Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1908)
- Date
- 1908-06-11
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 14 Nr. 24 Der JSraelit. entweder im Cap Finisterre oder in Gibraltar, wo der Dampfer an legen würde, auf die Post gegeben werden. Da ich nichts Besseres wußte, bin ich selbstverständlich auf diesen Vorschlag eingegangen und habe Euch einer: sehr großen Brief geschrieben, auch sehr viel von der wirklich sehr interessanten Reise, vom Seeleuchten und daß wir einen Hay gesehen haben und noch vieles andere. Der Baron hat auch mehrere Briefe geschrieben und als das Schiff zum ersten mal gehalten hat, da hat er gesagt, er wird selbst seine Briefe auf die Post geben, da wäre es sicher, daß sie abgingen. Da hat die Mama ihn gefragt, ob er meinen Brief auch mitnehmen will. Er hat gesagt, mit Vergnügen, aber der junge Herr sieht mich immer so unfreundlich an, da weiß ich nicht, ob er mir seinen Brief anvertrauen wird. Nun, ich habe ihn zwar schon damals nicht leiden können, aber daß er meinen Brief nicht aufgeben wird, das habe ich doch nicht gedacht, darum habe ich ihn ihm gegeben und habe gesehen, daß Mama ihm Geld gegeben und ihn gebeten hat, Marken für meine Briese zu kaufen und dieselben aufzukleben. Ich habe nämlich immer, wenn ich Euch geschrieben habe auch an Herrn Doktor Hasenfeld geschrieben und an Gustav und an Emil. Und nun denkt Euch meinen Schrecken, als gestern die Mama zu mir sagt, ich möchte von dem Baron ein Buch holen, und als ich in sein Zimmer komme, ist er nicht darin, aber ich habe gewußt, daß er gleich wieder kommen wird, darum wollte ich zum Fenster ge en und auf ihn warten. Aber wie ich durch das Zimnler gehe, sehe ich zwei zerrissene Kouverts von zwei Briefen, die ich an Euch geschrieben habe. Ihr könnt Euch mein Entsetzen denken. — Aber nein, das könnt Ihr Euch nicht denken, so etwas Schlechtes habt Ihr sicherlich noch nie gehört — Einem armen Knaben, der ihm nie etwas Böses getan hat, so zu betrügen! — Jetzt weiß ich, warum ich in Alexandrien vergebens auf ein Telegramm von Euch gewartet habe, denn wenn ich auch nur zwei Kouverts gefunden habe, so glaube ich doch mit Bestimmtheit, daß er alle meine Briefe an Euch unterschlagen hat, urrd ob die an Herrn Doktor Hasenfeld nicht auch? O, der schlechte Mensch! — Wenn ich nur wüßte, warum er das getan hat — Aber — Ich höre den Pater Anastasius, der soll dieses nicht sehen, morgen schreibe ich weiter. Gestern, als ich den Pater Anastasius gehört habe, habe ich diesen Brief geschwind in die Tisch chublade geschoben, der liebe gute Herr soll durch mich nicht erfahren, daß sein Freund ein so schlechter Mensch ist, das würde ihm zu leid tun, das hat er nicht um mich verdient. — Aber ich begreife es in der Tat nicht, wie zwei so ungleiche Menschen so intinle Freunde sein können. Manchmal glaube ich, ich müßte es dem hochwürdigen Herrn sagen, daß sein s. g. Freund ein Elender ist. Aber einerseits kann ich mich nicht entschließen, dem guten Herrn Leid zu bereiten und andererseits fürchte ich-. er würde es mir nicht glauben, denn weMer den Baron darüber zur Rede stellen würde, der würde es doch sicher leugnen, ich aber war vorgestern so außer mir, daß ich die Kouverts in tausend Stücke zerrissen und aus dem Fenster geworfen habe. Also kann ich ihm gar nichts beweisen. Das war sehr dumm von mir und deshalb habe ich auch ihm selbst und auch der Mama nichts davon gesagt, sie würden mich Lügner schimpfen, das weiß ich im Vorhinein. — Ach, zuweilen bin ich ganz verzweifelt, komme mir vor wie verraten und verkauft. — Wenn der Pater Anastasius nicht wäre, wüßte ich in Wirklichkeit nicht, was ich täte. Alle Tage danke ich Gott, daß der bei mir ist. O, der ist ein Mann, was der verspricht, das hält er. Auch im Hebräischen unterrichtet er mich und auch in der jüdischen Religion, die er merkwürdig gut kennt. Und auch in der christlicheil Religion unterrichtet er mich und die Mnhamedanische hat er mich auch rennen gelehrt, ebenso die Religion des Consucius und die Religion Tao-sse oder der Unvernunft und die Religion des Fo oder Buddha und die Religion der Inder und der Perser, ach und noch vieles vieles arrdere. Er sagt, jeder ge- -bildete Mensch müsse die Hauptreligionen kennen lernen, dann erst kenne er wissen, welche die weiseste, die beste ist und der müsse er sich Anwender^ Das leuchtet mir ein. Aber soeben fällt mir ein, daß ich Euch noch gar nicht geschrieben habe, wie wir gereist sind und wie wir weiter reisen werden. lXub das ist doch eigentlich die Hauptsache, denn ich jehne mich so sehr nach einigen Zeilen von Euch Lieben, wenn auch nur nach einen: Telegramm, aus dem ich ersehen könnte, daß Ihr alle gesund seid und daß Du, lieber Großpapa, __11. Juni 1908 mir nicht zürnst, weil ich.ohne Deine Zustimmung in der Welt umherstreife. Wer ich kann doch nichts dafür, ganz gewiß, ich bin unschuldig. (Fortsetzung folgt.) FamMennachUcbte«. cteburten. Einen Sohn: Jakob Königsliöfer (Tarlowskvs, hier Schützenftr. 1. — Leop. Ledermann (Kahn), hier, Sandweg 64. — Perez Hirsch (Bondi), hier, Friedb. Ldftr. 23. — Eine Tochter: H. L-angenbach, (Moses), hier. Verlobte: Selma Rothschild, Maurice K r e n g e l. Frankfurt a. M., Antwerpen. — Anna S p i n a t, Bernhard Seidel, Offenbach a. M., Mainz. — Sara Traub, Jsak Ro tlisch ild, Burgpreppach,'Hörstein. — Rech» Rosenberg, Hermann Rothschild, beide dahier. Sabbat-Anfang u. Ausgang. ORT: Anfang Datum AuSgan.u UhrlMin. 1908 8008 UhrlMu,. 13. Zum. 14. Siwan Frankfurt a. M 7 55 9 35r Berlin .... — — 9 30 München . . . 7 15 9 05 Straüburg . 7 30 9 25 Stuttgart. . . 7 15 9 20 Pose« .... — — 9 30 Nürnberg . . — — 9 17 Hamburg. . . — — 9 55 Prag. — — 9 10 Für de« Reklamenteil ist die Redaktion «icht verantwortlich; insbesondere Ist es ansschttetzlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige Angaben religionsgesetz« liche« Charakters ans ihre Zuverlässigkeit zu prüfe«. SelienSie, den rechtenfieissshab feierst von einem Spaziergange, wenn ich so recht frei und tief atmen kann, llnd das kann ich jetzt, seit ich mich gewöhnt habe, morgens und abends Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen regelmäßig zu gebrauchen. Tie lassen gar keine Verschleimung, keinen Husten und all die lästigen Nebenerscheinungen aufkornrnen und mir sind sie geradezu eine. Wohltat. — In jeder Apotheke, Dro gerie und Mineralwasserhandlung kauft «tan sie für 85 Pfennig die Schachtel. Nr den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere ist es ausschliesslich Sache der Leser, die hn Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen rltnellerWaren oder sonstigelnpben religio »gesetzlichen Charakters auf Ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. i ‘ lltru or FMtnig_ j Sitiscliistr li Hamburg« Ordentl. General-Versammlung am Dienstag, den 23. Juni a. c., Abends 8'5 Ubr - im Vereinalokal, Bieberstr. 4. --~ Tagesordnung: 1. Jahresbericht, 2. Wahlen, 3. Bereinsttntteilnngen. 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