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Der Israelit · 1908-06-04 · Heft 23 (4.6.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 23 (4.6.1908)
Date
1908-06-04
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Sette 10. Nr. 23. Der Israelit. 4. Juni 1908 UereiN$we$en. Betreffend das Gesetz Wer die Sonntagsruhe berichtet der Lord über die Annahme des Aveburyschen Antrages im englischen Oberhause, gegen welchen er mit aller Energie eingetreten sei. Seine Verteidigung des Rechtes der Juden auf die Heiligung des Sabbats an Stelle des Sonntags habe die Sympathien zahlreicher Bischöfe, unter ihnen auch des Bischofs von Canterbury gesunden. Er erhielt von Seite der Regierung die Versicherung, daß im laufenden Jahre in dieser Angelegenheit nichts werde unternommen werden und im kommenden Jahre sein Amendement, „daß Juden, welche ihre Geschäfte von Freitag vor Sonnenuntergang bis Samstag nach Sonnenuntergang geschlossen halten, berechtigt seien, am Sonntag ihre Geschäfte bis 4 Uhr nachmittags offen zu halten" einer neuerlichen Beratung unterzogen werden würde. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen spricht der Lord sein Bedauern darüber aus, daß es ihm bis heute nicht gelungen sei, einen Mann zu finden, der geeignet wäre, den Posten eines Oberrabbiners der „Federation of Synagogues" auszufüllen. Das Projekt eines Oberrab-- biners für Ost-London werde von mancher Seite bekämpft, doch verstecken sich die Meisten seiner Angreifer hinter der Anonymität. Er scheue wohl, wie bekannt, nicht den Kanrpf, doch müsse mit offenen Visier gekämpft werden. Schließlich trat Lord Swaythling für die Errichtung und Förderung von Talmud-Thora-Schulen ein und schließt seine mit großem Beifalle aufgenommene Rede mit folgendem Appell: Die Talmud-Thvra-Anstalten werden heute als fremde, wertlose Institute betrachtet, aber es wird die Zeit kommen, da sie eine führende Rolle spielen werden. Laßt uns die Erziehung unserer Kinder im Allgemeinen nicht vernachlässigen und nicht ein frivoles Spiel treiben mit ihrer religiösen Erziehung, die nicht Freidenkern überlassen werden darf. Die Grundpfeiler unserer Thora müssen auch das Fundament der Erziehung unserer Kinder bilden. London, 30. Mai. In der letzten Monatssitzung der „Anglo Jewish Association" in London brachte Mr. Hermann Landau Folgendes vor: Ich habe jüngst drei Monate in Aegypten verbracht und fand in Cairo ungefähr 1500 russische und polnische Flüchtlinge, die sich in den letzten Monaten daselbst niedergelassen hatten. Ich machte auch die Beobachtung, daß die portugiesischen Juden von Cairo mit diesen Neuangekommenen nichts zu tun haben wollen. Diese portugiesischen Juden verhalten sich heute in Cairo jedem anderen Juden gegenüber genau so, wie unsere portugiesischen Juden vor hundert Jahren in England es taten. Kurz vor meiner Ankunft in Cairo war Herr Jakob H. Schiff aus Newyork dort gewesen und ließ 200 Pfund Sterling zu dem Zwecke zurück, um das Geld unter die polnischen und russischen Juden zu verteilen, jedoch nicht ein Heller wurde diesem Zwecke zugeführt, alles behielten die portusiesichen Juden. (? Red.) Was soll nun mit der Erziehung der Kinder dieser Flüchtlinge werden'? Sie besitzen keine Schule. Es ist wohl wahr, sie haben eine Art von Cheder und mancher von ihnen hat auf autodidaktischem Wege die englische Sprache so weit erlernt, daß ec einen einträglichen Posten in Ober-Aegypten erlangen konnte. Ich glaube jedoch, daß für die geeignete Erziehung und Ausbildung dieser Kinoec gesorgt werden müßte. Die „Alliance" hat wohl in Cairo eine Schule, ober sie steht leer und der Schulleiter sagte mir, daß mit einem Kostenaufwande von 1000 Pfund Sterling 1000 Kinder Unterricht erhalten könnten. Die „Anglo Jewish Association" habe wohl nicht das Recht, der „Alliance" Lu diktieren, ich habe jedoch die feste Ueberzeugung, daß wenn die „Anglo Jewish Association" mit geeigneten Vorschlägen an die „Alliance" herantritl, diese alle Mittel anwenden werde, um die Erziehung dieser Kinder zu erntöglichen. Wir müsset! aber in die Tasche greifen.Die Angelegenheit wurde hierauf dem Exekutivkomite zur dringlichen Behandlung überwiesen. Amerika. New-Aork, 11. Mai. In'der „Dukler Mucain Abraham Synague" wurde gestern Abend eine Bewegung eingeleitet, deren Ziel es ist, unter den Israeliten der unteren Oftfeite eine strengere Beobachtung des Sabbaths zu erwirken. Die Sabbath Observance Association, an deren Spitze I. Buchbaum steht, beabsichtigt, allen Bäckern, die sich ihren Forderungen fügen, Zettel zum Aufkleben auf die von ihnen'gelieferten Brote zu stellen. Jeder Bäcker soll dabei eine Kaution von H 50 stellen, die verfällt, sobald er an einem Samstag backt. Die Affociation plant fernerhin die Einrichtung eines Stellen-Vermittlungsbureaus, welches sich derjenigen annehmen soll, die infolge ihrer Weigerung, den Sabbath zu entweihen, ihre Stellen verlieren sollten. (Die Nachricht bedarf der Erklärung, da das Bureau unseres Wisiens bereits seit zwei Jahren besteht. D. Red.) fäüvket Tripolis, 10. Mai. Dem vom Abendlande hierher importierten Antisemitisnins wird von den hiesigen Juden mit einer Entschiedenheit entgegengetreten, die nur als erfreulich und nachahmenswert bezeichnet werden kann. Die hiesige „Laue» cks Rom»" beschäftigt mehrere Juden, die bisher sich der absoluten Sabbathfreiheit erfreuten. Der vor kurzem neueingetretene Direktor stellte jedoch seine jüdischen Beamten vor die Alternative, entweder auf den Schabbos oder auf ihre Stellen zu verzichten. Die Bankangestellten entschlossen sich ohne langes Ueberlegen für das Letztere.' Die jüdische Bevölkerung Tripolis beschloß aber einstimmig, den auf ihre Glaubensbrüder ausgeübten Gewissenszwang mit einer vollständigen Boykottierung der Bank zu quittieren und alle geschäftlichen Beziehungen, zu derselben einzustellen. Da besann sich die hohe Direktion eines besseren und gab den jüdischen Beamten, die durch charakterfestes und einheitliches Vorgehen den Eingriff in ihre religiösen Rechte so mutig abwehrten, ihre unverkürzte Sabbathruhe wieder, wodurch nunmehr auch der Handelsverkehr mit den Juden wieder hergestellt wurde. vermischter. Frankfurt, 30. Mai. Wie man jetzt erfährt, hat Charles V. Hallgarten in seinem Testament einen großen Betrag für Frankfurter Wohltätigkeilsanstalten ausgesctzt. Die Verteilung auf die einzelnen Vereine ist den Testamentsvollstreckern überlaffen. Außerdem hat Hallgarten Wohltatigkeitsanstalten seines früheren Wohnsitzes, New- Iork, mit großen Beträgen bedacht. Dem Hilfsverein der Deutschen Juden, deffen Zentralkomite der Verewigte angehörte, sind 5000 Mark überwiesen worden. Berlin, 28. Mai. Der Zudrang zu den 3 Kindergärten des Hil'svereins der Deutschen Juden in Jerusalem war zu Beginn des neuen Schuljahres nach Ostern so stark, daß nicht allen Gesuchen um Aufnahme ent sprachen werden konnte. Hunderte von Mütter, füllten, wie man aus Jerusalem mitteilt, Hof und Straße vor den Lokalen der Kindergärten, um ihre Kinder anzumelden. Die Frauen, deren Ktnder aus Mangel an Raum nicht altsgenommen werden konnten, verließen weinend das Haus. Die drei Kindergärten des Hilfs- Vereins in Jerusalem zählen jetzt 450 Zöglinge. Der dritte Kinde garten ist aus der Montefiore Kolonie in die Stadt verlegt worden. Zum ersten Male ist damit überhaupt ein Kindergarten im Innern der Stadt eröffnet worden. Borek, 26. Mai. Die Königliche Regierung hat von neuem die Auflösung der jüdischen Schulgemeinde und die Einschulung der Schüler in die evangelische Schule angeregt. Die Schulvorstände der evangelischen und jüdischen Schule haben in ihrer gestrigen Sitzung den Antrag abgelehnt. Konftautinopel, 27. Mat. Die drei Schulen des Hilfsvereins der Deutschen Juden unternahmen am 26. Mai einen Dampferauöflug nach den süßen Gewäsi rn. Zu d esem Ausflug hat die türkische Regierung den Schulen einen Extradampfer gratis zur Verfügung gestellt. Frankfurt a. M., 27. Mai. Der Verein »28 veranstaltet am Sonntag den 21. Juni Vormittags im Festsaale deS neuen Kaufmännischen Vereins eine akademische Feier zu Ehrchr des 100. Geburtstages von Samson Raphael Hirsch V'jfj. Wie man hört werden eine Reihe größerer Korporationen, die auf dem Boden des geseßestreuen Judentums stehen, bei der Feier durch Delegierte vertreten sein. Frankfurt a M., 25. Mai. Der dritte Referat- und Rezitattonsabend der „Bereinigung zur Pflege von Literatur und Geselligkeit" war am Sonntag, 24. d. M. „Tennyson" gewidmet. Vor dicht, besetztem Haufe entwarf Herr Dr. M. Schüler in längerem Vortrage ein anschauliches Bild vom Leben und Schaffen des Dichters, das zum beffern Verständnis der nachfolgenden Rezitationen sehr viel beitrug. Auch das Referat über die „Prinzessin" von Herrn Phil. Feist zeugte von gründlichem Studium und sicherer Beherrschung des Themas. Die Rezitattonen aus den ausgewählten Dichtungen Tennysons würben von Frl. Recha Schwarzschtld, Frl. Rosa Cahn, Frl. Flort Birnbaum, Frl. Else Meyer, Frl. Jenny Rapp und den Herren: Sally Rosenheimer und Edwin Frank ausnahmslos recht schön und. anmutig zum Bortrage gebracht. Der Vorsitzende, Herr Hermann Frank, konnte in seiner Schlußrede angesichts der so zahl, eich erschienenen Gäste mit Recht konstatieren, daß die Veranstaltungen der Vereinigung fich großer Beliebtheit in den weitesten: jüdischen Kreisen erfreuen und immer mehr an Popularität gewinnen. Hamburg, 30. Mai. Am Mittwoch, 27. Mai fanddie diesjährige 17. Generalversammlung desJsr. Stellenvcrmittlungsvereins statt, in den Räumen des Logenheims, dieselbe war leider nur spärlich besucht. Der Vorfitzende erstattet Bericht über die Stellenvermittlung des verflossenen Geschäftsjahresdie etwas geringere Besetzung im Vergleich zu den Vorjahren ist wohl in der Hauptsache auf den fortwährenden Mangel an tüchtigen Bewerbern, d. hsolchen mit Branchen-Waren, Sprachenkenntnis re. zurückzuführen. Es kann daher nicht oft genug an unsere jungen Leute die Aufforderung gerichtet werdm, fich, Kenntnisse aller Art zu erwerben, besonders solche der Sprachen und Buchhaltung, die die beste Sicherheit gegen Stellenlosigkeit std. Die bereits im vorjährigen Bericht in Aussicht gc stellte Gründung einer Ortsgruppe des- Sabbaihsreunde hat inzwischen, angeregt durch dm Borstand unseres Vereins startgefunden. Ein Bortrag, des Herrrn I. Rosenheim - Frankfurt a. M. im Juni, vorigen Jahres bewirkte den Beitritt von ca. 250 Mitgliedern. Ein Zusammenarbeiten der Ortsgruppe mit. unserem Verein bleibt dadurch gesichert, daß in die Statuten der Ortsgruppe die Bestimmung ausgenommen wurde, drei Vorstandsmitglieder müßten aus dem Borstande des I. St. B. genommen werden. Die beiden Vereine traten auch gemeinsam ein, als durch den vom Reichsamt des Innern vorgelegten Entwurf einer voll-- ständigen Sonntagsruhe für Engros-Geschäfte eine erhebliche Schädigung der von uns vertretenen Interessen etnzutreten drohte. Eine Anzahl Eingaben an die berufenen Stellen wurden gemeinsam auch mit dem OverrabbMat und dem Borstand des Synagogenverbandesveranlaßt. Die Gefahr scheint ja Gott sei Dank vorläufig verschwunden, da der Gesetzentwurf, wie verlautet, einstweilen zurückgezogen ist. Auch hie speziell für Hamburg in Aussicht gestandene Erweiteruung dev Sonntagsruhe, welche unser Verein schon seit 1906 in verschiedenen Eingaben an die Bürgerschaftskommisstow bekämpfte, ist aus allgemeinen Gründen avgelehnt worden. Die Eingabe des Vereins hat leider dabei keine Beachtung gefundenman wtcs speziell auf juristische Bedenken hin, welche dem Wunsche, daß die am Schabbos geschlossenen Geschäfte bei Erweiterung der Sonntagsruhe nach wie vor fünf Stunden tätig sein dürfen, entgegenstehen sollten. Es wird sich an anderer Stelle noch Gelegenheit biewn, darauf zurückzukommen. Der Vorfitzende, Herr I. Rosenstock, har den seit vielen Jahren mir großem Erfolg und beispielloser Hingebung geführten Vorsitz niedergelegt, die Leitung der Stellenvermittlung jedoch, beibehaltender Borfitz ist auf die Herren SJL Jacobsen und A. Nußbaum übergegangen. Es wurde alsdann der Kassenbericht verlesen und derselbe gleich, dem Geschäftsbericht genehmigt. Wie aus dem Kaffenbericht ersichtlich, war es dem Verein nicht möglich, seine Ausgaben aus den laufenden Einnahmen zu decken - unter den jungen Leuten hat leider die Erkenntnis noch nicht Platz gegriffen, daß mit einem einmaligen Beitrag, von 3 Mk. die Kosten nicht bestritten werden können- Selbst diejenigen jungen Leute, denen der Verein gut bezahlte Stellungen vermittelt har, versäumen meistens, weiter Mitglieder zu bleiben. Die statutenmäßig ausscheidenden Herren W. Pels, M. Flörsheim I. und Max Stein wurden wiedergewählt, e enfalls der inzwischen an Stelle des unvergeßlichen Herrn Simon Zuckermann kooptierte Herr Semmy Hesse bestätigt und weirergewähit. Anträge waren nicht gestellt und schloß der Vorfitzende die Versammlung mit dem Wunsche weiteren Fortblühens des Vereins. Budapest, 1. Juni. Das Spi al der Pester isr. Religionsgemetnde veröffentlicht einen Bericht vom Jahre 1907. Aus demselben ist zu entnehmen, daß die Ausgaben des Spilals 246048 Kronen betrugen. Mangel an Liberalismus kann der Spitalverwaltung durchaus nicht zum Borwurf gemacht werden, denn unter den im abg.laufenen Jahre verpflegten Kranken waren 576. nichtjüdischer Konfession, während 60% der ambulanten i.

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