Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 19 (7.5.1908)
- Date
- 1908-05-07
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Feuilleton-Beilage zu Nr. fy des „)sraelit". euilleton. ver knlrel. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung) Als ihr Vater am folgenden Tage zu ihr kam, ihren Entschluß zu vernehmen, erklärte sie ihm unter aufrichtigen Tränen, daß er Recht gehabt habe, der Baron wolle ihr Geld, um seine Güter einzulösen, um ihre Persönlichkeit kümmere er sich wenig. Der Vater streichelte der Weinenden die tränenüberfluteten Wangen. „Armes Ding, du dauerst mich, hast dir eingeredet, der Baron habe sich in dich verliebt! — Aber ich habe es doch im vorhinein gesagt, so machen si's alle. Jetzt wird er einen andern Gimpel suchen, vielleicht sindet er einen, es laufen so viele dumme Menschen in der Welt herum." Malwine erblaßte und preßte die Lippen aufeinander. Schröder erkannte unschwer, daß die Sache für sie noch nicht abgetan war. Trotzdem begnügte er sich mit ihrem Versprechen, den Baron fortan nicht mehr zu empfangen. »Was wird mit Edwin geschehen?" fragte sie endlich „wird er jetzt nicht wieder zu mir herüber kommen. Den Baron wird er doch nicht mehr hier treffen, also —" Schröder schüttelte verneinend der: Kopf. „Ich glaube nicht, daß Gotthold ihn dir wieder anvertrauen wird — er könnte es auch nicht, wenn der Baron darauf eingegangen wäre, wärst du übergetreten und durch diese Absicht hast du jedes Vertrauen zu dir zerstört. Sie zuckte die Achseln. „Viel liegt mir nicht daran, aber was ich gesagt habe, darauf bestehe ich, er darf nicht drüben bei seinen Großeltern bleiben." „Das wird er auch nicht. Wenn irgend möglich kommt er noch im Laufe dieser Woche nach B. in das Haus des dir bekannten Doktor Hasenfeld. „Dr. Hasenfeld in B? ja, der ist mir bekannt, wir waren vor zwei Jahren in Norderney zusammen, mit ihm und seiner Frau. Er ist ein netter angenehmer Mann, sie ist nicht übermäßig gescheidt und nett, scheint aber sehr gutherzig zu sein. Für Edwin wird das sehr gut sein, namentlich, daß er so beständig unter ärztlicher Aufsicht stehen wird. Wer hat das in Vorschlag gebracht?" „Der Sanitätsrat hat es für das Richtigste erklärt, ihn bei eurem Arzt in Pension zu geben, da ich von Theodor gehört habe, daß Frau Dr. Hasenfeld aus sehr frommem Hause und selbst streng religiös ist, so habe ich das Hans vorgeschlagen." Malwine nickte spöttisch lächelnd. „Nun ja, fromm ist die Frau Doktor, das muß ihr sogar der Neid laffen. Aber ihr Mann ist mir doch lieber, wenn er auch vielleicht hin und wieder eine Cigarre am Sabbat rauchen wird —“ „Das hast du gesehen? fragte Schröder kopfschüttelnd. „Gesehen habe ich's nicht und in Gegenwart feiner Frau wird er es auch sicherlich nicht tun, aber daß er dieses oder ähnliches überhaupt nicht tun sollte, kann ich mir kaum denken." „Was du dir denken kannst oder nicht denken kannst, darauf kommt es nicht an. Aber ich muß dich aufmerksam machen, dein Sohn war vorgestern in größter Lebensgefahr, darum hat der Sanitätsrat dringend gewarnt, ihn irgend welcher Aufregung auszusetzen. Vorgestern hat er wiederholt erklärt, daß er nie wieder herüber wollte. Wie er heute darüber denkt, weiß ich nicht, aber es könnte sei«, daß er vor seiner Abreise der Mutter doch Adieu sagen wollte. In diesem Falle müßtest du sehr, sehr vorsichtig sein, dürftest weder seiner Erkrankung noch der Veranlassung derselben erwähnen, noch sonst irgend etwas, das ihn aufregen könnte." ,Aber das ist doch selbstverständlich — bin ich denn so dumm?" „Nein, dumm bist du nicht, aber ich glaube, an der Stelle, wo andere Menschen das Herz haben, da hast du nur einen Sack, in dem der Lumpenbaron steckt." Sie errötete über und über „Ich habe doch versprochen, ihn nicht mehr zu empfangen —" „Und du wirst dein Wort halt n," entgegnete er scharf. „Wenn du willst schwöre ich es dir." „Danke sehr. Ich verlasse mich darauf, daß die Menschen Augen und Ohren haben, und daß der Baron keine Maus ist, daß er durch ein Mäuseloch in dein Haus schlüpfen könnte. Die Zeit schritt vor, anderthalb Jahre waren bereits verstrichen seit Edwin in B. weilte, Malwine hatte während dieser ganzen Zeit ihren Svhn nicht gesehen. Mit dem Baron Brandow stand sie jedoch nach wie vor in regeln Verkehr. Ihr Haus hatte er zwar nicht ivieder betreten, aber in den: Hinterhause des bekannten Malers, bei dem Malwine angeblich Malstudien trieb, in der Wohnulrg der ehemaligen Kammerfrau der verstorbenen Baronin Brandow, dort trafen sie sich häufig und sie mußte zugestehen, daß nicht nur verbotene Früchte, die süßesten sind, sondern daß auch geheime Freuden keineswegns die am wenigsten süßesten süld. War sie jedoch auf Reisen, so konnte man mit Bestimmtheit annehmeli, daß der Baron in ihrer Nähe war. Selbst ihr Vater zweifelte daran nicht, doch hielt er es für geraten, das, was er nicht ändern konnte, vorläufig zu ignorieren, doch hatte er testamentarisch seine diesbezüglichen Vorkehrungen bereits getroffen, wovon Malwine allerdings keine Ahnung hatte. Darum wurmte es sie auch im Innersten ihres Herzens, daß ihr Vater in jüngster Zeit noch frischer geworden zu sein schien, als ehedem. Wie lange würde sie da noch warten müssen, bis sie im Angesicht der ganzen Welt ihren Ketzerglauben würde abschwören und zu der allein seligmachenden Kirche würde übertreten können, um daun ihm anzugehören, dem Geliebten ihres Herzens, dem Sprößltng der altadeligen Familie, und die Frciherrnkrone sich, wenn auch nicht in die Stirne, so doch auf die Wäsche zu drücken? Ferner als je erschien ihr dieses Ziel und doch ersehnte sie es mit immer heißerer Glut, es schien ihr oft, als könne sie es nicht erwarten. Wenn ihr Alex sich nur zur Hälfte nach ihr so sehnen würde, wie sie sich nach ihm sehnte, sohätte er längst auf die Millionen ihres Vaters verzichtet und sich mit dem begnügt, was sie ihm bieten konnte. Ihr Vater hatte Recht, eine mehrgliedrige Familie hätte reichlich davon leben können, aber leider! leider! nodlosse oblige. In denr alten und altväterlichen Lehnsessel der dereinstigen Zofe seiner Mutter lehnte Baron Brandow und blickte sinnend empor zu dem schmutzig weißen Plafond der „guten Stube", die ihm zu seinen Schäferstunden überlassen war, Malwine saß neben ihm und hielt seine schmale aristokratische Hand und schaute in sein weißes blasiertes Gesicht, in das die Runen schon gar manche Züge gezeichnet hatten, die man in gar nicht ferner Zeit würde Runzeln nennen müssen, die feinen tiefen gebogenen Linien, die von den Augenwinkeln ausgehend, Krähenfüßen glichet:, und mtwillkürlich verglich sie dieses verlebte Angesicht mit dem männlich schönen desjenigen den sie dereinst geliebt, ihr selber unbewußt entrang sich ein Seufzer ihrer Brust. Der Baron hatte ihn vernomnren und falsch gedeutet. „Du darfst nicht wähnen, Geliebte, daß ich mit geringerer Sehnsucht als du unsere Ber einigüng erhoffe, im Gegenteil, ich sinne Tag und Nacht darüber, ein Mittel zu finden, tas deinen Vater unsereit Wünschen geneigt machen könnte." „Tu sinnest vergebens, Alex, meinen Vater anderen Sinnes zu machen, das ist unmöglich." „Unmöglich ist ein Wort, das in meinem Lexikon nicht enthalten ist, für einen echten Brandow gibt es keine Unmöglichkeit." „Ich sollte denken " „Verzeihe, Geliebte, da gibt es nichts zu denken, da handelt es sich um Tatsachen. Als nrein Ahnherr Max von Brandow unter Gottfried von Bouillon Jerusalem erstürmte, da kam er mit seinen Leuten an einen breiten reißenden Strom unmittelbar vor ber Festung. Und nirgend war eine Brücke oder auch nur eine Furt, auf der sie das andere Ufer hätten erreichen können. Wir können nicht hinüber, riefen seine Leute, es ist unmöglich!" Nichts ist unmöglich! rief mein Ahnherr, mir nach, wer keine Memme ist! — Und mit verhängten Zügeln trieb er sein Roß in die reißende Flut und schwamm mit ihm hinüber und begeistert von dem heldenmütigen Beispiel ihres Führers folgte seine ganze Schaar und in einer halben Stunde war Jerusalem erstürmt. Und das Blut meines Ahnherrn rollt auch in meinen Adern, ich kenne keine Unmöglichkeit." Malwine zuckte die Achseln. „Auf den Ausdruck kommt es nicht an, — und übrigens, ich habe unsere Bereinigung auch keineswegs als unmöglich bezeichnet." „Das weiß ich, du hast es jedoch als unmöglich bezeichnet, deinen Vater unserem Wunsche geneigt zu machen." „Das ist richtig. — Oder wüßtest du vielleicht ein Mittel?" » „Wie bereits erwähnt, über dieses Mittel sinne ich Tag und Nacht." „Hast es aber trotzdem nicht gefunden", sagte sie, spöttisch lächelnd. (Fortsetzung des Romans x Seite 14.) Jamilicnnacbricftten. 4* eb urten : Philipp Posen (Kaiser) hier, Mauerweg 20. einen S o b n. — Leopold Merzbach (Joseph) hier, Sandweg 6, eine Tochter. — Lehrer Strauß (Reuberger), Marktbreit, eine Tochter. Verlobte: Gclla Fromm. Simon Saemann» beide Frankfurt a. M. — Bertha Birnbaum, Rechtsanwalt?>. Siegfr. Schwarzschild, beide Frankfurt a. M. — Roste Rapp» A,tbur Bodanskp, Frankfurt a. M.-Berlim — Henriette Hildesheimer, Nathan Halber st adt, HalberstadvFrankfurta.M. — Bet n Wormser, David Fortnin Frankfurt a. M.-Groenlo (Holld.) Vermahlte: Meier N nßba » m mit Klärchen, gcb. Kahn. Fulda-Wiesbaden. Verstorbene: Grcbemann. Josef Herbert, hier, Rödcrbergwea 39, 2 Jahr. — Neumond, Lilli, Mai, hier. Langeftraße 7, 26 Jahr. — Frl. Settchen Hakn, Eddcrsheim. Barmifenoh: Theodor, Sohn von Mor. Steigerwald, hier, Windeckstr. 5V, m der Sunagoge der iSrael. (tzemeinde, Bkrncplatz. Sabbat-Anfang u. Ausgang. TDK ORT: Anfang Dat«« Ausgang UhrjMin. 1908 5668 Uhr litt in. 9. Mai. 8. Jjar Hranksnrt a. M 7 20 8 45 Berit« ... — - 8 33 München . . 7 15 8 22 StraKdnrg . 7 30 8 40 Stuttgart. . . 7 HO 8 35 Pose« .... — 8 38 Nürnberg . . — — 8 28 Hamburg . . - - 9 05 vrag.| - — 8 20