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Der Israelit · 1908-06-11 · Heft 24 (11.6.1908) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 24 (11.6.1908)
Date
1908-06-11
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Nr. 34. Der Israelit. 11. g^rnt 1906. die Liste noch einmal. Wie man hört, soll auch H. Aron Durlach wiederum sich um ein Mandat bewerben. Stuttgart, 30. Mai. Zu der auf den 27. und 28. Mai d. I. etnberufenen 13. ordentlichen Versammlung des Vereins württembergischer Rabb iner waren außer zwei durch Alter, bez. Krankheit verhinderten Kollegen, alle erschienen. Den ersten Punkt der Tagesordnung bildete der Geschäftsbericht des Vorsitzenden (Kirchenrat Kroner). Aus diesem Bericht geht hervor, daß der Ausschuß des Berlins zur Ausführung der Beschlüsse der vorigen Versammlung die nötigen Schritte getan hat. Im Anschluß daran werden weitere Mitteilungen und Anregungen, besonders hinsichtlich des ob liga tori schenReligi onsun terri chtes, Verhütung einer weiteren Verschärfung der Sonntagsruhe und der Abwehr der Schächtgegner gegeben und mit Interesse entgegengenommen. Den nächsten Gegenstand der Tagesordnung bildete die Fortsetzung der seit 4 Jahren erfolgenden Beratung der württembergischen Gottesdienstordnung. Die Beratung wurde diesmal zu Ende geführt (Referent: Sänger-Mergentheim). Die Beschlüsse sollen zu einem „Entwurf" zusammengestellt und behufs einer zweiten Lesung Kahn - Heilbrvnn zum Referat für die nächste Versammlung übergeben werden. Einen interessanten Einblick in die „Minhogim" in württembergischen Gemeinden gaben als Referenten zum 3. Gegenstand der Tagesordnung die Kollegen : Kahn-Eßlingen, Kroner-Oberdorf und Schweizer-Weikersheim, sie zeigten, daß trotz der schon c. 70 Jahre bestehenden undgiltigenwürttembergischenGottesdienstordnung örtliche Verschiedenheiten erhalten geblieben sind. Der 4. Punkt der Tagesordnung war eine Berichterstattung über eine geordnete Zusammenstellung alles besten, was besonders in der Verwaltung u. s. w. als Norm von der Behörde ausgestellt ist. Der Referent Berlinger - Brensbach legt eine Sammlung von Erlassen und Verordnungen, die er selbst gesammelt hat, vor. Es wurde der Wunsch geäußert, daß diese oder eine ähnliche, vollständigere Sammlung bald zur Orientierung und zum Studium vorliegen möchte. Das 5. Referat sollte die Tätigkeit der Rabbiner bezügl. der größeren Vereinigungen innerhalb Deutschlands beleuchten. Referent Kahn-Heilbronn hob hervor, daß es zu begrüßen sei, daß jedes Feld gemeinnütziger Tätigkeit eine Organisation und beinahe jede Not ihren „Hilfs-Äerein" habe/ zwar erschwere die große Anzahl der Vereine die Wirksamkeit für dieselben, was er an einzelnen Organisationen, deren Bedeutung er hervorhob, beleuchtete. Dennoch sei es Pflicht der Kollegen, für diese großen Organisationen, soweit als möglich, einzutreten und sie zu fördern. Mit dem Wunsche, daß die Anregungen in der Versammlung auck draußen im Amte Früchte tragen mögen, wurde die Versammlung, nachdem noch für die nächstjährige wichtigere Referate ausgestellt und vergeben waren, geschlossen. 8t. Oesteweirtz. Wien, 26. Mai. Der soeben erschienene Bericht über die Wirksamkeit der „Israelitischen Allianz zu Wien" im Verwaltungsjahre 1907, erstattet an die 35. ordentliche Generalversammlung am 28. Mai 1908, ist ein ehrenvolles Zeugnis für die umfassende humanitäre Tätigkeit dieser in Reil)' und Glied mit den anderen großen jüdischen Organisationen in Europa wirkenden Vereinigung. Er zeigt auch in erfreulicher Weise, daß die österreichische Juden - heit bei den großen Hilfswerken für die verfolgten. Glaubensgenossen nicht nur nicht zurücksteht, sondern manchmal auch den ersten Platz einnimmt. Dies war im vorigen Jahr der Fall mit Bezug auf die internationale Aktion zu Gunsten der Opfer der Judenexzesse in Rumänien. Die Wiener Allianz hat da, wie erinnerlich, sofort mit großer Energie und Umsicht helfend eingeariffen und schon im März 1907, als die Ansammlung der Flüchtlinge an der österreichischen Grenze begann, war der Sekretär der „Allianz" Herr Dr. Kaminka an Ort und Stelle, um im Verein mit der Leitung der Filiale in Czernowitz and dem Grenzkomitee in Suczawa-Jtzkany die Hilfe zu organsieren. In der hierauf am 5. Mai in Wien abgehaltenen Versammlung der Organisationen, bei der die Alliance Jsraelite Universelle in Paris, der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin, das Hilfskomitee für die osteuropäischen Juden in Frankfurt, die englischen und amerikanischen Comites, sowie die Comites von Bukarest und Jassy vertreten waren, wurde die gesamte Führung des Hilfswerkes der Wiener Allianz übertragen. Die von der oesterreichischen Organisation aufgebrachten Spenden in der Gesamthöhe von über 176.500 K. bilden auch den größten von einer europäischen Organisation sür diesen Zweck zustande gebrachten Beitrag. Bon der Alliance in Paris und vom Berliner Hilfsverein unter Beteiligung von Frankfurt wurden der Wiener Zentrale auf Grund der Konferenzbeschlüste zu Gunsten der geschädigten Familien je 87.500 Fr. zur Verfügung gestellt. Das Comit« in London sandte 30.859 Kr. Außerdem brachten die Comites in Bukarest und Jassy selbst durch Sammlungen über 85.000 Fr. auf. Die Listen der Geschädigten wurden nach Anordnung der Wiener Allianz von den in Rumänien eingesetzten Distriktskomitös sorgfältig redigirt und von Vertrauensmännern in Bukarest überprüft. Ueberdies hat der Sekretär der Allianz Herr Dr. Kaminka im Laufe des Jahres wiederholt an den Beratungen der Comites in Jasty, Botosany, Jtzkany und Bukarest behufs Sicherung einer gerechten Verteilung der Unterstützungen teilgenommen. Auf diese Weise gelang es, das große Werk brüderlicher Hilfe an mehr als 3000 durch barbarische Hetzen in Not uud Elend gebrachten Familien in mehr als 40 Städten und Ortschaften, soweit es die Verhältnisse in Rumänien zuließen, in vollkommen befriedigender Weise durchzuführen. Im Herbst 1907 hat die Allianz im Einvernehmen mit den anderen Organisationen eine besondere Aktion zu Gunsten der aus den Dörfern vertriebenen Juden einleiten müssen. Es wurden hiefür von der Wiener Organisation und ebenso von Paris und Berlin separat je 22.500 Fr. bewilligt. Eine umfassende Fürsorge wurde ferner den jüdischen Emigranten aus Rumänien zugewendet. Durch das Entgegenkommen der Jewish Colonisation Association konnten'die Ende 1906 sistierten Gruppenbeförderungen wieder aufgenowmen werden und es wurden während der letz'.en Monate 1907 durch Vermittelung der Allianz nach Kanada 1071, nach den Vereinigten Staaten 140, nach. Argentinien 52, zusammen 1269 Personen in Gruppen, außerdem 146 Personen einzeln befördert. Aus der Gesamttabelle der Emigrantenfürsorge des Wiener Bureaus ergibt sich, daß im Iahte 1907 durch dasselbe registrierte russische und rumänische Emigranten zusammen 259 6 befördert wurden: in dieser Zahl sind nicht enthalten die zahlreichen Auswanderer, die auf kurzem Wege auf der Durchreise in Wien Unterstützungen erhielten und die nach tausenden zählenden Personen, denen die Eomites der Allianz in Czernowitz, Brody und Krakau ihre Fürsorge zuwaudten. Für die Abgebrannten in Konstantinopel (Haskyeu) wurde dem Comite der All. Jsr. Univ. ein Beitrag von 3000 Fr. überwiesen. Der'Lämelschule in Jerusalem wurden, wie im vorhergehenden Jahre, 3000 K. bewilligt. Die Allianz beteiligte sich auch durch einen Beitrag an der von der All. Jsr. Univ. in Paris entsandten Expedition nach Abessynien zwecks Aufsuchung der des Schutzes bedürftigen Falaschas. Der Bericht über die Situation in Rußland hebt hervor, daß sich die Lage der Juden während des verflosienen Jahres leider wieder wesentlich verschlechtert hat, da sie in ihrer Hoffnung, bürgerliche Rechte zu erlangen, mehrere Jahrzehnte zurückgedrängt erscheinen und sich nicht einmal die liberale Kadettenpartei, auf welche so große Hoffnungen gesetzt wurden, einen Antrag zu Gunsten der Inden zu stellen getraut. Interessant ist die Mitteilung des jüdischen Abgeordneten Niffelowitsch, welche in russischen Blättern erschien (Ist auch in Nr. 19 des „Israelit" veröffentlicht.) und im Bericht ur Charakterisierung der Situation wiedergegeen wird. Ungarn. Budapest, 29. Mai. Das, was man vor Jahren kaum zu denken wagte, für undurchführbar hielt, ist zur Wirklichkeit geworden. Ungarns orthodoxe Kultusbeamten haben sich zu einem Verbände organisiert. Die orthodoxe Landesvertretung hat die obrigkeitliche Bestätigung des Verbandes, mithin dessen faktisches Zustandekommen bewirkt. Man überschätzt die große Bedeutung dieser Institution durchaus nicht, wenn man behauptet, daß die Schaffung des Verbandes eine der hervorragendsten und bedeutungsvollsten Taten ist, die seit Konstituierung der Orthodoxie in Ungarn geleistet wurde. Der Verband ist berufen, die materielle Lage der Kultusbeamten — die so manches zu wünschen übrig ließ — zu verbessern, den Beamten, ihren Witwen und Waisen Versorgungsbeiträge und Pensionen zu sichern, die gesellschaftliche Stellung der Beamten zu heben und durch fachgemäße Ausbildung der o't2l"W bessere Verhältnisse herbeizuführen. Das Programm des Verbandes ist — wie ersichtlich — ein recht vielseitiges und in jeder Beziehung beachtenswertes. Dessenungeachtet darf man sich keiner Täuschung hingeben. Es wird noch eine geraume Zeit andauern, bis der Verband eine „greifbare Form" annehmen wird können. Einerseits fehlts noch an der entsprechenden Popularität, die eine derartige Institution sowohl in Beamtenkreisen als in orth. Gesellschaftskreisen haben muß, andererseits müffen dem Verbände erst die nötigen materiellen Mittel zur Verfügung gestellt werden. Aufgabe der interessierten Kreise ist es daher, nach den angedeuteten Richtungen hin eine eifrige Tätigkeit zu entfalten, persönliche Momente auszuscheiden und recht bald in Aktion zu treten, damit diese schöne Institution erfreuliche Resultate erziele. Die erste Generalversammlung wurde dieser Tage abgehalten und haben an derselben Oberrabbiner Koppel Reich (Budapest) und Präses der orthodoxen Landeszentralkanzlei Adolf Frankel teilgenommen. Die Versammlung war zahlreich besucht und erwähltezu ihrem Präses Karl Freudiger (Budapest), dem ein würdiger Vorstand -rmd Repräsentantenkörper an die Seite gestellt wurde. Rußland. Odessa, 30. Mai. Was zur Zeit die jüdischen Gemüter hier in tiefer Erregung hält, ist der Beschluß der Stadtverwaltung betreffs der Errichtung einer elektrischen Straßenbahn in unserer Stadt, welche von der letzteren einer belgischen Gesellschaft übertragen wurde. Im Vertrag, den die Stadt mit der Gesellschaft abschloß, befindet sich eine Klausel, die die Gesellschaft verpflichtet, nicht mehr als 25 Prozent jüdische Arbeiter anzustellen. Bedenkt man, daß etwa 70 Prozent der hiesigen Einwohner Juden sind, und in diesem Verhältnis auch zu den kommunalen Kosten steuern, so wird man die Ungerechtigkeit dieser Bestimmung klar erkennen. Daß die Stadtverwaltung eine solche Ausnahme-Bedingung stellte, und daß dieselbe höheren Orts genehmigt wurde, kann keinen verwundern, daß aber eine moderne Gesellschaft in einem Kulturstaat wie Belgien darauf eingeht, und wahrscheinlich ihrerseits tüe Schranken, die die jüdischen Arbeiter ausschließeu sollen, noch enger zieht, ..hat nicht verfehlt, auf die hiesige jüdische Einwohnerschaft eine deprimierende Wirkung auszuüben.

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