Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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'n nnsi niyttnob mjn» n-v inayVi ubtoS royrar y22 Erl' trauter Freund'. Zur Höh', die alle überragt. Wenn auch in Zügellosigkeit Zu freveln wir gewagt So sieh' die Not, das Leid, Das uns am Leben nagt. Du bleibst uns, Gott allein Deß Hilfe nie versagt, Drum unsre Lebenspein Dir unser Herzleid klagt Uns zu erlösen, zu belohnen Mit Siegeskronen. m Koch«urrur-scha«. Die ..guten Sabbafhroädifer“. Wir hatten vor zwei Wochen, der Not gehorchend, nicht dem eignen Triebe, dem leitenden Feuilletonisten der zionistischen Partei einige ernste Worte gewidmet, die keine andere Tendenz hatten, als einerseits den groben Unftrg zu kennzeichnen, den Herr Sokolow in der Rolle des „Talmid- Chochom" mit verdrehten Talmudzitaten treibt, auf der anderen Seite aber unser völliges Einverständnis mit derjenigen Auffassung zu bekunden, die derselbe Herrn Sokolow — sobald er den Schubitz ablegt und deutsch redet — über das Wesen des modernen Nationaljudentums hegt. Diese kurze Erklärung hat ungeahnte Folgen echt. Statt abkühlend auf den Welt-Talmidchom zu wirken, scheint sie seinen . Ehrgeiz, in talmadicia zu exzellieren, geradezu ins Pathologische gesteigert zu haben, denn in der allerneuesten Nummer des Sokolowschen Organs müssen auf fünfeinhalb eng bedruckten Spalten die verdutzten Rechtsanwälte, Aerzte und sonstigen Dalmide-Chachomim im Leserkreise der Welt einen wahren Paroxhsmus von halachischen Ergüssen über ihre unschuldigen Häupter ergehen lassen. Aus dem Konglomerat von Schimpfereien, Witzen, falschen Uebersetzungen, dialektischen Mätzchen und widerlichen Moralpredigten, in denen Herr Sokolow seinem Aerger Luft macht, wärs verlorene Liebesmüh, einen vernünftigen Gedankengang herauszuschälen. Und es widerstrebt auch unserem Gefühl für intellektuelle Ehrlichkeit, mit einem Manne, der geflissentlich darauf ausgeht, die alte jüdische Weisheit als. Eideshelfer für seine eigenen „freisinnigen" Ideen zu mißbrauchen, über den Sinn und den Geltungsbereich talmudischer Aussprüche zu diskutieren. Wir haben es ausschließlich mit dem deutsch redenden Sokolow zu tun, dem der geschwätzige „Talmid-Chochom" Sokolow knapp eine Spalte von den fünfen übrig gelassen hat. Und es mutz wohl die Folge unseres „Am - haareztums" — wie Herr Sokolow das für nationalen Chillul- Schabbos noch nicht reife deutsche Judentum mit Vorliebe benamst —, es muß wohl die Folge unseres Am - haareztums sein, daß wir uns mit dem deutschen Schriftsteller Sokolow wesentlich leichter verständigen können. Er meint:*) „Es ist ein Gaukelspiel, wenn man in dieser Beziehung Herzl und die früheren oder spateren Kongreßerttärungen in einen Gegensatz zu einer angeblich ketzerischen Gegenwart stellt. „Achre moth K'doscbim" ... In der Wirklichkeit war der Zionismus früher eine Tummelfläche schärferer Reibungen. Noch vor dem Zionismus, im „Chibbath-Zion", gehörte der Schemita und die „unfrommen Kolonisten" zu dem festen Phrasenstand einer unaufhörlichen Polemik. In den ersten fahren des Zionismus tobte sozusagen ein ununterbrochener Kulturkampf. Dann kam dre Bank und die „Heter-Jska-Frage". Wird jetzt das Hebräische Gymnasium angegriffen, so war es früher der „Beth-ha-sefer", der die Zielscheibe war. Daß die obere Leitung dem Ritual viel kühler gegen üb er st and, — wissen es denn die Polemiker nicht? Sir wissen es und simulieren einen Enthusiasmus für das „Einst", um eine ethische Entrüstung gegen das „Jetzt" zu begründen. Wenn das nicht simuliert ist, so beruht cs aus Unwissenheit. Um sich der entsprechenden talmudischen Bezeichnungen zu bedienen — entweder „genewath daath", oder ein Verstoß gegen die Maxime: „Ligmor inosch w'hadar lißbar". Glaubten einige Glaubenszeloten, den Zionismus in die Enge einer einzigen Fraktion einzupferchen, so ist es nicht oie Gegenwart, die diesen Wahn zerstört hat. Einer solchen Hoffnung war auch früher keine Erfüllung beschieden. Dieses klägliche Gefühl des Enttäuschtseins tauchte schon so viele Male auf. Die Zentralorganisation muß stark sein. Sie kann nicht die momentanen Mißstimmungen in all den verschiedenen Föderationen und Fraktionen als entscheidende, unerschütterliche Ewigkeitswerte behandeln. Ickbin kein Freund des Lavierens, der Kompromisse- und der Friedensschalmeien. Mer wahr ist es, daß der Zionismus all die Richtungen im jüdischen Volke, ohne die Unterschiede zu verwischen, Zusammenhalten muß. Es wäre ein Truismus, noch ein- *) Die Sperrungen! und Hervorhebungen stammen von uns; dagegen ist für den ominösen Gedankenstrich hinter „praktisch" Herr Sokolow verantwortlich. D. Red. eines Neuilleton. KT>o lactono. Eine Skizze aus der Schweiz. «on Sch. Die Bögelchen waren, getäuscht vom wankelmütigen Apnl, gekommen, sie waren nun einmal da und wollten nicht mehr zurück. So saßen sie am kalten, regnerischen Morgen unter der Dachwölbung, die ihnen Schütz vor den kalten Tropfen bit und Mitsckerten ihr Mngengebet. War es 'etn Gebet um Wärme und Sonnenschein? Der alte Birnenbaum, der sich schon langsam, ganz ohne Hast zu verjüngen begann, schüttelte mit philosophisch«: Ruhe das nasse Haupt. Er kennt es und weiß es aus langjähriger Erfahrung, daß auch im geheimnisvollen Werden der Natur kleine Stockungen und Pausen nicht ausbleiben, die aber aus ihren Entwicklungsgang und ihr Forlschreiten weiter keinen Einfluß ausüben. Es kommt, was kommen muß. Nachbar Jean steht, die linke Hand in der Hosentasche verborgen, in der rechten die kurze Pfeife, und schaut ruhigen Blickes nach dem grauen Horizonte. Me Aecker sind nur halb gepflügt. Das Wiesenland ist noch nicht genügend gedüngt. Wer heute hat der Himmel Ruhe geboten. Ein Aprilstreich, mit denk der Bauer stets'rechnet „Wer macht nüet!" Einige Ruhe tut ihnen auch gut — nämlich den Kühen im Stolle. Für ihn und die Seinen gibt es auch im Hause Arbeit in Fülle . Im großen Gckhause erwachte Frau Goldheitz und schaute unmutig durch, die gelben Jalousien ihres Schlafzimmers. Wieder Reg?», nichts av Regen! Die Vorbereitungsarbeiten für oaS nahende Fest sind noch nicht zu EUde; bei dem nassen Wetter geht alles aelt schwer und langsam von statten. Doch, Frau Herz muß es sich im Geheimen eingestHen — es ist nicht die einzige Quelle ihres Unmuts. Sollten die grauen Wolken kein Einsehen haben und auch am Festtage nicht schwinoen? Und der neue federreiche Sommerhut? Sollte ein erbarmungsloses Schicksal diefes neueste Pariser Modekl wähMrb des Festes rm Toiletteufchrank festhalten? Sollte es nicht bewundert werden? Hatte sie sich doch schon auf die giftigen Blicke der neidischen Nachbarin im Voraus so gefreut! O. grausame Elemente!. Auch der kleine Benno erwachte im Kinderzimncer. Mit leichtem, frohem Sinn schwingt er sich aus dem Bette und springt an das Fenster. Es regnet. Einerlei .Ist es doch schön so frei und so sorgenlos erwachen zu können, wie die Bögelchen, die auch im kalten Regen nicht anshören zu singen. Awodim hojinu. Nun aber frank und frei. Wie gut kann er es heute, am ersten Ferientage nach all den schweren Schulprüfungen den Vätern in Mizarjim nachsühlen! Wie lustig muß doch der erste Schritt aus dem Sklavenlande in die junge Freiheit gewesen sein! Auch er wollte die kurze Freiheit ausnützen. O, wenn man doch nur wie die Bögelchen auch .Flügel hätte und wie sie in den Lüften schwingen könnten. Alles jubelte in ihm und unwillkürlich spitzte er das Mündchen, um rm Takte der prasselnden Regentropfen mit den Vögelchen zu singen: „Uf'm Bergli — Bin i gesässe, tä de Vögle — Znaeschaut; änt gesunge, — Hänt gesprunge, Hänt's Nästli — Gebaut." — — 1b. April IMS mal die Formel auszusprechen, man werde nichts gegen die Religion unternehmen. Ein solches Zumuten muß der Lächerlichkeit verfallen. WaS wollen die guten Sabbatwächter? Niemand hat ihren Standpunkt bestritten und praktisch — wird ihnen erllärt: Die Sabbatruhe ist absolut. Was noch? ch ch » Der vornehm Denkende ist zu edel und zu vielseitig, um in der Rolle eines silbenstechenden Zensors aufzutreten. Er kann ebensowenig Sündenspiön wie Gewissenhenker sein. Ernst solle er über erhobene Anklagen sprechen? Wer es läßt sich ja gar nicht ernst sprechen! Ernst wurde schon mit einem Worte geantwortet: unwahr. Mehrläßtsichernst nicht sagen." Wenn Herr Sokolow behauptet, daß die zionistische Leitung in den Jugendjahren der Bewegung, unter Herzl, dem „Ritual" (so heißt im nationalen Jargon das jüdische Religionsgesetz) noch kühler gegenüberstand als heute, so mag das richtig sein, und wir sind die letzten, die sich über die damalige oder heutige „Kühle" irgendwie entsetzen. Sie ist jedenfalls angenehmer als das funkelnde Jeschiwa-Chassidus des Herrn Sokolow. Wir sind auch nicht erstaunt darüber, wenn hier iw offiziellen Parteiorgan die Ideale derjenigen Zionisten, die des Glaubens leben, auf dem Wege des modernen Zionismus die Gesamtheit dem Gesetze zurückgewinnen zu können, wit rauher Hand als „Glaubenszelotismus"' in das Gebiet der Wahnvorstellungen verwiesen werden. Aber das steht im Augenblick ja gar nicht zur Diskussion. Das einzige, was Herr Sokolow zur Sache vorzubringen weiß, ist in den letzten neun Zeilen unseres Zitats enthalten, und diese neun Zeilen sind ein so niederschmetternder Beweis für die Berechtigung der von gut zionistischer Seite gegen Hrn. Sokolow gerichteten, von uns nur psychologisch erläuterten Anklagen, daß die Akten füglich geschlossen werden können. Die „guten Sabbathwächter"! So wagt ein im Dienst der Gesamt Part ei stehender, zu höchster Objektivität verpflichteter Herr diejenigen Männer zu titulieren, die wie ein Blitz aus heiterem Himmel eines Tages die Kunde traf, daß im Dienst des jüdischen Volkes im Widerspruch mit feierlichen Präsidialerklärungen offiziell die Grundlage des Judentums, der Sabbath, mit Füßen getreten und damit auch ihr eigenes Vertrauen aufs schnödeste getäuscht werde. Wenn Herr Sokolow für das religiöse Empsinden jener Männer, die er selbst später als „gute Zionisten" bezeichnet, nichs übrig hat als Hohn und Spott, wenn er sie mit der kühlen, spöttischen Ableugnnng einer Tatsache abzuspeisen versucht, die der Präsident Wolffsohn zugegeben, und von derer — wie in dergleichen Nummer der Welt berichtet — in einer großen Und drüben in der engen Dachkammer des hohen, baufällige» Hauses, die aw Wohnung der zahlreichen tausiererfamilie diente, regte es sich. Der Me chulem war aus einem herrlichen Traume, geradest einem Königstraum, erwacht. Er hatte ftzinen Kasten im Bauernhöfe ausgepackt: alles drängte sich freudestrahlend -rm ihn. „Habe Sie schon lanae^ erwartet, Herr Schulem!" Die Dorfjugend grunzte und höhnte nicht mehr, sondern grüßte ihn respektvoll unb hals ihm beim Ausladen'und Tragen des Packes. Selbst die Hunde, auch der gefürchtete schwarze Zerbus, der ihm eininal in die Waden gebissen und ihn für mehrere Wochen arbeitsunfähig gemacht, schmnuzelten friedlich und wedelten lustig um ihn her. Und die Bauern? Die Liebenswürdigkeit selbst. Kaufen und kaufen. Auch die Knechte und Mägde strömen herbei, auch von den anderen Höfen. „Hmc Schulem braucht kick» nicht zu bemühen," sie: machen es gerade hier ab. Jeder braucht etwas. Und der Kasten hat alles, eine Quelle, die nicht erschöpft wird. Da kommt auch der Dorsdespot, der gestrenge Landjäger. Er grüßt militärisch und Nickt dam» freundlich. „Wißt Ihr schon das neueste, Herr Schulem? Mn neues Gesetz. Ein ehrlicher Mann wie Ihr, der viele Kinder hat, kann nun ohne Patent hausieren. Apropos! Habt Ihr auch etwas im Kasten, was ich brauchen kann." Natürlich, alles ist da! Die baren Gold- und Sttbermünzen, die ihm nun von allen Seiten gereicht tverden, schimmern ihm vor den Augen. Er streckt die Hand, um sie zu empfangen, da zerrt plötzlich etwas Ungeheueres an seinent Knie und Ellenbogen und zieht ihn gewaltig zurück. Er bemüht sich, nach dem Geloe zu greisen, aber der Schmerz, der ihn von hinten anpackt, wird immer heftiger. Er bietet alle Kraft auf, macht eine letzte Anstrengung und erwacht. . . . Kein Bauernhof, keine