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Der Israelit · 1908-04-30 · Heft 18 (30.4.1908) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 18 (30.4.1908)
Date
1908-04-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
Belongs to
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Seite 10. Kt. 18. Der JSraettt. not erzeugt und — namentlich in der Provinz — die Milah allmählich vollkommen vernachlässigt werden würde, bedarf keiner ausführlichen Darlegung. Hoffen wir, daß es gelingt, die Regierungskreise davon zu überzeugen, daß . sie schlecht beraten sind, wenn sie sich von radikalen Stürmern in einen Kukturkamvf gegen die älteste grundlegende Institution des Judentums hineinhetzen lassen. Paris, 12. April. In Suresnes wurde heute eine Büste Emil Zolas entbüllt. Ministerpräsident Clemenceau hatte zu der Feierlichkeit einen Vertreter entsandt. Es sprachen mehrere Redner. Während der Reden wurden von einer Anzahl junger Leute mehrfach Rufe ausgestoßen, die sich gegen Zola und gegen Juden richteten. Zehn Verhaftungen wurden vörgenommen, von denen aber nur vier aufrecht erhalten werden sollen. England. London, 24. April. Ein recht interessantes und wertvolles Ergebnis hat die Wahlbewegung in Manchester gezeitigt. Dort stand der Präsident der Handelskammer, Mr. Churchill, ein sehr einflußreicher liberaler Politiker, zur Wahl, und es war augenscheinlich, daß die jüdischen Stimmen ausschlaggebend sein würden. Diese günstige Constellation benützend, begaben sich eine Reihe angesehener Glaubensgenoffen zu Mr. Churchill, um ihn über seine Stellung zu den die jüdischen Interessen berührenden politischen Angelegenheiten zu befragen. Es sind dies: die Alien-Act, die Naturalisationsfrage, Sonntagsruheuud Sch ul-Gesetz. Nun wollte es der Zufall, daß vor etwa 14 Tagen die Antwort des Home Office auf die bekannte Eingabe des Board of Deputies in Sachen der Alien Bill, über welche wir seiner Zeit ausführlich berichteten, beim Board eingelanfen ist. Obgleich der Board bekanntlich alle weiter gehenden Anträge auf Einschränkung oder Abschaffung der Bill unterlassen und nur einige bescheidene Forderungen in Betreff der Einrichtung ausreichender Empfangs-Räumlichkeiten für die Einwanderer etc. gestellt hatte, lautet die Antwort des Home Office rundweg ablehnend. Der Minister behauptet, er hätte kein Recht daiu, auf dem Verwaltungwege die beantragten Maßnahmen zu treffen. Das war anfangs April, als man von der Wahl in Manchester und von der dortigen Situation im Home office natürlich noch nichts wissen konnte. Am 14. April erklärte dagegen Mr. Curchill, und zwar ausdrücklich auf Grund einer Autorisation der Regierung, daß die verlangten Empfanghäuser überall, wo es notwendig ist, eingerichtet werden müßten, auch wenn dies eine besondere gesetzliche Bestimmung erfordere. Auch in Betreff der übrigen Punkte der Eingabe des Board of Deputies gab Mr. Churchill befragende Erklärungen ab. In Betreff der Sonntagsruhe versicherte er, daß die Regierung keiner Bill zustimmen würde, welche den Bedürfnissen der jüdischen Bevölkerung nicht vollständig gerecht werde. Da übrigens der neue Minister- Präsident, Mr. Asquith, die Alien Bill seiner Zeit scharf bekämpfte, so ist die Hoffnung vielleicht nicht unberechtigt, daß er . auch außerhalb der Wahlzeit politisch für die Wünsche der jüdischen Kreise zu haben sein wird. Türkei. Konstantinopel, 1. April. Nach dem vor drei Jahren erfolgten Tode des Oberrabbiners von Aleppo, Rabbi Salomon Safdieh, konnte sich die verwaiste Gemeinde zu keinem Nachfolger einigen. Die Folge davon war, daß die jüdischen Institutionen der Stadt stark zurückgingen. Mitte vorigen Monats wurde endlich die Wahl eines Oberrabbiners vorgenommen. Gewählt wurde der bisherige Oberrabbiner von Tripolis, Rabbi Chezkia Chabbetai. Auf Intervention des Grand Rabbiu der Türkei, Moise Levy, wurde die Wahl des Rabbi Chezkia durch ein kaiserliches Jrade bestätigt. Der neugewählte Oberrabbiner von Aleppo steht heute im 5V. Lebensjahre und ist nicht nur ein hervorragender Talmudist, sondern auch Doktor der Rechte und beherrscht außer der hebräischen auch die türkische, arabische, französische und spanische Sprache. Geboren in Salonichi, studierte er gemeinsam mit dem gegenwärtigen Oberrabbiner von Salonichi, Rabbi Jacob Meir in Jerusalem. Im Jahre 1900 wurde er Oberrabbiner von Jaffa und vier Jahre später Oberrabbiner von Tripolis. Konstantinopel, 13. April. Der Kaimakam vorr Jaffa wurde bereits durch einen tüchtigen Beamten ersetzt. Die russischen Juden Jaffas dankten dem russischen Botschafter Sinowjew telegraphisch für seine erfolgreichen Schritte zu ihren Gunsten. Ob mit Recht, darüber sind die Meinungen geteilt. Jedenfalls hätte der Konsul durch zeitiges Eintreten diese nachträglichen erfolgreichen Schritte sich leicht ersparen können. Die Korrektheit der türkischen Oberbehörden wird dagegen allerseits anerkannt. vermiscbtes. 6 Heidelberg, ZoT'April. In'dem" stenographischen Berichte des „Israelin" über die badische Synode befinden sich zwei unrichtig wiedergegebene Stellen. In der Resolution, welche zur Erledigung der GeVerbuchangelegenheit diente, heißt es im Berichte: „eines Teiles der fr ei gesinnten Elemente." Diese mit Recht beanstandete Fassung wurde aber in der definitiv zur Annahme gelangten Resolution durch folgende ersetzt: „Zwecks Befriedigung des religiösen Bedürfnisses eines Teiles der badischen Religionsgemeinschaft". Es kann also leine Rede davon sein, di ß die Shnodalmehrheit den Reformern etwa ihren „Freisinn" bezeugt habe. Ferner ist irrtümlicherweise von Lehrern aus „badischen" Seminaren die Rede, während es aus „deutschen" Seminaren heißen muß. Charlottenvurg, 12. April. Tie Errichtung einer Erziehungsanstalt für schwachsinnige jüdische Minderjährige mit zunächst 40 Plätzen in Beklttz (Mark) hat der Ausschuß des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes in Verbindung mit dem Generalkomitee der Großloge für Deutschlano des unabhängigen Ordens Benei-Britt beschlossen. Das Institut führt den Namen „Wilhelm Auguste Viktoriastistung". Die Eröffnung soll spätestens im Herbst d. I. erfolgen. Neustettin, 19. April. Auf Veranlassung bei Provinzialverbandes der Synagogengemeinden Pommerns ist Hierselbst ein neues Bezirksrabbinat geschaffen worden. Demselben haben fich folgende Gemeinden angeschlossen: Dramburg, Falkenburg, Tempelburg, Ratzebuhr, Baerwalde und Polzin. Die Leitung desselben ist dem hiesigen Rabbiner Dr. Lewh übertragen worden. S tratzburg, 13. April. In der letzten Generalversammlung der „Gesellschaft für die Geschichte der Israeliten in Elsaß-Lothringen", wurde die Gründung eines jüdischen Museums für Elsaß-Lothringen beschlossen. Posen, 31. April. Die S. B. Latz'ich e Kranken ananstalt Hierselbst beabfichtigt einen Neubau auf dem Grundstücke Judensttaße 15/16. Um aber nicht gegen Luft und Licht abgeschlossen zu fein, müssen auch die Nachbargrundstücke ntedergelegt werben. DteStadtkommune bewilligte hierzu eine Beihilfe von 10000 Mark. Petersburg, 10. April. Leo Tolstoi hat vor kurzem eine Broschüre über die Juden geschrieben und sie dem Duma-Abgeordneten Pergament zum Zwecke der Herausgabe übergeben. Pergament schrieb zu der Broschüre eine Vorrede und legte sie in Druck, aber vor ihrem Erscheinen wurde ste konfisziert. Das Gericht verhandelte dieser Tage über die Preßbeschwerde Pergaments. Nach emer glänzenden Rede Pergaments hob das Gericht die Konfiskation auf und gab die Broschüre frei. Die Welt wird demnächst wohl zum ersten Male die Stimme To stois über die Juden vernehmen. New-Uork, 1. April. Die offizielle Statistik über die Auswanderer, die infolge der im letzten Jahre in Amerika entstandenen wirtschaftlichen KrifiS Amerika verlassen haben, ist für d e fünf Monate von Juli bis einschließlich November 1907 jetzt erschienen. Bemerkenswert ist dabei die relativ geringe Anteilnahme der Juden an dieser Auswanderung, wie folgende Zahlen beweisen. Es verließen in diesem Zeitraum Amerika: „ Ä . Insgesamt davon Juden im Juli „ August „ September „ Oktober „ November 25 859 Personen 22 246 „ 21199 „ 25 384 „ 45 762 „ 593 651 232 624 488 Zusammen 14)450 Personen . 2438 Wie man steht, find gerade im November, wo die Auswanderung am stärksten war, die Juden nur mit einem sehr geringen Prozentsatz dal ei beteiligt gewesen. __ ' _30. April 1908 Ueber die Auswanderung in den folgenden Monaten aib^ die offizielle Statistik noch keinen Ausschluß. Bon den 2438 Juden, die Amerika in diesen fünf Monaten verlassen haben, sind 1907 Personen nach Rußland. 344 Personen nach Oesterreich zurückgekehrt. f rankfurt a. M., 24. April. Die „Vereinigung! flege von Literatur und Geselligkeit" hat auch mit ihrer letzten Veranstaltung am Sonntag Abend gezeigt, daß fie ihrem Namen entsprechend ihrer Aufgabe nach beiden vezeichneten Richtungen hin vollauf gerecht zu werden versteht. Literatur und Geselligkeit. Herr M. Rosenblatt füllte den ersten Teil des Programms durch einen nach Form und Inhalt gleich schönen und instruktiven Bortrag über drei Dramen der Weltliteratur (Goethes Faust, Bayronl Manfred und Ibsens Brandt) aus. Das gründliche Eingehen auf die drei Charaktere und die durch dieselben personifizierten Welt- und Lebensanschauungen fand aufmerksame dankbare Zuhörer. Der Bortrag wurde noch ergänzt durch ein vorzügliches, gelehrtes aber. dabei allgemein verständliches Korreferat des Leiters der Veranstaltung, Herm Dr. Bondi» Nun kam die Geselligkeit zu fihrem Rechte. Neun junge Damen und drei Herren trugen abwechselnd Rezitationen von Goethe, Bayron, Ibsen, Heine usw. vor. Auch der „Sturm" von Moris Rosenfeld kam zum Bortrage, der Sturm, der unsere jüdischen Herzen ergriff und mächtig, bewegte. Es war ein lieblicher und zugleich herzerhebender Anblick, den die iungen Leute, von wahrem Kunsteifer beseelt, boten und einige Leistungen gingen auch weit über den gewöhnlichen Dilettantismus hinaus.. Der Abend wurde eingeleitet und beschlossen durch einige kernige Worte des Borfitzenden Herrn Herm. Frank. In echtes Fesiesstimmung verließen wir ien Saal mit dem aufrichtigen Wu sche: Auf baldiges Wiedersehen und Wiederhören! Berlin, 17. April. Wie in der Generalversammlung des „Fürsorgevereins für hilflose jüdische Kinder E. V." berichtet wurde, war das abgelaufene Geschäftsjahr für den Verein recht günstig. Die Zahl der Gesuche um Untersiützung wächst freilich schnell an, aber auch die Mitgliederzahl und die Summe der Beiträge wird immer größer. Im abgelaufenen Geschäftsjahre wurden in dem Kinderheim des Vereins (Artilleriestraße 36 s) 48 ftiubev verpflegt; die meisten noch im Säuglingsalter, davon vier mit ihren Müttern. Außerdem befinden fich mit Unterstützung des Vereins noch 18junge Kinrer in Außenpflege. Auch wurden Unterstützungen an hilfsbedürftige Mütter gewährt. Die Räume des Kinderheims find zu eng geworden, sie find deshalb gekündigt, und im Laufe des Sommers wird das Heim verlegt und erweitert werden. — Zu Revisoren wurden die Herren Hermann Aron und Max Mecklenburg geaählt. Berlin, 25. April. Der Israelitische Fortbildungsverein „Montefivre" stellte ftir das Sommer-Semester 1908 folgenden Lehrplan auf: Mischnah: Herr Rabb. Dr. Ed. Biberfeld, Chaje Odom: Mitgliederschiur, Psalmen: Herr Dozent Dr. I. Wohlgemuth. Für Fortgeschrittene find ferner folgende Gemoroh-Kurse vorgesehen: Traktat Megilloh: Herr Rabb. Dr. O. Lippschütz, Traktat Chulin: Herr Rabb. Dr. E. Munk. Kitzingen, 26. April. Unter der Leitung des Herrn Distriktsrabbiners Adler fand heute nachmittag 4 Uhr im Saale „zum Roß" die Gründung einer Ortsgruppe der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" statt. Der Referent, Herr S. Ehrmann, legte in klarer und begeisternder Weise die Ziele derselben dar und betonte insbesondere, daß auf allen Wirkungsgebieten, die zum Programm der Vereinigung gehören, bereits viel Gutes geleistet oder wenigstens in Angriff genommen worden sei. Der allgemeine Beifall bewies) daß die heilige Sache .Un Kitzingen Würdigung gefunden, und mit Befriedigung können wir berichten, daß alle Anwesenden der neuen Ortsgruppe beittaten. Markbreit, 26 April. Heute Abend hatten wir das Vergnügen, einen vorzüglichen Propaganda-Redner in unserer Mitte zu hören. Im Saale „zum Löwen" hatte fich eine stattliche Zahl von Interessenten etngefunden, um den Darlegungen des Herrn S. Ehrmann- München zu lauschen, der als Sendbote der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" die Gründung einer Ortsgruppe befürwortete. Trotz aller pessimistischen Voraussagen gelang eS den vorttefflichen Ausführungen des Referenten, alle von der Notwendigkeit eines Zusammenschlusses zu überzeugen und zu beweisen, daß Einigkeit aller am Fortbestaiw des Judentums und der Judenheit interessierten Glieder die Forderung des Tages geworden sei. Der Redner konnte am Schluffe der Versammlung mit Befriedigung konstatieren, daß außer den bereits ber Vereinigung angehörigen 20 neue Mitglieder fich eingezeichnet hatten. Ms Vertrauensmann ber hiesigen Ortsgruppe würbe Herr Lehrer Strauß bestimmt, der die Versammlung geleitet hatte. ferronaNen. Höchberg, 29. April. Am letzten Pessachta^e starb hier der bekannte und verdienstvolle Lehrer der hiefigen Präparandenschule Herr Nathan Eschwege, im Alter von erst 65 Jahren Die Trauer ob dieses schweren Verlustes ist allgemein und groß. Eine eingehende Würdigung des Lebens und Wirkens dieses ausgezeichneten Juden und

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