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Der Israelit · 1907-11-21 · Heft 47 (21.11.1907) · page 1

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Journal
Der Israelit
Volume
48 (1907)
Issue
Heft 47 (21.11.1907)
Date
1907-11-21
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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21. November 1907 Klslero 5668. 48. Jfltammg. wanMurf a.M M « Der Israelit erscheint je-eu Donnerftas. HMMKimMti Sewlhnkiche Ausgabe Mt. Ich» »lerteljlbrlich, Heftausgabe auf Aun-druckpapier Mt. 3-— Viertevshrtich. cAuStaudSUreiie fit« siegewShnliche Ausgabe: Öekerreich»Ungaru S Kr^ Xu&attb 1 Bab., England S sh., Amerika 60 cte, Niederlande ILO fl.) Abonnementbei allen Postanstalten, ^rchhandlmrgW, sowie direkt dyi tat Akpchition. HeftanSgade nur direkt. Jnkeentar SO Pfrnniae für die sechsgespaltene Lolonel-Zeile; Rabatt nach Tarif. Jnseratenannahme nur dwech Haasenstein u. Bögler A--G. A. Gonty. Hei d« «. Jt* Paftftmrkasse «Sten »ko. 79666. . Frankfurt a. M. und deren Mlialen. «onlo bei der «i-aer «anmeerzdank in Riga *»tO Seid«« A.VsWparrais«»a«t Mr bitten um um gellen Se 6infendung der noch röM&idigen nbonnemenfsbeträge für das Z- und 4. Quartal. Unsere ttbsnnenten in Oefferreirfi-Ungarn bitten wir fltfi unserer bei Ser K. K Poüfpar- Kssse Men (Cto.-Iio 79605) und bei dem K. PofftbarbaHenamt Budapeif (Cto.-no. 18424) erröteten Conti bedienen w moilen. SabMelien in Rußland bei der Rigaer Commeftbaiiit in Riga, und deren Filialen in Owlnsk. bibau, Blttluffoh, Reval und bodj. Oerlag des „israeiit", 6 m b. 8. km bsälZLbei» NoviiLtoNäkpsracttez. Es ist von jeher das Verhängnis jeder auf äußere Loyalität und innere Unrechtmäßigkeit gegründeten Macht gewesen, daß sie in dem Kampfe gegen das elementare Rechtsgefühl des Volkes zu immer verzweifelteren Mitteln greift verzweifk „ . und dadurch das Verhängnis beschleumgt, gegen das. .es. por dem Wchterstuhl der GesHichte doch kettteu Gchutz Mehr gibt. Ein klassisches Exempel auf dieses Naturgesetz oder historischen EntwiMung bietet in diesen aufgeregten Zeitläuften der Großherzoglich Badische Oberrat der Israeliten im allgemeinen und sein Spiritus reotor, der Herr Geheime Oberregierungsrat Dr. Mayer, im besonderen. Es ist ein wahrer Jammer, daß dieser Mann, dem guter Wille und lebendiges jüdisches Interesse nicht abgespröchen werden kann, und der, als einfaches Mitglied, jeder jüdischen Reformgemeinde zur Zierde gereichen würde, vom Schicksal dazu auserkoren scheint, das System der in Verwaltung umgesetzten Religion auf die Spitze zu treiben und eben dadurch in Grund und Boden zu ruinieren. Hier das neueste Pröbchen der badischen Religionstechnik. Man weiß, daß der verehrte Herr Dr. Mayer in der berühmten ScherbengerichtS- Sitzung der Badischen Synode sich unter anderen kernigen Sprüchen auch eine neue Austage seiner früher schon gedruckten beleidigenden Charakteristik seiner orthodoxen Untertanen geleistet hatte. Gerade im Kreise der gesetzestreuen Juden sollte es nach Herrn Dr. Mayer an „genügender Bilbung", an „verträglicher Gesinnung" in Berbindung mit der.(im Gesetz nirgends vorgeschrisbeyey) sirOaken Rangstufe fehlen und auf diese Weise die Aschenbrödel-Rolle gerechtfertigt sein, die man im Reiche des Oberrats den Vertretern des alten, historischen Judentums zuweist. Wenn die gesetzestreuen Juden Badens auf diese öffentliche Herausforderung geschwiegen hätten, so würden sie das C cksal in .'er Tat verdient hab-m. >« s der Badiscye Oberrat ihnen bereiten möchte. Sie waren es der Sache schuldig, die sie ja mit ihrer Be son vor den Augen der Welt vertreten, sich nicht zu sittlichen Persön-' lichkeiten zweiten Grades degradieren zu lassen, waren es der jüdischen Gesamtheit ftWlhig, gegen den empörenden Verdacht zu protestieren, als gediehen nur im Lichte des funkelnagelneuen neologen Judentums die Blüten echter Bildung und sozialer Gesinnung, dadrunten aber irr der Nacht der mittelalterlichen Orthodoxie da wohne. — . so malt sich im Kopfe des Badischen Oberrates die Welt — Unbildung und Streitsucht und wie die sitttichen Gebrechen alle heißen, die ihren Trägern den Zutritt zu den heiligen Hallen des Badischen Oberrates versperren. Der Protest gegen diese das ganze Judentum beleidigende Anschauung blieb denn glücklicherweise auch nicht aus; er erschien in den letzten Tagen des März, unterzeichnet von den berufenen Vertretern der badischen Orthodoxie, dem Vorstande des „Vereins zur Wahrung der Interessen des gesetzestreuen Judentums in Baden"—, und die kernige Sprache dieses Protestes hat gewiß nirgends in der Welt, wo nur ein Fünkchen von Verständnis für Manneswürde und religiöses Ehrgefühl vorhanden ist, irgendwelches Erstaunen hervorgerufen. Nur in der stillen Amtsstube, allwo im Schatten einer verjährten Würde der Herr Geheime Oberregierungsrat Dr. Mayer die Geschicke der badischen Judenheit lenkt, da herrschte einen Augenblick sprachlose Verblüffung. Wie? Ein Protest badischer Israeliten gegen eine wohlweise Religionsbehörde, deren väterlich mahnendes Wort, auch wenn es verwundet, mit der gebührenden Ehrfurcht schweigend hinzunehmen ist? Und nun gar — heilige Justitia! — die Namen zweier leibhaftiger Synagogenräte (zu deutsch: Gemeindevorsteher, D'O^S) unter dem Proteste zweier — badischer — Synagogenräte!! Früher freilch, in jenen besseren Zeiten, als noch der alte Feuergeist der jüdischen Lehre Gemeinden und Gesamtheit durchdrang, als man den Nacken beugte vor den totbringenden Schlägen der äußerenFeinde, aber innerlich aufrecht blieb als freier jüdischer Mann, als freie jüdische Gottesgemeinde — da ivaren es die Gemeinde-Vorsteher vor allem, in denen sich die Ehre des jüdischen ■vdx, der Mannesmut und die sittliche Kraft des Botkskreises, der sie erwählt, verkörperte. Von solchen Männern aber mag man in dem Lande der zur Berwaltungstechnik gewordenen Religion nichts wissen. - Der oberste jüdische Beamte der Landessynagoge hat in offener Synodalsitzung einen recht deutlich erkennbaren Kreis von glaubenstreuen Gliedern dieser Landessynagoge gekränkt — die Getretenen wehren sich, die zunächst Getroffenen protestieren,»»!» —dieses obersteBe- Hörde, eben die, von deren Vertreter jene Kränkung ausging, wagt es, die Gekritten für ihren Protest durch einen Verweis zu bestrafen! Mit welchem Rechte? So wird Jedermann erstaunt ftagen. Nun, die Sache ist juristisch zunächst sehr einfach zu erklären. Diese ehrenamtlich, wohlgemerkt ehren am tli ch fungierenden OD21L und DVnao ihrer Gemeinden sind in den gesegneten Gauen des Großherzogtums Mayer — Beamte im Sinne des Gesetzes, „Beamte der Landessynagoge" und unterstehen als solche der hochnotpeinlichen Jurisdiktion, desselben Oberrats, dessen Leiter die erbaulichen Betretungen über die Minderwertigkeit der Orthodoxen anzustellen für gut befand. Und diese „Beamte.»"-Eigenschaft' der D'DriS, die das Baud zwischen Gemeinden und Vorstehern zerreißt und diese zu Untergebenen einer Verwaltungsbehörde herunterdrückt, sie ist nicht eine Erfindung des Oberrats, sie ist jetzt durch ein feierliches Reskript des Ministeriums bestätigt worden, das der Oberrat zwar merkwürdiger Weise selbst der Kenntnis des zunächst Beteiligten auffallend lange — von Juni bis, Oktober — vorenthalten hat, das er aber schließlich doch nicht auf die Dauer verbergen konnte. Es ist die Antwort auf den Rekurs des gemaßregetten orthodoxen Synagogenrats und lautet wörtlich: Ministerium der Justiz, des Kultus und des Unterrichts. Nr. 3 6750. Karlsruhe, den 22. Juni 1907. Rekurs des Synagogenratsvorstehers Dr. Adolf. Würzburger in Rappenau betr. Dem Synagogenratsvorsteher Dr. med. A. Würzburger in Rappenau ist mit Bezug auf seinen unterm 2. lf. Mts. gegen das Erkenntnis des Großh.- Oberrats vom 16. April l. I. Nr. 915 eingereichten Rekurs gegen dorthin vorzulegende Bescheinigung zu eröffnen: Nach dem vorliegenden Aktenmaterial hat Gynagogenratsvörsteher Dr. Würzburger in Sb in Gemeinschaft mit anderen Personen in des „Israel« "tarnt 28. März d. I. eine . erklärung gegen den Oberrat der JSraeliten und {

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