Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 6 (6.2.1908)
- Date
- 1908-02-06
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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49. Jahrgang. Tr„nbh.r« - m aan 6. Februar 1908. ÄMhhirta.M.. Sen 4 naar 5668. m erscheint iebm Donmrsta^ «KmmeMe^Sr Gewöhnliche Ausgabe SSt. L60 vrerteliShrlich, HeftauSgabe auf Kmistdrmwapier Mk. L^— viervMWch^ MWMKMyff« Kr* jRjsgMiblBiio^ SttgtatbS sh., Amerika 50 ete« Wederlaad« 1^9 L> WiMEM bei all« PiHWWtrv^Hhrchheuch^MW r> « Bmm« für die sechSgespaUrm. rsioM-SE Wabatt rjach Larif. Z^erateuaumchMe «tfr;JpM>»H «MtzL», ^., _ , v «me» bet d«rS. K. P-ftftz-rkasfe «ie« »o. 7VSOS. Frankfurt a. M. und deren Filialen. ««rt* Set her «One». DtzWOiMM.M WA Neuer von vrlttrrcd. Der Autor von Bibel-Babel, Friedrich Delitzjch, hat im Berlage der Deutschen Verlags- Anstalt in Stuttgart wiederum zwei Vorträge im Druck erscheinen lassen, die seinen Standpunkt zur Weiterbildung der Religion darlegen sollen. Die Borträge, die am 6. und 13. November 1907 in der Lessing-Gesellschaft zu Berlin gehalten wurden, knüpfen offenbar an das bekannte Schreiben Kaiser Wilhelms an den Admiral Hollmann an. Sie werden zweifellos nicht das Aufsehen erregen und nicht die Zahl der Auslagen erleben, wie die Bibet-Babel-Borträge. Denn sie bieten nicht viel Neues : es ist im Wesentlichen der Standpunkt der liberalen protestantischen Theologie, verbrämt mit etwas Babylonismus, darin wiedergegeben. Wir müssen gestehen, daß wir dem in manchen jüdischen Kreisen im letzten Jahrzehnt, namentlich seit Harnacks Auftreten üblich gewordenen apologetischen Kampfe gegen die christliche Theologie nicht die Bedeutung zuerkennen, die man Hm innerhalb der neologen Judenheit beimißt. Die Gefahren, die dem geistigen Bestände des überlieferten Judentums heute drohen, kommen ja Mn allergeringsten Telle aus dem christlich-dogmatischen Lager, m' Aeaentestmit den po sitiv ge3^«KN christlichen $tmjm .Mümrisch. mJtot wiffenschasllichen Radikalismus. In der liberalen protcstgntischen Theologie aber hat disfer Radikalismus heute schon so gewaltige Eroberungen gemacht-, daß es einer besonderen Abwehr gegenüber dem t h e o l v g i sch gefärbten Radikalrsmns kaum mehr bedarf. So richtet sich denn auch unsere Mwehr gegen Delitzsch nicht gegen seine Theologie, sondern gegen fei* neu MerlieferuNgsfeindlichen, in letzter Konsequenz zur Untergrabung aller historischen Religion führenden Methode. Es ist in diesem Sinne notwendig, namentlich die Behauptungen des ersten der beiden Borträge, der sich mit dem Alten Testament und mit der jüdischen Anschauung beschäftigt, etwas eingehender zu betrachten. Der UvÄte berührt hauptsächlich Fragen der christ^ #ijfc j Rheologie, bMrnpft die Dogmen der unbe- EmPfMgMs, ider Dreieinigkeit, des Wend- und hat daher für uns weniger Interesse. , tzs kömlen wir es mit Genugtuung begrüßm) Wtznn. Delitzsch; die christologische Deutung PrMWAcher Stellen des Alten Testaments zu- MWE, und die Unmöglichkeit dieser Deutung ' d JötÖKfpetfet-er als Grundvoraussetzung eine (her chsistlWn Rekigiön „die Um- MnWn EMMüLtzriMzmvenden; denn diese Weiterbildung ist in der Tat nichts anderes als eine Umkehr, eine Umkehr nämlich zum jüdischen Monotheismus. Dagegen müssen die Aeußerungen Delitzsch's über das Judentum, die trotz aller Anerkennung in einzelnen Punkten, im ganzen eine Herabsetzung unserer Religionsanschauung bezwecken, schürf zurückgewiesen werden. Daß Delitzsch's Ansicht über das Verhältnis zwischen Bibel und Babel auch in diesen Borträgen wiederholt zum Ausdruck kömmt, kann nicht Wunder nehmen. Er hat sich in diese seine Lieblingsideen so verrannt, daß alle wissenschaftlichen Nachweise ihn darin nicht irre machen werden. So wiederholt er die von Pros. Barth und anderen Gelehrten längst widerlegte Behauptung, daß die Schöpfungserzählung der Bibel sich aufs engste anlehnt an die Gedanken der babylonischen Weisen, die „Himmel und Erde und alles was darinnen ist, genau so. aus einem finsteren, wässerigen Chaos in aufeinanderfolgenden, jedesmal fertig abgeschlossenen Schöpfungswerken durch Gottes Allmachtswort und -tat hervorgehen lassen." Aber er sucht auch den jüdischen Gottesbegriff gegenüber dem christlichen zu verkleinern, indem er behauptet, daß jener durch das Bundeszeichen der Beschneidung national beschränkt sei. Merkwürdig! Gerade bei dem .Gebot der Beschneidung, das doch nur für Abracham und seine Nachkommen Geltung haben sollte, wird diesem Stammvater die Verheißung gegeben, daß er „der Vater einer Menge von Völkern" werden, daß also der Glaube an den von ihm verkündeten einzigen Gott die weiteste Verbreitung erlangen soll. Mit dem absprechenden Urteil Delitzschs über den jüdischen Gottesbegriff vergleiche man die Aeußerung von Carl I e n t s ch, daß der Gebildete unserer Tage nur die Wahl habe zwischen dem Gott des Jesaia und dem Atheismus. Wenn Delitzsch sich den Unterschied zwischen dem jüdischen Gottesbegriff und dem des christlichen Mittelalters llar gemacht hätte, so würde er sich wohl auch nicht darüber gewundert haben, daß der Name von Christus in jüdischen Katechismen nicht einmal im geschichtlichen Teile erwähnt wird, „obwohl er dem jüdischen Volke mit brennender Liebe ergeben war." Und wenn auch er selber gewiß an den Taten seiner Verehrer keinen Antell hätte haben wollen, so wurden eben doch in seinem Namen und ihm zu Ehren die furchtbarsten Grausamkellen gegen "das jüdische Volk tzerübt. Bor allem aber verbietet es dem jüdischen Schriftsteller schon das einfachste T a k tg efü hl ) sich — nmnentlich ist einem Schulbüche — über eine Persönlichkeit zu äußern die hon Millionen glaubenstreuch Meisten doch mll WMMMWM ' wird, als dies bei Delitzsch selbst der Fall ist. Mit besonderer Ausführlichkeit verbreitet /sich Delitzsch auch über den angeblichen Gegertsatz zwischen Priestertum und Prophetetttum in der jüdischen Geschichte. Nach bekannter Manier wird behauptet, die Priester hätten geglaubt, „den durch Verschuldung des Einzelnen oder des Volkes erregten göttlichen Zorn düM das Mut der Opfertiere und den Geruch ihkes '^ettdampses versöhnen, beruhigen zu können", wahrend, doch jeder Kenner des Judentums weiß, daß die Opfer lediglich den Charakter eines Symbols haben, und daß sie ohne Buße und Rückkehr wertlos sind. Unentwegt wird auch gesagt, dis Propheten hätten sich nicht nur gegen den Mißbrauch des Opfers, sondern auch gegen das Opfer überhaupt gewendet, obwohl zahlreiche Stellen das Gegenteil beweisen. Nur mit Widerstreben wiederholt man es immer und immer wieder, daß die Propheten die äußere Gottesverehrüng nm deshalb bekämpften, well, die unumgänglich notwendige wahrhaft fromme Gesinnung däöei fehlte. Sonderbar mutet es auch an, wenn die Stelle Micha 6, 6—8 (Er hat dir verkündet, 0 Mensch, tvas gut ist u.s.w.) angeführt und dann doch behauptet wird, so wie in der Bergpredigt würde niemals wieder der Menschheit die Fülle ihrer sittlich-religiösen Pflichten vor Augen gehalten werden. Auch die Auserwähltheitsidee, ^ie nur bei einem Nakiormlgott verständlich sej, wird als etwas religiös Minderwertiges hingestellt. Aber gerade die Bestrebungen,, das'Christentum im Sinne eines ratteren Monotheismus weiterzubllden, zeigen uns, daß. die Aufgabe Israels, den Glauben an einen einzigen Gott ungetrübt zu erhalten, (und das ist em wesentliches Moment der Auserwähltheit) noch lauge Nicht erfüllt ist. Für Israel besteht allerdings Vas Endziel nicht bloß darin, „daß alle Völker einmütig den Allvater verherrlich», einander brüderlich lieben und durch Bruderliebe, Gottesfurcht und Tugend glücklich sein werden", sondern auch in der Anerkennung des Gottesgesetzes, in der Wiederaufrichtung Jerusalems und der Zurückführung Israels. Delitzsch zitiert jene Definition . „mit Befriedigung" aus dem Religionsüuch des Reformrabbiners Herxheimer, wie er auch Leopold Stein, den Eides Helfer der Schächtgegnör, als Gewährsmann dafür anfühxt ,daß der Opferdienst nur eine niedrige Art der Gottesverehrung darstelle." Mer Stein steht in der Tat dem unitarischen Christentum näher^als dem Judentum. Delitzsch meint resümierend, die Wettgeschichte und damit das Weltgericht hätten zum messianischen Wirken Christus' ihr Ja und Amen gesprochen. Wer die welterobernde Macht des väiiiyrLr 1