Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 18 (30.4.1908)
- Date
- 1908-04-30
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Gelte 18. No. 18. Der JSraeltt. 80. April 1808 gewährten dem Fortbildungskurs eine Subvention, auwelcher die Teilnehmer einen Teil ihrer Reisekosten vergütet erhieltenauch einige Privatpersonen trugen ihr Scherflein dazu bei. Ihnen allen, sowie auch der Adaß-Jisroel-Gemeinde in Nürnberg für ihre bewährte Gastfreundschaft und der Deutsch-israelitischen Zeitung in Regensburg für die kostenlose Aufnahme unserer Inserate, die Konserenztermine betreffend, sei hier der verbindlichste Dank ausgesprochen. Den Kollegen aber nah und fern empfehlen wir die Gründung ähnlicher Kurse. Wohl erfordert die Teilnahme an denselben trotz der oben erwähnten Beihilfe noch recht wesentliche Opfer an Zeit und Geld, aber bei richtiger Leitung sind sie äußerst nutzbringend für unseren Stand und noch mehr für unsere Schule. ver €akel. Erzählung von Friedrich Rott. (Fortsetzung) 'euilleton. „Warum unmöglich? — Ich wiederhole, inein Vermögen ist dein Bernlögen und wie viele Familien leben glücklich mit dem zehnten Teil von dem, was wir gebrauchen können. Bedenke, wir sind doch nurzwei Menschen, denn für Edwin habe ich nicht zu sorgen, der will überhaupt nichts von mir wissen, seit er mich in deinen Armen gesehen 'hat — Also — ich begreife nicht —" „Nun ja freilich, du begreifft nicht — du kannst dich nicht in unsere Verhältnisse hineindenken und ich bin gradezu ratlos, wie ich dir's zum Verständnis bringen soll —" Er zog die Stirn in Falten und drückte die Zähne in die Lippen bis sie bluteten. „Malwine — Liebling — ich sehe ja ein, du bist großmütig, indem du in mich dringst, dein Vermögen als meines zu betrachten und mit dir von den Zinsen desselben zu leben — Aber siehst du denn nicht ein, daß das für mich unmöglich ist — als Mann von altem Adel mich von meiner Frau ernähren zu lassen — das wäre doch geradezu ein Schimpf für mich —" Sie blickte verständnislos zu ihm hinüber. „Das wäre ein Schimpf für dich? — aber von dem Verinögen zu leben, das ich von meinem Vater erben würde, das — das wolltest du? — wo ist der Unterschied? — dieses ist mein Geld und jenes wäre mein Geld — " Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn, wie um die dort lagernden Falten zu verscheuchen. „Ich sagte es doch, es hält überaus schwer, dir diesen Unterschied begreiflich zu machen — Sieh' Kind bemühe dich, dem Fluge meiner Gedanken zu folgen, ich bitte dich — wenn ich, wie du es wünschtest, mit dir von den Zinsen deines Kapitals leben würde, so würde ich mich einfach von meiner Frau ernähren lassen — was ich um keinen Preis möchte,' hörst du? um keinen Preis!" „Aber —" „Ich bitte, mich ausreden zu lassen, ich yoeiß ja, was du sagen willst. Nun aber bitte aufzumerken, ich wiederhole, von meiner Frau werde ich mich nie ernähren lassen, lieber eine Kugel durch den Kopf. — Wenn aber meine Frau mir das Erbe ihres Vaters als Darlehn übergeben Iugenöschriften. Tie Hasmonöer, Drama in 5 Akten von Leopold Stein, Verlag von Jakob B Branbeis, Prag. Preis 20 Pfg. Das vorliegende Bändchen der jüdischen Universalbibliothek, das die Abwertung - der syrischen Tyrannei durch das tapfere Hasmonäergeschlecht zum Thema hat, zählt zu den besseren Schriften auf dem Gebiete der jüdischen Jugendlettüre, wenngleich euch der Ko i parativ „besser" hier weniger bedeutet! als der Posttiv gut Es ist durchaus als Lektüre für eine reifere Jugend geeignet, schon durch seinen bloßen Inhalt, der ja wie kaum ein anderer geeignet ist, in den Herzen unserer Kinder Begeisterung zu wecken für unsere glorreiche V ergangenheit und Begeisterung zugleich für unsere Ideale, für unseren Glauben. Dieser Nützlichkeitsstandpunkt muß natürlich ausscheiden bei der Beurteilung nach der ästhetischen Seite h n, bet der nur rein-künstlerische Gesichtspunkte maßgebend sein dürfen. Nun, ein Dichter ist der Herr Berfafier gerade nicht, immerhin hat er sich mit Fleiß bemüht, seine etwas klapprigen Berse mit gedanklichem Inhalt zu erfüllen. Die Sprache ist oft von einer erstaunlichen Prosa und oft genug unbeutsch. Heiter hat mich gestimmt die Unzahl der verzeichneten und banalen Bilder, von würde/ und ich mit dem mir hochherzig überlassenen Darlehen die verpfändeten Güter meiner Familie einlöfen und wieder für mich ertragsfähig machen würde, dann würde ich mit meiner Frau nicht von ihrem Gelde, sondern von den Erträgnissen meiner Güter leben, die es mir auch ermöglichen würden, nach und nach das mir gewährte Darlehen zurückzuzahlen — hast du mich verstanden, Geliebte?" Sie wechselte wiederholt die Farbe, in ihren Augen loderte ein düsteres Feuer und ihre Stimme klang hart und seltsam heiser als sie erwiderte: „Gewiß, ich begreife jetzt alles, ich habe alles verstanden — mein Vater hat doch Recht — ich sehe es klar und deutlich —" „Was Liebling? — was siehst du klar und deutlich?" „Daß du mich nicht liebst — und nie geliebt hast — daß du nur mein Erbe willst, um die verpfändeten Güter deiner Familie einzulösen." „Malwine!" schrie er auf „habe ich das um dich verdient?" Sie sah ihn an, trostlose Verzweiflung malte sich in ihren Blicken. „Was du um mich verdient hast, weiß ich nicht — aber du täuschest mich nicht mehr — ich sehe alles, klar und deutlich — das jüdische Geld möchtest du wohl — non ölet, nicht wahr, so heißt es? — aber die Jüdin — die könnte deinethalben zum Kuckuk gehen oder zum Teufel oder sonst irgend wohin—" „Malwine! — um s Himmelswillen, du sprichst im Fieber! du sprichst irre —" Er nahm sie in seine Arme und küßte und streichelte sie und tat alles mögliche, die maßlos Ueberreizte zu beruhigen — Allmählig gelang ihm das auch. Sie richtete sich wieder auf, ihr Atem ward gleichmäßiger. Er begann wieder sie mit Schmeicheleien zu überhäufen, mit Versicherungen seiner nie endenden Liebe. Sie schüttelte leise abwehrend den Kopf. „Davon mußt du schweigen —" „Weshalb, Geliebte? weshalb schweigen?" „Daß ich schön bin weiß ich, daß du mich deshalb aber doch nicht liebst, das weiß ich auch." „Malwine! ich schwöre dir —" „Warum willst du falsch schwören? ich glaube es doch nicht. — Aber wenn ich auch weiß, daß du mich nicht liebst, ich liebe dich dennoch — mehr als mein Leben — und wenn ich mein Erbe hätte, ich würde dir alles geben, damit du deine Güter einlösen könntest oder was du sonst willst — vielleicht würdest du mich dann doch lieben." „Ich liebe dich schon jetzt, du süßes, herziges Kind! — Wenn du mir doch glauben wolltest! — ich liebe dich mehr als mein Leben, das schwöre ich dir bei dem ewigen Heil meiner Seele!" Sie schüttelte schmerzlich seufzend den Kopf. Wie kann ich glauben, daß du mich liebst, wenn du so ruhig darauf verzichten kannst mich zu sehen, vielleicht, oder vielmehr Jahre hindurch." „Wer sagt dir, daß ich darauf verzichte? darauf verzichte ich nicht nur nicht ruhig, sondern überhaupt nicht." denen ich einige der schlimmsten als abschreckendes Beispiel hierhersetzen möchte: Taucht' ich den Pinsel in die schwarze Nacht, Schattierend grell . . , S. 30. Auf Seite 87: In meines Herzens Born fink' ungesehen Die Lieb' zum Weib in einem Eimer weder. Und auf Seite 122 wird erzählt, daß Eleazar, heißhungrig nach Ruhm fich unter einen Elefanten stürzt und „den Tod aß". Da muß er allerdings sehr heißhungrig gewesm sein. Diesen Mä geln in formaler Beziehung gegenüber muß anerkannt werden, daß der Bau des Dramas recht gelungen ist. -Die Entwicklung des Antiochus Epiphanes stellt durchaus eine dramatisch wirkungsvolle Steigerung dar. Geschickt verwertet ist die tiefsinnige talmudische Parabel von dem Totenkopf, den Alexander wegtrug von deS Paradieses Pforten. Des wahnfinnigen Königs letzte Augenblicke find nur erfüllt von der Vorstellung, wie jener Totenkopf, durch eine „Hand voll Eibe befteit zu werden von der Schwere des Daseins. Der Tod des Herrschers ist von erschütternder Tragik. Der Verfaffer hat sich ja nicht überall an die geschichtliche Wahrheit gehalten, immerhin ist das Drama geeignet, der reiferen Jugend die Chanuckahgeschichte auch menschlich nahe zu bringen. A. E. „Aber du willst doch, daß wir mit unserer teirath warteu bis nach dem Ableben meines aters — willst aber nicht, daß diese unsere Absicht zu feiner Kenntnis gelangt. Da könntest du mich doch nicht mehr besuchen." „Du gutes harmloses Kind! — Freilich kann ich dich nicht mehr besuchen, aber ein oder zwei mal in der Woche müßten wir doch Zusammenkommen, sonst hielte ich's ja doch nicht aus." Sie atmete tief auf ihr Auge leuchtete wieder. „Freilich, freilich — aber ich weiß nur nicht, wie wir das machen könnten." „Dafür weiß ich Rat. Du kennst doch den Maler Herbert in der Kaiserstraße?" „Persönlich kenne ich ihn nicht, aber ich kenne mehrere Mädchen und junge Frauen, die zu ihm gehen Unterricht im Malen zu nehmen." „Das solltest du auch tun, das ist jetzt Mode —" „Warum denn das? ich habe kein Talent zum Malen." „Darauf kommt es nicht an. Lasse dich nur bei ihm einschreiben und gehe öfters zu ihm. Und in dem Hinterhalts des Hauses, iw dem der Maler wohnt, wohnt ein Eisenbahnkondukteur, dessen Frau dereinst bei meiner Mutter gedient hat. Sie ist eine treue Seele, unserer Familie, noch immer sehr anhänglich und können wir ihr unbedingt vertrauen. Ich werde dir immer schreiben, wann du mich dort treffen kannst, sie räumt uns dann ihre sogenannte gute Stube ein und wir können uns dort eine oder auch zwei Stunden trefflich unterhalten, du wirst sehen, wie schön das sein wird. Heimliche Freuden sind die süßesten." Sie lächelte beglückt in sich hinein. „Ich fürchte nur, daß mein Vater das Versprechen, am Ende gar den Schwur von mir verlangen wird fortan jeden Verkehr mit dir zu meiden. Was sollte ich da tun?" „Was er verlangt. Unbedingt, was er verlangt," sagte er entschieden. „Und dennoch? —" „Und dennoch — Schau' mich nicht so bestürzt an mit deinen wunderbaren Augen, unter andern Verhältnissen würde ich dir sicher nicht zu einem falschen Schwur raten. Aber abgesehen davon, daß das eigentlich doch nichts anderes ist als eine sogenannte Notlüge, weil wir ohne dieselbe faktisch nicht leben könnten, so kommt noch hinzu, daß du doch vor unserer Trauung die heilige Taufe empfangen wirst, durch welche jedes Unrecht und jeder Frevel ausgelöscht wird; was du auch vordem begangen haben könntest, nach der Taufe bist, du rein von Sünden, wie ein neugeborenes Kind." Malwine ließ sich gern und daher leicht überzeugen und versprach mit Mund und Hand alles zu tun, was er verlangte. Sie gab sich allerdings keiner Täuschung hin über seine Gefühle ihr gegenüber, aber sie liebte ihn mit aller Glut ihrer ungezügelten Sinne und darum war ihr für ihn nichts zu schwer. (Fortsetzung folgt.) i i 4 -i A •■jj . Z i i