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Der Israelit · 1908-02-20 · Heft 8 (20.2.1908) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 8 (20.2.1908)
Date
1908-02-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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20. Februar HKK Der Israelit Seite 13. Nr 8. „Ich gehe jetzt nach Hause und Sie sitzen da vor der Welt als erster Leidtragender — und doch sage ich Ihnen, ich bin schlimmer dran als Sie - ich habe in ihm mehr verloren —" „Ich weiß es", flüsterte Gotthold gepreßt, „Sie haben ihn auch sehr gern gehabt." „Ach, was wissen Sie! — Sie haben keine Ahnung, was er mir gewesen. — Ich bin doch ein alter Mann, aber ich sage Ihnen, in meinem ganzen Leben ist mir kein Mensch so teuer gewesen, wie er, meine Tochter hat es mir oft vorgeworfen, daß ich ihn lieber habe als sie und nun, was habe ich nun?" „Sie haben Ihre liebe Tochter, Gott soll sie Ihnen gesund und leben lassen bis zu hundert Jahr und darüber", sagte Frau Doktor Beer. „Das hoffe ich auch", erwiderte er, „aber an meiner Tochter habe ich doch keine Stütze. Sie aber ", wandte er sich wieder an Gotthold, „haben an Ihrer lieben guten Frau, die Ihr herrlicher Sohn Ihnen zugeführt hat, die festeste Stütze und dann haben Sie —", er neigte sich zu ihm und fügte leise hinzu, „die Hoffnung, ihn wieder zu sehen und die habe ich auch nicht." Er richtete sich hastig auf und verließ ohne Gruß das Zimmer. Die sieben Trauertage waren vorüber und auch die vier Trauerwochen, die man die „Dreißig" nennt, in dem Befinden des kranken Kindes war noch keine Besserung eingetreten, obgleich alles, was die Aerzte anordneten, pünktlichst vollzogen wurde. Er hatte oas Bewußtsein noch nicht wieder erlangt, öffnete nur selten die Augen und die einzigen, verständlichen Worte, die man hin und wieder von ihm vernehmen konnte, waren „Papa! — lieber Papa! " Auf Wunsch beider Großväter hatte Irma die Ueberwachung der Krankenpflege beibehalten. Obgleich Malwine bereits anfing, sich ^dem Leben wieder zuzuwenden, so hatte sie sich selbst noch außerstande zu jeder ernsteren Tätigkeit erklärt. Sie fühle das Bedürfnis, ausschließlich ihrem Schmerz zu leben und der Erinnerung an ihren hehren Gatten. Sie erkundigte sich wohl einige Mal des Tages nach dem Befinden des Kranken, hatt sich auch schon einige Mal einige Minuten in seinem Zimmer aufgehalten, aber für die Dauer wäre ihr das doch nicht möglich gewesen. Und da sie ihm doch nicht helfen konnre, weshalb sollte sie sich schaden ohne ihm zu nützen? Aber Tag für Tag fuhr sie hinaus auf den Friedhof und weilte einige Zeit an dein Grabe des Heimgegangenen Gatten angeblich weinend und betend. Allmählich wich jedoch die Glut des Fiebers und eines Tages, als Irma an dem Krankenbette saß, schlug er die Augen auf und lächelte sie an, und als sie ihm einen kühlenden Trunk reichte, flüsterte er leise, aber doch so, daß sie es hörte: „Dank, liebe Großmama." Irma war überglücklich und sobald die Schwester wieder da war, eilte sie hinaus und sandte einen Boren an ihren Gatten und an den alten Schröder, die Freudennachricht ihnen mitzuteilen. Auch Malwine setzte sie davon in Kenntnis, litt jedoch nicht, daß sie das Krankenzimmer betrat, bevor die Aerzte dieses ausdrücklich gestattet hatten. Bon da an machte die Genesung rasche Fortschritte, schon nach wenigen Wochen durfte er das Bett mit dem Krankensessel vertauschen und am offenen Fenster in vollen Zügen die frische, würzige Lust einatmen, «die über den Garten hin hereinströmte. Alle Hausgenossen atmeten aus, daß die böse angstvolle Zeit vorüber, nicht am wenigsten die Mutter. Sie hatte sich zwar um den Kranken nicht gar viel geklimmert, aber immer und immer wieder die Trauermiene, mit der Zeit wird das auch langweilig. So traf es sich doch überaus schön, daß ein so glückliches Ereignis wie die Genesung ihres Sohnes nach langer' schwerer Krankheit fie, man könnte fast sagen, verpflichtete, ein heiteres Gesicht wenigstens zur Schau zu tragen. „Wie es in ihrem gramdurchwühlten Innern aussah, das brauchte Niemand zu wissen," das war ihre Lieblingsprase, mit der sie ihr näher Stehende abfertigen zu wollen schien. (Fortsetzung folgt.) 5amMe««achhcdte>. Verlobt: Clementine Stern mit Ludwig Strauß, Hungen-Frankfurt. — S. Bär mit Julius Bär» Pirmasens« Untergrombach. — Lina Meyer mit Willy Seewald» Esch« weiter (Rhld.)-Babenbausen (Hessen). — Ester Ullmannnnt Rabb. Moses Krauß. Lakenbach. — Geburten: Ein Sohn: Louis Hamburger (Spitzer). Frankfurt a. M. — Philipp Süß(Bodenheimer). Karlsruhe.— Line Tochter: Siegfried Löwen tba l (Feucktwanger), Frankfurt a. M. — Dr. M. Ascher (Erlanger). Neuchntel. — Verstorben: Leopold Jedermann» 58 I. — Frau Aron Marcus — Leopold Hch. Kaufmann. 75 I.. Frankfurt a. M. Sabbat-Anfang u. Ausgang. .Wtrn 'D ORT: Anfang Datum Ausgang UhrlMin. 1908 5768 UhrlMin. S8.Feb. 80. »bar. Frankfurt a M 5 25 6 40 Berlin .... — — ü 18 München . . . 5 80 6 25 Strakbnrg . 5 45 6 40 Stuttgart. . . 5 30 6 84 Bolen .... — — 5 59 Nürnberg . . — — 6 37 Hamburg. . . - — 6 30 Prag. — — 6 15 Für de» Reklamenteil ist die Redaktion nicht verantwörtlich r insbesondere ist es ausschließlich Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene» «mpfehlnnie» ritneller Ware» oder sonstige «»gaben rrligionSaesetz. liche« Charakters auf ihre «nverlüsstgkeit $n prüfe«. Dass kleine Ursachen grosse Wirkungen ausiösen jt W w ail V w ib V das hat die gestrige Reichstagsfitzung wieder einmal bewiesender Abgeordnete Mehlmeter hatte für seine Fraktion dte große Etateredr übernommener wacht am Morgen stockheiser auf und die Not war groß. Er schickt um die Ecke und läßt eine Schachtel Fays ächte Sodener Mineral-Pastillen holen, nimmt enen Teil sofort in heigcr Mich, nimmt den Rest mit in die Sitzung — na, und wie er dann geredet hat, das wissen Sie ja alle. Die Rede war eine politische Tat und dte ist erst durch Fays ächte Sodener möglich geworden. Man kauft solche überall für 85 Pfennig pro Schachtel, lasse sich aber keine Nachahmungen ausschwatzen. Für den Inseratenteil Ist die Redaktion nickt verantwortlich, insnesonnere ist es ansschllessucn Sache der Lesnr, die in Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen ritneller Waren oder sonstige Angaben religio »gesetzlichen Charakters auf ihre Zuverlässigkeit znprafea. Solbad Frankenhausen am KyWuser. Vorbereitung zum Eirrj.-Frw.Dienst mit erleicht. Bedingungen. Pension für Studierende der Elektrotechnik und des Maschinenbaus. Prima Referenzen. (9861 In«. R. Wotruber, Lehrer am «yffhäuser-Xechnttum. 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