Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 48 (1907)
- Issue
- Heft 50 (12.12.1907)
- Date
- 1907-12-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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RHumen und gedachte wehmütig verganm schöner Tpge. In der kommenden Woche erwartete er die ifunft seiner Kinder, dann würde fein wackerer Sohn wieder tagtäglich zu ihm kommen Ed seine anmutige Schwiegertochter auch zu- Ittetten — gewiß, bann würde er sich weniger allein fühlen — aber allein war er doch. Sin leichtes Klopfen an der Zimmertür weckte ihn aus trübem Sinnen und auf sein einladendes herein" trat einer seiner Bekannten mit heeundlichem „guten Sübbat" in das Zimmer. „Guten Sabbath, Herr Meier, bitte setzen Sie das ist schön von Ihnen, daß Sie sich auch bei mir armem Einsiedler sehen lassen." „Ich wollte mir schon längst das Vergnügen i" erwiderte der Andere um sich blickend, in Ihrer armen Einsiedelei, wie Sie es nennen, sieht es doch nicht gar so armselig aus." Beide lachten, aber beider Lachen war ersichtlich erzwungen. „Sie nennen sich einen warmen Einsiedler", fuhr Meier fort, „aber mir scheint, gar. Mancher möchte mit Ihnen tauschen." S ,/Jch beklage mich auch nicht", entgegnete Gvtthold. £■: ,^Vorüber könnten Sie sich auch beklagen? Wie haben einen braven Sohn, der, wie man zu "sagen Pflegt, das Blaue vom Himmel für Sie herunter holen möchte, und ihre Schwiegertochter W auch brav und ein schönes Enkelkind haben Sie auch — aber das Beste haben Sie dennoch ' nicht, das fehlt Ihnen" —. Gotthold atmete schwer auf. „Sie haben Recht, das Beste fehlt mir — Gott hat es mir ' entrissen — was Gott einem auferlegt, das muß ^.uum in Ergebung tragen." J „Sie haben Recht, Herr Gotthold, was Gott ABbtem auferlegt, daß muß man in Ergebung Miragen. Und . alle Welt weiß, daß Sie das »were, das Gott Ihnen auferlegt hat, in Ergebung getragen haben, - Aber mein lieber Herr Gottholo, Sie wissen es so gut wie ich, wenn Einem das Haus vorzeitig einstürzt, so soll man es wieder aufbauen. Sie sind doch noch frisch und gesund uud durchaus noch nicht zu alt, und das Herz tut einem weh, wenn man Sie da so allein steht." — Gotthold atmete schwer auf und blickte sinnend vor sich nieder, erwiderte jedoch nichts. Der Andere fuhr nach kurzer Pause fort. „Ich möchte nicht zudringlich werden, Herr Gotthold, bewahre der Himmel, das möchte ich nicht. — Aber Sie dürfen es einem alten Freunde nicht übel nehmen, wenn er Sie erinnert, namentlich, wenn er sieht, wie Sie sich allein fühlen." „Das ist nur jetzt", entgegnete Gotthold gepreßt, „weil meine Kinder verreist sind — heute über acht Tage will's Gott sind sie wieder hier." „Aber wenn Ihre Kinder auch hier sind, meistenteils sind Sie doch allein. Und das weiß ich mit vollster Bestimmtheit, wenn Sie Ihre edle, fromme Heimgegangene Gattin fragen könnten, ob Sie so allein bleiben sollen oder ob Sie Ihr Haus von neuem aufbauen sollen, so würde Sie Ahnen sagen, Sie sollen sich eine brave, fromme, frische uud gesunde Gattin wählen und Ihr Glück aufs neue gründen." „Da haben Sie Recht, das würde meine fromme edle Gattin sagen, wenn auch nicht grade mit denselben Worten, aber jedenfalls in demselben Sinn." „Aber mein lieber Herr Gotthold, nehmen Sie es mir nicht übel, wenn Sie also wiffen, daß die edle Heimgegangene Ihnen das sagen würde, warum sagen Sie sich das nicht selbst?" Gotthold fuhr sich wiederholt mit der Hand über die Stirn, dann stand er auf und ging einige mal sinnend im Zimmer auf und nieder, es schien als habe er die Anwesenheit des Andern vergessen. Dieser räusperte sich endlich und sprach: „Nun Herr Gotthold, warum reden Sie nicht?" „Was soll ich reden?' versetzte dieser gezwungen lächelnd, „Unrecht kann ich Ihnen nicht geben." „Nun also — ich weiß ja, Sie können mir nicht Unrecht geben — jeder vernünftige Mensch muß mir beipstichten." „Ich Pflichte Ihnen auch bei — das heißt in der Theorie. Aber den Entschluß fassen, eine zweite Gattin zu wählen, das könnte ich nur, wenn ich sicher wäre, daß mein Sohn mit meiner Wiederoerheiratung einverstanden wäre." (Fortsetzung folgt.) Zustellung des Israelit! Sämtliche für unsere Post - Abonnenten. bestimmten Exemplare liefern wir der hiestgen Zeitungsstelle Donnerstag abend ein» so daß jeder Abonnent innerhalb Deutschlands spätestens Samstag in den Besitz der Zeitung gelangen muß Sollte in der Zustellung des Blattes eine Verspätung Vorkommen oder eine Nummer gänzlich auSbleiben, so bitten wir dringend» bei dem Postamte am Wohnort deS Abonnenten reklamieren zu wollen. DaS betreffende Pdstamt ist verpflichtet, unverzüglich von dem hiesigen Postzeitungsamt Nachlieferung der fehlenden Nummer zu verlangen. Erfolgt jedoch auf diese Beschwerde hin, .keinem Remedur» so bitten wir, erst dann uns entsprechende Mitteilung zu machen. Nur Abonnenten, die unsere Zeitung unter Streifband zugestellt erhalten, wollen direkt bei uns Reklamationen einreichen. Verlag des Israelit. G. m. b. H. Frankfurt a. M., Hansabaus. Flr den Inseratenteil ist die Redaktion nicht verantwortlich; insbesondere Ist es ausschliesslich Sache der Leser, die ln Inseratenteil enthaltenen Empfehlungen rltnellerWaren oder Sonstigeingaben rellglonsgesetzllchen Charakters auf Ihre Zuverlässigkeit zn prüfen. '• ibo geschlachtet auf Wunsch auch "WD gemacht mit Attest seiner Hpofiwflrden des Herrn orth. ' Oberrabbiners Eduard Deutsch Bonyhäd versendet in brutto IO Pfd. Postpackete Volhswrtspiiafilieiie Sparkasse A. 6. Gefliigitond Obstexpörtkbteiiung PlUttHfeiUafHUWa (UHgärll). Wiesbaden. 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