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Der Israelit · 1908-01-02 · Heft 1 (2.1.1908) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
49 (1908)
Issue
Heft 1 (2.1.1908)
Date
1908-01-02
Page
– (sequence 1)
Language
German
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m Bb Ctntralorjas fflrdas vtMne Jifenfu i lt|rliief m DrlLekiiii h üb« 2. Januar1908. 49. Jahrgang. Sranhfurf a. 1TI., den 28 Tebelh 3gbS M*. Der JSraelit erscheint jeden Donnerstag. Abonnements: Gewöhnliche Ausgabe Mk. ILO vierteljährlich, HeftauSgabe auf KunfWruchiapier Ml. 3.— vierteljährlich. (Auslandspreise für die rn gewöhnliche Ausgabe: Oesterreich'Unga S Kr„ Rußland 1»uv^ England S slu. Amerika SO cts* Niederlande 1*90 fl.) Abonnementbei allen Postaustalten, Buchhandlungen, sowie dir« bei der Expedition. HeftauSgabe nur direkt. Inserate: so Pfennig für die sechsgespaltene Eolonel-Zelle; Rabatt nach Tarif. Jnseratenanüahme nur durch iuHaasenstein u. Bögler A.-G. - Skonto bei de« 8. ft« Postsparkasse «Mot Sko. 79605. Frankfurt a. M. und deren Filialen. Skonto bet der Äi«aer Skommergbank in Riga Skonto bet de« ft. Postfparkaffenamt Bndapest Ro, 18484 ♦___und deren Filialen in DwinSk» Libau, Bialhstok, Reval und Lod Der Uereinstag der „freien Uereinfgnng für die Interessen des orthodoxen Judentums" in Berlin am 2$. nnd 26. Dezember. Zwanzig Jahre sind es her, seitdem die „Freie Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" auf Grund eines Aufrufs Samson Raphaels Hirsch's ins Leben trat. Es war, die Erkenntnis drängt sick heute deutlicher als je auf,?in genialer Gedanke des großen Mannes, daß er bei all seinem in hohem Grade individualistisch gearteten Fühlen die Notwendigkeit eines organisierten Zusammenschlusses der Gesetzestreuen erkannte und sein Lebenswerk dadurch krönen wollte, daß er dem wiedererweckten Geiste deS feinet Aufgabe bewußten gesetzestreuen Judentums in Deutschland den organisierten Körper schuf. Seit jener Zeit hat das Prinzip des s o z i a l e n Zusammenschlusses im allgemeinen Zeitbewußsein und mehr noch im Kreise der Judenheit ungeahnte Fortschritte gemacht, sodaß die gemeinschastbildende Kraft einer Idee recht eigentlich zum Prüfstein für ihre Lebenskraft und Lebensfähigkeit geworden ist. Je mehr demgemäß im jüdischen Kreise Zweckverbände und Vereinigungen aller Art sich bildeten — gewiß ein Zeichen triebkräftigen Lebens — desto gebieterischer erhob sich die Notwendigkeit für die Bekenner des altüberlieferten Judentums, ihre Organisation extensiv und intensiv mit allen Mitteln der Zeit zu stärken, wollten sie nicht von den ihrem Lebensprinzip feindlichen oder gleichgültigen Zeitströmungen überflutet und hinweggeschwemmt werden. . Daß der Wille da ist, ein starkerund kräftiger Gesamtwille, zum Aufbau einer solchen gesetzestreuen Organisation, und daß die Grundlagen dazu bereits geschaffen sind — das hat der erste öffentliche Vereinstag der „Freien Vereinigung" vor aller Welt erwiesen. Er hat den Mut und die Freudig keit zur Arbeit geweckt, hat die Wege gewiesen zum weiteren Schaffen — jetzt ailt's diese Arbeit in zäher Ausdauer auch zu l e i st e n, damit die Frucht der festlichen Tage nicht Festesstimmung und Selbstzufriedenheit, sondern ein Zuwachs sei an dauerndem Besitz. Wir geben im Folgenden, an unsere vorn Mitteilungen in voriger Nummer arteigen ausMhrlicheren Bericht über den pie Zusammenkunft am Noravend. Zum Mittwoch Abend hatte die „Freie Vereinigung" ihre Freunde aus Nah und Fern zu einer zwanglosen Zusammenkunft mit den Berliner Gesinnungsgenossen und den Delegierten des „Verbandes der Sabbathfteunde" geladen. Schon vor neun Uhr entwickelte sich im „Burghotel" ein lebhaftes Treiben, sodaß die Räume gar bald zu eng wurden. Hatte ja der Bereinstag aus allen Teilen des Reiches, von Königsberg bis Konstanz, von Posen bis Köln oie besten, erprobtesten Gesinnungsgenossen in großer Zahl nach Berlin geführt und alle Altersklassen, Greife und Jünglinge, Männer und Frauen sah man vertreten — ein rechtes Bol ks Parlament. Auch aus Oe st erreich, Ungarn, derSchweiz, ja aus Rußland waren Freunde unserer Sache herbeigeeilt, um an der Tagung teilzunehmen. Nach wackerer Arbeit fanden sich die Mitglieder der verschiedenen Kommissionen der „Freien Vereinigung", die Dienstag und Mittwoch getagt hatten, fanden sich die „Sabbathfteunde" nach sechsstündiger Sitzung und zahlreiche erst nachmittags angelangte Freunde zum „Appell" ein. Um halb zehn ergriff der Vorsitzende des Vorstandes der Adaß-Jisroel- Gemeinde, Herr I. Rosenblüth, das Wort, um in herzlichen Worten die Erschienenen zu begrüßen. Seine Gemeinde betrachte es als eine hohe Ehre, daß es ihr vergönnt sei, wackere Gesinnungsgenossen aus allen Richtungen der Windrose am heutigen Abend zü bewirt^ und ihnen ein paar gemütliche Stunden-zu bereiten. In der That darf diese „Zwanglose Zusammenkunft" ein viel weitergehenoes Interesse beanspruchen, und sie sollte zu einer dauernden Institution der Vereinstage werden. Ist es doch heute mehr denn je von Nutzen, wenn sich die auf gleichem religiösen Boden Stehenden menschlich näher treten, einander erzählen von ihren besonderen Sorgen und Nöten um die gemeinsame Sache, von Erfolgen und Niederlagen, von „Gelingen und Verdruß" im Kampfe des Alltags. Manches Mißverständnis wird auf diese Weise zerstreut, manch hartes Urtell gemildert, und aus dem in zwanglosem Gespräch neu geknüpften oder erneuerten Bande der Freundschaft kann für das gemeinsame Heiligtum oft reicher Segen erblühen. Erst spät in der Nacht trennten sich die Teilnehmer, um sich für die Arbeit des morgigen Tages zu stärken^ die schon in früher Morgen-' stunde mit einer Sitzung des Propaganda-Ausschusses einsetzte. Me öffentliche Kanplversammtung. -Dank der umsichtigen Tätigkeit des Berliner Ortsausschusses war der geräumige Oberlichtsaal der Philharmonie schon vor der festgesetzten ‘ zMr dicht gefüllt, aber nicht überfüllt: Hunderte von Anmeldungen hatten wegen Platzmangel« zurückgewiesen werden müssen. Vierzig Ordner — den jugendlichen Reihen der Berliner „Bereinigung jüdischer Akademiker", des Vereins „Montefiore" u. a. entnommen — sorgten unter der Oberleitung des Comitös für mustergültige Ordnung unter den nahezu tausend Teilnehmern und für die rasche Erledigung aller Beschwerden wegen verlorener oder vergessener Einlaßkarten. Die Rückwand des Podmms war — ein sinniges Festsymbol — geschmückt mit den Bild- . niffen der beiden Großen, deren Lebensarbeit de« Boden für das große Werk des Times bereitet hat: Samson Rapbael Hirfcy^ urch Israel Hildesheimer V'XT. Um IV fA Uhr betraten die Mitglieder des Vorstandes mit den drei Referenten das Podium, und lauttose Sttlle herrschte, als sich der Vorsitzende Rabb. Dr. Breuer-Frankfurt a. M. erhob um die Versammlung zu eröffnen. Der Vorsitzende führte etwa Folgendes aus: „Hochgeehrte Versammlung! Im Namen des Vorstandes und des Ausschusses der „Freien Bereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" habe ich die Ehre, Sie herzlichst zu begrüßen und willkommen zu heißen. Daß Sie aus Rah und Fern, aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes erschienen sind, um an unserem ersten öffentlichen Beremstage teilzunehmen, beweist zur Genüge, welch reges Interesse Sie den Bestrebungen der „Freien Bereinigung" entgegenbringen, wofür wir Ihnen nicht herzlich genug danken können. Hochansehnliche Versammlung! Zum ersten Male hält die „Freie Bereinigung" ihren Bereinstag außerhalb des Vorortes Franllurt a. M. ab. Es bedeutet dies einen erfreulichen Wendepunkt in der Geschichte unserer Vereinigung und ich darf wohl sagen, auch in der Geschichte der orthodoxen Judenheit Deutschlands. Mehr als zwei Jahrzehnte sind verstrichen, seitdem mein hochverehrter Vorgänger, der unvergeßliche Rabbiner Samson Raphael Hirsch s. A., diese Bereinigung ins Leben gerufen. Die Ziele, die er mit dieser Schöpfung verfolgte, sind jedermann bekannt, sie sind statutarisch festgelegt. Für diese Ziele wollte er alle vorhandenen Körperschaften und Gemeinschaften, die ihre heiligsten Gefühle demselben Heiligtum des göttlichen Gesetzes weihen, für das er mit fernem Herzblut gekämpft, zu gemeinsamer Arbeit veremigen. Jeder einzelne Jude jedoch, der nur immer sein Scherflein ideeller und materieller Kraft zu dieser gemeinsamen Arbeit ernst -und aufrichtig beitrageu wollte, war ihm willkommen, und er begrüßte ihn als Mitkläger und Mitarbeiter aus das Freundschaftlichste. Rur mit Körperschaften, die auf einem von dem seinen grundsätzlich derfchiedeneu Boden stehen, wollte er in rein d Beziehung keine gemeinsame Sache mache». lonrite und durste er nicht. ‘ Bon diesem Prinzips ausgehend hatte et unter Mitwirkung gleichgesinnter Freunde Jahre vwcherseine Mustergemeinde, die Israelitische Religionsgesellschaft * *iU Frankfurt a. M. gegründet, hat er auch F“ "— Bereinigung" geschaffen. Daß er mit diesem fern, Prinzipe nüht allein Saud, braucht nicht erst hervor- . gehoben zu werde«, kern Geringerer als Rabbiner Dr. . .... -- -i —

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