .. aber die Allgemeinheit nahm nicht viel Notiz davon und die jüdischen Mäzene erfuhren nicht viel darüber.' Herr Direktor Frauberger hat uns aber eine Sammlung gebracht, die in ihrer Vollständigkeit überraschend und überzeugend wirkt und hat sie nach Gesichtspunkten geordnet, die uns ein ganz neues Bild jüdisch-künstlerischer Tätigkeit geben, -llijhrend klingt es, wenn der alte gelehrte uns ist'seiner Weise erzählt, wie er in späten Jahren zü didser seiner Idee gekommen ist. Ein KunsthändweEr Wirr bei ' ihm 'und' 'verlangte Vorlageblätter - für ein Gitter um ein jüdisches ' Grab. Er: verwies ihn auf die VörbilderftunmlMrg des Museums — übrigens auch eine Schöpfung Fraubergers und wahrlich keine geringe — die in ihren zehntausenden Blättern doch das Gewünschte enthalten müsse. Und da stellte sich heraus, daß für alle christlichen Bekenntnisse, ja sogar für mohammedanische und persische und chinesische Riten Vorbilder in Fülle da waren, aber jüdische fand man ganze drei. Das war dem eifrigen Sammler, dessen Stolz es ist, daß kein Kunstgewerbler und kein Hand- ■ ‘ äÄ'-K th „'V v Abb. l. Befomtmbüchse iit Birrreufornr. Werker unbefriedigt aus feinem Museum scheiden soll, eine herbe Ueberraschung. Er vertiefte sich in das Problem, fand bald, daß dieses Feld noch gänzlich unbebaut war und faßte alsbäkd den Plan, hier die helfende Hand anzulegen. „Ustd dcmn ging ich nach Frankfurt zu Hallgarten, und der brachte mir..ein paar andere, und die Gesellschaft' zur Erforschung jüdischer Knnstdenkmäler war fertig. Biele Mittel hatten wir nicht, aber es reichte. Und hier ist das Resultat." Die Gesellschaft hat bisher drei größere Publikationen herausgegeben, Monographien zum jüdischen Kunstgewerbe. In dieser Ausstellung zeigt sie zum erstenmale das Ergebnis ihrer Tätigkeit weiteren Kreisen. Nim, wir denken, sie kann damit zufrieden sein. Gleich das erste, was uns beim Eintritt in den Lichthof auffällt, der die Schätze der Ausstellung birgt ist etwas Einzigartiges, eine unvergleichlich schöne und kostbare Sammlung von Ketubahs (Eheverträgen.) Mehr als 50 dieser wertvollen Dokumente in den wunderbarsten Ausführungen hängen an den Wänden, und der Direktor versichert uns, daß seine Kästen und Schränke noch mindestens ebenfoviele enthalten. Die älteste ans dem Jahre 1613, die Mehrzahl aus dem achtzehnten Jahrhundert und fast ausnahmslos italienischer Provenienz. Aus Italien deuten auch die reichen und kostbaren Verzierungen, tellweise in edlem Renaissancestil, großenteils in krausem und 'mannigfach verschnörkeltem Barock. Immer neue Feinheiten entdecken wir. Hier bilden wundervoll einfache farbige Blumen^ ornamente bte> Umrahmung, dort sehen wir Hüter Arabesken aus hebräischen Buchstaben gebildet, hier sind ganze Gruppendarstellungen gemalt, dort der richtige Rokokokoputte in seiner stilvollen Nacktheit merkwürdig kontrastierend mit den erhabenen und fast auf allen Blättern außerordentlich schön geschriebenen Schriftzügen des hebräischen Textes. > Sehr oft auch sind die Verzierungen, reich bemalt, im Pergament ausgeschnitten. Die Darstellungen haben oft Bezug auf das. kontrahierende Paar. Der Hochzeitsbries einer Braut mit dem Namen Esther enthält in hübscher Kleinmalerei die Szene, daAhasverus der Esther sein Szepter reicht, usw> dann .wieder finden wir zwei durchbohrte Herzen, ein glucksendes Taubenpaar usw. Eine unerschöpfliche Fundgrube müßten diese Ketuboth für .die jüdische Familiengeschichte bieten. Da finden wir eine Menge bekannter Namen: Segal, Ara, AschHnasi,, Seci, Luzzatto, Fano u.s.w. ü.f. ip. . \ '. , .. Ringsum cyv den. Wändjew hängen Wimpeln, diese Geburtsregister 8er deutschen Juden, während V*..' •: >