Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 16 (15.4.1908)
- Date
- 1908-04-15
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 90% known words query
- IRI
…/2446951-2449298-2449315--64389-2506978- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
mSmm Bi Eutralorp für las irtMcte Julestu ff «| MHjV OBMEBliirliMiiilrl,dBi*il*lBwx bssssesi 40, Jahrgang. G39 SranMurt a. M . Sen ULMJM& M 16. 14. NUan 5668. : :( H Der «wom»e«e»tsr Gewöhnliche Aü-gaSe Mk. ILO vrerteÜSHrlich, HestmrSgabe auf Kunstdruckpapier ML 3.— vierteljLhrlich. (Auslandspreise für ttr gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich-llugqru 8 Kr„ 9htgUmhlBnoM England 2 slu. Amerika 50 cte* Niederlande 1,20 fl.) Abonnements bei allen Postanstalten. Buchhandlungen. s«vie direkt bei der Expeditisn, HestauSgqhe nur direkt. Inserate: 30 Pfennig für die sech-gespaltene Lslonel-ZeUe: Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur durch intzaasenstein n. Bögler L^G. Lvnt» bei betz R. «. Postsparkafse «len 9to. 79005. Frankfurt o. M. ,md deren Filialen. ' «onto bei der Rigaer «mmnerzbank in Riga «yn^r »ei de« «. v»ftfparr«fse»a«t «ndapest Ro. 18ÜM. __. ._und deren Filialen in DwinSk» Libau. Bialhstok. Reval und Lodz. v» ÄackSruck Ser NrliKel uns eorrefvonöen?en Se§ „Israelit“ iff nur unter genauer Quellenangabe, und, soweit es lick um größere fluffäfce fianöelf, nur nach uorfteriger öenehmigung geffattet •nn ma Alle Glut und allen Schmelz, die aus dem Wohllaut der heiligen Sprache klingen, hat der Dichtergenius unserer gottbegnadeten Festsänger in die Strophen unseres Pesach-Machsors gehaucht, deren immer wiederkehrender Refrain diese beiden Worte bilden. Die vollendete Meisterschaft, mit der ihr gedrungener, kerniger Lapidarstyl das Bangen und Sehnen, dys Fürchten und Hoffen, das Web und das Gluck der jüdischen Zerstreuten hinausklagt und hinausjubelt, wird nur noch von den innigen, sinnigen, tausendjährigen Sangesweisen erreicht, die sich wie duftende Blüten um die trauten Laute schmiegend ranken, sie erklären und verklären und sie zum treuen Dolmetsch alles dessen machen, was die jüdischen Exulanten an dem alljährlich wiederkehrenden Gedächtnistage ihres Freiheitsfestes empfinden. Auf den Schwingen ihres Liedes hoben die Dichter und Sänger ihr Volk zu einer Höhe, von welcher der Schmerz und die Freude anders geschaut und empfunden werden, als in den dumpfen Niederungen des hastenden täglichen Weltgetriebes. Wohl mögen die ältesten Herolde der Freiheit, die ersten Verkünder der Menschenrechte es ani Feste ihrer Freiheit, das sie schon länger als 3400Jahre feiernschmerzlicher als sonst empfinden, wenn gerade ihnen die Freiheit und die Menschenrechte, die sie der Welt gebracht, hartnäckig verkümmert und versagt werden. Wohl mögen sie, wenn sie in diesen Feststunden betend vor ihren himmlischen Vater treten, sehnsüchttger als sonst einen neuen Knoten in dem alten Bande schürzen, das ihre Befreiung aus Mizrajim mit der ihnen verheißenen Erlösung von allem sozialen und volifchen Drück verbindet. Aber selbst wenn sich der heiße Wunsch aus dem wunden Herzen über die bebenden Lippen ringt: Hort Israels, erhebe dich zur Hilfe Israels, und mache, wie Du verheißen, Jehuda und Israel frei, selbst dann gilt dieses klagende Sehnen in erster Reche nicht der Befreiung von eigenem: Weh, sondern ihrem himmlischen Vater, der mit ihnen leidet, ihrem: großen mächtigen Freunde, der das ihnen zugefügte Leid doppelt schmerzlich mit empfindet: ' nn m: ■ ' nt:;:nb? W myn *j-n . nno >22 wpV nan mpöi nyv yn nnm orn *o tV rnpa larrwVt aafoufc nn Eil' trauter Freund, zieh' wieder hin Zu deinem Heim und Deinem Frieden Wenn, weil wir in eitlem Sinn, Deinen geraden Weg gemieden, Uns auch Schlag und Weh getroffen, Wo, Gott, doch unser Hoffen Alle Mt Dir treu geblieben, Daß Du nach so langem Warten Uns erlösest, wieder pflanzest, Gott, als Deinen Blütengarten. „Weh' den Kindern, die vom Tische ihres Vaters verbannt sind, aber weh dem Vater der seine Kinder in die Verbannung weisen mußte!" Diesem Weh des Vaters, nicht deni der Kinder, gilt das klagende Sehnen der jüdischen Dichter und Sänger, das ein ganzes Volk in den gehobenen Weihestunden seines Freiheitsftstes sich zu eigen macht. Gottes Herrlichkeit lebt in Aechtung und Verbannung, wenn das Gottesvolk verbannt und geaechtet ist, wenn ihr verklärender Lichtstrahl nicht segnend und beglückend auf chm ruhen kann. Gott hat kein Heim mehr auf Erden seitdem die einzige Stätte seines Weilens in Trümmern liegt, von welcher mit seiner Thora Israel und der aanzeu Menschheit alle Erleuchtung, aller Segen und alles Lebensglück werden sollte. Dieses Goluch-Schechina preßt den Sängern in unserer zerklüfteten ruhe- und friedlosen Zeit den Ruf an ihren einzigen, mächtigen Freund aus, daß er sich wieder seinem verlassenen, zerstörten Heim zuwenden möge. Wohl haben wir selber durch Verlassen des einen gottgewiesenen Wegs diese Zerstörung und Verbannung verschuldet, aber wir haben durch Schicksalsschläge jeder Art für diese Schuld so schwer gebüßt, daß sie unser einziger, mächtiger Freund als gesühnt erachten möge. Der große uns umflutende Troß erblickte in oiesen leidvollen Schicksalsschlägen, die er selber uns versetzt und uns hinterher deshalb verhöhnt, allerdings den Beweis dafür, daß unser Freund nicht mehr unser Freund sei und daß wir aufaehört hätten, die von Ihm Erwählten zu sein. Aver wir haben uns durch allesdas, was uns betroffen hat, die zuversichtliche Hoffnung auf Erlösung nicht verkümmern lassen. Wie wuchtige Schläge das Eisen erst zu Stahl härten, so hat alles Leid und alles Weh, das tausendfältig auf uns emstürmte, unser Harren und Hoffen auf die verheißene, endliche Erlösung noch mehr gesteigert und gefestigt. Wir sind ja nicht die einzigen Hoffenden, die sehnsuchtsvoll einer besseren Zukunft entgegenharren. Seitdem die Pforten aes Paradieses sich geschloffen, stöhnt und keucht die ganze Menschheit unter der Bürde des Dornenuns Distelfluchs, dessen zu Boden drückende Wucht sie des Daseins nicht froh 'werden laßt. Ein solcheverjüngtes Paradies sollte das gelobte heilige Land mit seinem Gotte-Heiligtum Israel nnd der Menschheit werden, und auch dieser Gottesgarten liegt heute fast zwei Jahrtausende mit allen Menschheitshoffnungen, die sich an ihn knüpften, verlassen und verödet da. Und doch sind die Hoffnungen eines gatten Volkes untrügliche Prophezeihungen. Rabbi AWa lacht^ wenn er die Großen seiner Zeit beim Anblick der Tempelruinen und der dort hausenden Füchse weinen sieht. Er lacht," bM sie weinen, weil er in der Träne dieser Edlen die Bürgschaft der Erfüllung alles dessen erblickt, wofiir sie geweint wird. Der große Gärtner wird seine eigene Anlage nicht der Verwahrlosung überantworten, er wird mit unserer Erlösung seinen reichen Blütensegen aufs neue anpflanzen, dessen Ertrag Israel und der Menschheit endlich die Lebensfrucht bringen wird, die sie bis' dahin nirgendssonst gefunden. Das sind die Gedanken, Anschauungen, Hoffnungen und Ueberzeugungen, die unsere'-pi ma» Lieder in allen Bariationenzum Ausdruck bringen. Täglich knüpftn wir an den Gedanken, daß Gott nns schon einmal aus einem schweren Drucke, daß er uns aus Mizrajim erlöst hat, die Hoffnung auf Erfüllung alles deffen, was ein Menschenherz nur wünschen kann. Aber wenn wir an Pesach uns anschicken mit der Berocho b&i 'n nn« den Segen in Worte zu kleiden, den das Gedächtnis der Erlöfungswunosr einer tausendjährigen Vergangenheit in jeder Gegenwart für die uns verheißene Zukunft bedeutet, dann sind es die glühendsten Farben und die ergreifendsten Akkorde, die. unsere Dichter und Sänger herausgreiftn, um den Aufschwung der jauchzenden und weinenden Volksseele zu ihrem einzigen Freunde durch die Worte zu feiern: nn rna niyaac keu V« mr oNi rnjns ynsa - wwn nan myn nm rrnx