Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 4 (23.1.1908)
- Date
- 1908-01-23
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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38 Januar 1908 Seite 13 Nr. 4. tentge Grad Von G se> Mäßigkeit und All gemein gülttgkeit aufrecht zu erhalten sei, d« r nach S bletnuna der Notwendigkeit für das physische Geschehen noch verbleibt. Bon einer vollständigen Bestimmtheit irgendwelcher seelischer T tsachen durch psychische Gesetze kann heute keine Rede sein, wir kennen nur Aebnltchkeiten gewisser Taisachenfolgen und kein einziges einbeiniges „Gesetz" im populären, noch weniger im wtffenschaf lichen Sinne. Diese bescheidene Einsicht eines ernsten Forschers, die das rüstige Weiterstre en keineswegs zu lähmen braucht, ist gleich der ganzen Schrift auch vom religiösen Standpunkte außerordentlich lehrreich für uns. Sie beweist aufs neue die Relativität des wissenschaftlichen Ertennens, zeigt an einem klassischen Beispiele, wie durch neue Fragestellungen die auf L.ben unc> Tob durchgefochlenen Probleme vergangener Geschlechter in nichts anfgelöst werden, und wie wenig Ursache wir darum haben, jede neu auftauchende Theorie als der Weisheit letzten Schluß zu ve ehren. Wir wünschen dem Buche zahlreiche aufmerksame Lesr. —m. Das Judentum und das Wesen des Chr1'i»ntums. Vergleichende Studien vonRabbner Dr. Joseph Eschelbacher. Zweite Auslage. Berlin 1908. M. Poppeiauer. 16« S Mit Freuden begrüßen w r die zweite Auflage des Werkes, te en Trefflichkeit und Gediegenheit allgemein anerkannt ist. Der geistvollen Sä rist kommt ein hervorragender apologetischer Wert zu. Moderne, aktuelle Protz eme find es, die darin behandelt werden. Muß roch die Apologetik ihre Fro t immer nach der Seite richte», von der aus der Angriff erfolgr. Die gewaltigen Wandlungen, die im Geistesleben der Menschheit eing^ treten sind, haben dem Apologeten oder, wie Maimonides ihn nennt, dem „Führer der Irrenden" neue Aufgaben zuerteilt. Die Probleme find in sie em Fluffe begriffen. Für manche Fragen, welche einst die Vergangenheit tief erregten, hat die Gegenwart keinen Sinn mehrandere sind ans der Strömung aufgetaucht, welche der Vergangenheit fernlagen. So stellt jede neue Zeit den Verteidigern des Judentums neue Ziele. Eichelbacher hat diesen Tatsachen Rechnung getragen und hat den ganzen Komplex von Fragen, welche sich aus den gegen das Judentum gerichteten Angriffen christl cher Theologen, an ih.er Spitze Harnack, ergeben, zum Gegenstände seiner Untersuchungen gemacht. In tief eindringender, lichtvoller Weise zeigt er, welcher Anteil dem Judentum an den Ideen zi kommt, deren Bringer das Christentum zu sein behauptet. Der Wesensinhalt der jüdischen Religion wird in plastischer Form zum Auduck gebracht und dargestellt. Mit souveräner Beherrschung der weilschichtigen Literatur dringt Eschelbacher bis zu den Tiefen des Problems vor und setzt mit klarer, vornehmer Sachlichkeit auseinander, was die Menschheit an religiösen und geistigen Gütern dem Judentum verdankt, wie die höchsten Erkenntnisse und die ew'gen Ziele der Religion zuerst im Judentum aufestellt wurden, und wie dieses die Quelle ist, aus der ie herrschenden Religionen getränkt und erneuert wurden. Besonders bemerkenswert sind unter anderem die Partien des Buches, in welchen der Berfaffer die Jrrtümer beleuchtet, in denen die christlichen H storiker und Theologen bet der Beurteilung des jüdischen Gesetzes befangen find. Die Lektüre des Werkes ist genußreich und anziehend. Trotz seines streng wissenschaftlichen Charakters ist es leicht, flüssig und packend geschrieben. Der warme Ton Der Israel i. eines Herzens, das von tiefer Liebe zum alten Judentum erfüllt ist, klingt durch die ganze Schrift. Mit Kraft und Milde zug eich, mir den starken und edlen Waffen der Wahrheit und Weish it wehrt der Be. fasser die - ngriffe ab und handhabt, gleich den einstigen Verteidigern Jerus lems, neben dem Schwere auch de Kelle, um den Gedankenbau des Judentums in seiner wahren unvergänglichen Größe darzustellen. Möchte das Buch in dem neue» Gewände so zahlreiche neue Leser finden, wie es verdient! Kaatz. Hebräische Melodien. Eine Anthologie. Herausgegeben von Dr. Julius Moses. Berlin Leipzig 1907. Modernes Verlage bureau Curt Wigand. Das Buch giebt eine reiche Auswahl von lyrischen Schöpfungen jüdischer und nichtjüdischer Dichter, die sich an der Behandlung jüdischer Sioffe versucht haben. Als Materialiensammlun^ für jüdische Vereine, die ja immer auf der Suche nach Boitragsp ecen sind, dürfte das Buch viel Anklang finden. Freilich muffen sie b. i der Benutzung mehr Borst t Walt n lasten, als es der Verfasser selbst geian hat. Wie es dieser vor seinem Gewissen verantworten konnte, ein Gedicht w e das von Michael B er „Der fromme Rabbt", die empörendste und innerlich Verlage nie Höhnu g des jüdischen Gesetzes, in eine „jü tsche" Gedichtsammlung aufzunehmen, ist uns unerfindlich. Der budh ftische Katechismus von Henry S. O l k o t t, übersetzt von Dr. Erich Bischofs. Leipzig. Th. Grieben. VII und 151 S. In einer Zeit, die immer mehr Jntereffe gewinnt an der eigenartgen budh sttschen Philosophie — mehr als an der budhtstischen Religion — ist es ein anerkennenswertes Verdienst Bische ffs uns in seiner morgenländischen Bücherei mit vorliegendem Werk als einer autorisierten Uebersepung Olkolts (Präfide. t der Theosophischen Gesellschaft za Madras) zu zeigen, wie sich eur Päische Menschen den Buddhimus als Theosophie zurechtlegten, um hier ein Ziel für die Se nsucht naä, Idealen zu finden, die überall als Reaktion gegen den Materialismus auftritt. E. Exegetische MIseellea. Daß das Wort D'lWDm in dem verflossenen Thoraabschnitt „zum Kampf gerüstet" bedeutet, ist aus allen Thorastellen Jos. 1, 14- 4, 12 u. s. klar ersichtlich. Aber die Ableitung bleibt, wie dies im Kommentar von Rabb. Hirsch y'sr besonders hervorgehen wird, sehr schwierig. Die meisten gehen auf die Zahlbedeutnng des Wortes zurück: pr *3 '13 /183» Et212 "in« oder sie nehmen, well Sam. II, 1, 23- 3, 27 mit fl?oin diejenige Stelle am Körper bezeichnet wird, wohin ma» rötliche Streiche zu führen pfle .te, an, an jene Stelle (nach Sanhedrtn 49 a i ie fünfte Rippe) sei auch das Schwert ges ° nallt worden und d her 2^121 Ausdruck für gewaffnet. „Man hätte jedoch aus diesem Grunde eher glauben sollen — wendet hiegegen Hirsch yifl mit Recht ein — man habe diese Stelle durch . anzerung schützen m ffen." Bei d eser Sä wteriakeit dürfte nachfolgende Erklärung, weiche die alte Ableitung beibehält, nicht unangemessen erscheinen. Die a te Lagerordnung hatte bekanntlich die Form eines Vierecks (carrö), bestand also, da das Gepäck, die Frauen, Kinder und Begleitmannichafien sich in der Mitte befanden, aus fünf Haufe i oder Abteilungen. Diese Form der Lagerung wur e später 4 M. Kap. 2 dauernd festgelegt und n ch der durch die Worte p ypp 12D’’ das. B. 17 gestützten Ansicht R. Chama b ChamnaS in» Jeruschalmi Erubin 5, 1 auch auf dem Marsche beibehattcn: P2?1v VI 13313- Demnach wurde kampfbereit in fünf Kolo, nen marschiert — rechts, links, vorn, hinten und eine in der Mitte — und 2121211 könnte paffend diese Fünft, ilung, in welcher sich die Israeliten beim Auszuge hielten, bezeichnen. Daß unfe-e Väter, die bis dahin nur zu gemein m Fröhnd enst verwendet worden find, sich zu diese» kriegsrechnischen Ordnungen verstanden haben, ist freilich wunderb rmit Bezug hierauf wird auch im Midrasch (Ans. pi^3 und zu tf'nw 4,13) bewert: D'HaywD 2ns23 ^«1EV V1ED -p by d-oii 2i«iv pai □’nüo wa □■üikd vi a^abi '111281 2'P313 □""öd iy>nni 2'2pv3 dvi n^a wi 1283 "p*> 133182 ^JOEn »aa dm unto '3> Wie hier aus den Worten crn D^in auf festgefügte Ordnung und Gesetzmäßigkeit geschloffen wirb, so ergibt sich dies noch deuiltcher aus der Ausdrucksweise des Verses 20 ^OEM .13112 P31 2132 1312 f3 «31/ vergleiche 5. M. 23, 10 n3n2 «31 »3/ dag hier von emem nach krtegstechnischen Grundlätzen geregelten Zug die Rede ist, welcher, wie wir ausgeft.hrt die fünstettipe Marschkolonne be ingte. Daher 2'V1211 #n Kampf gerüget". Ich bemerke soeben, daß schon R. Abraham Saba in fernem non 1113 schreibt: *]113 2'E1211 ninn /-6 mi2Et2 'i i^ Ek'Ek 121^ -jimn 1312 2»yp3 21TO13 folEI VI Dl 23283 1EM 1« "J^DIl 7131 121 T3 1T1 23283 2"l!?11 s1811 11111 Hier ist also schon das Wesentliche der oben gegebenen Erklärun i angedeutet. Bei dieser G legenhett können wir die Bemerkung nicht Unterlasten, daß sich in alten Schriftwerken, wie e"13 und ätmlichen, wiewohl ihr Hauptzweck die moralische Lehrbetrachtung ist, gleichsam so nebenbei Ausführungen eingestreut finden, die köstliche Funde auch für eine rationelle Exegese sind. So macht der vorerwähnte Autor an der angeführten Stelle zu dem Worte 1' in der Bedeutung „Fahnenstange" einige nur so gelegentlich hingeworfene Bemerkungen, welche den so überaus schwierigen Satz 18, 16: pp 03 i?2 T »3 in ganz neue, überaus zutreffende Beleuchtung rücken. Wir geben!en auf diese so wenig gewertete exegettsche und halachische Ausbeute in den der Moralberrachtung gewidmeten älteren Schriftwerken noch einmal ausführlich zurückzukommen. Fürth. Dr. D. Der Enkel. euilleton. Erzählung von Friedrich Rott. 23 (Fortsetzung.) „Guten Morgen meine Herrschaften l Na wie gehts? wie stehts? und wo fehlts denn?" „Das wissen wir selbst nicht", versetzte Theodor, der dem Eintretenden entgegengegangen war und ihm lachend die Hand reichte, „das wollten wir, oder vielmehr das wollte meine Frau von dem Herrn Sanitätsrat hören." „Also um Sie handelt es sich, Herr Gotthold? — Ja, potz'tausend, lieber Freund, was haben Sie denn angestellt? Sie haben ja die Gelbsucht in optima korma." „Die Gelbsucht?" fragten Theodor und Malwine gleichzeitig. „Nun ja, freilich, was denn sonst?" — Der alte Herr schüttelte wiederholt den Kopf. „Das hätte ich Ihnen nicht zugetraut, Herr Gotthold, das nicht." „Aber um Himmelswillen!" — „Lasten Sie doch den Himmel in Ruhe. Sehen Sie, Herr Gotthold, ich habe Sie gekannt als Sie nicht älter waren wie Ihr Söhnchen, da glaube ich mir doch wohl ein offenes Wort gestatten zu dürfen." „Gewiß dürfen Sie sich ein offenes Wort gestatten, Herr Sanitätsrat, ich bitte sogar darum, denn ich begreife nicht" — , Aber warum wollen Sie denn nicht begreifen, was doch schon Stadtgespräch ist, daß sich nämlich Ihr Herr Vater verlobt hat." „Daß sich mein Vater verlobt hat, das begreife ich nur all zu gut, aber wie das zu meiner Gelbsucht kommt" — „Hergott im Himmel, sind Sie aber begriffsstutzig! daß in den sogenannten besseren Kreisen, oder nennen wir es lieber beim richtigen Namen, daß es also bei den Reichen gewöhnlich ist, daß die erwachsenen Kinder sich ärgern, wenn der verwittwete Vater sich wieder verheiratet, das war mir wohlbekannt, aber von Ihnen hätte ich's nicht für möglich gehalten, ich habe Ihnen mehr idealen Sinn zugetraut, als der großen Menge — Und nun haben Sie sich dermaßen darüber eärgert, daß sich Ihre Galle in's Blut ergossen at!" Theodor lachte. „Ihre Diagnose in Ehren, Herr Sanitätsrat, aber im Irrtum sind Sie doch. Ich habe mich keineswegs über die Verlobung meines Vaters geärgert, im Gegenteil, wenn Sie meinen Vater oder Herrn Doktor Schwarz sprechen, so werden Sie vielleicht auch von ihnen hören, daß ich auf Wunsch meines Vaters die betreffende Dame zuerst kennen gelernt habe —" „So habe ich Sie doch richtig taxiert", sagte der Sanitätsrat, „aber geärgert haben Sie sich doch, nur haben Sie Ihrem Aerger keinen Einfluß auf ihr Tun gestattet und deshalb spreche ich Ihnen meine doppelte Hochachtung aus." „Bedaure, mich mit der einfachen begnügen zu müssen, die doppelte kann ich nicht akzeptteren, denn ich wiederhole, ich habe mich keineswegs darüber geärgert." „Aber die Gelbsucht haben Sie doch, davon müssen wir Sie jetzt vor allem kurieren." Er traf seine Anordnungen, dann entfernte er sich Theodor begleitete ihn bis zur Stiege, dann griff er nach seinem Hute, um sich in's Geschäft zu begeben. Aber Malwine ließ ihn noch nicht fort, laut schluchzend fiel sie ihm um den Hals und klagte sich an, seine Krankheit verschuldet zu haben. Er blickte einige Augenblicke schweigend in ihr erregtes Angesicht.