Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 11 (12.3.1908)
- Date
- 1908-03-12
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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v - ■ Li L JSSfri- US llllusfrierle E UN eilage zum , en [Israelit £. DXQ. Die DaiidwerRerscbale min IM in Jaffa (Palästina). „Wenn Du Deiner Hände Mühe genießest, dann heil und wohl Dir", lautet der schöne Psalmgesang und— so besagt ein alter Talmudspruch — „sieben Jahre Hungersnot, der Handwerker verdient doch' stets sein Brot". Arbeit und Handwerk. Auf dem alten heiligen Boden Palästinas wußte man wie kaum in irgend einem andern Lande diese Worte zu schätzen. Während der Römer in den Krieg zog und der Hellene dem olympischen Spiele oblag, arbeitete der Jude für Haus und Hof. Er arbeitete in wörtlicher Erfüllung des 4. Gebotes sechs Tage, um am siebenten zu ruhen und zu feiern. Das Handwerk hatte sich bei den Juden schon im biblischen Zeitalter in seiner edelsten Blüte zu einer Kunst verfeinert, die ihrem Psteger den Namen eines Gottbegnadeten verlieh (btf W?2C3). Am Bau der Stiftshütte beteiligten sich nach dem Bericht der heiligen Schrift „alle, denen der Ewige Weisheit und Vernunft eingegeben, um die heilige Kunstarbeit zu verrichten." Und es mutet uns wie ein milder Hauch aus jenen Zeiten an, wenn wir die muntere Kinderschar aus unserem Bilde betrachtet, die auf heiligem Boden Palästinas , in der Handwerkerschule mm 'IM in Jaffa Handwerk erlernen. An Schulen fehlt es freilich im heiligen Lande nicht. Und auch Lehranstalten dieses Genres find in den letzten Jahren entstanden. Allein es ist der Vorzug dieser Schule, daß sie bei ihren praktischen profanen Zielen eine . gut jüdische Schule ist. Die Leiter und Lehrer der Anstalt wissen, was der j ü d i sch e Hand, werker neben dem täglichen Brode /onst noch braucht, um das Leben zu genießen — '3 viten W naS on5n — und lassen, es daher auch an einer gründlichen i Pflege des Geistes in der Schule nicht fehlen. Schöp die Typen auf unserem Bilde zeigen, daß wir es hiermit einem Gemisch von Kindern 1>er verschiedenen Landsmannschaften zu tuu haben, Aschkenasim und Sefardim, zu denen sich auch noch Jemenenser und Marokkaner gesellen. Die Schule kennt aber nur einen Plan und ein Ziel, nämlich Oberravbiner Kuck fit Jaffa. diese Kinder zu Menschen, zu tüchtigen Handwerkern zu rnachen, welche sich später selbständig ernähren und dem heiligen Lande mit den Erzeugnissen ihrer Arbeit Nutzen und Ehre bringen, aber auch zu guten Juden, die mit dem jüdischen Aus der Handwerkerschule der Tchare-Lhora-Jefchiwah zu Jaffa. Schrifttum vertraut und auf dem Wege der darin enthaltenen Gesetze wandelnd, das Muster eines jüdischen Handwerkers abgeben. Israel in Aegypten. Bon Rabbiner Tr. A Cohn lp Masel. Unter dem obigen Titel hat PrivatdozenH Oe. Felix Stähelin Baselder Verfasser yfytpj Schrift „der Antisemitismus im Altertum^, nun im Druck erschienenen Bortrag in der hiesigen^ historischen und antiquarischen Gesellschaft ' ge« halten, der sich mit den letzten Jahren gemachten^ überraschenden Papyrusfunden beschäftigt. BÄihrenKt Inschriften in Stein aus «dem Altertum fast' garnicht existieren, hat man im Jahre M94 in Affuan, dem alten Lyene, einer Sta der nubischen Grenze in der Nahe Kataraktes gelegen ist, in einem in vergrabenen Topfe 10 Dokumente gefandeMWe ein Familien-Archiv bilden, genau datiert Md und aus der Zeit vom 12. September 471 bis Februar 410 vor unserer Zeitrechnung stammen, also 23—24 Jahrhunderte alt find. Durch die Opferwilligkeit von 2 Mäceen der Wifsenfchaft, einem Herrn und einer Dame, wurden die so überaus wertvollen Dokumente, die sich bereits in den Händen der Händler befanden, angekauft. 9 Papyri befinden sich im Museum in Cairo, der zehnte in in der Bodleiana in Oxford. Bei der bekannten Duplicität der Ereignisse ist es nicht zu verwundern, daß bald darauf im Winter 1906 bei wissenschaftlichen Ausgrabungen in Elephantine, auf einer Nilinfel welche Affuan gegenüber liegt, mehrere Papyri gefunden wurden, die im Gegensatz zu den privaten Urkunden, als Staatsdokumente bezeichnet werden können. Diese wichtigen Schriftstücke befinden sich in Berlin. Eine gewisse Erregung ergreift uns Juden, wenn wir hören, daß es sich in allen diesen Dokumenten um Juden und um jüdische Angelegenheiten handelt. Bisher war die einzige Quelle der Erkenntnis unserer Vergangenheit unser heiliges Schrifttum Nun aber öffnet die Erde ihren Mund, die Tiefe, die bis jetzt geschwiegen, gibt ihre Geheimnisse her, Steine und Tontafeln und alte Pergamente fangen an zu reden. Es dürfte die Leser dieser Blätter interessieren, was uns diese Funde zu erzählen haben.