Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 24 (11.6.1908)
- Date
- 1908-06-11
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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WWWWW Sir. 24 Sette 10. Der JSraeltt. 11. Junt 1908. geführten als auch -er von europäischer Art beeinflußten Lehrstätten. Redner b tonte wiederholt die Notwendigkeit, daS Hebräische als UnterichtSsprache allgemein durchzuführen und verlangte, die Sprache des Landes, Türkisch oder Arabisch, zu Pflegen. Nur auf diese Weise kann der beklagenswerten Auswanderung tüchtiger, junger Elemente vorgebeugt werden, welche heute durch fälschlich zu hoc" bewertete Kenntnis der franzöfchen und englischen Sprache der verlockenden Anziehung Europas, Amerikas rc. nicht widerstehen lö nett. Alle gesetzestreuen Juden müssen es als eine heilige Pflicht betrachten, die Jugenderziehung nach ihrer Lebensanschauung zu beeinflussen, fooaß auch hierin ein Gebiet zur gemeinsamen Arbeit gegeben sei. Redner wies ferner auf die Notwendigkeit einer jüdischen Hochschule in Palästina hin, da die jüdischen Schüler der Hochschulen in Beiruth (der Mission und der Jesuiten) religiös und national zu Grunde gehen müssen. „Wollen wir unser Judentum erhalten, so müssen wir ein geistiges Zentrum in Palästina schaffen, wie eS in der Vergangenheit in Erez-Jsroel oder im Golus in Babel, Polen rc. iirmer ei geistiges Zentrum «geben hat." Mit einem Hinweise auf Rabbi Jochanan den Sakkai, schloß der Referent seine Ausführungen, an welche sich eine längere Debatte der zahlreich erschienenen Mitglieder und Gäste anschloß. H. Friedrichftudt, 2. Juni. Auf Veranlassung des Herrn Oberrabbiner Dr. Lerner-Altona ist am Samstag, 84. Mai d. I., hier eine Ortsgruppe der „Freien Beretnigigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" gegründet worden. Bern, 1. Juni. An unserer Untverfität, die von einigen hunderc jüdischen Studenten besucht wird, hat sich Phon längst in den Kreisen der gesetzestreuen jüdischen Hvchschüler das Bedürfnis geltend gemacht, einen Zusammenschluß sämtlicher Gesinnungsgenossen herbeizuführen. In diesem Semester ist dieser lang und heiß ersehnte Wunsch endlich zustande gekommen. Es wurde hier vor ungefähr 2 Wochen ein Verein jüdischer Akademiker, die auf oem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen, begründet. Ter Verein, der den Namen „T achkemonia" führt, hat es sich zunächst zum Ziele gesetzt, sämtliche Gesinnungsgenossen zu einem einheitlichen Bunde zu vereinigen und somit einen Austausch der Ideen zu bewerkstelligen. Ferner hat der Verein einen *OD2 eingerichtet, der tägli u abgehalten wirb. Ebenso hat er einen Cyklus von wissenschaftlichen Vorträgen auf dem Gebiete der Religionsphilosophie, die allsabbatlich und an jedem Feiertage avgehalten werden, eingeführt. Außerdem geht die Tendenz des Vereins dahin, eine Zeitschrift „Tachkemauni" herauszugeben, in der wissenschaftliche Aufsätze, sowie die Vorträge, die von den Mitgliedern allsabbatlich gehalten werden, in Druck erscheinen zu sollen. Pcehburg, 2. Juni. Der Verein mm ’ori» in welchem unser hochverehrter Dajan Rabbi L. Rubinstein seine talmudischen Borträge hält, veranstaltete am n"i sw ein cwo-Fest auf Traktat N2V- Der Verein zählt heute zirka 100 Mitglieder, die je am und Sonntag unter der bewährten Leitung unseres verehrten Dajans *013.3 lernen. Das Fest gestaltete fich zu einem wahren Feste der Thora. Es hielten ausgezeichnete nusm und Reden die Herren Rabbiner L. Friedmann und L. Rubinstein sowie die Bereinsmitglieoer M. Weiß, M. Gelber, L. Schächter und H. Kaßtner. Krakau, 10. Juni. Einem sehr empfindlichen Bedürfnis abzuhelfen, machte fich der neugegrundete Verein ^Majne hajeschuah" zur Ausgabe. Der Verein, der mit dem Zentral fitz in Krakau durch Filialen seine Tätigkeit auf ganz Galizien erstrecken will, bezweckt vornehmlich hilfsbedürftigen kranken Juden den ihnen nötigen Aufenthalt in einem österreichischen Kurorte zu ermöglichen. SS ist zu hoffen, daß das edle Bestreben des Vereins überall anerkannt und tatkräftig unterstützt wird.?ms«sNr>. Rabvi Jechiel Michael Epstein y'xr- Am 22. des Adar Schein (25. Marz) verschied in Rowogrudok Gouvernement Minsk, der durch seine Werke ntcht nur in Europa, sondern auch überall, wo Juden fich dem Thorastudtum widmen, berühmte Rabbiner Rabbi Jechiel Michel Epstein im gesegneten Alter von 78 Jahren, tief betrauert von seiner Familie, seiner Jeschiba, semer Gemeinde und dem besonders in Rußland großen Kreise feiner Verehrer und Schüler. Geboren am 20. Schebat 5590 (1830) entstammte er einer durch Gelehrsamkeit, Seelenadel und Wohlhabenheit hervorragenden Kaufmanns-Familie, deren Anlehen er in wngeren Jahren schon erhöhte. Obwohl tu der günstigen Lage, sorgenlos sich des Lebens zu erfreuen und zu genießen, kannte der Jüngling Jechiel Michel keine andere Freude als ni2D nnDW/ keinen anderen Genuß als d«t, welchen hingebungSvoues Studium der Thora den echten Jüngern derselben bietet. Er zeichnete sich durch ganz besonderen Fleiß aus von seiner frühesten Jugend an bis an sein Lebensende. Seine ganze Zeit war Wlp* Er verließ das Vaterhaus, um die berühmte Wolofiner Jeschiba zu besuchen, wo er ein Ltebltngsschüler deS damaligen Rosch Hajeschtba war. Ehe er noch seinzwetundzwanzigsteS Lebensjahr vollendet hatth hatte er von dm größten Autoritäten Rußlands die Semicha erhalten, aber anstatt fich nun nach einem passenden Rabbtnate umzusehen, begann er erst recht fich mit fMunenswertem Fleiße dem Thorastudium zu widmen. Sein Ideal war ein wissenschaftlich eS Still eben fTTnyn rninn hv er fürchtete, daß ein rabbinisches Amt ihm zu viel von seiner dem Studium der Thora geweihten Zeit und Kraft rauben würde. Aber die Vorsehung hatte anders über ihn beschlossen, und veränderte Umstände nötigten ihn, ein Rabbinat anzunehmen und zwar in Sirokt im Gouvernement Tscherntgeff in Kleinrußlanb. Seine Amtstätigkeit verminderte durchaus nicht die Zahl seiner dem Studium gewidmeten Stunden. Die Nacht ward manchmal zum Tage gamacht ovo und als die erste reife Frucht sei er allumfassenden tiefgehenden Gelehrsamkeit erschien im Jahre 5629 in Sitomir ein Teil seines in Manuskript fertiger Commentares zum -iqd des Rab benu Tam. Als Gelehrter und als Rabbiner war sein Name weit gerühmt, so baß wenige Jahre später der Rabbinatssitz Nowogorodok, den einst Rabbiner Jtzchak Elchanan § pektor innegehabt hatte, ihm übertragen wurde. — Trotzdem er in seiner großen Gemeinde amtlich sehr in Anspruch genommen war, trotzdem von Nah und Fern Anfragen an ihn ergingen, die er mit Gründlichkeit und Promptheit beantwortete, trotzdem er eine Jeschiba gründete, und sehr sorgfältig beaufsichtigte, die zu den angesehensten des Landes gehört, junge Talmudgelehrten, die von ihm die Semicha sich erwerben wollten, viel von seiner Zeit mit Beschlag belegten, wußte er es zu ermöglichen, ein Werk zu schaffen, das seine Größe den späteren Geschlechtern noch verkünden wird, seinen jnbltfn “jOy, dessen erster Teil im Jahre 5644 in Warschau erschien. Im Manuskript schon feit Jahren vollendet, erstreckt sich dieses Riesenwerk nicht nur auf diejenigen qm"I/ welche mn fDD zu beobachten find, sondern ist eine Definierung des gesamten Halachastoffes, enthält also auch nnntOV DWlp □'»yiT* *on den ältesten Duellen, wo angängig, vom Thoraworte selbst ausgehend, werden die Halachoth nach den Kapiteln des Y'i vor unseren Augen mit wunderbarer Klarheit dargestellt, und bis in die letzten Ausläufer verfolgt, Begründungen werden gegeben, Ent scheidungen getroffen, Schwierigkeiten gelöst, Fragen beantwortet, Quellen, die selbst von Größen ersten Ranges übersehen wurden, ans Tageslicht gefördert und in leichtverständlicher Sprache ein Codex der gesamten Halacha geschaffen, der nicht nur den Jüngern, sondern auch denjenigen, welche die Quellen genau studiert habcn, zu Wiederholungen unschätzbare Dienste erweisen wird. Wie bereits gesagt, das Riesenwerk ist seit Jahren druckfertig. Erschienen ist bis jetzt der ganze in zwei Teilen, vom qiiq ITW von # 'q 1 iS während der Rest bereits der Presse übergeben ist. Vom Y'V» ist erschienen von #"q bis q"qp ferner m: die von 3"sp bis q''-); von -|jy p« ist gedruckt rVD^n pqvj, D!T>!?n DIDt. Es war der dringende Wunsch des sterbenden daß sein Werk ganz gedruckt werde. Der Erlös der bisher gedruckten Teil-- wird zur Drucklegung der übrigen und der sonstigen Manuskripie ^33 D'iSmn verwendet. Die Werke lönnen von der Tochter des Verfassers der Rabbtnerswitwe B. Wolobrinski in Nowogorodok (Gouvernement Minsk) bezogen werden. Durch Ankauf derfelben für:ert man die echte wahre jüdische Wissenschaft und trägt zugleich zur Erfüllung eines Her enswunsches eines sterbenden bei. Mögen recht viele sich dieses doppelte nDT erwerben! Posen, 9. Juni. Unter überaus großer Beteiligung fand hier die Beerdigung des kgl. Landgertchtsrats Louis W o l f f s o h n statt. Der plötzlich Verstorbene wur fast 20 Jahre als Mitglied des hiesigen Landgerichts tätig und erreichte ein Alter von 62 Jahren. Sprecdraal. Reinheim, 28. Mai. Bezugnehmend auf den Artikel von Darmstadt, 2\ Mai, möchte ich die Herren Kollegen in Hessen, welche auch das Amt eines qj-siL? versehen, darauf aufmerksam machen, daß es verfrüht wäre, jetzt schon Jubelhvmnen anzustimmen. Die Bemühungen unseres verehrten Schriftführers Herrn Lebermann in unserer Angelegenheit verdienen volle Anerkennung und wärmsten Dank. Ich bin jedoch etwas pessimistisch in dieser Sache. Mir hot Herr Geheimrat Dr. Scheuermann im Hess. Schulministerium erklärt: „Das Amt eines Schächters verträgt sich nicht mit dem eines Volksschulleh.ers." Nachdem ich ihn darauf aufmerksam gemacht hatte, daß die nBYJV ein Religionsgesetz sei, wie jedes andere und daß auch in Preußen die Israel. Volksschullehrer das Amt eines Schächters versehen, sagte er mir wörtlich: „Wir stehen halt einn.al auf diesem Standpunkt, und was wo en Sie, dasselbe hat mir gegenüber auch ein Rabbiner geäußert." Hoffen wir trotzdem, daß die Angelegenheit n"jD in einer befriedigenden Weise geregelt wird. I Borenberg. Briefkasten. in Deu tschla nd und Oesterreich find uns bekannt Of'iyn in Köln, DDÜDn in Krakau und mn 'pVNO m Lemberg. S. S. in B. Von einem rituell geführten Hotel am berr. Platze ist uns nichts bekannt. I L. W. Für Reklameartikel ist der Inseratenteil bestimmt. I. L. in K Die Entscheidung folgt in den nächsten Tagen. Wohltätig. Es dürfte fich kaum auf diesem Wege etwas erreichen lassen, da die großen orthodoxen Gemeinden, welche in erster Reihe dafür zu haben wären, zumeist slber solche Institutionen erhalten. I. I N. Verein „Jedide Jlmim" in Berlin. (Neu-Weißensee, Parkstr. 18.) W. W. in B. Der an sich gute Artikel eignet fich für unser Blatt nicht. W. in W. Kürzungen bei Personalnachrichten find mit Rücksicht auf den uns für diesen Teil zur Verfügung stehenden Raum leider unvermeidlich. I Sin Z. Kann ntcht verwendet werden. L B. in R. Wollen Sie bitte fich an einen Rabbiner wenden, da es nicht unsere Aufgibe jein kann, in solchen schwierigen rituellen Fragen Entscheidungen zu treffen. Abo««, in M. Die Deutsch-jüdischen dürften Ihnen bekannt sein. Bon hebräischen Zeitungen Zeitungen flufiöfung Ses Miels in Nr. 23. II. q III. Richtige Lösungen sandten ein: Dtbora Ehrenberg in Wiznitz; Schill Jozsua in Preßburg; M. Schestelowitz in Königsberg- L. Cohen, Lehre» in Borken- Blumenthal, Lehrer in Kö'.n-Deutz- Finkelstein in Posen- L.Baruch in Berlin- Toni Seide, rn Berlin. BAcassel Frankfurt am. m Ein Tnsmimeimn-Kocbapparat für mohalltn. Da die antiseptischen Anforderungen, die die heutige medizinische Wissenschaft an jede chirurgische Operation stellt, auch moderne Instrumente und deren sachgemäße Vorbehandlung bei der Ausübung der Miloh bedingen, wird von dem B. B. Cassel'schen Medizinischen Spezialhause Frankfurt a. M. auf Veranlassung der Chewrath Mohalim ein Kochapparat empfohlen in welchem die Instrumente zum Transport befestigt und vor jeder Circumcision an Ort und Stelle ausgekocht werden können. Der Apparat der fich gut bewährt hat, besteht aus einem gut vernickeltem rechteckigen leichten Metallkasten (Gewicht mit Einrichtung 700 gr.), der 8 cm. breit, 17V* cm. lang und 4 cm. hoch ist, und Klappfüße besitzt. Er enthält: 1. ein Drahtgestell, in dem die Instrumente befestigt sind. 2. das aus einem stück geschmiedete Messer mit einer Blechhülle zum Schutz der Klinge versehen. 3. die Zange (Schutzplatte). 4. Das Glasrohr zur Mezizah. 5. die geknöpfte zerlegbare Scheere. 6. eine kleine Büchse für kaust. Soda. 7. den zweifiammigen Spiritusbrenner. 8. die im Deckel befestigten 2 Hebezangen. Zur größeren Bequemlichkeit wird ein Lederfuteral zu dem Apparat geliefert, in dem er sich leicht in der Rocktasche unterbringen läßt. (Siehe Abbildung). iüÜÜii Üli üüiaittHi ■ i