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Der Israelit · 1908-03-26 · Heft 13 (26.3.1908) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 13 (26.3.1908)
Date
1908-03-26
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Bortrag, gehalten bei dem Stiftungsfeste der Bereinigung jüdischer Akademiker zu Berlin, von Dr. Eduard Biberfeld in Berlin. (Schluß.) - IV. Und nun das große Heer der Regungen und Empfindungen. So manches, was in dieses Gebiet gehört, ward schon oben berührt, wo ich Sie meine Freunde, vor den Gefahren der Seelenverzärtelung und der Seelenselbstvergistung warnte,' nur zu begreiflich, da dieses Territorium zu den Grenzgebieten gehört, wo die De.cktätigkeit, je weiter sie sich vom Boden des objektiv Begrifflichen entfernt, dem Bereich der Empfindungswelt desto näher und näher rückt. — Auch ein zweites ist von mir vorhin schon obenauf gestreift wo.den, das in dies cm Zusammenhänge noch weiterer Ausführung bedarf. Ich meine unser Berhältnis zu den D'JWinn ^1"0, unsere Auffassung von der Persönlichkeit der Männer, auf deren Schultern wir in der Halachah, in der Praxis des Lebens sowohl wie in dem theoretischen Studium unserer Thauroh, stehen, unsere Gefühle, mit denen wir an die Bewertung und Einschätzung des Lebens und Thuns dieser Männer, losgelöst von ihrer geistigen Bedeutung und der Würdigung ihres geistigen Schaffens Herangehen. Ein Talmudwort schon lehrt DK o'swtn ok o'-iiono i:k o-ik '222 d':nmo O'lK '222 13K DTK^oa. Und ein alter Erklärer legt dieses Talmudwort so aus: Wem die Rischonim, jene Riesen der Urwelt, wie Menschen erscheinen, der darf sich selbst nicht höher denn als Grautier einschätzen,' wem jene als Engel imponieren, darf für sich wenigstens Mcnschenrang beanspruchen. Und der dies sagte, K3i, war keiner von denen, die allzuleicht in Hochachtung erstarben und ihres Eigenwertes sich nicht bewußt sind/ und er gehörte auch nicht zu den schwärmerischen Naturen, die für den Ueberschwang ihrer Gefühle um einen Ausdruck verlegen sind. Wo Raba sprach, da lauschte jeder seinem Worte, beugte sich jede widersetzliche Meinung dieser alle Schwierigkeiten spielend überwindenden Schärfe des Geistes, dieser dem unbegrenzten Ozean selbst gleichenden Breite und Tiefe des Wiffens, diesem bis zur Selbstauflösung gesteigerten Forschenstrieb, der sich nicht genug getan zu haben glaubte, wenn er nicht restlos seinen Gegenstand erschöpfte. Ich nahm oben Grätz gegen Borwürfe, die unbegründeterweise von „zünftiger" Seite gegen ihn erhoben werden, in Schutz. Was wir ihm vorzuwerfen haben, ist ein anderes, ist, daß er die Welt hes Talmuds >entgöttert hat. Hätte sein ~~ ~ ,andere Sünde aufzuweisen, als die, daß es die D'JWKa ihres Nimbus mit tempelfrevlerischer Hand entkleidet, daß es die Weisen des Talmuds der Kritik jedes Ersten, Besten unterstellt, daß es die Eontroversen unserer o'^ITi im Lichte eines öden Profefforengezänks anzusehen gelehrt hat, es hätte zerstörender im Judentum und am Judentum gewirkt, als alle Reformtaten der Geiger, Holdheini und Genossen. Für uns bleibt für alle Zeiten als Forderung des Tages jener Satz der Gemoroh bestehen niK22 own non “pi DK liöö Sk ikS OKI nee, Nur wenn Dir Tein Lehrer ein Engel Gottes erscheint, wirst Du in rechtem Sinne und mit rechtem Erfolg seine Unterweisungen genießen; sonst nicht! Und nun noch eins. Aus seinem Studium des germanischen Völkerlebens weiß der alte Taeitus eine völkerpsychologische Lehre zu ziehen, die dauernden Wert besitzt. Er meint, es sei ein Gift für den Volkskörper und von verhängnisvollster Bedeutung für seinen Bestand, wenn die Volksgenossen ncm studiosi, will sagen, wenn sie mit überstürztem Eifer und kritiklos jeweils dem Neuen nachstrebten, und dadurch nur zu oft in Vorstellungen und Bestrebungen sich gefangen nehmen ließen, die vor einer ernsthaften Prüfung als wertvoll und berechtigt nicht Stand halten könnten. Als ob der alte Taeitus in unseren Tagen gelebt und unsere jüdische Gesellschaft gekannt hätte! Wo immer ein neues Schlagwort geprägt, ein neuer Gott auf den Schild gehoben, ein neues Thema in die Debatte geworfen wird — ob es sich um Heimarbeit oder Mutterschutz handelt, ob es uni Kunst im Leben des Kindes oder um Rinnsteinkunft geht, ob Reformkleidung oder Familienbad zur Frage steht — unsere verehrten Glaubensbrüder und -schwestern müffen nicht nur auch dabei, sondern sogar in erster Reihe dabei und mitten drinnen sein. Schönredner rühmen dann dieses „Studium novi“ als den natürlichen Ausdruck einer gesteigerten Sensibilität und geistigen Empfänglichkeit,' um so bedauerlicher aber, daß diese Vorzüge versagen, wenn es dem Eifer für die alte, ewig jugendfrische und stets neue Thiuroh gilt, wenn diese feine Empfindlichkeit und spirituelle Spannkraft dem religiösen Gefühl, der religiösen Betätigung dienen soll. Verzichten Sie, meine Freunde, freiwillig auf diese problematischen Vorzüge, ertragen sie ruhig den Vorwurf rückständigen Böotiertums, prüfen Sie sorgfältig jede auftauchende Idee —und hatte.sie noch so großen Zulauf — an dem goldnen Maßstab, den die Thauroh, den der D'ri?' nsy, der Rat unserer weifen' Führer von früher und von heute Ihnen bietet, sparen Sie Ihre jugendliche Empfänglichkeit, die unverbrauchte Kraft Ihrer Rezeptionsfähigkeit, den frischen Elan Ihrer Empfindlichkeit für die edlen Ziele auf, die als Forderung des TageS Ihrer warten, für das Wirken und Weben an der Gottheit unsterblichem Kleid, für naiöKi non miay. v. Damit hätte ich Ihnen, meine Freunde, auch schon gesagt, was als Tat von Ihnen gefordert wird. Muß ich im Einzelnen und Speziellen Ihnen dartun und belegen, welches Ihre Pflichten an diesem Punkte sind, wie Sie diesen Aufgaben gerecht werden sollen? Nein, meine Freunde iSo' kS om ]orn r6o\ Es hieße den törichten Versuch unternehmen wollen, den ganzen Inhalt unserer Thauroh, die ja Pflichtenleben von Anfang bis Ende ist, in ein paar Sätzen zu erschöpfen/ und diese Geschmacklosigkeit werden Sie mir nicht zutrauen wollen. Lasten Sie mich daher nur das eine oder andere Gebiet berühren, auf dem Ihre Mitarbeit von größtem Nutzen für den Ihr Versagen zum größten Schaden für die Gesamtinteresten wäre. Die Presse ist in unseren Tagen eine Weltmacht ersten Ranges geworden, für Angriff wie Abwehr ist sie heute unentbehrlicher als irgend ein anderes Kampfmittel, zur Massenwirkung und Maffenaufklärung bient in unserer Zeit kein anderes Instrument mit gleicher Tief- und Fernwirkung wie das geschriebene und gedruckte Wort. Allein, wie wenige aus unseren Reihen sind für diese Waffe geeignet, wie wenige haben ihre Bedeutung, chre Stoßkraft erkannt. Es ist richtig: der richtige Journalist wird nicht erzogen, sondern muß geboren sein. Aber es muß ja nicht jeder gleich ein Redakteur der „Freien Presse", der „Frankfurter Zeitung", der „Times" oder anderer Weltblätter sein und werden wollen. Unentbehrlich aber erscheint es in unserer Zeit, daß jeder, der früher oder später einen Platz in den Reihen der Kämpfer für ruiEKi min einnehmen und — ausfüllen will, wenigstens soviel Schreibfähigkeit sich aneignet, die journalistische Technik wenigstens soweit beherrscht, daß er einem Gedanken auch in wirksamer Form den Ausdruck geben, dem Angriff durch die Polemik begegnen kann. Und solcher Forderungen des Tages an Ihr Handeln gibt's so unendlich viele, meine Freunde, daß, wie gesagt, die Zeit für ihre Detaillierung nicht reichen würde. Denken Sie an die Ausbildung ulld Schulung im Wanderrednertum, denken Sie an die Sammlung der o'KH, welche in unseren Tagen unter sichtbarer K'QBH Kny;\0 sich zu vollziehen beginnt, denken Sie an .die Tätigkeit für nav rn^otfr und so vieles Andere, und unbegrenzte Aspekte eröffnen sich Ihrem Tun und Wirken. Lasten Sie sich durch Eins nicht schrecken und stutzig machen, das andererzeil wohl Bedenken erregen mochte,' ich meine Ihre Jugend,

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