Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 49 (1908)
- Issue
- Heft 2 (9.1.1908)
- Date
- 1908-01-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sii e 6 Nr. 2 Der Israelit. 9. Januar 1908 Ltfc-Cr. Korrespondenzen und Nachrichten. Deutsrhes Meictz. Zweiter veleglertentsg Ses verbsnSss Ser SabbatkkreunSe. (Ausführlicher Bericht.) Berlin, 1. Januar. Am 25. Dezember 1907 tagte in Berlin im großen Sitzungssaale der Jüdischen Gemeinde der 2. Deleaiertentag des Verbandes der Sabbathfreunde. Von den vorhandenen 90 Ortsgruppen hatten 50 Delegierte entsandt, außerdem hatten sich aber auch noch Mitglieder in reicher Zahl eingefunden. So bot die Jahresversammlung ein imposantes Bild und die sechsstündige Versammlung bewies, welch reiche Fülle von Arbeitsmaterial dem Verbände jahraus, jahrein in seiner Wirksamkeit für die Heilighaltung des Sabbath erwächst und wie er es in der kurzen Zeit seines Bestehens verstanden hat, alle beteiligten Kreise zu tätiger Mitarbeit auf* zurufen. In seinem Jahresberichte konnte der Berbandsvorsitzende und Leiter der Versammlung, Dr. Ed. Biberfeld-Berlin, mit Befriedigung von den erzielten Erfolgen in Sachen der Sonntagsruhegesetzgebung Kenntnis geben. Wenn auch durch die soeben hervorgetretene Novelle zur reichsgefetzlichen Regelung der Sonntagsruhe- Gesetzgebung eine Aenderung in der seither eingeschlagenen Taktik notwendig werde, so sei immerhin der Nachweis erbracht, daß die Berufung auf das Religionsgesetz der Sabbathheiligung bei den Behörden Beachtung und Anerkennung finde. Ferner habe sich deutlich erwiesen, wie vlit der Sabbathtreue die Treue Egen die übrigen Pflichtgebote eng verknüpft ist. Die vom Verbände den Ortsgruppen gegebene Anregung, dem Thorastudium besonders in den Sabbathstunden Förderung angedeihen zu lasten, ist an mehreren Plätzen durch Einrichtung entsprechender Lehrvorträge stattgegeben worden, auch konnten unter Subventionierung seitens des Verbandes Jünglinasheime geschaffen werden, durch welche die sabbathhaltende Jugend vor den schädlichen Einflüssen des Wirtshausbesuches bewahrt wird und Gelegenheit zu weiterer Fortbildung findet. Die agitatorische Arbeit, der sich insbesondere einige Mitglieder der Frankfurter Ortsgruppe unterzoghatten, zeitigte gute Früchte. Die Mitgliederzahl wurde durch die Neugründung von 40 Ortsgruppen auf über 4000 gehoben. Der Kassenbericht bilanziert mit einer Einnahme und Ausgabe in Höhe von 5000 Mk. Herr Jakob Rosenheim begrüßte die Versammlung namens des Vorstandes der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" und wies in herzlichen Worten auf das glückliche Zusammenwirken beider Körperschaften in den sie beide berührenden Fragen bezüglich der Sabbathheiligung hin. Nach Genehmigung des Verbandsberichtes wurde zu den Berichten der Kommissronen übergegangen, bei welchen insbesondere das Referat über die Errichtung eines Kreditinstituts im Vordergrund des Interesses stand. Herr Moritz A. Loeb legte im Namen des im Vorjahre eingesetzten Ausschusses einen in 68 Paragraphen ausgearbeiteten vollständigen Entwurf vor. Das Institut soll in Form einer GenMenschaft m. b. H. begründet werden und die Firma „Darlehenskasse der Sabbathfreunde Gen. m. b. H." führen. Der Referent begründete eingehend die Hauptpunkte des Entwurfes, der bei richtiger Durchführung für die Sache des Sabbaths einen großen Fortschritt bedeuten würde. Nach längerer Debatte nahm dann die Versammlung folgende Resolution an: Der Delegiertentag begrüßt freudig die Errichtung eines Kreditinstitutes zur Förderung der Heiligung des Sabbaths und fordert die Ortsgruppen, wie auch die einzelnen Mitglieder auf, für den Ausbau dieser Organisation auf das kräftigste einzutreten. Es wurden dann auch innerhalb der Verfammlung eine Anzahl Anteilscheine für das Unternehmen gezeichnet. Die Versammlung beschäftigt sich nunmehr eingehend mit der durch den Erlaß des Reichsamts des Innern bezüglich der Sonntagsruhe geschaffenen Situation und beschließt ein gleichmäßiges, einmütiges Vorgehen sämtlicher in Betracht kommender jüdischer Körperschaften unter Führung des „Verbandes der Sabbathfreunde" in dieser Frage anzubahnen. Den Bericht über die Tätigkeit der „Jüdischen Brockensammlung Peah" erstattete der Kurator Dr. Arthur Kahn. Der Referent wies besonders darauf hin, daß dieses Institut sich von dssn nichtjüdifchen Brockensammlungen darin unterscheidet, daß sein Hauptbestreben nicht auf die Beschaffung billigen Hausrates, sondern in der Hauptsache aus Beschäftigung solcher jüdischer Leute gerichtet ist, die den Sabbath halten wollen und für die sich anderwärts momentan keine Beschäftigung findet. Das Berliner Beispiel hat schon durch Gründung einer „Peah" in Breslau Nachahmung gefunden. In der Berliner Peah werden schon jetzt durchschnittlich 600 Mk. monatlich für Arbeitslöhne verausgabt. Diese Beträge werden aus Veräußerung der bei der Peah eingehenden Gegenstände, Materialienreste und Hausratsstücke erzielt, obwohl bei der Veräußerung von noch brauchbaren in eigener Werkstatt reparierten Objekten an bedürftige Käufer oder an die Beschäftigten selbst keine höheren Preise genommen werden als von ähnlichen Instituten. Die vorliegenden Anträge der Ortsgruppen beschäftigten sich in der Hauptsache mit Statutenänderungsvorschlägen und Anregungen betreffs der Stellenvermittlung. Von ihnen wurde nur der Antrag wegen Erhöhung des Jahresbeitrags auf 2 Mark zur Debatte gestellt und auch angenommen. Die übrigen Anträge wurden den entsprechenden Kommissionen zur Beratung überwiesen. Nach erfolgter Dechargeerteilung auf Antrag der Revisoren wird der seitherige geschäftsführende Ausschuß per Akklamation wiedergewählt. Er besteht aus den Herren Dr. Biberfeld, Plachta, Lazarus, Gradenwitz und Neuberger. Als Tagungsort des nächsten, dritten Delegiertentages wird Frankfurt a. M. bestimmt. Den Teilnehmern an der Tagung war als Erinnerungsgabe eine geschmackvolle Sammelmappe für die Zeitschrift „Der Sabbath" übergeben worden, die außer der Tagesordnungauch noch Anregungen für die Tätigkeit der Ortsgruppen, sowie den Abbdruck eines von dem Kunstmaler Hermann Struck für die Peah entworfenen künstlerischen Plakats enthält. J)er Bun9 aeseöesfreuer iQOifdler aJugendnereine. (AusführlicherZBericht.) Berlin, 31. Dezember. Gleichzeitig mit den beiden großen in Berlin stattgehabten Bereinstagen der vergangenen Woche vollzog sich die Konstituirung eines Verbandes, dessen Wichtigkeit für das gesetzestreue Judentum um so weniger zu unterschätzen ist, als er diejenigen Elemente in sich zusammenschließt, auf welchen unsere ganze Hoffnung ruht, jenen Teil unserer Glaubensgenossen, der über die Zukunft des gesetzestreuen Judentums zu entscheiden haben 1 wird: unsere Jugend. Seit vielen Monaten waren die größtenteils von Perlin aus geleiteten setzestreue Studenten im „Bunde jüdischer Akademiker" vereinigt, um den Zusammenschluß der akademischen jüdischen Jugend zur Pflege echt jüdischen Geistes und jüdischer Wissenschaft zu fördern, allein der übrigen gesetzestreuen Jugend, die doch den weitaus größeren Teil bildet, fehlte bisher ein solches Band, das die Beziehungen Gleichgesinnter enger zu knüpfen und die religiöse Lebensanschauung zu stützen und zu stärken geeignet ist. Daher war zunächst an die verschiedenen vereinzelt dastehenden jüdischer Lernvereine, deren engste Fühlung mit den gesetzestreuen juugen Kaufleuten bekannt ist, die Anfrage ergangen, welche Stellung sie der Frage der Gründung eines Bundes der gesetzestreuen Lernvereine gegenüber einnähmen. Die Rundfrage hatte das Ergebnis, daß von allen Seiten die Gründung eines derartigen Verbandes mit Freuden begrüßt wurde, von dessen Wirksamkeit man eine Stützung und Mehrung der Lernvereine erhoffte.' Es war eine große Arbeit, der sich der Berliner „Montefiore"-Verein unterzog, als er für den 24. Dezember die konstituirende Versammlung vorbereitete, aber der Erfolg blieb nicht aus. War schon der Zeitpunkt ein überaus günstiger, da sich Vertreter der gesamten gesetzestreuen deutschen Judenheit in Berlin anwesend fanden, so war der Eifer, von dem die Delegierten der verschiedenen auswärtigen Lernvercine beseelt waren, gleichfalls ein gutes Omen für das Zustandekommen des großen Vorhabens. Nicht weniger als 22 Vereine hatten die konstituirende Versammlung beschickt. Es waren dies: der Montefiore-Berein in Berlin, die Mekor- Chajim-Vereine in Hamburg, München und Leipzig, der Machsike-Thora-Verein in Breslau, die Talmud-Thora-Vereine in Köln und Zürich, der Tiphereth-Bachur im Verein in Frankfurt, die Chewraß-Bachurim in Nürnberg, der Kium-Emmuno in Straßburg, der jüdische Jugendbund in Basel, die Chinnuch-Neorim-Vereine in Karlsruhe und Jchenhausen, der Leschaun-Limudim in Posen, die Haschkomoh-Chcwro in Lübeck, der Behrendt- Lehmann-Verein in . Halberstadt und der Ez- Chajim in Kitzingen. Schriftlich hatten ihren Beitritt zu dem zu begründenden Verbände der Mekor-Chajim in Frankfurt, die Aurach-Chajim- Vereine in Würzburg und Fulda, der Ohawe- Thora in Fürth und der Tiphereth-Bachurim in Memel erklärt, sodaß von vornherein in der Tat mit einer Gesamtvertretung der gesetzestreuen jüdischen Jugend Deutschlands und der Schweiz zu rechnen war. So erfolgte denn einstimmig die Konstituirung unter dem Namen „Bund gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine", dessen Zweck aus dem § 2 der inzwischen bereits vorbereiteten und von einer im Laufe des Abends ernannten Statutenkommiffion nochmals redigierten Satzungen hervorgeht: „Der Bund gesetzestreuer jüdischer Jugendvereine erstrebt die Zusammenfassung aller jüdischen Lernvereine, dir auf dem Boden des gesetzestreuen Judentums stehen, und bezweckt die ideelle und materielle Stärkung derselben. Im Besonderen soll der Bund daS Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und eine Vertretung der gesamten gesetzestreuen Jugend darstellen." Die Beratungen wurden am nächsten Tage fortgesetzt, und es erfolgte alsdann die endgültige Annahme des Statuts. Zum Verbanosorgan wurde der „Sabbath" erhoben. Gleichzeitig wurde eine Anzahl Komissionen ernannt, welche die weitere praktische Tätigkeit zu bewerkstelligen haben, wie die Presse-, die Bücher¬ und Propagandakommiffion. Späterhin erfolgte die Wahl des Präsidialvereins, zu dem der Hamburger „Mekor-Chajim" bestimmt wurde. Herr Edmund Levy-Berlin, Auguststraße 84, der bis zur. Stunde noch die gesamten Geschäfte des Bundes besorgt, ist zu jeder weiteren Auskunft gerne bereit. Auch sind durch ihn die Bundessatzungen erhältlich. Wir wünschen dieser jüngsten Orga-- ation der gesetzestreuen jüdischen Jugend von Herzen Glück aufihren Weg und _stäkst,!*_>,