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Der Israelit · 1908-04-24 · Heft 17 (24.4.1908) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 17 (24.4.1908)
Date
1908-04-24
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Stil Bb Ceitraloriafl fOrias irftrtpg Jajenl—» j(Ul In mamama »uriiitf m lf. Lübmi « nh« msasa 49. Jahraang. SranMurf a. m., Sen ft' geWSHvlÄft WlitzavesWWeWßSWWck 8Kr., RußlandlKuo.# Englands sh., Amerika 60 ct&, Mederlande 1.LV L) AbmmrmentS bei allen Postanstalten. Buchhandlungen.sowie direkt bei Ser Expechition. Hest^-abdEe^ »fflwtet 80 Pfennig für die sechsgespaltene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratmannahme nur durch mH aasenste in u. Bögler A.-G. «Wut» bet der «. 0* i«Hen «». 79.605« Frankfurt a. M. und deren Filialen. «aut» bei der Rigaer Lommerzbauk i» Riga MtmtP bei de« K. V-ftsparkafsenamt Budapest R». 18424._und deren Filialm in DwinSk, Libau, Bialtzstok, Reval und Lodz. Der nacfiörucft 9er flrfihef und Correfpondenjen des „Israelit“ if! nur unter genauer Quellenangabe, und, fonreif es [ich um gröbere ftufffifte .handelt, nur nach vorheriger Denehmigung gestattet Die heutige Hummer umfaßt einfchlieblich der „Yolhsfreundtt-BeiIage 8 Seifen. Moch-nnm-scha«. Die liberale Renaiffance. Es wird Frühling im Lande! Und.wann s Mailüfterl weht und der Schnee von der Alm weggeht, dann werben sich in der Stadt der Intelligenz die Herren Dr. Bogelstein-Stettin, Dr. Seligmänn-Frankfurt a. M., Dr. Freudenthal-Nürnberg, die Häupter des jungen Reformjudentums, mit ihrem titel- und bändergeschmückten Laiengefolge versammeln, um die seit Monaten hl rauher Winterzeit sorgsam gehegte „Liberale B ere i n i gung" inShelle Sonnenlicht des Maienmonds hinauszuführen. Es war ein böser Winter für die Väter des Anzkindes. Der Frankfurter WaWeg zwar hatte die Brust der Liberalen höher-schwellen lasten, und im Siegesrausch war manches unbedacht offenherzige Wort über den wahren Charakter des sonst so gerne „traditionell" sich geberdenden Reformjudentums den Lippen entflohen. Aber als diese vom Momente ausgelösten Stimmungen sich zu einem Aufrufe an alle liberalen Mannesherzen verdichten, als mit Pauken und Trompeten der Ruhm der seligen Reform verkündet und aus dem Inbegriff der religiösen Negation durch einen geheimnißvollen chemischen Prozeß sogar positive Aufgaben herausentwickelt werden sollten — da fand sich's, daß die frohgemuten radikalen Heißsporne im eigenen Lager recht bedenkliche Gegnerschaft fanden. Die Klugen unter den Liberalen empfindend instinktiv ja seit langer Zeit, daß der sogenannte religiöse Liberalismus ausschließlich von der geistigen Substanz zehrt, die ihm das überlieferte, das orthodoxe Judemtum | tiefe«** daß der konservative Einschlag der GemeHten allein dem, was sich Neotogie nennt, ein Scheindasein von drei, vier Jahrzehnten verleiht, uns öaW^Me-vlogie steril und lebens- Augenblicke, in dem elieferten Judentums ihr ernst und entschlossen den Rücken kehren. Weil die Vogelstein, Freudenthal und Seligmann das nicht merken, darum finden sie den Mut, eine „Liberale Vereinigung" ins Leben zu rufen, und weit es im liberalen Lager feiner empfindende Köpfe gibt, die in dieser „Liberalen Bereinigung" den Anstoß zur schärferen Scheidung der Geister und damit zum Untergang des jüdischen „Liberalismus" erblicken, darum haben angesehene geistliche Herren „liberaler" Richtung ihre ganze Autorität eingesetzt, um die Publikation des radikalen Aufrufs zu verhindern. Es war vergebens. Der Aufruf wird dieser Tage veröffentlicht, und die „Liberale Bereinigung" am 3. Mai in Berlin konstituiert werden. Wer die Wahrhaftigkeit liebt, dem kann's nur recht sein, wenn diese „Liberale Vereinigung" dazu beiträgt, das unehrliche Gerede und Getue von der „Uebereinstimmung im Glaubensgrunde" bei Neologen und Konservativen zu zerstören, wenn sie das Reformjudentum zu rascherer Entfaltung drängt und es dadurch um so schneller ad absurdum führt, und wenn endlich der neugeweckte Bekenntnismut unserer Radikalen die Orthodoxie auf sich selbst zurückwirft, sie vor gefährlichen Illusionen und Kompromißträumen bewahrend. Zwingt uns die politische Lage, die Furcht vor der Vergewaltigung der Gewissen durch eine gemeinsame Organisation, lauter als je gegen die Verschleierung der religiösen Gegensätze in unserer Mitte zu protestieren, so begrüßen wir die neue „Liberale Vereinigung" aufrichtig als Bundesgenossin im Kampfe um die Gewissensfreiheit, mag sie uns ihre Hilfe freiwillig angedeihen lasten oder auch unbewußt und unfreiwillig durch ihre bloße Existenz. „ßeii*Orfl>o<!oxie“. (Zum Jahrzeitstage Dr. M. Lehmanns, Yül 24 Nissan.) Daß Du, fteundliche Leserin, und daß Du, verehrter Leser, daß Ihr alle heute noch da seid — lebend, kräftig Euch wehrend — chajim kulchem hajaum — das ist's, was Eure Gegner Euch nicht verzeihen können. Und auch in alten Zeiten vermochten sie das nicht zu verwinden. Als vor länger als einem Jahrhundert die Führer unseres Bottes als eines der Mittel, die das Judentum zu retten imstande waren, die Losung ausgeben mußten, daß man sich von den nichtjüdischen Wissenschaften vorerst und von ihren Auswüchsen. Th»rrf-nfrilfiliii-i!' ‘ für immer fernzuhalten habe, flugs prägte man auf der anderen Seite das Wort von der Budungsfeindlich*eit der Strenggläubigen, um dem alten Judentume einen Schlag zu versetzen, von dem es bis heute noch t icht ganz sich erholt hat. Als dann späterhin die Treugebuebenen innerlich und äußerlich so gefestigt waren, daß sie, ohne an der Seele Schaden zu nehmen, mitten in dem Verkehr mit einer seither unbekannten Welt, auch die moderne Kultur voll in sich aufnehmen konnten, da fanden unsere neologen Brüder, nachd«n sie von ihrem Erstaunen.über diese Umwandlung ein wenig aufgeatmet hatten, eine neue Brandmarke, um die rechtmäßigen Erchen des wahren Judentums verdächtig zu machen. Mit den alten Redensarten von der minderen Bildung, der geringeren sozialen Stellung und was derlei schöne Dinge mehr sind, konnte man kein Geschäft mehr machen — das hat erst jüngst eme jüdische Behörde erfahren — da erfand man das Wort von der „Neuorthodoxie" . . . Die jetzigen sog. Orthodoxen, so sagen heute die tonangebenden Herren, sind ganz andere als die alten Frommen es warem Die Hirsch, die Hildesheimer, die Lehmann wandelten gar nicht in den Fußstapfen der Alten, sie sind auch Reformer, wenn auch anderer Art, denn die Alten verwarfen so manches, was die jungen Alten sich zum Eigentum unchtttr Da ist es denn gut, einmal eine Rückschau zu halten auf unsere vieltausendjährige Geschickte, um auch den Gegner zu überzeugen, daß das vollkommene Meiden außerjüdischen Wissens und des Mitgenusses des Guten und Schönen, das andere erzeugten, nicht eine Lehre des alten Judentums ist, daß eine solche Zurückhaltung nichtjüdischer Wissenschaft gegenüber nur im Augenblick der Notwehr geboten war, um nach oem Schwinden wieder hinfällig zu werden. Das Wort: Jose tauroh im drech erez ist keine Erfindung von Hirsch oder Lehmann, sie zeigten nur mit dem Hervorheben dieses Grundsatzes, daß die Zeit der Abschließung vorüber war. Wie sehr sich das mit echtem, wahren Judentume vereint, ist für uns deutlich erkennbar, wenn wir einen Blick auf den spanischen Abschnitt unserer Geschichte werfen. „Das Judentum unter den Arabern, zumal in Spanien, steht einzig in seiner Art i>a, tmfcp wird auch nie mehr so wiederkehren: mittelaKE' lich gesondert und dennoch in freiem Anschlüsse Anteil nehmend an allen geistigeil Gttterll, Juden in allen Lebensbeziehungen, in jeder Empfindung auch des bürgerlichen Lebens für die gegenwärtigen Zustände wie für die Zukunftshoffnungen, und

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