Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 25 (18.6.1908)
- Date
- 1908-06-18
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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r 55^ 5ir» 5?T r r i \ i * i \ i \ \ t i t i i I \ \ i i i i \ i \ l I I» Die letzte cfredicft. Des Abends Dämmer zieh’n mit leisem Häuschen Durch’s Gotteshaus zu der Neilohzeit, Rings tiefes Schweigen — atemloses Lausdien Dem Meister rückt die Ranzel man bereit. Jetzt Steht er oben — seine Augen schauen In milder Klarheit, wie in fernes Land, Den Sternen gleich, die an dem Himmel blauen, Der ew'gen Heimat, die uns unbekannt. Es rührt sein Geist ihr Tor — Minuten schwinden — Jetzi wird besiegelt dort ai ch sein Geschieh, Durch Engelreihen geht ein froh Verkünden: „Nach achtzig Jahren kehrt er uns zurück“. — Er ahnt es nicht — in seinen Augen sprühet Der ew’gen Jugend ungcbroch’ne Kraft, In seinem Herzen heilig Feuer glühet In seiner Rede ed’le Leidenschaft; Die Arme streckt er aus und ruft es nieder „-dann sprechet jr**, meine Brüder, Das letzte sprecht's durch’s ganze Jahr. O sprecht es aus, so wie es jetzt erklungen, So dankerfüllt und freudevoll verschönt, Sprecht’s immer aus, wenn Ihr Euch seiest bezwungen Und Eures Herzens Widerstreit versöhnt; Sprecht's aus, Ihr Brüder, wenn auch längst entschwunden Die Weihestimmung, die uns heui’ erfüllt, Wenn aus Jaum Ripurs hehren Feierstunden Auch nicht mehr tiefer Friede uns entquillt; Sprecht's aus und sehet da, es wird erstehen Der heil’ge Tag in hoher Majestät, Sein Fittich wird um Eure Schläfen wehen, Wie leise jetzt der Tag zu Ende geht.“- Dann ward es still — des Meisters Stimme schweiget, Durch's Gotteshaus der n'iiZiP Schauer zieh'n, Der Rlang des Schau fors sieghaft aufwärts steiget Gefolgt von trauten Alltags Melodien. — Und von dem Fuß der Ranzel, da zum Blicke Des Meisters er voll Ehrfurcht aufgeseh’n, Sieht einen kleinen Rnaben man zurücke Zu seinem Platze ernst und sinnend gehn. Die Jahre wandern und die Zeiten eilen, Verklungen ist des Meisters letztes Wort, Doch in des Rnaben Herzen wird verweilen Die wundersame Predigt fort und fort, Und wenn alljährlich die Neilostunde Aus Himmels Höh’n zur Erde kehret wieder, Glaubt er Zll hören seines Meisters Runde : „-dann sprechet pj*, meine Brüder.“ Hermann Schwab. ^_ _^ vv^ 50