Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 21 (21.5.1908)
- Date
- 1908-05-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Der JSraettt. 21. Mat 1906. aber er verdient es, daß man ihm eine Freude macht, er ist . so lieb und gut und brav. Da kommen sie schon. Edwin! Gustav! Emil! hier her! Hier sind Mr, im Garten! — Die Knaben hatten die Damen im Garten erblickt und traten durch die Gittertür herein. Jetzt erst erkannte Edwin seine Mutter. „Mama! rief er und eilte über und über erglühend auf sie zu. Sie ging ihm einige Schritte entgegen und zog ihn in ihre Arme. „Mein Liebling! mein liebes, liebes Kind!" Er fuhr sich unwillkürlich mit der Hand nach dem Herzen, es pochte plötzlich überlaut. „Ich habe dich erschreckt, Liebling, du hast Herzklopfen?" „Ach, das schadet nicht, das geht gleich vorüber, es war doch ein freudiger Schrecken." Sie nickte ihm freundlich zu. „Hoffentlich wird es rasch wieder gut sein. Aber Paß auf Edwin, ich werde dir gleich noch einen freudigen Schrecken bereiten." „Wieso?" fragte er um sich blickend „ist der Großpapa auch mit da?" „Nein, Aber jetzt höre zu, was ich dir sagen werde. Morgen Mittag geht der Dampfer Roland in Geestemünde in die See mit achtundneunzig Paffagieren, die eine Gesellschaftsreise nach Norwegen machen, um dort die Mitternachtsonne zu bewundern. „Die Mitternachtsonne? das muß interessant sein." „Das glaube ich auch und darum beabsichtige ich, mich all dieser Reise zu beteiligen." „Wirklich? Du Mama?" „Wirklich ich — Und ich habe sogar zwei Billete genommen —" „Zwei Billete? — für wen ist denn das zweite?" „Das errätst du nicht? — Wenn du es erraten hättest, hätte ich gehofft, daß du dich vielleicht erbitten laffen würdest —" „Mich meinst du?" rief er jauchzend „ist das dein Ernst, Mama? — dein wirklicher Ernst?" „Mein wirklicher Ernst," versetzte sie lächelnd. 'Da jauchzte er abermals laut auf und umarmte und küßte sie, und dann umarmte er Fran Doktor Hasenfeld und Gustav und Emil und jedem rief er jauchzend zu: „Ich fahre nach Norwegen, ich werde die Mitternachtsonne sehen!" Und dann rannte er dem Hause zu. „Wohin Edwin? wo willst du hin?" „Dem Herrn Doktor erzählen, daß ich nach Norwegen reise." „Mein Mann ist nicht zu Hause, wird erst in der Nacht kommen." „Ach, wie schade! — Aber ich darf doch mit meiner Mama reisen, wenn der Herr Doktor auch nicht zu Hause ist. Nicht wahr, Frau Doktor?" „Gewiß liebes Kind, mit deiner Mama darfst du reisen, wohin eine Mama dich mitnehmen lvill. Mein Mann wird sich übrigens auch freuen mit der dir bevorstehenden Freude." „Aber bitte, liebe Mama, hast du den Großpapa Gotthold auch gefragt, oo ich mit dir reifen darf? — Der Großpapa Schröder sagt immer, ich dürfe keinen Schritt tun, ohne Zustimmung i meines andern Großpapas, weil der mein Vormund ist." „Aber liebes Kind, wie kannst du zweifeln, daß ich deinen Vormund gefragt habe, bevor ich dir derartiges in den Kopf setze!" „Also der Großpapa erlaubt es, daß ich mit dir reise?" „Aber selbstverständlich, er hat sich sogar über meine Absicht dich mitzunehmen, sehr gefreut. Auch der Sanitätsrat mei'lt, die Reise' werde dir sehr zuträglich sein, namentlich der Aufenthalt auf der See." „Ja, ich freue mich sehr darauf, es wird gewiß sehr schön sein." „Aber weißt du, liebes Kind, auf was ich dich noch aufmerksam machen möchte. Als dein lieber seliger Vater zum ersten mal die See esehen hat, da hat er aus einem kleinen Gebetuch etwas gebetet. Nimm dir . daher auch ein Gebetbuch mit, darin wirst du sicherlich auch ein Gebet finden, das dafür bestimmt ist." „Gewiß liebe Mama, gewiß werde ich mir ein Gebetbuch mitnehmen unö meine T'fitlin auch. Aber was werden wir denn effen? wir werden doch mehrere Wochen fortbleiben — Nun, meinethalben brauchen wir nur Butterbrod zu effen, ich wäre ganz zufrieden damit." „Aber ich glaube nicht, daß der Herr Doktor Hasenfeld damit zufrieden gewesen wäre, daß du mehrere Wochen ausschließlich von Butterbrod lebst und darum habe ich mir von deinem Großpapa Gotthold zuverlässige Firmen empfehlen lassen, wo man rituell zubereitete Konserven bekommt. Und davon habe ich e ne große Kiste voll schon voraus auf das Schiff schicken laffen. Zwölf verschiedene Sorten Fleisch und wie vielerlei Gemüse, das weiß ich selbst nicht, und Fleischextrakt usw., du wirft keinen Mangel leiden." „Das weiß ich wohl. Ach, Mama, ich bin dir so sehr, sehr dankbar — Aber wann werden wir denn abreisen? ich muß doch einiges mitnehmen, da ist es wohl schon Zeit, daß ich packe." . „Gewiß Kind, dazu ist es bereits höchste Zeit, etzt ist es sechs Uhr und um acht geht unser ug. Also packe rasch deine Siebensachen. Mit Hilfe der Frau Doktor war Edwin schon nach einer Viertelstunde reisefertig und bald darauf stand eine Droschke vor dem Hause und begleitet von seinen Kameraden und deren Mutter legten Edwin und seine Mutter den kurzen Weg bis zu dem Bahnhof zurück. Malwine ward nicht müde der freundlichen Frau wieder und immer wieder zu danken für alles, was sie ihrem Sohn und auch für die freundliche Aufnahme, d e. sie ihr hatte zu Teil werden ' lassen. Sie bat sie auch, ihren abwesenden Gemahl vielmals von ihr zu grüßen, sie habe es so sehr bedauert, ihn nicht getroffen zu haben, aber bei ihrer Rückkunft beabsichtige sie sich da- _- Seite 13. Nr. 21 für zu entschädigen und einige Tage in dem schönen B. sich aufzuhalten. Auch Edwin verabschiedete sich von allen in herzlichster Weise. Doktor Hasenfeld war erst spät heimgekommen und schon nm sieben Nhr am andern Morgen wurde er abermals zu einem Schwerkranken gerufen und ohne mit den Seinen wehr als einen flüchttgen Morgengruß gewechselt zu haben, mußte er wieder fort. So war es Mittag geworden, ohne daß die Abreise seines Pftegebefohlenen zu seiner Kenntnis gekommen. Erst als sie sich wie gewöhnlich um Ein Uhr zu Tische setzten und Edwins Platz leer blieb fragte er nach ihm und forderte Emil auf, ihn zu rufen. „Edwin soll ich rufen?" entgegnete Emil lachend „solch starke Stimme habe ich denn doch nicht, der ist doch jetzt schon längst auf hoher See." „Auf hoher See?" „Ach, der Vater weiß doch noch von gar nichts" — und nun berichtete ihm seine Frau eingehend von ihrem gestrigen Besuch und von ter Abreise des Knaben. Staunend und wiederholt den Kopf schüttelnd hatte der Doktor zugehört. „Wo ist der Brief?" fragte er, nachdem sie ihren ausführlichen Bericht beendet hatte. „Welchen Brief meinst du?" „Nun du sagtest doch ausdrücklich, daß Edwins Großvater Gotthold seine Zustimmung zu der Reise gegeben habe." „Danach hat Edwin ausdrücklich gefragt und hat hinzugefügt, sein Großvater Schröder habe ihm wiederhott gesagt, er dürfe keinen Schritt ohne Zustimmung seines Vormunds tun." „Da hat der wackere Junge ganz recht." „Das hat seine Mutter auch gesagt und hat wiederholt versichert, daß ihr Schwiegervater der Reise gern zugestimmt habe." „Und Schriftliches von ihm hat sie nicht gehabt?" „Aber ich bitte dich, wozu wäre denn das notwendig gewesen? — sie ist doch die Mutter." „Mit der Mutter habe ich während der anzen Zeit nichts zu tun gehabt, der Vormund at mir den Knaben übergeben, nur ihm oder dem von ihm Bevollmächtigten hätte ich ihn übergeben dürfen." ,Mber ich bitte dich, die Mutter — „Die Mutter hätte mir auch etwas Schriftliches von dem Vormund bringen müssen, sonst hätte ich ihr den Jungen nicht übergeben — Muß ich da gerade nicht zu Hause gewesen sein! —" „Und was hättest du getan, wenn du zu Hause gewesen wärest?" „Ich hätte telegraphisch, und zwar in einer sogenannten dringenden Depesche Gotthold angefragt, ob die Sache in Ordnung ist." „Und wenn bis zum Abgang des Zuges die Antwort wohl nicht dagewesen wäre?" „So hätte ich ihn nicht, fortgelassen, um keinen Preis." (Fortsetzung folgt.) FDr dm Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; lnsnesonnere ist es anssehliesslieh Sache der Leser, dis ln Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritnellerWaren oder sonst ge Angaben rellgloisgesetzliehen Charakters anflhre Zuverlässigkeiten prüfen. Sanatorium Inselhad. mit 0ttlllenqO8il6 bei Paderborn Medizinalrat Dr. Liedtke. Bor.üglicher K»r« und Erholungsaufenthalt inza. liuvenieiden, Asthma. -Mau verlange Prospekt.- Verven-, Damen- und Familienbad. Modern. Warmbad m. See-, «üßwafferu. sämtl. Medizin. Bäd. Gesunde klimat. Lage. Prachtv. «vaziergange u. AuSfl. a. waldreich, romant. Strande. — ErstNass. Hotels u. Pension, m. vorzügl. Küche. Mäffige Preise. Kurl-Welle, Mitte Juli Sportwoche. Prosp. u. WohmmgsnachweiS durch (10184) die Badedfrektfton. Herzliche Bitte. Durch den nach mehrjährigem schwe en Leiden erfolgten Tod einer bis zum letzten Augenblicke in hingebungsvoller Pflichttreue in seinem Berufe tätig gewesenen Lehrers ist deffen Wittwe in eine drückende Notlage geraten. Diese, zu lindern erscheint uns als ein dringendes Gebot der Menschenliebe. Darum bitten wir edle Wohltäter für diesen Zweck um freundliche Gaben, die jeder von unS entgegenzunehmen bereit ist und über die wir an dieser Stelle quittieren werden. (10471 Oberrabbiaer Dr. N. Ebrenfeld, P r » g, Rabbiner Dr. Jacobsohn, Rabbiner Dr. Lewin, Omesen. Wreechen, Herrenalb Notel Lion mit Dtpenduu Villa Senta u. A. s. E. H. Dr. Schiffer. (10443 hergestellt unter der streng rituellen Aufsicht des Herrn Rabbiner Dr. Kohn in Ansbach. JCHLINCKÄCÜ^/w^ßrö.r^r"*'