Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 9 (27.2.1908)
- Date
- 1908-02-27
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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27. Februar 1908. Sette 13. Rr. 9. Der Israelit. du noch, was der Herr Samtätsrat gestern gesagt hat, oder hast Du's vergessen?" — „Aber nein, solche Sachen vergesse ich doch nicht." „Also, was hat er gesagt?" „Daß die Mama mit mir hinaus auf dein Gut Waldhof sollte, die Luft dort würde mir gut tun." „Und was habe ich darauf erwidert?" „Daß Dir das Gut nicht mehr gehört, daß Du aber mit dem Eigentümer sprechen wolltest, Du glaubtest, unser Aufenthalt dort würde sich doch wohl ermöglichen lassen." „Nun, siehst Du, mit dem Vergessen ist es doch nicht so arg, du weißt doch noch alles, was wir gesagt haben." „Hast Du schon mit deni Eigentümer darüber gesprochen, Großpapa?" „Darüber noch nicht, jetzt im Augenblick wollte ich es tun." „Jetzt im Augenblick wolltest Du mit ihm darüber 'sprechen? — aber ist er denn hier?" fragte er, um sich blickend. „Freilich ist er hier", erwiderte Schröder lächelnd „willst Du ihn sehen?" „Aber wo ist er denn?" Auch Clementine blickte suchend im Zinmier umher und fragend blickten die Kinder einander an. Schröder lachte. „Ihr könnt ihn nicht finden? da muß ich wohl helfen." Noch immer lachend zog er einen Spiegel aus der Tasche nnd hielt denselben dem Knaben vor die Augen. „Schau da hinein, Edwin, dann siehst du den gegenwärtigen Eigentümer, von Waldhof. Aber die Villa draußen hat jetzt einen andern Namen, die heißt nach dem Eigentümer Billa Edwin." Der betroffene Knabe ward bald rot bald blaß. „Du machst Dich luftig über mich, Großpapa" stammelte er." „Unsinn, Närrchen. Der alte Schröder hat sich noch über Keinen lustig gemacht, da wird er doch nicht bei seinem Enkel anfangen. Aber wenn Du's meinen Worten nicht glauben willst, hier hast du es schriftlich, es ist die Schenkungsurkunde. Es ist schon alles in Ordnung, alles auf deinen Namen im Grundbuch eingeschrieben, du bist jetzt Großgrundbesitzer." Der Knabe schien es noch immer nicht fassen zu können, wiederholt fuhr er sich mit der Hand über die Stirn. „Und es ist wirklich wahr, Großpapa, du schenkst mir das alles?" „Es ist wirklich war, Edwin, ich schenke dir das alles. Die Villa Edwin, mit allem, was dazu gehört und „das ganze Gut Waldhof, die Waldungen, die Äcker und die Wiesen, kurz mit allem, was d'rum und d'ran hängt." „Ich danke dir," sagte Edwin, dem Großvater beide Hände reichend, „ich danke dir von ganzem Herzen, lieber Großpapa, und ich werde mir immer- Mühe geben, ein so großartiges Geschenk zu verdienen." „Das nmßt du auch, Edwin, du weißt, was ich von dir erwarte. Nicht umsonst erzähle ich dir so viel von deinem Vater, du mußt dich bestreben, so zu werden, wie er gewesen ist, ihm möglichst gleich zu werden." „Danach werde ich immer streben, ganz gewiß —". Dann wandte er sich hastig um. „Mama!" rief er der eben eintretenden Mutter entgegen, „weißt du schon die neueste Neuigkeit, daß ich Großgrundbesitzer bin, weil der Großpapa mir die Billa Edwin und das ganze Gut Waldhof geschenkt hat?" „Der Großpapa foppt dich," entgegnete Malwine lachend, „Kindern macht man keine solchen Geschenke." „Du bist im Irrtum", sagte ihr Vater, „ich habe Edwin allerdings das Gut samt der Villa geschenkt, er ist schon im Grundbuch als Eigentümer eingeschrieben. Aber du hast freilich Recht, gewöhnlich macht man Kindern keine solche Geschenke. Dieses hatte ich jedoch längst seinem verstorbenen Vater bestimmt, und da er doch dessen Erbe ist, habe ich es gleich auf ihn übertragen lassen." lFortsetzung folgt.) 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