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Der Israelit · 1908-01-23 · Heft 4 (23.1.1908) · page 16

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 4 (23.1.1908)
Date
1908-01-23
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Der JSraettt. Nr. 4 28. Januar 1808. Seite 14. " 11' — ■ J'i i 'ini, . i r- —: ■! ", .'■■■! I I;'I'MJ J|; i j —. „Wenn ich Dir aus vollem Herzen verzeihen soll", sagte er dann, „so müßte ich eigentlich darauf bestehen, daß Du meinen schwer gekrankten Vater um Verzeihung bittest" — „Du sollst sehen, daß ich alles wieder gnt machen werde. Dann wirst Du mich aber auch wieder lieb haben. Nicht wahr?" Er nickte ihr lächelnd zu und entfernte sich. Als Gotthold Abends zu seiner Braut kam, ward er durch die Mitteilung, daß sein Sohn und seine Schwiegertochter sie besucht und ihr die herzlichsten Glückwünsche ausgesprochen hatten, ebenso erfreut als überrascht. Jetzt war alles gut, denn Irma war durch das gesellschaftlich geschulte Wesen der jungen Frau angenehm berührt. Theodor hatte richtig vorausgesehen. Die Verbindung seines Vaters mit der Nichte des israelitischen Seelsorgers erregte allgemeine Sympathie. Und man sah es beiden an, daß sie sich glücklich fühlten. * * * Zehn Jahre waren verstrichen, waren dahingerauscht in dem Strom der Zeiten. Gotthold hatte sein dreiundsechzigstes Jahr bereits vollendet, doch wer ibn nicht kannte, hielt ihn höchstens für in der Mitte der Vierzig stehend - auch seine Frau schien nicht älter gewoÄen zu sein, nur an ihrem mehr und mehr Heranwachsenden Töchterchen gewahrten sie es. daß die Jahre dahin schwanden. Aber Theodor war alt geworden, sehr sehr alt, Malwine behauptete, er sähe älter aus als sein Vater. Das war nun freilich nicht der Fall, aber jünger als sein Vater sah er keineswegs aus. Sie liebte ihn noch immer in ihrer Art, aber ihre Art war wenig beglückend, es schmerzte sie ihn leiden zu sehen, und doch konnte sie sich nicht dazu , aufraffen um seinetwillen ihre Launen zu unterdrücken, seinen berechtigten Wünschen zu entsprechen. Der Sanitätsrat hatte es ihr schon vor einigen Jahren geradezu erklärt, daß sie nicht schuldlos wäre an dem vorzeitigen Altern des tatsächlich noch jungen Mannes. Sie hatte ihn himmelhoch gebeten, -och alles aufzubieten, die sichtlich dahinschwindende Jugendfrische ihres Gatten aufzuhalten. Schweigend hatte er sie angehört, kopfschüttelnd blickte er auf die faszinierend schöne rothaarige Frau. „Ist es Ihnen in Wirklichkeit Ernst mit Ihren Klagen, gnädige Frau?" „Herr Sanitätsrat, welche Frage! — handelt es sich doch um meinen Gatten, um meinen über alles geliebten Gatten." „Daß es sich um Ihren Gatten handelt, das weiß ich — daß es sich jedoch um Ihren über alles geliebten Gatten handelt — das habe ich nicht gewußt," fügte er halblaut hinzu. Sie fuhr zurück, als hätte eine Natter sie gebissen. „Herr Sanitätsrat, Sie werden bebeleidigend." „Verzeihung, gnädige Frau, Sie haben mich aufgefordert, dem Hinschwinden der Jugendfrische Ihres Herrn Gemahls Einhalt zu tun, haben mich gefragt, woher es kommt, daß er beinahe äl er aussieht, als sein Vater. Darauf hin halte ich mich verpflichtet, alle Höflichkeitsphrasen bei Seite zu lassen, Ihnen offen zu sagen, wie ich darüber denke. Wenn Sie das als Beleidigung betrachten" — „Aber nein, wie werde ich denn das als Beleidigung betrachten! — Aber Ihre Bemerkung, daß sie nicht gewußt haben — ich bringe es nicht über die Lippen." Sie blickte grollend vor sich nieder, sonst hätte sie vermutlich das spöttische Lächeln gewahrt, das um-die Lippen des langjährigen Hausarztes zuckte und hätte das als abermalige Beleidigung gerügt. „Also gnädige Frau, ohne mich bei Einzelheiten aufzuhalten, kann ich nur versichern, daß alles, was von ärztlicher Seite znr Festigung der Gesundheit und Frische Ihres Herrn Gemahls geschehen konnte, geschehen ist und noch geschieht."; „Mit großartigem Erfolg," fiel siespöttelnd ein. „Ja du lieber Gott! die Aerzte haben eS nur mit der Krankheit zu tun und mit der Konstitution des Kranken, seinen persönlichen Verhältnissen gegenüber sind sie machtlos." „Ich möchte doch wissen, was Sie gegen die persönlichen Verhältnisse meines Mannes einzuwenden hätten?" „Das soll ich Ihnen sagen, gnädige Frau?" Wieder zuckte es eigen um seine Mundwinkel, „Also sei's drum — Ihr Herr Gemahl, gnädige Frau, gehört zu den beliebtesten Persönlichkeiten der Stadt, sein eifriges selbstloses Streben und Wirken für alles Humanitäre, wird von Keinem übertroffen, und sichert ihm die Hochschätzung aller, es ist daher begreiflich, daß man auch in weitern Kreisen mit seiner Persönlichkeit und seinen persönlichen Verhältnissen sich beschäftigt. So war auch gestern in einer Gesellschaft, der ich beiwohnte, von chm die Rede und Jemand sprach das aufrichtige Bedauern aus, daß der treffliche Mann sichtlich dahin schwinde, und stellte die Frage, was wohl die Ursache dieses vorzeitigeu Verfalls. Darauf entgegnete ein Anderer lachend: iherehez la femme, während Frau Louis Gotthold nur darauf sinnt den Gatten zu beglücken, scheint Frau Theodor Gotthold mehr auf das Gegenteil zu sinnen." Ein schlecht unterdrückter Zorneslaut entfuhr den Lippen der schwer getroffenen Frau. „Und was haben Sie darauf erwidert?" Er zuckte die Achseln. „Was hätte ich darauf erwidern sollen? Daß Herr Gotthold schwer leidend ist, sieht jeder Laie, edle Teile sind angegriffen und als sein Arzt bin ich verpflichtet, darauf aufmerksam zu machen, daß gegenüber einem derartig Leidenden jede Aufregung und jedes unfreundliche Wort Gift sein kann —. gnädige Frau, ich wiederhole, Gift" — _(Fortsetzung folgt.) Für den Reklameutetl ttt die Redaktion nicht nennt** wörtlich r insbesondere ist es ansschlieftttch Sache der Leser, die im Reklameteil enthaltene« Empfehlungen ritueller Ware« oder sonstige Anaabe« rettgionsaesetz« liche» Charakters ans ihre Znverlüfstgkeit zu prüfe». W w je w t auch wenn es kalt ist. Aber wickelt ste nicht nur warm ein sorgt auch dafür, daß die Schleimlöute des Halses nicht affiztett werden baß die kinder sich nicht totz der warmen Einhüllung erkälten. 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