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Der Israelit · 1908-04-15 · Heft 16 (15.4.1908) · page 15

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 16 (15.4.1908)
Date
1908-04-15
Page
– (sequence 15)
Language
German
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15. April 1908 Der Israelit. Seite 13. Ro. 16.* Beugungen, die sich stets in Widerspruch mit der Weltanschauung der positiven Religionen befunden haben. Diese Erkenntnis ist auch ein Gewinn, sie giebt uns die Zuversicht, daß unsere traditionell ererbte religiöse Auffassung sich auch dem neuen Ansturm gegenüber behaupten wird, wie sie den Angriffen dreier Jahrtausende mit Erfolg' Widerstand geleistet hat. An drei Proben aus dem Buche will ich das Erwähnte vorsühren. Eine Beleuchtung der philosophischen, speziell erkenntnistheoretischen Grundlagen des Monismus wird zeigen, daß der Monismus eine Richtung innerhalb der Methaphysik vertritt, neben denen andere mit demselben Recht verteidigt werden können. Eine Besprechung desBeitrags:,,Monismus und Religion" wird den Leser davon überzeugen, daß durch den Monismus keine neue Gedanken für den alten Kampf zwischen den Bekennern der Religion und ihren Gegnern beigebracht werden. Und die Auseinandersetzung über den Beitrag „Monismus und Kunst" wird uns ein Schulbeispiel an die Hand geben für die Tatsache, daß allerlei Probleme, die an sich mit dem Monismus gar nichts zu tun haben und durch ihn auch nicht gelöst werden können, daß diese Probleme dazu oenutzt werden, um für die Weltanschauung des Monismus zu werben. (Fortsetzung folgt.) t D-C. Die Menschenleere. Borttaa, gehalten im Verein für Jrauenintereffen von Dr. Raphael L e v i in München. 1908. Verlag der Aerztltchen Rundschau (Otto Gmelin). Eine Darstellung dessen, was die Menschenseele ist, gehört zu den schwierigsten Aufgaben, deren Schwierigkeit noch gesteigert wird, wenn sie vor einem Frauenverein gelöst weiden soll. Sie erfordert dann einerseits die Vertiefung in die metaphysischen Probleme und verlangt andererseits eine Form der Darstellung, welche den Gegenstand auch nicht philosophisch beschulten interessant und verständlich macht. Die kleine vorliegende Schrift bietet eine glückliche Ueberwtndung beider Schwierigkeiten, indem sie eine Fülle tiefer Gedanken in iiberauS ansprechende, gefällige Formen kleidet. Die Frage nach dem Wesen der Seele wird hier mit der Frage nach ihren Gesetzen, Kräften und ihren wahrnehmenden Sicherungen zusammen gefaßt und dabei werben die Begriffe der Empfindung, der Phantasie, des Gedächtnisses, der Willensfreiheit u. a. m. kurz und präzis in klarer Anschaulichkeit erklärt. Der erscchrene Nervenarzt und der gewandte philosophische Schriftsteller reichen sich hier die Hand, *u» auf wenigen Setten etwas in anmutige Form gekleidetes Kerniges zu bieten, das allen, welche diesem Rätsel aller Rätsel näher treten müffen, große Befriedigung gewähren wird. Die Juden in Babylonien, 200—500. Bon Dr. D. Funk. II. Teil. Berlin. Verlag von M. Poppelauer 1908. XHrmd160S. Mit einer Karte von Babel. Dem im Jahre 1902 erschienenen I. Teil, der von der geehrten Kritik überaus günstig beurteilt und ausgenommen wordm ist, folgt nun Teil H, der die Geschichte der Juden in Babylonien von 309 biS 500 behandelt. Wir können sagen, daß Funk fich treu geblieben ist und im zweiten Teile seines Werkes gehalten hat. was man nach dem ersten zu erwarten berechtigt war. Die auf das Große gerichtete Darstellung, die fich nur notgedrungen in Einzelheiten verliert, von biographischem Detall bewußt abfieht und dem breiten historischen Strome mit Kennerblick folgt, sticht wohltuend gegen dm geschichtlrchm Kleinkram ab, der sich auf dem Gebiete der jüdischm Historie heute breit macht. Die Tmdenz des Werkes ist auf absolute Wahrheit und Objektivität gerichtet. Die Wärme der Darstellung, die stellenwets überaus farbmreich und lebhaft ist, schlägt nie in falsches Pathos um. Die strenge Wissenschaftlichkeit wird durch maßhaltende, aber tieslickende geschichtliche Perspektivm und Reflexionen angenehm gehoben. Dü Verfasser behandelt im 7. Kapitel die Zeit von ULabur» bis zum Ausbruche des perfischen Krieges. Ka- »itel 8 das literarische Leben der babylonischen Jud n im Wirrten Jahrhundert. Kapitel 9: Vom Tode AbajeS bis zum Tobe RabaS. Kapitel 10: Raba. Kapitel 11: Die letzten Jahrhunderte unter Savar II. Kapitel 13: Vom Tode Saburs bis zum Tode Buhara Gors. Kapitel 13: R. Asche und die Redaktion des Talmuds. Kapitel 14: Jezdegerd, Abschluß deS Talmuds. Während die jüdischen Geschichtsschreiber bisher bestrebt waren, nur die großen Perlön tchkeiten in dm Vordergrund der Betrachtung zu stellen und die welthistorischen Begebenheiten, in deren Flucht und Flut die jüdische Geschichte einen organischm Teil bildet, nur als Hintergrund zu betrachten, geht Funk den Weg der modemm Geschichtsforschung. Er liest auS scheinbar unbedeutmüendm Notizen und Tradttionm der Talmude oft in recht gelungmer, origineller Weise kulturhistorische Nachrichten und Aufschlüsse. DaS charakteristische Merkmal der Geschichte der Juden Babyloniens im vierten Jahrhundert, die Vorherrschaft der Schulhäupter gegenüber dm Extlarchen, deren Verhältnis zur persischen Regierung und ihre religtonsgeftbliche Stellungnahme zum Staats gesetze werdm klar herauSgei-rbeitet. Ob aber die Zurückführung der Verordnungen über Dpi noro in Babylonien und Palästina auf weidewirts köstliche Gründe .richtig fei, mag bezweifelt werden. Sehr vrtgtnell ist die Ausführung über die anttaramässche Strömung, die nach Funk darin ihre Erklärung findet, baß das fich in Perfim immer mehr verbreitende Christmtum feiner als Apostelsprache in Wort und Schrift bediente Der allmähliche Uebergang autoritativer Gewalt von Palästina an die Hochschulen Babyloniens wird geschichtlich entwickeltdie Charaktere und Lebrmethodm RabaS und R. Josefs, dieser rntgegengesetzten Pole, scharf gezeichnetnamentlich die Stellung R. Josefs zu den aramätschm Bibelübersetzungen findet originelle Beleuchtung. AbajtS und RabaS Wirken benützt Funk zu einer Würdigung der babylontschm Amoräer dieser Epoche. Die „Hawajoth d'Abajt w'Raba", werdm in ihrem richtigm Lichte gezeigt und der »Primer der praktischen vor der theoretischen Vernunft" als lebenerhaltmdes Moment deS bamaligm wie des gegenwärtigen Judentums erwiesen. Diesen Zug kann man übrigens im ganzen Buche Funks beovachtm. Jedes Kapitel gibt Anlaß zu religionsgeschichtlichen - treifzügen. Besonders bewandert zeigt sich der Verfasser auch in dm syrischen Kirchmvätern. Das Verhältnis der christlichen, immer mehr erstm kendm Strömung zur jüdischm und perstschen, das plötzliche Hervorbrechen des Hasses der Kirche gegen Judm und Perser um die Zeit des römisch-perfischen Krieges werdm historisch motiviert. Die jüdische Lehre wurde in Babylonien im Gegensätze zu Palästina, woselbst fie schon zur Zeit der Mischnahredaktion öffentlich verboten nar, überall gelehrt und gehört. Der Andrang zum Judentum war groß. Die jüdischm Gelehrten waren proselhtenfreundlich. Daher der große Haß und Kampf der jungm Kirche. Die christlich-jüdische Polemik weist dieselben Merk male auf, wie überall und immer. Das Gesetz wird bekämpftnicht die jüdischen Menschheitsideale und die Gottesidee. Dmn das Gesetz bedrohte angeblich die r ationale Eigenart der Böiker, wie es die der Juden bewahrte. Man war andererseis bestrebt, das Christentum alrtestammtarisch zu stützen und zu erhärten. Die Arbeit Rabas für die Redaktion des Talmud wird vortrefflich geschildert. Dann R. Chama, R. Rachman und defim Zeitgmoffm R. Rayn und R. Huna in Naresch. Die letzte Glanzperiode der Judm unter der Sassanidenherrschaft, nämlich die Regierungszeit Sabur III. wird benutzt, um die B.deutung und Größe R. AscheS darzustellm, des hervorragendsten Judm jener Zett, in seinem Verhältnis zu Regierung uno Zeitgmoffm. Kurz, aber treffend ist die Redaktion deS Talmud unter R. Asche behandelt und mancher neue Gesichtspunkt für die Auffassung derfelbm gewonnen. AlS gelungen muß auch die Charakteristik des ganzm Talmud (S. 126 bis 136) bezeichnet werdm. Nicht unerwähnt darf der Anhang (S. 148— 160) bleiben, der über »die öedemmdsten Judenstädte im mgerm Babylon" handelt und vorzügliche Jdemtfizierungen nachweist und durch eine vom Verfasser entworfene Landkarte illustriert wird. Die grundgelehrten Norm mchaltm eine Fülle nmm Ouellenmaterials zu dm Thematm: Sirachbuch und Kanon- Redaktion deS Talmud- Aufstand der Judm unter Mar Sutra II.; HuldigungSsabbarh deS Exüarchm, Afpamjoh rc. Durch daS ganze Buch geht der ehrlich begeisterte Ton eines gründlichm KennerS talmudifcher Tradition, der fich selbst mit Recht als Träger und Jünger der uraüm Lehre fühlt. Bei der vollständig schiffen und ent- S Art, in der Talmud uns Gesetz bei dm nichtm Gelehrten unserer Zett in ihren historische t zur Darstellung gelangen, muß FunkS ebenso gekehrtes wie geschmackvolles Buch he' zlch begrüßt werdm. vr. v. F. Jüdisch« Apologetik Im »e«teft«mentlichen Z itackter. Bon I. Bergmann. Berlin 19 8. Georg Retmnr. 168 Sellen. 3^0 Mark. Der Verfasser will zeigen, wie das Judentum in der Zeit des Entstehens und Wachsens deS Christmtums seine Lehre gegen seine Gegner verteidigte, und zwar macht er eS fich speziell zur Aufgabe, zu schildern wie daS Palästinenfische Jubmtum, das Judentum des Lehrfts, durch'se ne Le rer verteidigt wurde. Er besein Thema in sieben Kapiteln, die überschrieben Der Kamp', die Bibel, der Gottesglaube, oaS Gesetz,'der Aus erstehungsglaube, Gott hat Israel verlaffm(!), aus Israels Geschichte und Religion. Der Verfasser wollte vermutlich feiner Schrift einen interessanten Titel gebm, statt fie, zwar minder interessant, aber doch richtiger zu nennm: Apologetisches in d.r palästinensischen Agava. Er hatte ferner das Bestreben, ihr dadurch einm größeren Umfang zu verleihen, daß er in aus ührlicher Weise Dinge behandelt, die nicht in diesem Zusammenhang gehörm. So muß z. B. das ganze erste Kapitel, daS umfangreichste des ganzen Buches, ausscheide>>, da eS nicht unter den Begriff »Apologetik ' fällt. Ebenso verliert er fich zu wett in Gebiete, die, wie er selbst im Borwort sagt, bereits durch andere monographisch bearbeitet find, z. B. in die? pologetik der griechisch fchleibenden Schriftsteller. Tie Gliederung der einzelnm Kapitel ist nicht logisch, die Rubrizierung daher oft willkürlich. Die Schrift zeugt von großem Fleiße. Die wett ausgedehme Literatur ist überall herangezogen, insbesondere ist Bacher fleißig bmützt, der aber doch wohl eine Erwähnung im Vorworte verdient hätte. Die Arbeit ist, wenn auch manche Einzelheit korrekturbedürftig ist, eine anerkennenswerte Leistung. Sie ist trotz des gelehrtm Apparates leicht und flusfiig geschrieben und beso, derS durch die wörtliche Anführung zahlreicher AgadaS unterhaltsam. Die Ausstattung ist gediegen und ansprechend M. E. exegetische Miscelle«. Erwiderung. In Nr. 12 des Israelit glaubt IHerr S. dm Erklärungsversuch der schwierigen Stelle Ex. 33, 4—6 (s. Israelit Nr. 8) beanstanden zu müffen, weil er die Behauptung ausstellt, die BorauSsetzungm, von bmm ich ausgtnge, ließen fich mit Sprach, efetz und Grammattk nicht in Einklang bringen. Zu meiner Rechtferttgung dime das Folgende: 1. Herr S. beanstandet das in der Bedeutung »fie stellten fich traurig". Ich habe bereits in Nr. 12 d. Bl. nachgewtesm, daß in der Schrift die wahre Herzmstrauer in der Weise ausgedrückt wird, daß auf die Htspaelform immer noch ein bv folgt, während uns an dieser Stelle, wo der Hispael schlechtweg steht, nichts hindert, weder Sprachgesetz noch Grammatik, ein »fich traurig stellen" anzunehmen. Wenn Herr S. im Verlaufe seiner Ausführungen weiter meint, daß man doch nicht ohne weiteres dem jüdischm Volke ein solches Ze gn:s ausstellen dürft, so ftl nur an die Be- und Verurteilung deS 'DTDil "in durch Rabbi Akiba erinnert (f. i"p Pp pssn p-ß). 9. Der zweite Punkt, den Herr S. beanstandet, besteht darin, daß er behauptet, es bürste nach Sprachgesetz und Grammattk unter keinen Umständen yrw ttssl □n’by V“iy V8 heißen, weil, wie er ausdrücklichPevemerkt, das dies nicht gestatten würce. DaS soll doch sicherlich heißen, Sprachgesetz und Grammatik verbieten die Verbindung des Plural mit dem Worte Ich bin aber anderer Ansicht und behaupte, baß mit diesem Ausdruck nicht blos der Singular verbunden werden kann, sondern auch d.r Plural. Zum Beweise führe ich nur die Stellen an: Ex. 12, 22 »v» Ittxn ttb Lev. 25, 10 und QWfl MNOVv VM- 'Darauch wäre es nichts Auffälliges gewesm, wmn unsere Lchrtststelle orpby ivjy tgn# tnw ttssl gelautet hatte, es wäre sogar das Natürliche äeweien. 3. Die weitläufigen r.usführungm des Herm S. über die Bedeutung des Tewir,stnd als Gegenbeweis für meine Behauptung, der Tewtr sei ein Trenner, ganz belanglos. Herr S. gibt ja zu, daß der Tewir sowohl in rhthmischer als auch in syntaktischer Beziehung ein Trenner ist; und wenn ich ihm auch ohne Bedenken darin zustimmen kann, daß er öfter in rhthmischer als in symatttscher Beziehung Verwendung findet, so iedeutet es keinen Widerspruch, wenn ich an dieser Stelle dm Tewir einm Trenner in Beziehung auf die Syntax bezeichne. Wäre er eS nicht, oder hätte er es nicht sein sollen, so hätten die Soferim die Tonzeichen ganz anders gesetzt: daS mtp Mercho und das yqy wt ein Tipcha erhalten, und dann hätte es nach der Meinung der Soferim ebm wirklich heißen müffen. Gerade die Wahrnehmung, daß es im Urtexte heißt, war für fie Veranlassung, nicht daS mV/ sondern das vtt mit dem in nächste Verbindung zu bringm. 4. Herr G. beanstandet die Ergänzung deS Wortes 2b zu dem 'in;?. Ich habe in Nr. 8 hervorgehoben, daß ich dre Berechtigung zur Ergänzung irgmd eines Satzteils aus der dteöbezüglichm grammatischen Bemerkung RalchiS zu Gm. 1, 1 herleite, vorausgesetzt, daß diese Ergänzung nicht dem prachgebrauch zuwtderläuft. Nim wirb deS Oeftern daS Verb nw mit dem Substantiv 2b in Beibindung gebracht, z. V. Ex. 7, 23, Pf. 48, 14, em Beweis, daß ich bei der Ergänzu. g des Satzteils nicht willkürlich vorgegangen bin, sondern dem Sprachgebrauch mich angeschlossen habe. Endlich ist aber auch noch die Uebersetzung des Onkelos ein vollgiltiger Beweis dafür, daß ich bei der Ergänzung des Wortes 2b verfahren haben; denn der Targum gibt an dieser Stelle VW mtt lMTivp wieder, also genau mit der selben Stammform, mtt welcher er die ebm angeführte Stelle Ex. 7, 23 rw «ssl wiedergtbt, die er mit IV nss) übersetzt. , Wolfi-Aurich.

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