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Der Israelit · 1908-04-24 · Heft 17 (24.4.1908) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 17 (24.4.1908)
Date
1908-04-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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«eite S. No. 17 „Israelit? 24. April 19« f? r k-v i': i. A £' *■ *:?• dennych zu der weitesten Unbefangenheit im Reiche des Geistes, der Wissenschaft sich erhebend; daher eine scharf ausgeprägte, aber verklärte weitherzige jüdische Eigentümlichkeit! Da begegnen wir ergebenen Staatsmännern im Dienste der Khalifen, die zugleich von jüdischen Sympathien erglühten, kühneii Metaphysikern, die vertraut mit dem ganzen Detail des jüdischen Gesetzes sich, mit dessen Bearbeitung beschäftigten, Naturkundigen und Aerzten, die mit Borliebe das Geäder des hebräischen Sprachorganismus verfolgen. Eine große Anzahl der edelsten Kräfte unter den Juden gelangte, von dem Aufschwünge unter den Arabern angeregt und durch die ihnen geöffnete weitere Bahn entbunden, ja angetrieben, zu reicher Entfaltung,' alle aber bewiesen zugleich ihre volle Teilnah'me an der geistigen Arbeit inrlerhalb des Judentums, und diese erlangte dadurch eine wissenschaftliche veredelte Gestaltung lvie kaum zu einer andereil Periode. Sie schrieben ihre wissenschaftlichen und selbst ihre jüdisch-theologischen Werke in arabischer Sprache, weil diese, ihnen im Verkehre geläufig, zugleich den Ausdruck für wissenschaftliche und religiöse Begriffe darbot, und so vermählte sich in ihnen der arabische Geist, in Hem sie dpchten und empfanden, mit der Tiefe innig religiöser jüdischer Neberzeugung, die sie mit aller Treue bewahrten. Unter dem Einflüsse einer gebildeten Schriftsprache, in der sie dachten und schrieben, hob sich besonders das geläuterte Sprachgefühl, der ästhetische Sinn,- mit ihm ausgerüstet, gewannen sie einen ganz neuen Blick für die Erkenntnis der hebräischeil Sprache, eine gesunde Erfassung des Inhalts der hebräischen Äteratur. Was voll ben Männern der arabisch spanischen Schule für hebräische Sprachkunde und Schrifterklärung geleistet wurde, ist mustergültig für alle Zeiten geblieben." Wir haben die vorstehenden Sätze in Anführungszeichen gestellt, um damit zil sagen, daß wir einen fremden Schriftsteller zitieren, und wer schrieb dies wohl? Etwa Hirsch oder Lehmann oder Hildesheimers nein, einer der ersten Führer der Reform um die Mitte des vorigen Jahrhunderts: Wrahäm Geiger (S. Gabirol llnd seine Dichtungen, Lechzig 1867 S. 16 Einleitung Nur eines har der Verfasser nicht genügend hervorgehoben, nämlich, daß diese spanischen Juden keine Reformhelden waren, wie wir sie heute zu sehen gewohnt sind, sondern echte altmodische Talmudjuden, die die ganze Torah hielten mit Einschluß von Eruf Tafschilin und die es nicht wagten und nicht wollten, daß aus dem festgeschlossenen Bau des heute so viel geschmähten Talmuds, wie er von Babel und seinen Geonim ihnen überliefert war, auch nur ein Steill entfernt werde. Will heutzutage ein Jude selbst nur Notariatsgehilfe werden, so hält er es für notwendig vorher seinen Glauben abzuschwören. Unsere Väter in Jberien - wurdekl Minister, Hochschullehrer, bekleideten alle möglichen Staatsämter und das treueste Festhalten un der jüdischen Ueberlieferung bildete für, sie kein Hindernis. Sie habenuns gezeigt, dass das Judentum keiner „Umbildung" durch Reform Liberalismus und wie all die schönen Dinge heißen, bedarf, um die höchsten Höhen zu er- Üimmen. Unsere großen Führer des vorigen Jahrhunderts, von deren einem wir am kommenden Sabbath das Jahresgedächtnis begehen, haben uns, als die Verwirrung, die bei der Emanzipation entstanden, einigermaßen entwirrt war, wiederum gezeigt, wie man ein moderner Mensch und zugleich ein treuer Jude sein kann und gerade dieser eine, der vor achtzehn Jahren uns genommen wurde, hat durch Begründung des Israelit, in weitxn Kreisew das Borurteil, beseitigt, daß ein volkstümlicher deutscher Stil, der Wohllaut der deutschenSprachs und die Vertrautheit mit fremden Geistesschätzen unvereinbar seien mit der Erfassung unserer höchsten Wahrheiten und hqß dem gereiften Manne, dem wahrhaft Kommen alle außerjüdische Bildung nicht nur nichts anhaben könne, daß er im Gegenteil erst durch die Berührung mit ihr im ernsten Kampf der Geister picht gestählt werde in der Ueberzeugung dessen, jvaS er einmal für recht erkannt hat. , So sei denn Dr. Lehmanns, der den großen Spaniern inbezug auf Vereinigung jüdischer mit weltlicher Bildung nicht nachstand, auch in diesem Jahre wiederum in Wehmut und Dankbarkeit gedacht, nr-o1? pnx irr Personalien. Charles Hallgarten. Frankfurt a. M., 24. April. Ein schwerer, unabsehbarer Verlust hat Frankfurt/ die Judenheit Fran furts und der weiten Welt, ja die ganze Menschheit betroffen. Am Sonntag ist nach kurzer Krankheit Charles L. Hallgarten im 70. Lebensjahre verschieden. Er war nicht unser Gesinnungsgenoffe in religiösen Dingen, in einem der jüdischen Lehre entfremdeten Gei'te war er herangewachsen. - Aber seine Herzenseigeaschaften wurzelten tief in dem von frommen Ahnen gepflegten Boden, und so war er unter unseren dem Gesetze entfremdeten Brüdern einer der Edelsten, der Besten. Als Sprößling einer alteingesessenen Familie war er am 18. November 1838 in Mainz geboren. Sein Vater wanderte nach New-Dork aus und gründete dort cm noch heute bv stehendes Bankhaus. Nach reichen Erfolgen verlegte Charles Hallgarten vor ca. 2'» Jahren seinen Wohnsitz hierher nach Frankfurt. Und nun begann er eine Uebugg der Liebestätigkeit, die sich allmählich zu einer großartgen Bewährung erhabener und umfassender Philantropie auswuchs: ihr hat. er sich alle IJahre hindurch bis zum letzten Atemzug gewidmet. Vor atzem war es die Not seiner jüdischen Brüder, deren Linderung ihm am Herzen lag. Frankfu ter Wohltüttgkeitsinstitutionen wie der Israelitische Hilfsverein/ der Atmosenkasten, das Gumpertzsche Siechenhaus sahen in ihm ihren bedeutendsten Förderer und Führer. Er stand mit an der Spitze der Xlliance israelile Universelle, der Jewish Colonisation Association und war Mitglied des Zentralausschuffes des Hilfsvercins in Berlin. Zahllose deutsche und außerdeutsche Wohltätigkeitsanstalren erfreuten sich seiner warmen Fürsorge. Er war Mitbegründer der Bne Brith Loge Franlfurt, Unermüdlicher Arbeiter im Dienste des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus. In großartigstem Stile wirkte er im Hilfskomitee für die notleidenden osteuropäischen Juden. Außerordentliches hat er hier für die bedrückten und vertriebenen Glaubensgenossen in Rußland getan. Cr spendete selbst enorme Summen, organisierte die öffentlichen Sammlungen, ließ an Ort und Stelle Unterstützungen verteilen, brachte elternlose Kinder in Familien und Asylen unter, sorgte für die Verpflegung und Weiterreise ter Auswanderer, intervenierte bei den Regierungen, überall war er ratend und helfend zur Stelle. Aber auch über den Kreis der JuLenheil hinaus drhme er seine Wohltätigkeitsübung. Die Institutionen der Stadt Franksllrt verlieren in ihm einen ihrer vornehmsten Spender und Helfer. Er war Mitglied des städtischen Arnienamtes, reich bedachte er die Krankenhäuser der Stadt, opferwillig arbeitete er an der Ausgestaltung der Stadlbibliothek mit. Alle sozialen Bestrebungen Frankfurts, kamen sie von Seiten der Verwaltung, wie das Asyl für Obdachlose, das Arbeiterinnenheim usw. usw.. erwuchsen fie aus der Mitte des Bürgertums, wie die Bolksvorlefungen, das Soziale Museum, die Vereine für Kinderhorte, Arbeitslose, Jugendfürsorge und die zahlreichen andern mannigfaltigen Zwecke, alle fanden in ihm den stets bereiten Fürsorger und Berater. Weder auf jüdischem noch aus interkonfessionellem Wohltätigkeitsgebiet wird es so leicht möglich se n, erschöpfend die Anstalten und Bereinigungen zu charakleristeren, denen er seinen unermüdlichen Beistand geliehen hat. Dazu kam noch eine Wohltätigkeit im Stillen, die sich überhaupt nicht übersehen, nicht einmal ahnen läßt. Nur Eingeweihte mögen davon wissen. Wo er hals und unterstützte, tat er es nicht blo - mit seinem Gelbe; mit seiner ganzen Person, mit seinem warmen Herzen, mit seinem weisen Rate, mir seinem reifen Urteil trat er voll unerschütterlicher Geduld an jeden einzelnen Fall heran. Unzählige haben ihm öle Gründung, unzählige die Rettung ihrer Existenz zu danken. Dieser mit Gl cksgütern, denen er eine so edle Verwendung gab, so. reich gesegnete Mann war dabei in seiner Lebensführ ng und seinem Auftreten von größter Anspruchslosigkeit und Bescheidenheit. Er sah in jedem Menschen den Menschen, behandelte jeden gleich gütig und freundlich, war voll tiefster Versöhnlichkeit und strengster Gerechtigkeit. Er wußte jede ehrliche Anschauung und Meinung, sie mochte ihm noch so sehr widerstreben, respektvoll zu würdigen. Hohe Auszeichnungen dte man ihm zugedacht hatte, wies er ohne weiteres zurück. Ohne Rücksicht auf äußere Anerkennuyg und ohne Anspruch aus Dank erfüllte er seine Lebensaufgabe. Reiche, warme Worte hoher Wertschätzung Und Verehrung wurden an seinem Grabe gesprochen, so von ntchtjüdischer Seite von Oberbürgermeister Adickes, dem Abgeordneten Theodor Barth, den Pfarrem Oberkonffstorialrat'Dr. Ehlers und Battenberg, Stadttat Dr. Flesch, dem Leiter des Frankfurter Armenwesens, dem Zentrumsabgeordneten Dr. ^Zäger, den Professoren Stein und Klumcker u. a. m. —- Am Grabe dieses Verblichenen erfüllt uns Schmerz über unsere Zeit, daß sie nur einer Sette jüdischer Art in CÜarles Hallgarten die Entwicklung verstattete, daß nicht die Gesamtheit jüdischen LehrinhaltS, daß nicht das I d e a-1 des Juden, wie die Thora, wie im gleichen Geist dte „Propheten eS geprägt", in dieser Persönlichkeit ihre vollendete Ausprägung gefunden hat. ■ - n ■ ' ' SprechrsÄ. Gehr geehrter Herr Redakteur! Wir ersuchen Sie, ben nachfolgenden Zeilen in Ihrem „Sprechsaal" Raum gewähren zu wollen. Nach Fühlungnahme mit unseren Gesinnungsgenossen in der Schweiz und den reichsländischen Rachbargemetnoen sehen wir uns verpflichtet, unsere Stellungnahme zu den jüngst bekannt geworbenen ttaurtgen Vorgängen in den offiziell-.n Aemtern unserer Organisation öffentlich kund zu tun. Wir finden es empörend und tief beschämend, daß eine Erörterung über eine bisher Gott sei Dank unerhörte offizielle Mißachtung eines Grundgesetzes des Judentums in der zionistischen Bewegung notwendig geworden ist. — Ist denn dte jüdische Selostwürde und der Respekt vor den heiligsten Institutionen des Judentums in unserem Volksleben schon s o tief cesunken, baß die Verttetung einer die nationalen Werte besonders betonenden Organisation, als welche die zionistische doch gelten will, stch erkühnen dürste, bewußt und absichtlich sich über die Sabbathheiligung hinwegzusetzen, ohne daß ein Sturm der Entrüstung die Schuldigen von der Oberfläche unseres öffentlichen Lebens hinwegfegt? — Welches Volk auf-Erden würde es fich gefallen lassen, daß seine öffentliche Presse, seine eigenen Organe und seine von ihm besoldeten Beamten die Jahrtausende alten Bolkstdeale, das Gottesgesetz, altes das, was ihm in den Jrrgängen seiner Leidensgeschichte Licht und lamiliennacdticdten. Geburten: Dr. Weißbeckevi hiOt, erney:Zohn. — > . V erlobte: Bella Gernsheimer mit JüliusLe v f * Pfungstadt-Dillmgen a. S- — Louise Baer mit Simon Ep stein Halberstadt—Freiburg i. B. Verstorbene: Charles Hallgarten, hier, 6S I. Sabbat-Anfang u. Ausgang. "m' ORT: Anfang Datm» Ausgang UhrtzKm. 1008 5668 UbrlM«. S5.Avril.24.Nifsan «ranksnrtaM. 7 — 8 25 Berlin ... — — 8 06 München ■ . . 7 — 7 59 Strahburg . 7 15 8 20 Stuttgart. . . 7 15 8 12 Pose« .... — — 8 15 Nürnberg . . — — 8 06 Hamburg . . — — 8 35 Prag. — — 7 55 Für den Reklameuteil ist die Redaktion nicht verant« wörtlich; insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltenen Empfehlungen ritueller Waren oder sonstige Angaben religionsgefeh« licheu Charakters auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. leb B was drin, wenn ich nur wosit, wer mir Den unleidlichen Katarrh abnehmcn wollte. — Abnehmen? Das wird keiner. Aber warum penn nicht lieber bekämpfen? In Fays ächten Soven ec Mineral-Pastillen ist die Möglichkeit, selbst den hartnäckigsten Katarrh ganz gründlich auszutreiben, geradezu glänzend geboten, und von dieser Möglichkeit sollten Sie doch auch Gebrauch machen. Ein Versuch ist jedenfalls nicht teuer, denn die Schachtel, die Sie in jeder Apotheke, 'Drogerie oder Mineralwasserhandlung kaufen, kostet nur 85 Pfennig. ■==4 Landeshuter \==M Leinen« und Gebild »Weberei F.V. Grünfeld Königl., Grossherzogi. u. Forstlicher Hoflieferant Berlin llipd|intniU 21-2. Grösste Auswahl aller Wascheartikel Dir dei lanskedarf. mm Inzer flnstattiiiei Preisliste mit Abbildungen sowie Kostenmehlige zn Diensten. (7959) m

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