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Der Israelit · 1908-04-09 · Heft 15 (9.4.1908) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 15 (9.4.1908)
Date
1908-04-09
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Mit Rüchficht auf die Peffach-Seierfage wird No. 16 des Israelit JUittwodi den 15. d- Nils, nachmittags No. 17 des Israelit Freitag den 25. d. Mts. nachmittags ausgegeben, lnferate und Correfpondenjen Müllen bis?um Abend des vorhergehenden Tages im öelitze der Expedition be?m. Redahtion lein. Die tage des gesetzestreuen Judentums in Amerika. Tie Besprechung, die wir in Nr. 3 dieses Jahrgangs den amerikanischen Verhältnissen widmeten, hat in den Kreisen unserer transatlcmtischen Gesinnungsgenossen lebhaftes Interesse hervorgerusett. Ist doch gerade jenseits des Ozeans, wo man tagtäglich Zeuge der kolossalen Entwicklung der jüdischen Gemeinden ist, das Bewußtsein um so mehr lebendig, oott welch hoher Bedeutung die geistig - religiöse Gesundheit der dort sich bildenden gemeindlichen Riesenkörper für die ganze Zukunft des Judentums sein muß. Zu der Frage, wie es ermöglicht werden könnte, durch eine bessere Jugenderziehung die Erhaltung des gesetzestreuen Judentums auf amerikanischem Boden zu« fördern, schreibt uns eilt in Newyork domizilierter Freund unseres Blattes, der jahraus, jahrein den amerikanischen Kontinent bereist, und der sich durch intime Beschäftigung mit den Gemeindeoerhältnissen in den Bereinigren Staaten eine besonders reiche Erfahrung und daher eine gewisse Kompetenz zur Beurteilung der einschlägigen Fragen erworben har, Folgendes : „Ter Leitartikel im „Israelit" behandelt einen der Kardinalpunkte in der „Amerikanischen Judensragt", jedoch ist es fraglich, ob die angegebene Lösung des Erziehungsproblems der jüdischen Jugend in Amerika praktisch durchführbar ist. Der Schreiber jenes Artikels hat scheinbar einen Hauptpunkt nicht iit Berücksichtigung gezogen. Ter Unterricht in Amerika ist sowohl in Bürgerals Hochschulen vollständig kostenfrei. Da die große Majorität der jüdischen Orthodoxie hier im Lande sich in recht ärmlichen Verhältnissen befindet, so machen sie sicher lieber von dem freien Unterricht Gebrauch als von der Gelegenheit zur Errichtung von Schulen beiMtragen. , , Was zu allernächst einer Verbesserung bedarf, ist das jüdische Lehrermaterial. In Amerika befindet sich eine große An,zahl kleiner HlVr-p, die trotz großer Armut der Mitglieder mit anerkennenswertem Opsermute sich einen Lehrer halten. Wenn auch diese Lehrer insofern eine schwierige Ausgabe haben, als sie Kinder im Alter von 7 16 Jahren unterrichten müssen, wofür ihnen zudem meistens nur die spätett Nach Mittagsstunden, nachdem die Kinder den größten Teil des Tages in der Schule sich müde studierten, zur Verfügung stehen, und wenn somit das geringwertige Resultat des jüdischen Unterrichts tticht ganz auf ihr Schuldkonto zu stellen ist, so darf doch ruhig behauptet werden, daß die Lehrer selbst aus einem höheren Bildungsniveau stehen sollten. Es ist eine unbestrittene Tatsache, daß unter den jüdischen Religionslehreru in Amerika eine große Anzahl sich tveder einer Lehrerprüfung unterzogen, noch eine sestgelegte Lehrntethode besitzt. Es sind zum Teil Leute, die in anderen Berufen Schiffbruch gelitten und dann aus Grund ihrer hebräischen Kenntnisse eine Lehrerstelle annehmen. Die Verträge dieser Lehrer, welche meistens auf ein Jahr lauten, werden in vielen Fällen nach Ablauf dieser Frist nicht wieder erneuert, und unter diesem steten Wechsel der Lehrkräfte und gleichzeitig der Lehrmethoden leidet natürlich der Unterricht Eine Besserung rväre dadurch herbeizuführen, daß nach Organisierung sämtlicher orthodoxen niVnp zu einem Verbände dieser ein aus Rabbinern und Lehrern bestehendes Komitee ernennt, vor dem sich jüdische Lehr-Aspiranteu einer Prüfung zu unterziehen hätten. Das Komitee sollte auch über die persönliche Führung in religiöser Beziehung unterrichtet sein, um den Gemeinden, die einen Lehrer suchen, auch dies bezügliche Auskunft geben zu können.; Ein weiterer Uebelstand, der von dem zu bildenden Komitee beachtet werden müßte, ist, daß die Eltern nicht mit den Lehrern kooperieren. In Amerika sind die Schulen Samstags geschloffen, trotzdem sieht man an rov recht wenig Kinder in der Synagoge. Alles theoretische Pre digen der Lehrer hat keinen Wert, solange die Eltern sie nicht durch die praktische Tat unterstützen und ihre Söhne zur Synagoge schicken, anstatt denselben in ihrer nachsichtigen, oder soll man sagen, nachlässigen Weise zu erlauben, am rov verbotenen Vergnügungen nachzu . gehen. Ein Verband, der sämtliche orthodoxen Gemeinden umfaßt, könnte aber durch das Zusammenarbeiten aller in Betracht kämmenden Faktoren zweifelsohne nicht nur in Sachen des Religiotrsutiterrichts einen unberechenbaren Erwlg haben, sondern gleichzeitig, und Hand in Hand damit gehend, noch andere den Eingeweih« ren nur allzu bekannte Miß,stände bezüglich nVrip und Synagoge beseitigen. Sollte es der „Union of Orthodox Jewish Congregations of the United States & Canada“ gelingen, sämtliche orthodoxen Gemeinden zum Beitritt zu bewegen, so wäre diese Vereinigung aus Grund ihrer bisherigen Betätigungen, die meistens die Wahrung jüdischer Prinzipien und Interessen im öffentlichen Leben betrafen, am geeignetsten, die oben besprochenen Punkte in ihren Wirkungskreis auszunehmen." lieber den Wirkungskreis und die Art und Weise der Tätigkeit des Verbandes orthodox jüdischer G c me i n d e n in den Vereinigtetr Staaten und Canada teilt man uns folgendes mit: Ter Verband ist bisher in folgenden Angelegenheiten mit Erfolg tätig gewesen: 1. Trotz des langen unaufhörlichen Widerstandes der Hoheit Obrigkeit ist es dem Verband gelungen, allen Einflüssen der Mission uttd ihren Bekehrungsversuchen in den öffentlichen Schulen wirksam entgegenzutreten; 2. Er hat erreicht, daß die Prüfung in den Uttiversitäten, Gymnasiett und anderen Schulen, sowie jeweiliger Beginn und Schluß der Semestei so an gesetzt werden, daß die Studenten ohne jede Versäumnis Sabbath und jüdische Feiertage Hallen können: 3. Der Verband hat wiederholt bei der Regieruirg der Vereinigten Staaten wegen der Judenverfolgungen in Rußland Vorstellungen gemacht; 4. Auch iu Zentral- und Südamerika hat der Verband die jüdischen Interessen gewahrt und der jüdischen Gemeinde in Kuba Privilegien gesichert: 5. Gegen Einschränkungen, die das Einwaw derungsgesetz für unsere verfolgten Brüder aus Rußland und Rumänien, die in Amerika Zuflucht suchten, enthält, wurde angekämpst: 6. Durch persönliche Audienzen bei den Be Hörden irr Washington wurde verhütet, daß Verfügungen betr. der Sonntagsruhe getroffen würden, die einen Härten. Druck auf die jüdischen Gemeinden auszuüben drohten. 7. Der Verband Hat ferner die Anerken nung der religiösen Rechte der jüdischen Postangestellten sowie der anderen jüdischen Staatsbeamten und Soldaten in den Vereinigten Staaten bewirkt. . Zu den ganz besonderen Erfolgen des Verbandes dürfen noch die Gründung von Religionsschulen im jüdischen Viertel, welche die dort

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