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Der Israelit · 1908-03-12 · Heft 11 (12.3.1908) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 11 (12.3.1908)
Date
1908-03-12
Page
– (sequence 8)
Language
German
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,77 ü* ll. »yjj >- «7 ”js^*nrr-x L %)tx $*c«trfa. FragL der Entstehung des alten und neuen Gebetbuches näher ein. Nach der Tempttzerstörung Wurde von den Männern der großen Synode die Tesillo als Geistesband neben dem göttlichen Gesetze den Juden in die Verbannung mitgegeben; hingegen mutet uns das neue Gebetbuch als etwas Fremdes und Künstliches au, wir finden unS in chm nicht zurecht. Wie steht es nun mit dem Religionsunterricht? Beabsichtigt der Oberrat für me Kinder orthodoxer Eltern, einen besonderen Religionsunterricht einzuführen? Denn für alle halbwegs religiös gesinnten Juden ist ein Gebetbuch unbrauchbar, in welchem vier Grund-. Ldeen unserer heiligen Tradition als: 1. die dereinstige Sammlung aller Glieder des Volkes Js.rael- 2. bie Berheißung des persönlichen Messias,' 3. die Wiederherstellung Jerusalems und des Tempels/ 4 die Auferstehung der Toten/ geleugnet werden. Der Referent schloß, er hoffe, M Anwesenden sämtlich davon überzeugt zu habest, daß die Einführung des neuen Gebetbuches unermeßlichen Schaden stiften" würde und sie dtcher nur ' einem Manne ihre Stimme geben der,' wie Herr' Elias Heiw, ein Gegner desselben sei. Reicher Beifall lohnte den Redner. In der Diskussion ergriff 'He^r Ludwig Weil, Borstands-Mitglied der liberalen Bereinigung FreDurg das Wort und versuchte, die vom Re- ^renten angeführten Gründe gegen die Einführung des Gebetbuches zu widerlegen, indem er die alte TKlla als für die heutigen' Berhältniffe nicht michr paffend, und daher als ungeeignet für Gottesdienst und Religionsunterricht halte. Herr Leop. Du las aus Freiburg führt aus, daß, wenn der Oberrat auch die besten Absichten hatte, astch er es für ein Unheil halte, daß die Gebetbüchfrage ins badische Judentum hineingeschleudert wurde. Der Oberrat sei falsch Unterrichtet, wenn man ihm glauben mache, daß sich durch EinsHryng des neuen Gebetbuches die Synagogen wÄer füllen würden.' Die Liberalen hätten so westtg Interesse für den Gottesdienst, Wie für das mene Gebetbuch. Der Gegenkandidat, Herd N o r d ma nn stielet nicht genügend Sicherheit fiir die Vertretung Mserer Interessen und auch ich stmn sie daher nur bitten, Ihre. Stimme für Herrn Elias Heim astzuaeben. Herr Daube ans Freiburg wendet Ich ebenfalls gegen das neue Gebetbuch: Et ist durchaus damit, einveWntzen, daß die jüdischen Angelegenheiten vor düs Forum der Oeffentlichkeit getragen werden. Herr Weilt wolle nicht ßuzeben, daß einschneidende ÄeNderungen Vorlagen, obwohl doch in dem neuen Gebetbuch, wie Herr Bloch schon einzeln hervorgehobeu hat, die heiligsten ^chditionen fehlen. Der Oberrat könne nichts Jrwenhett gewo t feit haste, noch Je|t in : Stünde zurüazuziehen, es könne das seiner Autorität nichts Maden, im Gegenteil nur zum BMeil gereichen. Nachdem Herr Nordmann, der liberale Kandidat noch einige der chm von den Vorrednern gemachten Vorwürfe richtig zu stellen versucht hatte, schloß die Versammlung, die als ein voller Erfolg der Gebetbüchgegner betrachtet werden darf. K i p p e n h e i m, 8. März. In der heutigen Versammlung der Synagogenräte des Offenburger Wahlbezirks wurde einstimmig Herr S y u agogenvorsteher Lang aus' Asldorf als Kandidat nominiert, nachdem derselbe erklärt hatte,. daß er g e g en denob errä tlichen Entwurf des neuen Gebetbuches ft i m m e n -iv e r d e, um dem einhelligen - Wunsch seiner Wähler Rechnung zu tragen. Sinsheim, 8. März. Heute Nachmittage faM hier eine von den Anhängern des Balten Gebetbuches einberufene Versammlung im-Vdlsr:' starr. Die Versammlung war zum größten Teil vvn auswärttgenWählern besucht uüd zwar von Anhängern der HonfsrvdtiveÜ rMNdidatur 9N||k' Wld Zn Sinsheim selbst empfinde» die Anhänger desncuen Gebetbuches eine so abettkeMrliche Angst vor den Argumenten der: Gegner, daß sie ihren Freunden verboten haben, unsere Versammlungen zu besuchen. Die Versammlung wurde von Herrn Scherer jun. geleitet. — Der Referent kennzeichnete in gleicher Weist wie in Gemmingen das Wesen des neuen Gebetbuches und kam dann auf den sicherlich aus der Umgebung des Oberrates stammenden Artikel der „Frankfurter Zeitung" zu sprechen, der sich geradezu in Verleumdung der altehrwürdigen Tefillah gefalle, die man sich nicht scheue, „schädlich" zu nennen. Während es Aufgabe der Religionsbehörde sei, zu erhalten, was an religiös sem und konservativem Geiste im Volke noch vorhanden ist, und während die christlichen Konsistorien und kirchlichen Oberbehörden dieser Aufgabe auch gewissenhaft gerecht zu werden suchten, habe der. O b e r r at in einer Zeit, in der das Judentum, von innen und außen aufs äußerste bedroht sei, nichts besseres zu-tun, als ein zureißen und niederzutreten, den Fried e n zu stören und den Zusammenhang zwischen den Gemeinden zu sprengen. Der Redner wies an Hand des Gebetbuches nach, wie berechtigt diese seine Behauptung sei. Charakteristisch jst/daß von den Anhängern des 'Oberrates viele keine Ahnung von dem Inhalt des neuen Gebetbuches zu haben scheinen, selbst Kandidaten des Oberrates erklären ganz offen, daß sie das neue Gebetbuch noch gar nicht studiert hätten.. Als zweiter Referent ergriff Herr Martin Levigard aus Franssurt a. M. das Wort, hauptsächlich von der Erwägung ausgehend, daß dje Juden aller Länder religiös , und moralisch, für einander einstehen müßten, und daß es eine Versündigung sei, die badische Judenheit loszureißen aus der religiösen Gemeinschaft der Gesamtheit. Herr Weil, aus Steinsfurth, Ans Hänger der Gegenpartei Oppenheimer, erklärte, daß auch diese Partei nicht das' neue Gebetbuch wünsche, sondern daß Herr Oppenheimer s ch r j f tlich v ersp ro che n habe, gegen das Gebetbuch zy stimmen. Man wünsche yur, daß auch Sinsheim einmal den Abgeordneten stelle, und nicht Mdsbach, das bisher diese Ehre genieße. Ich Schlußwort forderte der Referent auf, alle diese lokalen Sonderxücksichten bei Seite zu lassen und dem bewährten Kandidaten des Bezirks, Herrn Rothschild, einmütig die Stimme M geben. In N cid e n st ein war die Angst, von uns überzeugt zu werden, so groß» daß niemand aus der Gemeinde e£ wagte, in unserer Versammlung zu erscheinen. In H o f f e n h e i m fand am gleichen Tage eine Versammlung in der Synagoge statt. Dort tritt fast die ganze Gemeinde für . den Kandidaten AUr.tb lchilö :./• 1 .. Sch r i e s h e im, 9. März: Herr Reallehrer Tachauer gab heute im Aufträge der Gegner des oberrätlichen Gebetbuches in einer gut besuchten Wählerversammlung eine Darstellung der Gefahren, welche, die Einführung des neuen Gebetbuches in sich berge, und des ungeheueren Ge--. Wissenszwanges, der seine notwendige Folge sein müsse. Liberal sein, verlange Toleranz.. Der Oberrat dagegen scheine, dieses Wort nicht zu kennen und er raube, durch sein Vorgehen der badischen Judenheit das wertvollste Gut, um das in jeder TMloh gebetet worden: den Frieden. D-r Redner kritisierte unter jubelndem Beifall der Gemeinde dgs jm Gebetbuch angewandte System, chleK spezifisch Jüdische zu streichen, ein System, das demütigender für uns Jut^n sei, als asler AntisemLtiBylüs. Die VersamyMng erklärte sich, am Schllch ^inmüüg aegW tzas' unjichMe Herk, dgs der Oberrat gWaWw haW und.MS-Mtschieden z». Fall gekücDt werden müsse. - - k Ederdach, 8. März. Gr einer güt beffrtchten BerfamMung sprach Herr Leostold Op - 'P-sU he 1 «Esiü&er ftna neue «betbuch. -Es' snt^ sprach vÄlkommen der deutttH WM! gekommenen Stimmung der Gmreinde, wenn der Redner sich Mit Schäle gegen das oberrätliche Projekt wandte, das, vielfach dazu führen wird, daß gewissenhafte und charakterfeste Lehrer ge- Mungen sein werden, mit Weib und Wyh die ihmen lieb gewordenen Stätten ihres Wirkens zu verlassen, um nicht eniem Gewissenszwang . zu unterliegen. Auch die Umgegend.von Merbach scheint stark gebetbuchgegnerisch gestimmt zu sein. Berwangen, 8 März. In der hiesigen Wählerversammlung knüpfte der Referent an den von Vörenwenvmmenheit und krasser Unkenntnis. der VerhÄtnisse zeugenden Artikel der „Frankfurter Zeitung" an und geißelte das Vorgehen der sogenannten Liberalen, welche die für ihr Teuerstes käüipfeUden konservativen Elemente in den volittschen Tageszeitungen hergnterzusetzen .suchten. Der Referent förderte auf, Mann für Mamr für dev Kandidaten, Herrn Lämle cinzutreten. , ',;‘1 Lehrer W eiler aus'Breiten betonte, dgß es eine Versündigung sei, wenn die Juden nach ihrer Emanzipation noch um .Rücköchr-.i» das heilige Land beteten! Das sei unpattiöttsch! Aknf sWven'ÄH der hie weiteren Ausführungen des Herrn Weiler über , die - Stellung des Maimomdes - zu den; Opfern. — Es fiel dem Referenten nicht schwerdie DeNuNKiattyn der Gefetzestreuen, die sich der Herr Lehrer erlaubt hatte, gebührend zürllckzüweffen, und zugleich das mangelnde Wissen des . Gegners in religiösen Dingen nachzüweifen. Herr j Kaufmann F'akk betonte, daß man^nach .der? neufsten yon der Angst geborenen Idee'W Dberratts überall „Doppelunterricht" nach. Mei Büchern einzufübren, auch zwei- ReligioWsl e h r e r ^anstmen Müsse! Müü WWx Tat Mny man nicht verlangen, daß ern nzEheWlbe Mann in ferner Brust eine neologe und muss 'orthodoxe; Seele trage. Die Versammlung bekundete ein-! mütig ihre Absicht, Harrst Lämle' als Gegrssr! des Wien WedetöüWs m die-Synohe M segdeiu Ä! Mxx KorachhKte/im i Unt e r g r o m b a ch c 8: , fteher Berthold Bär in Unter ,, v Namen des. Wahlbureäus nach Untergrombach und Weingarten Versammlungen der Gk^ EnheMMKeder Mcherüfest. Nachdem HMDär die BMammlungen' etzössyet Wtt,'/keMMchn,en Herr LMPÄd-S chw a Ü ausHränWrt a. M und Herr stuch meä. Willy W e i l in zündenden Wogtest Pen CMrakter des Mebetbuches uird die M- - absehbaren, für^ die ganze Jpdesiheit ynhessvollen Folgen,, welche, desieü MnfühMng häbM würde. In der Diskussion stellte sich vor Allem Herr Lehrer Ehrlich aus Weingarten außden oberrätlichen Standpunkt, ohne jedoch lE'angefühtten -großen Schädrgßiügen.widtrlegen_zu kystMü. Än Sßchn des Kandrdatey der „siberalkN "Vereinigung", Herr Meerapfel, erwähnte unten anderem, daß fein Vater, der Kandidat, doch jeder Zeit auch n ach eventl. Einführung des Gebetbuches m ällaewohnter. Weise' sein Gebet verrichten würde. Man sieht daraus deutlich, wie ernst es selbst den Kandidaten des Odetrats mit ihrer-Begeisterung für' das neue Gebetbuch ist! Herr Meergpfel jun. glaubte ferner die Wähler darüber aüfklär.en zu müssen, daß die Gebetbuchfrage im ganzen Wahlkampfe Nebensache sei, um dadurch die Wähler glauben zu machen, als .'würde von seiten der Konservativen gegen die ganze oberrätliche Organisation Front gemacht. Mese. ganz und gar falsche Ansicht, die nur ausgesprochen wurde, um die Wähler zu fangen, wurde von seiten der Abgeordneten des Wahlbureaus ad absurdum geführt- Das unzweifelhafte Resultat dieser beiden lebhaften Versammlungen war die völlige Uebereiystimmung fast tzller WWex mit den.Gebetbuchgegnern und der allgemerne Wunßch. deu Kandidcften dex WbMM g-? KN % *, i fr Mw» d St« a.» e p in W SWotze W; schicken,

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